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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2023

Nicht überzeugend

Die Marseille-Morde - Der Tote von Port Pin
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Das wunderschöne Cover versetzt den Leser direkt schon in Urlaubslaune und auch die Handlungsorte werden von der Autorin gekonnt wiedergegeben.
Ein toter Journalist wird aus dem Wasser gezogen. Seine Freundin, ...

Das wunderschöne Cover versetzt den Leser direkt schon in Urlaubslaune und auch die Handlungsorte werden von der Autorin gekonnt wiedergegeben.
Ein toter Journalist wird aus dem Wasser gezogen. Seine Freundin, eine sehr engagierte Umweltaktivistin, bleibt unauffindbar. Die Mordkommission, ein reines Frauenteam, ermittelt erst in Richtung seiner durchgeknallten Ex-Freundin, die ihn gestalkt und üble Morddrohungen geäußert hat. Doch die Fakten weisen immer mehr in Richtung eines Konzerns, des einzigen großen Arbeitgebers in der Region, hin, der unter dem Verdacht größter Umweltfrevel steht.

Der Einstieg ins Buch gestaltet sich schwierig, weil man in den ersten beiden Kapiteln mit einer Flut von Namen und Personen konfrontiert wird, die für den weiteren Verlauf unerheblich sind. Vielleicht beziehen sie sich auf Charaktere des Vorgänger-Romans, damit man weiß, was aus den Leuten in der Zwischenzeit geworden ist? Des weiteren verzettelt sich die Handlung in diverse Nebensächlichkeiten, zum Beispiel in die sexuelle Ausrichtung der Beteiligten, wobei es überproportional viele homosexuelle Partnerschaften gibt. Ebenso wird das Augenmerk unnötigerweise oft auf die Attraktivität der Frauen gerichtet.
Eine erwachsene Polizistin knutscht aus Mitleid mit einem Zeugen und eine weitere Polizistin gesteht ihrer Vorgesetzten unvermittelt ihre Liebe, wobei diese und der Leser gleichermaßen davon überrumpelt werden. Wenig glaubhaft!
Ohne einen straffen Handlungsverlauf verliert der Krimi oft an Spannung und dümpelt vor sich hin. Auf den letzten Metern der Aufklärung wird es richtig spannend, aber leider verheddert sich die Handlung nochmal in ein sehr langweiliges Ende.
Es ist schwierig zu entscheiden, ob man das Buch empfehlen kann. Es hat viele gute Stellen vom Lokalkolorit her, spannende Phasen und dann kommt immer wieder eine Situation, bei der man einfach mit dem Lesen aufhören möchte. 

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Veröffentlicht am 29.04.2023

Indien vor 60 Jahren

Der Geheimnishüter von Jaipur
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Dieser Roman ist eine Fortsetzungsgeschichte. Im ersten Band, den ich nicht kenne, geht es um eine Frau, die sich als Hennakünstlerin ihren Lebensunterhalt verdient. Doch jetzt geht es um ihren Ziehsohn ...

Dieser Roman ist eine Fortsetzungsgeschichte. Im ersten Band, den ich nicht kenne, geht es um eine Frau, die sich als Hennakünstlerin ihren Lebensunterhalt verdient. Doch jetzt geht es um ihren Ziehsohn Malik, den sie zur Ausbildung nach Jaipur an den Palast zu Verwandten schickt. Als ein großes Bauprojekt in einer Tragödie mit vielen Verletzten endet, trägt Malik maßgeblich zur Aufklärung bei.
Ein weitere Handlungsstrang befasst sich mit Nimmi, einer jungen einheimischen Witwe mit zwei Kindern, in die sich Malik unsterblich verliebt hat. Sie entstammt einem Hirtenvolk, wird aber mithilfe von Maliks Ziehmutter Lakshmi sesshaft. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine unterschwellige Rivalität, die aber wegen ungeschriebener Regeln von Achtung und Höflichkeit nicht recht an die Oberfläche kommen darf. Als Nimmi in einen gefährlichen Goldschmuggel verwickelt wird, zeigt sich jedoch, dass sie sich auf einander verlassen können.
Ganz zu Anfang wird der Leser mit Namen und Verwandtschaftsbeziehungen erschlagen. Ich habe die Audioversion gehört. Deswegen hatte ich leider keine Möglichkeit, Unklarheiten in einem eventuell vorhandenen Glossar zu klären.
Der eigentlichen Handlung fehlt mir der Pfiff. Die Autorin kann mich weder in eine fremde, exotische Welt hineinziehen, noch einen Bezug zu ihren Hauptfiguren herstellen.
Meine Kritik richtet sich explizit auf den Hörbuchdownload. Die Sprecherin Charlotte Puder vermag es nicht, den Sätzen Leben einzuhauchen. Vielleicht hätte mir der Roman als Print mit einem Glossar besser gefallen, so aber kann ich nur mit mageren 3 Lesesternen dienen.

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Veröffentlicht am 11.04.2023

Selbstjustiz

Stigma
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Das Cover wirkt wie aus der Zeit gefallen und würde besser zu einem Edgar-Wallace-Krimi passen.
In Hamburg werden Männer brutal ermordet, die in ihrer Vergangenheit Gewalt an Frauen verübt haben und die ...

Das Cover wirkt wie aus der Zeit gefallen und würde besser zu einem Edgar-Wallace-Krimi passen.
In Hamburg werden Männer brutal ermordet, die in ihrer Vergangenheit Gewalt an Frauen verübt haben und die durch die Maschen des Gesetzes schlüpfen konnten. Das Ermittlerduo Vince und Milo richtet den Focus schon bald auf eine Selbsthilfegruppe für vergewaltigte Frauen. Sie scheinen dem Täter dicht auf den Fersen zu sein, denn Milo erhält unmissverständliche Warnungen und wird sogar verprügelt. Milo selbst ist als Polizistin viel zu draufgängerisch und zu spontan, aber immerhin wirkt sie authentisch.
Mir selbst hat von Anfang an Spannung gefehlt. Einerseits drosseln lange Dialoge das Erzähltempo, andererseits verbeißen sich die Autorinnen zu sehr in Milos Privatleben, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt und sich nicht outen will. Zwischen den Zeilen erahne ich immer wieder den Generalverdacht gegen Männer. Das ist ein Punkt, der mir am wenigsten gefällt.
Als Leser kann man immer den Überblick behalten, weil der Plot absolut logisch konstruiert ist. Aber insgesamt hatte ich mir mehr von diesem Krimi, der in meinen Augen kein Thriller ist, erwartet.

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Veröffentlicht am 15.03.2023

Lebenszäsur

Macht
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Hier geht es um Liv, die äußerlich sicher und zufrieden in Oslo mit Ehemann und zwei Kindern lebt. Was aber außer dem Leser und Livs bester Freundin Frances niemand weiß: Liv ist in ihrer Jugend vergewaltigt ...

Hier geht es um Liv, die äußerlich sicher und zufrieden in Oslo mit Ehemann und zwei Kindern lebt. Was aber außer dem Leser und Livs bester Freundin Frances niemand weiß: Liv ist in ihrer Jugend vergewaltigt worden. Seitdem ist ihr Leben ein anderes geworden, alles ist von der Tat überschattet. Man erhält Einblick in eine Gedankenwelt, die alles mit dem Missbrauch verknüpft. Man lernt eine Frau kennen, die Situationen in gefährlich und ungefährlich unterteilt; die versucht, in Menschen Opfer oder Täter zu erkennen; die sich zwar vehement gegen die Opferrolle zur Wehr setzt, aber deren Gedanken doch viel zu oft um das Vergangene kreisen. Als Leser bleibt man leider immer sehr distanziert zur Hauptperson, weil diese selbst ihre Welt nur aus der Distanz betrachtet. Sie lebt nicht wirklich, sondern das Leben findet um sie herum statt.
Dieser Roman hilft, sich in die Gedankenwelt eines Opfers (denn Liv ist nun mal ein Opfer, auch wenn sie keins sein will) hineinzuversetzen. Wahrscheinlich ist es ein Kunstgriff der Autorin, die Tat nur vage anzudeuten, aber mir fehlt es an Fakten:
Liv ist angetrunken ohne Zwang dem Täter in die Wohnung gefolgt. Sie hat keine Erinnerung mehr daran, ob sie NEIN gesagt, oder nur gedacht hat.
Aber was geschah unmittelbar davor? Worüber haben sich die beiden unterhalten, war der Täter ebenfalls alkoholisiert, hat man sich geküsst? Wurde körperliche Gewalt angewendet?
Vor allem, wenn sie nicht hörbar NEIN gesagt hat, wie ist dann die Gesamtsituation zu bewerten?
Aufgrund dieser Fragen fällt es mir schwer, den detaillierten Gedankengängen adäquat zu folgen und ich kann das Buch auch nicht uneingeschränkt empfehlen.
Ich würde Liv wünschen, dass sie ihren Weg in die Freiheit findet, denn sie ist eine tolle, sympathische Frau, die es nicht verdient hat, wegen einer einzigen schrecklichen Stunde sich ihr Leben lang klein zu fühlen. 

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Veröffentlicht am 03.03.2023

Viele Frauenleichen

Ich will nur spielen
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Nach dem Tod seiner allesgeliebten Frau Sonja ist Kriminalkommissar Maik Michalski mit seiner Tochter in eine Kleinstadt gezogen. Doch auch hier lauert das Schwerverbrechen inform einer Serie von Frauenleichen, ...

Nach dem Tod seiner allesgeliebten Frau Sonja ist Kriminalkommissar Maik Michalski mit seiner Tochter in eine Kleinstadt gezogen. Doch auch hier lauert das Schwerverbrechen inform einer Serie von Frauenleichen, denen man die Augen ausgestochen hat. Leider muss Maik mit einem unangenehmen Ex-Kollegen zusammenarbeiten, der nur auf sein eigenes Fortkommen ausgerichtet ist.
Der Leser liest viel, fast schon zu viel, über Maiks Privatleben, doch leider wird auch immer Sonjas schlimmer Tod angesprochen, ohne dass man nähere Details darüber erfährt. Wahrscheinlich soll das für ein späteres Buch aufgehoben werden, aber weil es für die aktuellen Fälle nicht wirklich relevant ist, stört es einfach. 
Mindestens ebenso viel erfährt man über die Gedankenwelt des Täters. Ein wenig Küchenpsychologie macht noch keinen Thriller aus. Alles wird sehr ausführlich dargestellt, und für die eigenen Gedanken des Lesers bleibt dabei kein Spielraum.
Mir persönlich hat dieser Krimi zu wenig Tiefe, auch wenn die Grundidee sehr gut ist. Deswegen reicht es leider bei mir nicht für den vierten Lesestern. 


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