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Veröffentlicht am 16.03.2023

Eine Liebe im Strandcafé

Wo der Seewind flüstert. Die St.-Peter-Ording-Saga
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"Die eigene Familie darf man nicht im Stich lassen."

Deutschland in den späten 50er Jahren: der Discounter heißt noch Kolonialwarenladen, anstatt bei Amazon bestellt man beim Otto Versand Hamburg. Schalke ...

"Die eigene Familie darf man nicht im Stich lassen."

Deutschland in den späten 50er Jahren: der Discounter heißt noch Kolonialwarenladen, anstatt bei Amazon bestellt man beim Otto Versand Hamburg. Schalke 04 spielt in der Glückaufkampfbahn, der Bikini steht gerade hoch im Kurs. Es ist heiß im Sommer 1959 und das Leben geht seinen Weg.

Viele träumen von Bella Italia und einem Urlaub am Gardasee. Auch das junge Fräulein Sabine aus Gelsenkirchen-Bismarck, doch das Schicksal hat andere Pläne für sie: die deutsche Nordseeküste.

Sprachlich wird man von der Autorin Tanja Kanz ganz wunderbar und einfühlsam in die Mentalität und das Lebensgefühl der Jahre 1959/1960 mitgenommen. Die Lektüre versprüht viel Zeitgeist und der bildhafte Erzählstil läßt die große Kulisse St. Peter Ording präsent sein und lebendig werden. Fast hört man das Geschrei der Möwen und kann die Kraft der Brandung spüren.

Es ist eine sommerleichte Geschichte um wahre Gefühle, eine erste große Liebe, aber auch Sehnsucht, Enttäuschung und Kummer.
Das Schicksal zweier junger Menschen zu einer Zeit, in der Entfernungen noch schier unüberbrückbar scheinen.

Familäre Verpflichtungen zwingen die Hauptcharaktere immer wieder, ungeliebte Entscheidungen zu treffen und einen gänzlich anderen als den erträumten Lebensweg einzuschlagen.

Locker leichte Sommerunterhaltung:
Der Auftakt in die große St.-Peter-Ording-Saga ist gelungen, ich habe mich sehr wohlgefühlt und bin gespannt was die Dünen verheißen und die Gezeiten versprechen...

Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.03.2023

Jeder Mensch hat Fragen

Wo ist die Mitte des Weltalls?
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"Nun ja wir leben in einer seltsamen Realität..."

Es ist sehr lange her, dass ich das letzte Mal ein populärwissenschaftliches Buch in der Hand gehabt habe, das so viel Spaß gemacht hat. Selbst die Fußnoten ...

"Nun ja wir leben in einer seltsamen Realität..."

Es ist sehr lange her, dass ich das letzte Mal ein populärwissenschaftliches Buch in der Hand gehabt habe, das so viel Spaß gemacht hat. Selbst die Fußnoten sind extrem unterhaltsam und sehr witzig geschrieben.

In den 60er Jahre geboren, habe ich die Anfänge der Raumfahrt bis hin zur ISS miterlebt. Deshalb interessieren mich Astronomie und Astrophysik von jeher.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung: im Buch werden Fragestellungen behandelt, die wir uns sicherlich alle schon mal gestellt haben. Wieso sind Reisen in der Zeit nicht möglich? Wenn es unendlich viele Planeten gibt, auf denen intelligentes Leben möglich ist, weshalb ist die Erde dann immer noch nicht von Außerirdischen besucht worden?

Die Themen sind alles andere als trivial (die Lektüre setzt ein gewisses Interesse im Fach Physik voraus), die Erklärungen erscheinen immer schlüssig; viele AHA-Momente inklusive. Natürlich liefert die Lektüre aber keine allumfassende Weltformel die unser Universum erklärt. Leider etwas zu oft lautet die Erklärung: was die moderne Physik nicht ausschließen kann, ist demnach faktisch möglich und somit sogar mehr als wahrscheinlich. Auch wird mir zu oft mit unendlich großen (alternativ unendlich kleinen) unvorstellbaren Dimensionen und Zahlen argumentiert.

Trotzdem schafften es die Autoren mehrfach, mich bei der Erläuterung von komplexen Sachverhalten mit viel Wortwitz zu verblüffen. Es macht einfach Spaß den Gedankens zu folgen und sich auf die formulierten Thesen einzulassen.

Aber mal ehrlich: Spielen eigentlich ehrlich Bananen und eine sehr bekannte Nuss-Nougat-Creme eine so entscheidende Rolle bei der Erklärung unserer Welt? Und wie viele Liter Kaffee haben die Autoren beim Schreiben dieses Buches tatsächlich verschüttet?

Den mehr als 300 Cartoons hätte ich gerne - im wahrsten Sinne des Wortes - mehr Platz eingeräumt. Sie sind gut gelungen, nicht nur Zugabe, aber teilweise unscheinbar klein.

Eine Leseempfehlung für alle, die sich zumindest ansatzweise für Physik interessieren (sollten) und ganz weit über den Tellerrand hinaussehen möchten. Sie sollten bereit sein, viel Vorstellungsvermögen und Fantasie mitzubringen.

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Veröffentlicht am 10.03.2023

Codewort Krabbenbrötchen

Ostfriesengier
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Drei Schritte, eine Kehrtwendung, drei Schritte...
"Hauptsache, der Deich hält"

Nach Ubbo Heide und Martin Bücher nun bereits die dritte Chefin für Ann Kathrin Klaasen in der Polizeiinspektion Aurich: ...

Drei Schritte, eine Kehrtwendung, drei Schritte...
"Hauptsache, der Deich hält"

Nach Ubbo Heide und Martin Bücher nun bereits die dritte Chefin für Ann Kathrin Klaasen in der Polizeiinspektion Aurich: Elisabeth Schwarz ist die neue Polizeidirektorin.
Gleich zu ihrer Amtseinführung wird sie mit ihrem ersten Fall konfrontiert: eine Bombe explodiert auf dem Parkplatz der Polizeistation...
Das Verhältnis zwischen diesen beiden Alpha-Frauen ist von Anfag an sehr angegespannt und von gegenseitiger
Provokation geprägt.

Sehr abwechslungsreich wird die Geschichte durch zahlreiche Handlungsstränge entwickelt, die jeweils aus der Sichtweise verschiedener Charaktere erzählt werden. Dennoch behält man jederzeit die Übersicht und alle Handlungsstränge werden nach und nach logisch zusammengeführt.
Als Leser bekommt man das, was man vom 17ten Band der Ostfriesen-Serie um Ann Kathrin Klaasen erwartet: solide Krimikost mit einer gehörigen (an manchen Stellen etwas überspitzten) Portion Humor und jeder Menge Lokalkolorit.

Besonders spannend finde ich es in jedem "Ostfriesen "-Buch, dass eben nicht alle Personen und Orte frei erfunden sind.
Wie zum Beispiel das Café ten Cate mit den Besitzern Jörg und Monika Tapper.
Auch der Nachbar im Distelkamp, der Maurer Peter Grendel, ist eine reale Person. Selbst der amtierende Bürgermeister von Norden, Florian Eiben, hat in "Ostfriesengier" seinen Auftritt und würde für den Chefredakteur des Ostfriesland Magazins, Holger Bloem, seine "Hände ins Feuer legen".
Und natürlich nicht zu vergessen: Bettina Göschl.

In Ostfriesengier treffe ich eine Vielzahl liebevoll gezeichneter Charaktere wieder, die mich schon seit vielen Jahren (Band 1 Ostfriesen KILLER erschien 2007) begleiten.

Unbedingte Leseempfehlung für alle, die Ostfriesland lieben und die Menschen dort mögen.
Piraten Ahoi!

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Veröffentlicht am 24.02.2023

Nimm die Klage deiner Tage...

Die Klinik
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Das ungleiche Ermittlerpaar Franka Erdmann und Alpay Eloglu ist wieder im Einsatz. Die erfahrene Kriminalistin und ihr junger Neukollege beim LKA Hamburg lösen ihren zweiten Fall. Nachdem sie sich im ...

Das ungleiche Ermittlerpaar Franka Erdmann und Alpay Eloglu ist wieder im Einsatz. Die erfahrene Kriminalistin und ihr junger Neukollege beim LKA Hamburg lösen ihren zweiten Fall. Nachdem sie sich im ersten gemeinsamen Fall mit dem oftmals sorglosen Umgang mit privaten Daten in sozialen Netzwerken beschäftigt haben, ermitteln Sie nun in der "Klinik" um eine Serie mysteriöser Todesfälle zu klären.

Dieser Thriller ist mit viel Spannung erzählt und spielt bewußt mit der weit verbreiteten Angst, unserem modernen Gesundheitssystem ein Stück weit ausgeliefert zu sein.
Im ersten Drittel des Buches wird durch zahlreich eingestreute Rückblenden die Vorgeschichte des Täters erzählt und daraus seine Beweggründe abgeleitet. Das ist gelungen und sorgt für einen abwechslungsreichen Lesefluss.
Viele bereits aus Teil 1 bekannte Nebencharaktere treffen wir in der "Klinik" wieder: Kripochef Martin Suttmann, Staatsanwältin Monika Moro und auch die Kollegin Sybille. Dadurch findet man sich sofort wieder im Team zurecht.
Die beiden LKA Beamten Franka und Alpay wachsen immer mehr als Zweierteam zusammen und nähern sich mit sehr viel psychologischem Feingefühl dem Ermittlungserfolg. Die Handlung ist jederzeit stimmig, die Lösung des Falles ist nachvollziehbar aber leider auch schon zu frühzeitig vorhersehbar und teilweise sehr konstruiert, wodurch die Spannung zum Ende hin deutlich abfällt.

Nach einem guten Start geht dem Thriller zum Ende hin etwas die Luft aus.

Dennoch hat mich mein Aufenthalt in der "Klinik" gut unterhalten.
Empfehlung.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Unterhaltsamer Jugendthriller

Death at Morning House
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"Manche Sommermorgende sind so reif, so voller Düfte und Sonnenschein, dass ein tiefer evolutionärer Impuls entsteht, richtig laut zu leben."

Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Unfall, bei dem ...


"Manche Sommermorgende sind so reif, so voller Düfte und Sonnenschein, dass ein tiefer evolutionärer Impuls entsteht, richtig laut zu leben."

Die Geschichte beginnt mit einem tragischen Unfall, bei dem Marlowe Wexler, mit einer brennenden Kerze das Haus ihrer Nachbarn niederbrennt. Eine unerwartete Chance bietet sich, als ihr ein Sommerjob als Tourführerin in der historischen Villa "Morning House" angeboten wird. Marlowe sieht in diesem Angebot einen willkommenen Neuanfang.

Das "Morning House" birgt ein düsteres Geheimnis: Im Jahr 1932 starben zwei Kinder der wohlhabenden Ralston-Familie unter mysteriösen Umständen. Marlowe realisiert rasch, dass diese Geschichte und die Spannung zwischen den anderen jugendlichen Tourführern eng verknüpft sind. Ihre Kollegen, die allesamt in der Gegend aufgewachsene Teenager mit eigener Vorgeschichte sind, bilden eine fragile Gemeinschaft. Die Atmosphäre ist gleichzeitig sowohl einladend als auch beunruhigend.

"Death at Morning House" hat bei mir sehr gemischte Eindrücke hinterlassen.
Der Roman bringt auf den ersten Blick alles mit, was eine spannende Mysterygeschichte braucht: ein altes Herrenhaus mit dunkler Vergangenheit, eine Hauptfigur, die mehr zufällig als geplant dort landet, eine abgeschiedene Insel, die zugleich idyllisch und auch unheimlich wirkt. Und natürlich das obligatorische Unwetter: ein heftiger Sturm.

Auch die gelungene Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart sorgt dafür, dass man unbedingt an der Geschichte dranbleiben möchte.

Allerdings konnte mich die Umsetzung dann nicht vollständig überzeugen. Die Figuren blieben für meinen Geschmack recht blass, und es fiel mir schwer, eine echte Bindung zu Marlowe oder den anderen Jugendlichen aufzubauen. Dazu kommt, dass die Handlung stellenweise zu sehr ins Stocken gerät. Es wird viel erzählt und angedeutet, doch die Spannung baut sich nur langsam auf, ohne dass wirklich überraschende Wendungen entstehen.

Der Schreibstil von Maureen Johnson ist angenehm flüssig, jugendlich und leicht. Das macht das Buch zwar gerade für jüngere Leser zugänglich, lässt dann aber manchmal auch ernste Passagen etwas zu seicht wirken. Man spürt die gespannte Atmosphäre des Hauses und die unterschwellige Bedrohung, aber echte Überraschungsmomente bleiben rar.

Am Ende bleibt ein solider Mystery-Roman mit einer guten Grundidee, der aber sein Potenzial nicht effizient genug ausschöpft. Für mich persönlich ganz okay, aber auch nicht mehr: daher 3 von 5 Sternen.

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