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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2023

Märchenhaft, ätherisch und einfach großartig

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
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Nachdem ich "Das Lavendelzimmer" begeistert verschlungen hatte, habe ich mich sehr auf "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" gefreut. Die ersten Seiten hatte ich etwas Mühe, Zugang zu finden, aber als ...

Nachdem ich "Das Lavendelzimmer" begeistert verschlungen hatte, habe ich mich sehr auf "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" gefreut. Die ersten Seiten hatte ich etwas Mühe, Zugang zu finden, aber als mir dieser dann gewährt war, konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen.

Monsieur Perdu kehrt auf das Bücherschiff, seine "Pharmacie Littéraire", zurück und macht sich wieder auf den Weg nach Paris. Dabei begegnet er ganz unterschiedlichen Menschen, die seiner Dienste bedürfen.

Allen, die sich darauf einlassen können und wollen, erzählt Nina George eine zauberhafte Geschichte über Menschen und Bücher und wie wichtig sie füreinander sein können. Ihr Sprache ist wortgewaltig, poetisch, romantisch, manche würden es vielleicht sogar kitschig nennen. "Und winzige Blüten knospten rund um ihr Herz auf, winzig klein, ganz helle Sternchen, die zu Besuch gekommen waren." Besonders charakteristisch für ihren Erzählstil sind fantasievolle Wortkreationen und das Stilmittel der Personifikation: "Sie [die Liebe] hat sich nichts zu schulden kommen lassen." So zeichnet sie auch die Protagonisten liebevoll und detailreich, selbst Tiere kommen nicht zu kurz.

Der Plot ist durchaus realistisch, aber auch märchenhaft, ein Buch, das ein wohliges Gefühl hinterlässt, ätherisch und einfach großartig! Eine literarische Apotheke, Bücher als Medizin und ein Bücherapotheker, der sie mit untrüglichem Instinkt anwendet - was für eine wunderbare Vorstellung!

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Veröffentlicht am 17.03.2023

Lesehighlight

Seht mich an
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Francis Hinton führt ein farbloses und eintöniges Leben. Sei arbeitet tagsüber in einer Bibliothek und geht abends heim in ihre große Londoner Wohnung, wo sich die ehemalige Haushälterin ihrer verstorbenen ...

Francis Hinton führt ein farbloses und eintöniges Leben. Sei arbeitet tagsüber in einer Bibliothek und geht abends heim in ihre große Londoner Wohnung, wo sich die ehemalige Haushälterin ihrer verstorbenen Mutter um sie kümmert. Doch dann lernt sie das ungewöhnliche Paar Nick und Alix kennen und wird in deren Freundeskreis aufgenommen. Von nun an setzt sie alles daran, dass sich das nicht so schnell wieder ändert und nimmt dafür sogar in Kauf, von Alix Fanny, die Waise genannt zu werden, obwohl ihr diese Verniedlichung widerstrebt. Ob ihr das gelingt - lesen Sie es selbst.

Anfangs plätschert die Geschichte so vor sich hin, um dann plötzlich - ich vermag gar nicht zu sagen, wann oder wo - an Fahrt aufzunehmen und fesselte mich dann so, dass ich an manchem Tag auf dem Weg von oder zur Arbeit Mühe hatte, nicht die Haltestelle zu verpassen, an der ich aus der Bahn aussteigen musste, weil ich so in den Bann meiner Lektüre gezogen war.

Beim Lesen fand ich nur wenige, vereinzelte Hinweise darauf, dass Anita Brookner diesen Roman im Original bereits vor 40 Jahren verfasst hat, Er könnte in leicht abgewandelter Form auch heute noch so geschrieben werden.

Die Autorin war mir bisher nicht bekannt, aber nach diesem Lesehighlight wird es für mich nicht das letzte ihrer Bücher gewesen sein. "Seht mich an" ist für mich eine große Überraschung und jede Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Einfühlsame Geschichte

Eine Liebe von Bern
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1967 hat Léon Seematter eine Tanzschule in Bern und bekommt Konkurrenz durch George Szell, der für ihn kein Unbekannter ist und Erinnerungen hervorruft, Erinnerungen an eine Frau, die er nie aufgehört ...

1967 hat Léon Seematter eine Tanzschule in Bern und bekommt Konkurrenz durch George Szell, der für ihn kein Unbekannter ist und Erinnerungen hervorruft, Erinnerungen an eine Frau, die er nie aufgehört hat zu lieben und die er leider verloren hat

Marie Brunntaler erzählt die Geschichte von Léon und George fesselnd und spannend mit leisen Zwischentönen. Dabei nimmt sie ihre Leserinnen und Leser mit ins Bern der späten 1960er Jahre und bis zurück ins Jahr 1947, wo alles seinen Anfang nimmt. Ihr gelingt es, die Atmosphäre der jeweiligen Zeit authentisch einzufangen und bildet dadurch einen großartigen Rahmen für die detailreich und liebevoll gezeichneten Charaktere.

Die Autorin hat mich so sehr begeistert, dass ich mir einfach die Zeit nehmen musste, das Buch am Stück zu lesen. "Eine Liebe von Bern" ist eine wunderbare Geschichte - unaufgeregt und einfühlsam.

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Großartig

Die leise Last der Dinge
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Im ersten Moment eine interessante, lustige Vorstellung, bei genauerer Betrachtung ein furchtbarer Gedanke: Benny Oh hört Stimmen. Es sind aber keine Stimmen von sprechenden Menschen, sie stammen von den ...

Im ersten Moment eine interessante, lustige Vorstellung, bei genauerer Betrachtung ein furchtbarer Gedanke: Benny Oh hört Stimmen. Es sind aber keine Stimmen von sprechenden Menschen, sie stammen von den Dingen, die um ihn sind. Benny ist aber keineswegs verrückt. Seit sein Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, sprechen immer wieder Gegenstände zu ihm.

Auch auf seine Mutter Annabelle hat der plötzliche Tod ihres Mannes starke Auswirkungen. Sie hortet Dinge – manchmal auch völlig unbeabsichtigt. So findet ein Aufräumratgeber ohne ihr Zutun seinen Weg zu ihr und wird zum Buch im Buch.

In „Die leise Last der Dinge“ gibt Ruth Ozeki einem von Bennys sprechenden Gegenständen eine Stimme, „das Buch“. Es ist sein Buch und erzählt seine Geschichte. Dabei entspinnt sich ein Dialog zwischen dem Buch und Benny, der die Erzählung kommentiert.

Anfangs schwankte ich zwischen Neugier und Verwunderung. Letztere schlug aber schnell in Begeisterung um, als ich tief in die Geschichte eingetaucht war, die mich ein Potpourri an Gefühlen erleben ließ, von Freude bis Betroffenheit und Traurigkeit und vielem dazwischen.

„Die leise Last der Dinge“ ist ein kurioser Roman, philosophisch und vielschichtig. Die Sprache ist poetisch und bildhaft. Die Charaktere sind tiefgründig und detailreich ausgearbeitet. Es ist ein Buch, das nachdenklich macht und noch lange nachhallt. Großartig!

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Erfrischend anders

Drei Tage im August
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Elfie ist fast 40 Jahre alt, ledig und Prokuristin einer Chocolaterie. Sie ist ständig darauf bedacht, die Kunden zufriedenzustellen - so auch Madame Conte, die regelmäßig Pralinen bestellt. Eines Tages ...

Elfie ist fast 40 Jahre alt, ledig und Prokuristin einer Chocolaterie. Sie ist ständig darauf bedacht, die Kunden zufriedenzustellen - so auch Madame Conte, die regelmäßig Pralinen bestellt. Eines Tages im August 1936 - die Olympiade ist in vollem Gange - wird sie in ihre Wohnung gebeten, als sie die Bestellung liefert und lernt die alte Dame persönlich kennen. Von da an besucht sie sie regelmäßig, im Gegenzug erzählt Madame Conte ihre Geschichte. Da sind aber auch der jüdische Buchhändler Marcus und der ägyptische Nachtclub-Besitzer El Hamady und weitere Kollegen aus der Chocolaterie, die sich und Elfie immer wieder begegnen, Verbindungen knüpfen und so diese schwierige Zeit gemeinsam erleben, sich helfen und unterstützen.

Anne Stern zeichnet Elfie, Madame Conte und alle weiteren Protagonisten liebevoll und detailreich. Sie thematisiert die Naziherrschaft und die daraus resultierenden Repressalien für Juden und schafft es auf angenehme Weise, dies nicht übermächtig werden zu lassen und trotzdem nichts zu verharmlosen. Das alles macht "Drei Tage im August" zu einer wunderschönen, erfrischend anderen Geschichte, die es zu lesen lohnt!

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