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Veröffentlicht am 24.03.2023

Das politische Parkett ist ziemlich rutschig

Schloss Liebenberg. Hinter dem falschen Glanz
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Juni 1907: Adelheid arbeitet immer noch als Hausmädchen auf Schloß Liebenberg. Sie kann den Tod ihrer Mutter nicht verwinden und macht die Fürstin dafür verantwortlich. Diese hatte sich damals geweigert ...

Juni 1907: Adelheid arbeitet immer noch als Hausmädchen auf Schloß Liebenberg. Sie kann den Tod ihrer Mutter nicht verwinden und macht die Fürstin dafür verantwortlich. Diese hatte sich damals geweigert einen Arzt kommen zu lassen, um ihrer Mutter zu helfen. Seitdem denkt Adelheid an Rache, aber sie ist machtlos. Sie braucht diese Stelle, um ihre Familie zu ernähren. Eines Tages findet sie im Kamin einen Brief, den die Flammen nicht erreicht haben. Adelheid erkennt sofort, daß dieser Brief den Fürsten in arge Bedrängnis bringen kann. Sie nimmt ihn an sich und wartet auf eine Gelegenheit, ihn für ihre Zwecke einzusetzen. Als das Baby ihrer Familie stirbt und ihr kleiner Bruder schwer krank wird, muß Adelheid handeln. Sie verkauft den Brief an einen Unbekannten, der sie vor einiger Zeit angesprochen hat und Informationen aus dem Schloß wollte. Mit diesem Geld kann sie die größte Not ihrer Familie abwenden, doch sie ahnt nicht, was sie für eine Katastrophe ausgelöst hat. Zu spät merkt sie, daß sie zum Spielball der Mächtigen und ihrer Widersacher geworden ist,

Die Geschichte von "Schloß Liebenberg" wird mit dem Roman "Hinter dem falschen Glanz" weiter erzählt. Hanna Caspian hat diesmal das Hausmädchen Adelheid in den Vordergrund gestellt. Sie erzählt aus ihrer Sicht die unglaublichen Vorkommnisse auf Schloß Liebenberg, die historisch belegt sind. Zusammen mit den fiktiven Handlungen aus dem Leben der Bediensteten ist ein toller Roman entstanden. Die politischen Verstrickungen und das Gerangel um Macht sind sehr kompliziert. Man kann nur staunen, mit welchen Tricks dabei gearbeitet wurde. Hanna Caspian stellt dies gut und verständlich dar, so daß dieser Teil der Geschichte nicht zu unübersichtlich wird. Die einzelnen Schicksale der Bediensteten machen sehr betroffen. Jeder hat sein Geheimnis, doch es ist besser, niemandem zu vertrauen. Jeder kämpft für sich allein um ein besseres Leben.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Gerade durch den geschichtlichen Hintergrund ist es ungemein spannend.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Die Venus von Schilksee

Quallenplage
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Telse Himmel zieht von Hamburg nach Schilksee an der Kieler Förde. Sie freut sich auf Ruhe, doch damit ist es schnell vorbei, als die Grundschullehrerin Kirsten Reinfeld tot an den Strand getrieben wird. ...

Telse Himmel zieht von Hamburg nach Schilksee an der Kieler Förde. Sie freut sich auf Ruhe, doch damit ist es schnell vorbei, als die Grundschullehrerin Kirsten Reinfeld tot an den Strand getrieben wird. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Telse und ihre Freundin Wanda Holle können dies nicht glauben, schließlich war Kirsten eine geübte Schwimmerin. Wanda beschließt, daß sie gemeinsam mit Telse die Ermittlungen in die Hand nehmen muß. Doch je tiefer sie ihre Nasen in den Fall stecken, desto komplizierter und gefährlicher wird es für sie beide...

Was für ein herrlicher Krimi aus der Kieler Förde! Susanne Bergstedt fängt mit ihrem Krimi "Quallenplage" das ganz besondere Flair dieser wunderschönen Region auf perfekte Weise ein. Ich kenne diese Region inkl. Schilksee und Strande selbst sehr gut und ich hatte hier wirklich das Gefühl direkt dort zu sein und konnte die kabbelige See während der Fahrt auf dem Fördedampfer richtig spüren. Es wird alles so toll beschrieben - angefangen von der besten Fischbrötchenbude der Region bis hin zum Segelclub. Ja, ich liebe diese Region genauso sehr wie Susanne Bergstedt und kann es dank diesem Buch kaum erwarten, bis ich endlich wieder dort bin. Der Fall selbst ist auf angenehme Art spannend. Nichts wirkt übertrieben, man kann alles gut nachvollziehen und es fügt sich alles gut zusammen. Was ziemlich gemütlich beginnt, endet mit einer gefährlichen Situation für Wanda und Telse, die beim Lesen den Atem raubt. Die beiden Freundinnen haben mein Herz mit ihrer sympathischen Art auf Anhieb erobert - genau wie ihre Nachbarn Camilla, die zunächst ein wenig speziell herüberkommt und ihrem Mann Olaf, der Polizist ist und von den Aktionen, die Wanda und Telse so starten, wenig begeistert ist. Sie alle hätte man gern selbst in seinem Freundeskreis, man bangt mit ihnen und freut sich, wenn alles gut für sie ausgeht.
Für mich hat Susanne Bergstedt hier einen perfekten Krimi vorgelegt, der alles beinhaltet, was ich mir wünsche. Ich hoffe wirklich sehr auf weitere spannende Fälle mit Wanda und Telse an der Kieler Förde!

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Veröffentlicht am 19.03.2023

Aufruhr im Kleingarten-Paradies

Hochmut kommt vor dem Farn
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In der Kleingartenkolonie "Harmonie" herrscht blankes Entsetzen. Die Schrebergärten sollen platt gemacht werden und auf dem Gelände soll eine Fabrik für Indoor-Gardening-Systeme entstehen. Das nennt man ...

In der Kleingartenkolonie "Harmonie" herrscht blankes Entsetzen. Die Schrebergärten sollen platt gemacht werden und auf dem Gelände soll eine Fabrik für Indoor-Gardening-Systeme entstehen. Das nennt man dann wohl Ironie des Schicksals. Die Kleingärtner, allen voran ihr Vorsitzender Manne Nowack, haben protestiert und alles versucht, die verantwortliche Politikerin umzustimmen. Leider ohne Erfolg. Da wird im angrenzenden Wäldchen die Leiche genau dieser Politikerin gefunden. Sofort werden natürlich die Schrebergärtner verdächtigt, ihre Widersacherin umgebracht zu haben. Das können Manne Nowack und seine Partnerin Caro von Ribbek nicht hinnehmen und sie ermitteln im Umfeld der prominenten Politikerin. Sie stellen fest, daß diese nicht immer mit fairen Mitteln gearbeitet hat. Doch immer wieder geraten auch ein paar besonders wütende Schrebergärtner in Verdacht. Für Caro und Manne ist das nicht einfach, denn sie wollen nicht glauben, daß ein Vereinsmitglied ein Mörder sein könnte.

Im dritten Schrebergarten-Krimi mit dem Titel "Hochmut kommt vor dem Farn" geht es wieder turbulent zu. Mona Nikolay hat der Schrebergarten-Szene genau in die Karten geschaut. Alle Typen, die das Leben so hergibt, sind vertreten und man glaubt sofort den Einen oder Anderen zu kennen. Doch diesmal habe ich die herrlich schrägen Dialoge zwischen Manne und Caro etwas vermisst. Sie machten die Geschichten immer so besonders. Stattdessen war Manne diesmal sehr grüblerisch und zog Caro damit richtig runter. Spannend war der Krimi aber auf jeden Fall. Die Einblicke in das Leben der Politikerin waren sehr interessant. Ich kann mir vorstellen, daß einiges durchaus real sein könnte. Ein spektakulärer Schluß rundet die Geschichte dann toll ab.
Ich warte schon sehnsüchtig auf einen vierten Teil und hoffe, daß Manne dann seine kleine Krise überwunden hat und wieder in Hochform ist.

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Veröffentlicht am 14.03.2023

Nach 17 Jahren noch immer top

Ostfriesengier
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Nachdem die neue Polizeidirektorin Elisabeth Schwarz ihre Antrittsrede beendet hat, explodiert auf dem Parkplatz vor der Polizeiinspektion das Auto des BKA-Mitarbeiters Dirk Klatt. Elisabeth Schwarz hat ...

Nachdem die neue Polizeidirektorin Elisabeth Schwarz ihre Antrittsrede beendet hat, explodiert auf dem Parkplatz vor der Polizeiinspektion das Auto des BKA-Mitarbeiters Dirk Klatt. Elisabeth Schwarz hat das Gefühl, daß Ann Kathrin Klaasen wußte, wie gefährlich der Job wirklich ist... Doch diese will nur wissen, wer und warum diese Bombe gelegt wurde.

Als Leser der ersten Stunde freue ich mich jedes Jahr auf den neuen Fall für Ann Kathrin und ihr Team. Auch der 17. Fall "Ostfriesengier" ist wieder mehr als spannend. Ich frage mich immer wieder, woher Klaus-Peter Wolf seine Ideen her holt. Er schafft es mit jedem Buch dieser Reihe, mich von Beginn bis Ende atemlos lesen zu lassen. Mir gefällt aber nicht nur die spannende Handlung rund um den Kriminalfall sehr gut, sondern auch das drumherum. So mag ich die Charaktere genau so, wie sie sind. Egal ob Ann Kathrin, Frank und auch Rupert - sie müssen genau so sein. Rupert ist halt ein Macho durch und durch und tappt dadurch immer wieder von einem Fettnäpfchen ins nächste. Dies bringt für mich etwas Humor in die Handlung, denn über ihn kann ich mich herrlich amüsieren. Dabei ist er aber auch eine Stütze des Teams, denn er ist stets da, wenn er gebraucht wird. Klaus-Peter Wolf hat ein ganz besonderes Händchen für Regionalität. So findet man in seinen Büchern immer wieder ostfriesische Persönlichkeiten wie z. B. seine Frau, den Malermeister Peter Grendel oder andere Autoren. Aber er besteht auch darauf, daß die hier genannten Örtlichkeiten real existieren und auch in den Verfilmungen nicht verfälscht werden. Dies ist für mich ein ganz großer Pluspunkt. Als jahrelanger Norden-Norddeich-Urlauber erkenne ich hier alles wieder und war schon im beliebten Café Ten Cate, als es diese Serie noch gar nicht gab. Umso schöner ist es, daß diese typischen Orte bei ihm immer wieder eine Rolle spielen.
Ich hoffe wirklich sehr, daß diese Serie noch lange weiter besteht und mein Bücherregal füllen wird!

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Veröffentlicht am 13.03.2023

Medusa einmal anders

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Medusa wird als sterbliche Tochter von Keto und Phorkys von ihren Schwestern, den Gorgonen Stheno und Euryale, großgezogen. Im Gegensatz zu ihren Schwestern ist sie eine Schönheit - was auch Poseidon nicht ...

Medusa wird als sterbliche Tochter von Keto und Phorkys von ihren Schwestern, den Gorgonen Stheno und Euryale, großgezogen. Im Gegensatz zu ihren Schwestern ist sie eine Schönheit - was auch Poseidon nicht entgeht. Er vergeht sich an ihr - was den Zorn Athenes auf Medusa zieht. Sie verflucht sie, von nun an trägt Medusa, so wie ihre Schwestern, Schlangen als Haare und alles, was sie ansieht, verwandelt sich zu Stein. Doch Perseus macht sich auf den Weg, um ihr den Kopf abzuschlagen. Dies ist die Bedingung, um seine Mutter vor einer ungewollten Heirat zu retten.

Mit "Stone Blind - Der Blick der Medusa" reiht sich Natalie Haynes in die Liga der großartigen Autorinnen von Adaptionen griechischer Mythologie ein. Dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Kapitel, die über angenehme Längen verfügen, beschreiben jeweils wechselnd die einzelnen Götter. Man erlebt so die Handlungs- und Denkweisen aller mit, die mit der Sage um Medusa zu tun haben. Diese Weitläufigkeit der Handlung hat mir sehr gut gefallen, denn alles hängt letztendlich mit Medusas Schicksal zusammen. Nebenbei lernt man so manche Figur von einer ganz anderen als der bisher bekannten Seite kennen. So ist Medusa hier nicht das Monster, sondern ein Mädchen, welches eher zart besaitet ist und Perseus nicht der große Held, sondern eher der Naivling, der ohne die Hilfe von Athene und Hermes überhaupt nicht wüsste, was er tun soll. Gerade er hat hier für einigen Humor gesorgt. Einzig störend empfand ich die Kapitel, in denen der Leser persönlich angesprochen wird. Dies hat etwas den Lesefluss unterbrochen. Auch das Kapitel, in dem die Schlangen von der Enthauptung Medusas berichten, fand ich etwas albern und passte nicht zum Buch. Ansonsten hat die Autorin diese Geschichte einfach wunderbar erzählt. Ihr Stil ist locker und leicht lesbar und dieser Ausflug in die griechische Mythologie wurde dadurch zum Genuss!

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