Platzhalter für Profilbild

Arambol

Lesejury Profi
offline

Arambol ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arambol über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2023

Jüsteringer Engel

Halliggift (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 3)
0


"Dieses Mal geht es darum, dass wir einen Wal retten - und ich finde, das schulden wir ihnen."

Nordseeidylle in der friesischen Provinz; das Leben ist beschaulich auf der Hallig Midsand an der Küste ...


"Dieses Mal geht es darum, dass wir einen Wal retten - und ich finde, das schulden wir ihnen."

Nordseeidylle in der friesischen Provinz; das Leben ist beschaulich auf der Hallig Midsand an der Küste vor Jüstering.
Der Alltag verläuft gemächlich und in geregelten Bahnen, die Vorbereitungen für das jährliche Biikebrennen laufen auf Hochtouren.
Bis plötzlich ein rätselhafter Giftmord jäh die Ruhe stört. Gleichzeitig verirrt sich ein Pottwal in die seichten Gewässer und droht bei Ebbe zu stranden.

Alle Hände voll zu tun für Kommissarin Minke von Hoorn...
Und zu allem Überfluss läuft es gerade jetzt in ihrem Privatleben auch nicht wirklich rund.

Die erzählte Geschichte ist spannend und unterhaltsam, ein leicht und flüssig zu lesender Krimi für den Sommer. Am Anfang verwirrt die Anzahl der vielen verschiedenen Charaktere etwas, nach und nach werden aber die zahlreichen Erzählstränge logisch zusammengefügt.
Im letzten Drittel des Buches hält die Erzählung einige sehr überraschende Wendungen bereit.

Liebes Tagebuch...
Zwischen den einzelnen Kapitel sind Tagebucheinträge einer unbekannten jungen Frau eingestreut. Wer ist die rätselhafte Verfasserin und was hat sie mit den aktuellen Entwicklungen zu tun?

Mit "Halliggift" ist Greta Henning erneut ein wendungsreicher und atmosphärischer Nordseekrimi mit sehr liebevoll gezeichneten Protagonisten gelungen. Die Lösung überrascht und war so nicht vorhersehbar; das Ende ist vielleicht etwas kitschig, aber "einmal ist schon okay".

Leseempfehlung: rundum gelungen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2023

Die Kunst des Scheiterns

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
0


"Nichts macht die Welt erträglicher als eine gute Geschichte."

Eine bunt zusammengewürfelte sukrille Truppe aus fünf liebevoll charakterisierten Originalen, die etwas abseits aller Normen stehen; dazu ...


"Nichts macht die Welt erträglicher als eine gute Geschichte."

Eine bunt zusammengewürfelte sukrille Truppe aus fünf liebevoll charakterisierten Originalen, die etwas abseits aller Normen stehen; dazu kommen ein Hund namens Hund und ein Eichhörnchen das aus dem Nest gefallen ist: das ist die Besatzung der neu gegründeten Hausbootdetektei.

Erfrischend anders mit einem ganz eigenem und sehr warmen Erzählstil. Eine humorvolle Sprache die sehr genau meinen Geschmack trifft.
Die Dialoge sind äußerst witzig, der Umgang der fünf "Detektive" untereinander ist herzlich. Jeder Charakter ist liebenswert und hat seine ganz speziellen Eigenheiten, die nicht nur respektiert, sondern im Team geschätzt werden.

Der eigentliche Kriminalfall ist da schon fast eine Nebensache und braucht ziemlich lange bevor er so recht in Fahrt kommt. Prickelnde Hochspannung sucht man in diesem Buch vergebens, es sind mehr die zwischenmenschlichen leisen Töne, die im Vordergrund dieser sensibel erzählten Geschichte stehen. Langeweile kommt beim Lesen, trotz des eindeutig fehlenden Spannungsbogens, jedoch niemals auf.
Einige unerwartete Wendungen und eine recht unkonventionelle Aufklärung des Verbrechens tragen zur sehr abwechslungsreichen Handlung des Buches bei. Das Ende kann überraschen...

Wohlfühlkrimi mit ganz viel Herz für ganz besondere Menschen: unbedingt lesen. Ich freue mich schon jetzt auf den "Tödlicher Grund", meinen nächsten Besuch in der Hausbootdetektei.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2023

Rügen wohnt ein Zauber inne

Der Riffgeist
0


"Aber irgendwann kapiert man, dass Geld ein Blender ist."

Es läuft nicht wirklich richtig rund bei Kommissar Jens Lackner von der Kripo Stralsund. Bei den Ermittlungen zum mysteriösen Mord an einer ...


"Aber irgendwann kapiert man, dass Geld ein Blender ist."

Es läuft nicht wirklich richtig rund bei Kommissar Jens Lackner von der Kripo Stralsund. Bei den Ermittlungen zum mysteriösen Mord an einer jungen Frau in Binz kommen die Ermittlungen nicht so recht voran und drehen sich in Kreis. Dann unterläuft Lackner zudem ein folgenschwerer Fehler, der zu seiner Suspendierung führt.
Auch privat gibt es Themen: nach einer Fehlgeburt ist seine Frau Susanne völlig aus der Bahn geworfen und sucht vermehrt Trost im Alkohol. Bis sie in die dramatische und geheimnisvolle Geschichte rund um das junge syrische Flüchtlingskind Yslei verwickelt wird.

Der Riffgeist startet mit zwei parallelen starken Handlungssträngen. Intensiv und mit viel Tiefgang werden die verschiedenen Charaktere eingeführt.
Dabei gelingt es dem Autor R.P. Hahn hervorragend, dass der Leser sich sowohl mit Jens als auch mit Susanne schnell identifizieren kann. Aber auch die weiteren Protagonisten wie der Expolizist Mike, Lackners Teamkollege Freddy, sein ehemaliger Klassenlehrer Richard, der Filmproduzenten Josef, aber auch Arvid "King" König sind detailreich gestaltet und bringen viel Dynamik in die Geschichte.
Der Spannungsbogen ist durchgängig angenehm hoch, leider wirkt die Handlung teilweise sehr konstruiert und realitätsfern.

Was passiert an Bord der "Kaiphas" vor der Küste Kaliningrads?

Mit stets hohem Erzähltempo steuert  die Handlung zielstrebig auf das fulminante Finale zu, und gipfelt schlussendlich in einem schier aussichtslosem Himmelfahrtskommando.
Das schockierende Ende wird - rasant, äußerst brutal und krass - eher einem Thriller als einem Kriminalroman gerecht.

Leseempfehlung für alle, die keinen "Rügen-Kuschelkrimi" erwarten und mit Thriller-Elementen etwas anfangen können. Spannend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2023

Bauchgefühl

Südlich von Porto lauert der Tod
0


"Nur bei einem gemeinsamen Essen war man so richtig zusammen."

Eine olfaktorische und kulinarische Reise in das spätsommerliche Portugal.
Torreira, ein kleiner verschlafener Küstenort südlich von Porto, ...


"Nur bei einem gemeinsamen Essen war man so richtig zusammen."

Eine olfaktorische und kulinarische Reise in das spätsommerliche Portugal.
Torreira, ein kleiner verschlafener Küstenort südlich von Porto, Ende September. Die Sommer Saison ist fast beendet, es wird ruhig: Jeder kennt in Torreira jeden, das Leben geht einen beschaulichen Weg. Bis die Leiche einer Kunstgutachterin in einem Ferienhaus gefunden wird und diese sogleich wieder verschwindet: wo ist Raquel Martins de Souza? Was steckt hinter ihrem Tod?

Eine sehr entspannt und gemächlich erzählte Kriminalgeschichte vor einer Postkartenidylle fernab von Hektik und Stress. Mit sehr viel Gelassenheit und Ruhe wird die Handlung langsam entwickelt und die einzelnen, liebevoll gezeichneten Charaktere vorgestellt.
Der etwas naive Dorfpolizist João, die Stuttgarter Polizistin und Urlauberin Ria Almeida, sowie ihre Cousine Mariposa, der Inhaber des örtlichen Bestattungsinstituts Nuno, aber auch der cholerische Comissário Joaquim Baptista. Das emotionale Beziehungsgeflecht zwischen diesen Protagonisten wird vorsichtig geknüpft ist zeitweise aber durchaus auch gespannt.

Die Lektüre lässt direkt Urlaubsstimmung aufkommen: der Schreibstil ist äußerst unaufgeregt, flüssig und gut zu lesen, ohne jemals Langeweile aufkommen zu lassen.
Die Lösung des Falles kommt ohne größere Überraschungen aus und ist in sich schlüssig.

Auch das Buchcover mit den blau-weiß
gemusterten Keramikfliesen, der bunten Häuserfassade und den traditionellen Fischerbooten hat mich direkt sehr positiv angesprochen.

Ein lohnenswerter Trip an die portugiesische Atlantikküste: Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2023

Schuld vergeht nie

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
0


"Manchmal verschwinden hier Menschen und tauchen nie wieder auf. "

Was ist vor über zwanzig Jahren in Klotten wirklich passiert? Fallanalytiker Max Bischoff ist wieder im Einsatz und macht sich wenig ...


"Manchmal verschwinden hier Menschen und tauchen nie wieder auf. "

Was ist vor über zwanzig Jahren in Klotten wirklich passiert? Fallanalytiker Max Bischoff ist wieder im Einsatz und macht sich wenig beliebt bei den Einwohner des kleinen Moseldorfes, wie auch bei den ermittelnden Kriminalbeamten des KK Koblenz.
Geheimnisse sind in Klotten gut aufgehoben: niemand erzählt irgendwas. Max dreht sich im Kreis: das kollektive Schweigen behindert mehr und mehr seine Ermittlungsarbeit.

Unterstützt wird Max v.a. von seinem Expartner und Freund Horst Böhmer aus Düsseldorf, sowie auch von einer ehemaligen Studentin von ihm: Jana Brosius, inzwischen Kriminalkommissarin auf Probe.
Und schließlich steht ihm der forensische Rechtspsychologe Dr. Marvin Wagner zur Seite; dessen äußerst sprachgewaltige Ausdrucksweise mir sehr gefallen hat. Es macht Spaß ihm wieder "zuzuhören".

Die Handlung des Thrillers ist klar strukturiert und dadurch angenehm flüssig zu lesen. Arno Strobel liefert mit dem neuen Mörderfinder einmal mehr bewährte, routinierte Lesekost ab.

Zwischen einzelnen Kapiteln gibt es mehrfach in kursiver Schrift gehaltene Abschnitte, die Gedanken und Beweggründe aus der Sicht des Täters oder der Täterin schildern.

Größere Wendungen und Überraschungen gibt es nicht, teilweise ist die Handlung durchaus vorhersehbar und hat einige ungewohnte Längen. Zum Ende hin wirkt die Handlung zunehmend konstruiert. Insgesamt ist Band 3 mehr Krimi als Thriller: für den nächsten Mörderfinder ist in puncto Spannung noch Luft nach oben.

Mich hat das Buch dennoch gut unterhalten, ich möchte gerne weiterhin mit Max Bischoff auf Mördersuche gehen. Aber unbedingt (nur) zusammen mit Dr. Wagner:
"Gehaben Sie sich wohl. Auf bald."

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere