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Veröffentlicht am 14.03.2023

- spannender, aber überfrachteter und utopischer Klima-Thriller -

Oxygen
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Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff
(FISCHER Tor)

- spannender, aber überfrachteter und utopischer Klima-Thriller -

Mittelmeer, nordwestlich der italienischen Insel Pantelleria, in der näheren ...

Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff
(FISCHER Tor)

- spannender, aber überfrachteter und utopischer Klima-Thriller -

Mittelmeer, nordwestlich der italienischen Insel Pantelleria, in der näheren Zukunft. Die 42-jährige Meeresbiologin Dr. Laura Lombardi befindet sich auf dem Forschungsschiff Trieste. Die vorgenommenen Messungen der Meerestemperaturen ergeben für die Jahreszeit viel zu hohe Werte. Bei der Untersuchung des Phytoplanktons stellen sich obendrein erschreckende Unregelmäßigkeiten heraus. Die Ein- und Mehrzeller verschiedener Proben aus unterschiedlichen Meereszonen, produzieren keinen Sauerstoff mehr. Sehr zum Entsetzen der Ozeanografin weist das Phytoplankton, das 70 bis 80 Prozent des Sauerstoffs unserer Atmosphäre produziert, offensichtlich weltweit Zellschäden auf. Die Suche nach der Ursache und wie man diese aufhalten oder gar rückgängig machen kann, gestaltet sich als äußerst schwierig, hat aber oberste Priorität für Laura und ihr Forscherteam. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

In seinem brandaktuellen Klima-/Öko- und Wissenschafts-Thriller "Oxygen-Welt ohne Sauerstoff", entwirft Bestsellerautor Andreas Brandhorst ein komplexes Schreckensszenario, das in diesen Ausmaßen hoffentlich niemals Anspruch auf Realität erheben wird. Die fiktiven Fakten und Ereignisse wurden von dem 66-jährigen norddeutschen Schriftsteller in eine, zunächst sehr interessante und eingängige Story eingebettet, welche sich auf internationalem Terrain bewegt und bisweilen an Marc Elsberg, Andreas Eschbach oder Uwe Laub erinnert.

Niemand nimmt Dr. Laura Lombardi oder ihr Institut ernst. Wirtschaftliche und weltpolitische Interessen, weitreichende Umweltsünden und kriminelle Machenschaften treten in den Vordergrund. Doch als die Mitarbeiter des astrophysikalischen Observatoriums von Catania herausfinden, was dem Phytoplankton und den Pflanzen die Möglichkeit zur Fotosynthese nimmt, ist es bereits zu spät. Das große Massensterben hat längst begonnen.

Andreas Brandhorst führt im Laufe seines 608 Seiten umfassenden Romans "Oxygen-Welt ohne Sauerstoff" eine Unmenge an Protagonisten ein, woraufhin der Leser innerhalb der vielen verschiedenen Handlungsstränge allmählich den Überblick zu verlieren beginnt. Durch die häufigen und weit auseinanderliegenden Szenenwechsel kann man kaum Sympathien oder emotionale Bindungen zu dem üppigen Personal aufbauen, worunter Atmosphäre und Emotionalität leiden. Auch die wissenschaftliche Thematik, die in ihrem Kontext hinreichend und verständlich erläutert wird, ist mir innerhalb ihres konservativen, faktenbasierten Sprachrahmens, etwas zu trocken und nüchtern rübergebracht. Die Auseinandersetzung mit dem politischen Kalkül und der Klüngelei war mir in diesem Falle ebenfalls too much. Der Spannungsbogen wird zwar den gesamten Roman über straff gehalten, aber der Polit-, Agenten- und SciFi-Thriller wird mir persönlich ab der Hälfte etwas zu spekulativ. Hierdurch avanciert "Oxygen" zu einer Utopie, die leider arg konstruiert und gnadenlos überfrachtet wirkt.

Während mit Hochdruck an der Lösung des todbringenden Problems gearbeitet wird und sich der Sauerstoffanteil in der Atmosphäre von ca. 21 % nach und nach auf unter 16 % verringert, ächzen Flora und Fauna unter den widrigen Umständen. Bedauerlicherweise geht Andreas Brandhorst kaum auf die chemischen Zusammenhänge des Problems, wie auch seiner vermeintlichen Lösung ein. So fühlt man sich als Leser im Unklaren gelassen und vor vollendete Tatsachen gestellt, wodurch Ursache und Effekt an Glaubwürdigkeit verlieren. Brandhorst exerziert sein destruktives Gedankenkonstrukt bis zum bitteren Ende durch und zeigt dabei die Verrohung der Gesellschaft nur allzu deutlich auf. Naturgemäß erhält das apokalyptische Geschehen dabei einen tristen, aussichtslosen Anstrich. Ähnlich wie in Phillip P. Petersons Katastrophenthriller "Nano" oder Uwe Laubs "Dürre" geht der Autor hier auf die angestaute Wut der Bevölkerung, die gewalttätigen Demonstrationen und die Aufstände ein, die sich in einer explosiv entladenden Anarchie äußern. Irgendwann überschlagen sich jedoch die Ereignisse und Andreas Brandhorst überlädt sein durchaus interessantes Bild der fiktiven Zukunft einer sterbenden Welt, das für mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr greifbar ist. Es entwickelt sich ein sprunghaftes hin und her, das nach einiger Zeit regelrecht anstrengend wird. Da hätte man sicherlich mehr draus machen können.

(Janko)

https://www.andreasbrandhorst.de/
https://www.facebook.com/andreas.brandhorst.autor/
https://www.instagram.com/andreas.brandhorst/

Brutalität/Gewalt: 23/100
Spannung: 61/100
Action: 67/100
Unterhaltung: 73/100
Anspruch: 35/100
Atmosphäre: 52/100
Humor: 02/100
Emotionalität: 25/100
Sex/Obszönität: 03/100

LACK OF LIES - Wertung: 74/100

Andreas Brandhorst - Oxygen-Welt ohne Sauerstoff
FISCHER Tor
Klimathriller
ISBN: 978-3-596-70743-0
608 Seiten
Paperback
Erscheinungstermin: 22.02.2023
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-10-491592-0
Erscheinungstermin: 01.02.2023
EUR 16,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Oxygen-Welt ohne Sauerstoff" bei FISCHER Tor: https://www.fischerverlage.de/buch/andreas-brandhorst-oxygen-9783596707430

Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783596707430

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Veröffentlicht am 06.04.2026

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

The Mailman
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Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, ...

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
(Hoffmann und Campe)

- emotionslos-nüchterner Actionthriller für die breite Masse -

Als die Anwältin Rachel Stanfield und ihr Ehemann Glenn Vaughn in ihrem Haus, in einem ruhigen Vorort von Indianapolis, von vier Männern überfallen werden, droht man ihnen ernsthafte Gewalt an. Rachel kennt einen der Männer. Er nennt sich Finn. Er will die Herausgabe einer eidesstattlichen Erklärung einer ihrer Mandantinnen und den Aufenthaltsort selbiger mit roher Gewalt erzwingen. Nachdem es jedoch an der Tür klingelt und der freiberufliche Paketzusteller Mercury "Merc" Carter vor der Tür steht, gerät die Angelegenheit für Finn und seine Leute gelinde gesagt etwas aus den Fugen. Der Mailman ist nämlich nicht nur der Mailman, sondern zusätzlich ein gut ausgebildeter ex-Inspektor des US Postal Inspection Service. Und der will sein Paket zustellen. Persönlich!

"The Mailman", der erste Teil der "The Mailman Series", welcher im amerikanischen Original 2025 erschien, kommt etwas steif und trocken daher. Andrew Welsh-Huggins nutzt eine emotionslos-nüchterne Mainstream-Schreibe, wie sie austauschbarer kaum sein könnte. Zu glatt, zu konstruiert, zu unglaubwürdig. Die 400 Seiten umfassende Story, des US-amerikanischen Schriftsteller, Journalisten und Publizisten, der seit langem in Columbus, Ohio lebt, hebt sich kaum von anderen 08/15-Werken des Thriller-Genres ab. Tiefgründigkeit sucht man in diesem rein auf Action, Verwirrung und Effekthascherei ausgelegten Thriller vergebens. Solch oberflächliche Plots, die kaum einen eigenen Sound, geschweige denn einen individuellen Sog entwickeln, berühren mich in der Regel nicht. Die einzelnen Punkte mit viel Staffage aufgefüllt und konservativ abgehakt, Charaktere und Lokalkolorit so farbenfroh, wie das nächtliche Fernsehen in den 1970ern, hat man als Leser so einige Dinge zu schlucken, die nicht oder nur unzureichend aufgeklärt werden.

Als Rachel kurzerhand von den Kriminellen aus ihrem eigenen Haus entführt wird, machen sich der Mailman Merc und ihre Ehemann Glenn auf die Jagd nach den Kidnappern. Eine schier endlose und fade Jagd schließt sich an, die die beiden gefühlt durch die Hälfte der USA führt. Eine langwierige Rettungsaktion, bei der mehr spekuliert wird, als an der Frankfurter Börse. Ich musste mich schon arg zusammenreißen, um hier am Ball zu bleiben. Den Hype um die Mailman-Serie kann ich daher beim besten Willen nicht nachvollziehen. Umso komplexer sich die Story zum Schluss hin auch entwickelt, umso wirrer wird sie auch, denn plötzlich konzentriert sich alles auf einen völlig neuen Personenkreis. "The Mailman" hat durchaus ein paar gute Ideen und Szenen, bleibt aber so zäh und uninteressant wie ein Artikel im Feuilleton der FAZ. Im letzten Drittel kommt zwar so etwas wie Spannung auf, doch in seiner Gesamtbetrachtung ist der Roman nicht viel mehr, als Fastfood für die breite Masse. Wer auf Tiefgründigkeit verzichten kann, wird vielleicht sogar mit diesem Thriller zufrieden sein. Dem anspruchsvollen Bücherwurm hingegen wird die Nahrungsaufnahme nicht immer ganz leicht gemacht. Ich bin in die, hinten raus viel zu aufgebauscht Erzählung, bei der letztlich nichts beim Leser hängen bleibt und der es doch arg an Aura und Flair mangelt, beim besten Willen nicht reingekommen. Es steckt bestimmt viel Herzblut in "The Mailman", aber mein Ding ist das wirre und nervtötende Hin und Her nicht. Die Story wäre mit 100 Seiten weniger sicherlich auch ausgekommen, hätte der Autor die Eckpunkte besser verteilt. Zum Schluss hat Andrew Welsh-Huggins alles in seine Story gepackt, was noch geht, doch das kommt reichlich spät. Und das soll sich alles innerhalb von 24 Stunden abgespielt haben? Das ist schon reichlich albern! Für mich wird es daher keinen zweiten Teil der Serie geben.

(Janko)

https://www.andrewwelshhuggins.com
https://www.facebook.com/awhcolumbus
https://www.instagram.com/awhcolumbus/

Brutalität/Gewalt: 58/100
Spannung: 49/100
Action: 59/100
Unterhaltung: 64/100
Anspruch: 26/100
Atmosphäre: 44/100
Emotion: 22/100
Humor: 05/100
Sex/Obszönität: 05/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 64/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der Gewaltszenen)

Andrew Welsh-Huggins - The Mailman
Hoffmann und Campe
Buchreihe: The Mailman Series - Teil 1
Thriller
ISBN: 978-3-455-02105-9
400 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: The Mailman (2025)
Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-455-02120-2
Erscheinungstermin: 04.03.2026
EUR 15,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"The Mailman" beim Hoffmann und Campe: https://hoffmann-und-campe.de/products/83131-the-mailman

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Veröffentlicht am 22.02.2025

- ernsthafter und genretypischer Investigations-Thriller mit subtiler "Vampir-Romantik" -

Die Kolonie
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Die alleinstehende, Anfang 50-jährige Forensische Vampiranthropologin Barbara Atkins wird im November 2024 nach Deadhart, inmitten des Denali-Nationalparks, abgeordnet. Eine Siedlung mit 673 Einwohnern ...

Die alleinstehende, Anfang 50-jährige Forensische Vampiranthropologin Barbara Atkins wird im November 2024 nach Deadhart, inmitten des Denali-Nationalparks, abgeordnet. Eine Siedlung mit 673 Einwohnern in der alaskischen Taiga, etwa eineinhalb Stunden Autofahrt von Talkeetna entfernt. Dort hat man den fünfzehnjährigen Jugendlichen Marcus Anderson tot aufgefunden. Zu dieser Jahreszeit, gilt es vor Ort mit nur fünf Stunden Tageslicht auszukommen. Eigentlich ein Wohlfühlort für Vampire, würde man die exzessive Gewalteinwirkung gegen den Hals des Jungen und damit seine grausame Ermordung, nicht ihnen anlasten. Vor etwa anderthalb Jahren aus dem Exil zurückgekehrt, wollte die Kolonie endlich wieder in ihrem ursprünglichen Stammesgebiet, friedlich neben der Siedlung der Menschen leben. Doch nun schlägt den Vampiren abermals Hass und tiefe Abneigung entgegen. Dass es irgendwann zu einem derartigen Zwischenfall kommen würde, war den Dorfbewohnern von vornherein klar, gab es doch vor 25 Jahren bereits eine ganz ähnliche Begebenheit. Aufgrund des eindeutigen Verletzungsbildes am Hals des Teenagers sind die Schuldigen schnell ausgemacht. Die Dorfbewohner sind sich gegenseitig nicht grün, stecken voller Vorurteile und sind jedem Fremden gegenüber misstrauisch. Detective Barbara Atkins vom Institut für Forensische Vampirstudien soll den Fall, gemeinsam mit Polizeichef Pete Nicholls übernehmen. Dabei stoßen die beiden schon recht schnell auf Widerstand in der Gemeinde und die ersten Ungereimtheiten.

"Die Kolonie" ist ein durchaus ernsthafter und genretypischer Investigations-Thriller, der sich durch seine subtile "Vampir-Romantik" ein klein wenig von dem marktüberschwemmenden Einheitsbrei abheben kann. Zu Beginn mit leicht spöttischem Unterton versehen, entwickelt sich "The Gathering", wie der 2024 erschienene Roman im englischen Original betitelt wurde, allmählich zu einem durchwachsen, weil unspektakulären und konservativen Spannungsroman. Es fehlt der Erzählung an Vitalität und Spritzigkeit, wodurch "Die Kolonie" holprig, konstruiert und leblos wirkt. Obwohl die 1972 in Salisbury geborene Schriftstellerin C. J. Tudor, in ihrem mittlerweile sechsten Gedankenkonstrukt, auf die altbewährte Cliffhanger-Taktik zurückgreift, will der Plot nicht so recht zünden. Das mag zum einen dem Aspekt geschuldet sein, dass die Britin auf den ersten 80 Seiten, ihres insgesamt 480 Seiten umsäumenden Vampir Thrillers, bereits über 30 Personen einführt, zum anderen aber auch der Tatsache, dass sie nahezu sämtliche Stereotypen bedient. Auch wenn diese nicht unbedingt vordergründig thematisiert werden, halte ich es eher für kontraproduktiv, zurechtgelegte, überlagerte Anspielungen und Parallelen zum Kolonialismus, Nationalsozialismus, moderner Kriegsführung, Ku-Klux-Klan, dem intoleranten Bible-Belt, zur gleichgeschlechtlichen Liebe, Geschlechtsumwandlungen, Queerer Community, Prostitution, Missbrauch, Drogenhandel, Beschaffungskriminalität, Klassenunterschieden, Trophäenhandel und Fanatismus in einem belletristischen Unterhaltungsroman sinnbildlich zu verpacken. Mit dieser trivialen Belustigung und ihrer abgegriffenen Kritik möchte C. J. Tudor offensichtlich woke erscheinen, wobei sie mir persönlich deutlich zu sehr mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger herumfuchtelt. Das hat auch einen bitteren Beigeschmack von Frustration.

Es fiel mir ebenfalls schwer, eine Beziehung zu den unzähligen Charakteren aufzubauen, die überwiegend farb- und konturlos bleiben. Die örtliche Kulisse des südlichen Alaskas könnte ebenfalls einnehmender und atmosphärischer ausgestaltet sein. In einem derart winterlichen Wonderland sollte dies zur Orientierung und Bindung doch eigentlich kein Problem darstellen. Auch mit Action wurde sparsam umgegangen, was dem Kriminalfall keinesfalls zuträglich erscheint. Ab und an wird die eigentliche Handlung von den Gedanken einer gefangen gehaltenen Vampirin, sowie von Athelindas gegenwärtigen Leben, als unterdrückte Minderheit in der Kolonie, unterbrochen. Doch eine richtige Story, in der Fortschritte zu verzeichnen sind, entwickelt sich daraus nicht. Das zäh fließende Szenario, das die britische Autorin C. J. Tudor mit "Die Kolonie" entwirft, ist eindeutig zu steif, substanzlos und "faktenbasiert". Tudor folgt dabei sowohl der Logik als auch den Gesetzmäßigkeiten der Samstag-Abend-Krimi-Thriller hiesiger Regionalsender. Dass man sie als Englands weiblichen Stephen King bezeichnet (wie im Klappentext geschehen), empfinde ich als Fan des King Of Horror ziemlich anmaßend. Gefühlt blieb bei mir nicht allzu viel hängen von dem Gelesenen. Das Ganze ist weder Fisch noch Fleisch und geht daher leider auch nur noch als nährstoffarmes Fastfood für Mr. und Mrs. Braindead durch. Für den Otto-Normal-Leser mag "Die Kolonie" vielleicht ihren Reiz bergen, für den anspruchsvollen Vielleser taugt "Die Kolonie" jedoch nicht. Die Autorin, die heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Tochter in Nottingham lebt, absolvierte bereits ein Volontariat zur Reporterin und arbeitete als Werbetexterin, Radio-Drehbuchautorin, Fernsehmoderatorin, Synchronsprecherin und Dogwalkerin.

(Janko)

https://www.cjtudor.com
https://www.facebook.com/CJTudorOfficial/
https://www.instagram.com/cjtudorauthor/

Brutalität/Gewalt: 45/100
Spannung: 46/100
Action: 33/100
Unterhaltung: 61/100
Anspruch: 20/100
Atmosphäre: 37/100
Emotion: 21/100
Humor: 04/100
Sex/Obszönität: 10/100

LACK OF LIES - Wertung: 60/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der Thematik und der Gewaltdarstellungen)

C. J. Tudor - Die Kolonie
Goldmann Verlag
Thriller
ISBN: 978-3-442-20651-3
480 Seiten
Paperback, Klappenbroschur
Originaltitel: The Gathering (2024)
Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay
Erscheinungstermin: 22.01.2025
EUR 16,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-641-30501-7
Erscheinungstermin: 22.01.2025
EUR 9,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN Hörbuch Download: 978-3-8445-5278-2
Erscheinungstermin: 20.01.2025
EUR 25,95 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Die Kolonie" beim Goldmann Verlag: https://www.penguin.de/buecher/c-j-tudor-die-kolonie/ebook/9783641305017

Leseprobe: https://www.penguin.de/content/edition/excerpts/1116281.pdf

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Veröffentlicht am 24.01.2025

- verkopftes, doppelsinniges Psychogramm mit heiklem Abgang -

Die Frau, die schrie
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David L. Ulin - Die Frau, die schrie
(Polar Verlag)

- verkopftes, doppelsinniges Psychogramm mit heiklem Abgang -

Los Angeles, Kalifornien, im gegenwärtigen Hochsommer. Ein etwa 40 Jahre alter, geschiedener, ...

David L. Ulin - Die Frau, die schrie
(Polar Verlag)

- verkopftes, doppelsinniges Psychogramm mit heiklem Abgang -

Los Angeles, Kalifornien, im gegenwärtigen Hochsommer. Ein etwa 40 Jahre alter, geschiedener, arbeitsloser und irgendwo in den Gezeiten des Lebens hängengebliebener Distanzmensch, sinniert trostlos und resigniert über sein Leben. Der namenlose Ich-Erzähler ist in einer langsam vor sich hin köchelnden Depression gefangen, zehrt von seinem Ersparten und haust alleine in einem Bungalow in Hollywood, direkt gegenüber dem von Corrina; der Frau, die schrie. Gedanken fressen sich durch seinen tristen Alltag. Katatonische Zustände, ausgelöst durch psychosoziale Belastungen und bipolare Störungen, sind zum Ausfechten da. "Die Frau, die schrie", ist eine Art Innensicht, Selbstreflexion oder Selbstfindungstrip, in der der Erzähler über den Ausgang seiner Scheidung nachdenkt, über sein erstes Aufeinandertreffen mit Corrina, die an seine Tür klopft und Einlass begehrt. Ihr Ausspruch, dass sie die zweite Frau ihres kürzlich verstorbenen Vaters umbringen oder zumindest umbringen lassen könnte, die unbestimmte Zuneigung des Berichterstatters zu ihr und sein vergeblicher Versuch einfach nur sein Leben weiterzuleben. Doch Corrina bittet ihren Nachbarn darum, zu eruieren, was ihre Schwiegermutter Sylvia Glenn hinsichtlich ihres Erbes vorhat. Von Neugier gepackt, verleitet ihn Corrina, von der er eigentlich nicht viel mehr weiß, als ihren Vornamen, zu einem längst überfällig geglaubten Ausbruch aus den Resten seines kümmerlichen Daseins, welchen er noch bitterbös bereuen wird. Denn auch zur übermächtigen Persönlichkeit von Sylvia, ihren grazilen Bewegungen und ihrem zeitlos schönen Anblick fühlt sich Ulins Hauptfigur abstruser Weise hingezogen. Doch das ist gar nicht der eigentliche Knackpunkt der Geschichte. Es geht vielmehr darum, dass Corrinas Nachbar allmählich seelisch und moralisch an der Schuld, die er auf sich geladen hat und dem selbstauferlegten Druck seiner Handlungen zugrunde zu gehen droht.

„Sommer in Hollywood, wo alles anschwillt wie eine Infektion, bis sie reif ist, aufplatzt und die Krankheit verbreitet.“ Zitat S. 206

"Die Frau, die schrie" ist ein 224 Seiten umsäumendes, verkopftes, doppelsinniges Psychogramm, das im Präsens und durchgehend in der 1. Person Singular verfasst wurde. Es ist eine gedankenverlorene, kaum greifbare und schleppende Novelle, im Stile der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, mit kurzer Halbwertszeit. Der 63-jährige, in New York geborene Schriftsteller David L. Ulin, der heute in Los Angeles lebt, nutzt für seinen Hauptprotagonisten eine durchaus anspruchsvolle Art der Altherren-Rhetorik, wie ein in die Jahre gekommener Kriegsveteran, der an PTBS leidet. In einer feuchtwarmen, Whisky-aromatisierten Atmosphäre verliert sich seine namenlose Romanfigur in ihrem pseudophilosophischen Gedankengut. Der Berichtende beobachtet, erschließt Zusammenhänge, verliert sich in seinen traumgebieterischen und selbstzerstörerischen Gedankenwelten, verhält sich vielleicht deswegen oftmals unangebracht und trifft dabei eine Reihe fataler, irrationaler und desaströser Fehlentscheidungen. Er ist sich der Schuld, die er auf sich geladen hat nur zum Teil bewusst, spürt sich selbst aber selbst nicht mehr und kehrt sie daher gewohnheitsmäßig unter seinen soziopathischen Teppich. Er ertränkt seine Gedanken, seine Erinnerungen in einer Flut aus Whisky und findet Parallelen zu seinen Lebenslinien in der Musik des vergangenen Jahrhunderts. Bis er sich ehrerbietig unter ein Mühlrad aus bipolarer Störung, Nihilismus, Verunsicherung, Hilflosigkeit, Widersprüchen, Selbstzweifeln, Trugbildern, verwaschenen Schuldgefühlen, Intrigen und Selbstbetrug begibt, das bis zum Äußersten führt und ihn gnadenlos zu zermalmen droht. Die unterschiedlichen Parameter und Variablen sind letztlich auch sein Untergang, denn sie sind viel zu unkalkulierbar für den Vortragenden, als das er sich mit ihnen messen könnte. Als er dies wirklich für sich verinnerlicht hat, ist es längst zu spät für seine manisch-anarchistische Revolte. Die Geschichte, die 2023 im amerikanischen Original unter dem Titel "Thirteen Question Method" (nach einem Songtitel von Chuck Berry) erschien, wirkt in ihrer Gesamtbetrachtung langatmig, nimmt in ihrem weiteren Verlauf immer groteskere Züge an und man fragt sich als Leser unweigerlich: Was treibt der da eigentlich? Letztlich sind es jedoch die Dinge, die der Professor für Englisch an der University of Southern California David L. Ulin unausgesprochen oder vage lässt, die man erst nach und nach entdeckt, die den tatsächlichen Reiz an "Die Frau, die schrie" ausmachen. Und wie zum Schluss der Nebel von den eigenen geistigen Schleiern fällt...einfach herrlich.

(Janko)

https://davidulin.com

Brutalität/Gewalt: 18/100
Spannung: 53/100
Action: 32/100
Unterhaltung: 71/100
Anspruch: 70/100
Atmosphäre: 60/100
Emotion: 41/100
Humor: 18/100
Sex/Obszönität: 18/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 58/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 18 Jahren (aufgrund der kausalen Zusammenhänge)

David L. Ulin - Die Frau, die schrie
Polar Verlag
Kriminalroman/Thriller
ISBN: 978-3-910918-14-6
224 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: Thirteen Question Method (2023)
Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt
Erscheinungstermin: 13.01.2025
EUR 24,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Die Frau, die schrie" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/my-product/david-l-ulin-die-frau-die-schrie/

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Veröffentlicht am 06.03.2024

- interessanter aber unspektakulärer HardSF-Thriller -

Janus
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Phillip P. Peterson - Janus
(FISCHER Tor)

- interessanter aber unspektakulärer HardSF-Thriller -

NASA Hauptquartier, Washington, D.C. Die 29-jährige US-amerikanische Astronautin Jenny Nelson soll zu ...

Phillip P. Peterson - Janus
(FISCHER Tor)

- interessanter aber unspektakulärer HardSF-Thriller -

NASA Hauptquartier, Washington, D.C. Die 29-jährige US-amerikanische Astronautin Jenny Nelson soll zu einer mehrere Monate andauernden Mission auf der Internationalen Raumstation ISS starten. Schon lange träumt sie von einem Flug zum Mond oder noch besser zum Mars, doch mehr Substanz als einer Utopie gesteht sie ihrer Hoffnung dabei nicht zu. Eine Hoffnung, die einer Familienplanung mit ihrem Freund Daniel Perito, seines Zeichens Manager für internationale Kontakte im Hauptquartier der NASA in Washington, diametral konträr entgegensteht. Doch während der letzten Vorbereitungen auf ihren gemeinsamen Raumflug zur ISS, wird Jennys russischer Kollege Mikhail Gidzenko, kurzerhand und völlig unerwartet von seinen Vorgesetzten in Moskau von der Mission abgezogen. Bei einem umbenannten Anflug auf den Mars sei mit einem Mal der Kontakt zur russischen Marssonde abgebrochen. Letztlich wird auch Jennys ISS-Mission gecancelt. Als wenig später bekannt wird, dass die Chinesen die Umlaufbahnneigung ihrer Tiangong-Raumstation neu ausrichten, rätseln die europäischen und amerikanischen Raumfahrtbehörden über die neue Flugbahn der modularen chinesischen Raumstation "Himmelspalast", die sich nun direkt über dem russischen Kosmodrom Vostochny befindet.

Um den neuen und mittlerweile sechsten HardSF-Edutainment-Thriller "Janus", des unter Pseudonym schreibenden, deutschen Schriftstellers Phillip P. Peterson zur Gänze genießen zu können, sollte man eine gewisse Affinität für Technik und Raumfahrt mitbringen. Nüchtern, sachlich und faktenbasiert vorgetragen, nutzt der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter für Luftfahrt-, Raumfahrt und Nukleartechnik viele technische, physikalische und mathematische Begrifflichkeiten, die den Laien schon mal überfordern und zum Googeln zwingen können. Der 1977 in Waldbröl (Nordrhein-Westfalen) geborene Autor jongliert des Weiteren mit einem kaum zu fassenden Wust an Charakteren, bei dem man schon mal den Überblick verlieren kann. Innerhalb seines 384 Seiten umfassenden Standalones lässt er aber auch die wichtige emotionale Seite nicht gänzlich außer Acht. Phillip P. Peterson ist vom Fach und weiß, wovon er schreibt, lässt sich im Falle von "Janus" allerdings enorm viel Zeit mit Spannung und Action. Seine unspektakulären Ausführungen, um die Vorbereitungen zur Marsmission, leiden etwas an Einfallslosigkeit und sind streckenweise nur unwesentlich spannender als das Telekolleg im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In dieser Phase verliert Petersons vielversprechender Plot deutlich an Fahrt.

Als Daniel Perito und seine Freundin Jenny Nelson interessante Daten vom Marsmond Phobos und eines auf dessen Oberfläche befindlichen Objekts zugespielt bekommen, erkennen sie in dem, bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckten Phobos-Monolithen, ein vermeintlich außerirdisches Artefakt. Und während sich Russen, wie Chinesen für eine Reise zum Marsmond Phobos startklar machen, beraten die Amerikaner, wie sie den beiden Raumfahrtnationen zuvorkommen können. Die Vereinigten Staaten von Amerika wollen ebenfalls eine bemannte Operation auf den Weg schicken, denn wer zuerst in den Besitz der mutmaßlich außerirdischen Technik gelangt, könnte dadurch einen immensen Vorteil erlangen. Das Projekt "Janus" ist geboren und damit auch ein gefährlicher, überhasteter und risikoreicher Wettlauf im All, der sich auf der Erde zu einem echten Politikum mit erhöhtem Kriegspotenzial auszuwachsen droht. Ein Szenario, das sich mit all seinen, teils menschenverachtenden Widrigkeiten und internationalen politischen Maßnahmen, durchaus in der dargestellten Art abspielen könnte. Ein trilaterales Abkommen zwischen Amerikanern, Russen und Chinesen, zur Bergung des Artefakts soll beschlossen werden. Doch eine Nation schießt quer und setzt dadurch das Leben der gesamten Menschheit aufs Spiel.

In der Vergangenheitsform verfasst, lässt sich HardSF-Schriftsteller Phillip P. Peterson viel Zeit mit seiner Einführung. Vitalität und Dynamik sind daher zu Beginn der "Reise" nur sehr schwach ausgeprägt. Das ändert sich im weiteren Verlauf der fiktionalen Erzählung ganz allmählich. Die Zeichnung der Protagonisten ist angemessen, die Emotionalität eher hintergründig und das jeweilige Milieu recht rudimentär dargestellt. "Janus" fokussiert sich beinahe ausschließlich auf die vorbereitenden Handlungen zur Marsmission, die vom ehemaligen Ingenieur für Trägerraketenkonzepte zwar nicht gänzlich uninteressant gestaltet wurden, mir persönlich dann aber doch etwas zu trocken vorgetragen sind. Da bleibt nicht allzu viel Raum für Atmosphäre oder Spannung. Und obschon die Mission zum Schluss hin noch mal deutlich aufdreht, droht Phillip P. Petersons Edutainment- und Unterhaltungsroman "Janus" weder nach oben noch nach unten großartig auszureißen.

(Janko)

http://petersonauthor.com/
http://raumvektor.de/
https://www.facebook.com/PetersonAutor/
https://www.instagram.com/petersonauthor/

Brutalität/Gewalt: 11/100
Spannung: 47/100
Action: 38/100
Unterhaltung: 76/100
Anspruch: 41/100
Atmosphäre: 29/100
Emotion: 27/100
Humor: 01/100
Sex/Obszönität: 02/100

LACK OF LIES - Wertung: 74/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund des technischen Verständnisses)

Phillip P. Peterson - Janus
FISCHER Tor
HardSF
ISBN: 978-3-596-70892-5
384 Seiten
Paperback
Erscheinungstermin: 30.08.2023
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-10-491796-2
Erscheinungstermin: 30.08.2023
EUR 16,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Janus" bei FISCHER Tor: https://www.tor-online.de/buch/phillip-p-peterson-janus-9783596708925

Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783596708925

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