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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2023

Eine kleine Gruselei

Der Strand bei Nacht
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Der Strand bei Nacht ist eine Geschichte über die schlimme Erfahrung einer Puppe. Das Mädchen, dem die Puppe gehört, hat ein Kätzchen von seinem Vater geschenkt bekommen, und darüber die Puppe am Strand ...

Der Strand bei Nacht ist eine Geschichte über die schlimme Erfahrung einer Puppe. Das Mädchen, dem die Puppe gehört, hat ein Kätzchen von seinem Vater geschenkt bekommen, und darüber die Puppe am Strand vergessen. Als dann die Nacht anbricht, macht die Puppe eine schlimme Erfahrung mit einem gruseligen Menschen.

Die Geschichte ist schon ziemlich gruselig, und die Illustrationen von Mara Cerri bringen die Stimmung perfekt auf den Punkt.
Es ist ein niedliches kleines Büchlein, das ich schon lange haben wollte und mir kürzlich gegönnt habe.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Selbstliebe

Spinster Girls – Was ist schon Liebe?
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Amber hat ihre Mutter zwei Jahre lang nicht gesehen, nachdem diese Hals über Kopf von England nach Amerika ausgewandert ist, als die Eltern sich getrennt haben. Amber besucht endlich voller Sehnsucht ihre ...

Amber hat ihre Mutter zwei Jahre lang nicht gesehen, nachdem diese Hals über Kopf von England nach Amerika ausgewandert ist, als die Eltern sich getrennt haben. Amber besucht endlich voller Sehnsucht ihre Mutter, die mit ihrem ehemaligen Therapeuten in den Staaten lebt und ein Sommercamp mitten im Wald leitet. Ambers Mum und ihr Neuer (den Amber auf den Tod nicht ausstehen kann) haben Amber für die Dauer des Besuchs direkt verpflichtet im Camp helfen zu müssen. Warum Ambers Mutter aber eigentlich abgehauen ist und überhaupt therapiert werden musste, entspinnt sich im Laufe der Geschichte mit jeder Menge Hoffnungen, Erwartungen und aufgestauter Wut.
Zwischen dem Wiedersehen mit ihrer Mutter findet Amber im Camp aber auch neue Freunde. Da wären Winnie und ihre philosophischen Winnie-Puuh-Analogien und Kyle, an dem Amber ein mehr als nur freundschaftliches Interesse entwickelt. Für Amber wird es ein Sommer, der in jeder Hinsicht alles verändert...

Der Humor der Spinster Girls ist auch diesmal wieder grandios! Auch wenn in jedem von Holly Bournes Büchern bisher Liebe vorgekommen ist, war es auch diesmal wieder erfrischend eben nicht in typische Rollenklischees zu verfallen wie ein Mädchen einem Jungen noch besser gefällt, sondern auch mal über Perioden, Verdauung und Kotze zu sprechen, also Themen des alltäglichen Lebens ohne jeglichen Romantikcharakter. Ein wenig vermisst habe ich jedoch die direkte Interaktion zwischen den Spinster Girls. Durch einen Ozean getrennt gab es keine Käsecracker-Mampforgien mit anschließenden Fressbabies. Evie und Lottie waren für mich zu sehr am Rande, um dem Leseerlebnis komplett zu verfallen.

Es sollte unbedingt erwähnt werden, dass der im dtv als dritter Teil erschienene Band „Was ist schon Liebe?“ chronologisch hinter „Was ist schon normal?“, aber vor „Was ist schon typisch Mädchen?“ zu verorten ist. Dtv hat somit aus der im englischsprachigen Original erschienenen Reihenfolge 1, 2, 3 im deutschen Raum 1, 3, 2 gemacht. Das sollte man wissen, bevor man mit dem Lesen beginnt, da es ansonsten verwirrend ist.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Gut, aber nicht ganz zufriedenstellend

Vanitas - Schwarz wie Erde
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Carolin Bauer ist ein sehr wachsamer und ängstlicher Mensch. Sie arbeitet in einer Friedhofsgärtnerei und mag die Blumensprache offensichtlich sehr. Carolin lebt ein ruhiges und sehr zurückgezogenes Leben ...

Carolin Bauer ist ein sehr wachsamer und ängstlicher Mensch. Sie arbeitet in einer Friedhofsgärtnerei und mag die Blumensprache offensichtlich sehr. Carolin lebt ein ruhiges und sehr zurückgezogenes Leben in Wien, bis diese Ruhe unterbrochen wird. Zunächst weiß man nicht, warum Carolin solche Angst vor dem Besucher hat, doch man erfährt, dass sie wohl in Ermittlungen um eine brutale Bande eingeschleust wurde, als Verräterin enttarnt und gejagt wurde und als letzte Möglichkeit von der Polizei für tot erklärt wurde. Sogar eine Beerdigung hat es gegeben.
Der störende Besucher ist Robert, er arbeitet in der Ermittlungsabteilung der Frankfurter Polizei und hat Carolin aufgesucht, um sie für eine Aufgabe zu rekrutieren. In München soll sie Informationen über eine junge Frau in Erfahrung bringen. Carolin wehrt sich dagegen, denn die Bandenfamilie, vor der sie sich totstellt, soll nie und nimmer erfahren, dass Carolin noch am leben ist. Robert setzt Carolin unter Druck und als Carolin Springer wird sie in die Nachbarwohnung der zu beobachtenden jungen Frau gesetzt.
Carolin beginnt ihre Arbeit, schießt aber bald schon über das ihr auferlegte Maß hinaus und bringt sich damit selbst in Gefahr...

Mehr kann man eigentlich nicht verraten, ohne zu tief in die Geschichte einzudringen und es für Leser, die das Buch noch nicht kennen, nicht zu ruinieren.
Die Geschichte ist schon recht spannend, und ich kann sagen, dass ich das Buch öfter als sonst in die Hand genommen habe, um zu lesen wie es weitergeht. Ich muss sagen, dass dies mein erstes Buch von Ursula Poznanski gewesen ist, nachdem mir mehrere Leute gesagt haben, die Bücher von ihr seien so gut und spannend. Ich persönlich weiß aber nicht so richtig, was ich davon halten soll. Die Geschichte lässt für mich zu vieles im Dunkeln. Ich hätte gerne mehr über Carolin Bauer/Springer erfahren, und je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr hat mich eigentlich die Hintergrundgeschichte zu der Frau interessiert. Genauso wie das aber nur angedeutet wird und nie weiter in die Tiefe geht, endet das Buch aber auch. Es war von der Autorin sicher so gewollt, für mich hat sich das Ende aber einfach so angefühlt, als wäre es zu wenig Ende.

Was ich aber noch sehr positiv erwähnen möchte, ist die Covergestaltung. Sie gefällt mir unheimlich gut und scheint weit über das hinauszugehen, was man normalerweise für ein Taschenbuch produziert. Das Insekt auf dem Cover ist nach außen geprägt und mit einer speziellen Folie beschichtet, so dass man, wenn man das Buch in der Hand hält, an den Fingerspitzen die weiche Oberfläche des Insekts fühlt. Das finde ich wirklich toll!

Veröffentlicht am 21.03.2023

Ulkig!

Doktor Miez - Das verschwundene Sumselschaf (Doktor Miez 1)
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Wohlweißlich: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, aber selbst ich saß vor den geöffneten Seiten die meiste Zeit mich weit hochgezogenen Mundwinkeln! Die Charaktere sind allesamt irgendwie herrlich schräg, ...

Wohlweißlich: Ich gehöre nicht zum Zielpublikum, aber selbst ich saß vor den geöffneten Seiten die meiste Zeit mich weit hochgezogenen Mundwinkeln! Die Charaktere sind allesamt irgendwie herrlich schräg, die Geschichte um das verschwundene Sumselschaf wunderbar erheiternd. Dank kartographieähnlichen Illustrationen weiß man auch ganz genau, wo man sich im Orte Sumselau befindet. Meine beiden Nachbarsjungen, die im genau richtigen Alter sind, fanden es sehr ulkig!

Veröffentlicht am 21.03.2023

Für mehr Potenz beim weiblichen Geschlecht

Die potente Frau
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Wer in Svenja Flaßpöhlers „Die potente Frau“ eine klischeetriefende, geschlechtereinseitige Feminismusrede erwartet, wird erfrischenderweise enttäuscht.
Flaßpöhler geht es in diesem kompakten, meinungsangereichertem ...

Wer in Svenja Flaßpöhlers „Die potente Frau“ eine klischeetriefende, geschlechtereinseitige Feminismusrede erwartet, wird erfrischenderweise enttäuscht.
Flaßpöhler geht es in diesem kompakten, meinungsangereichertem Büchlein um Feminismus, vor allem aber darum Selbstbewusstsein und Souveränität an den Tag zu legen.

Flaßpöhler kritisiert die reproduzierte patriarchale Weltanschauung, dass Frauen per se hilflos sind und geschützt werden müssen, ihnen somit jede Selbstständigkeit im Hinblick auf die Durchsetzung der eigenen Sexualität und deren Grenzen abspricht. Gleichzeitig geht ihre Kritik ins Verständnis der Männer durch die Schwammigkeit von #metoo, auf die viele ohne Reflexion aufspringen, gleichermaßen die, die sexuellen Übergriff erdulden mussten wie die, die sich von sexuellen Avancen belästigt sehen und prangert die ausgehebelte Unschuldsvermutung an, die Männer in Fällen auch zu Unrecht ausgesetzt sind, wenn sie medial dem bloßen Verdacht sexueller Übergriffigkeit ohne Prüfung dieses Verdaches unterliegen.

Sie fordert, dass man sich als Frau nicht nur auf die Gesetzeslage zum Schutze verlässt, sondern autonom und nicht über sich ergehend und im Nachhinein bereuend seine sexuelle Selbstbestimmung positioniert. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die eigene Positioniertung und Verantwortung.

Die potente Frau, die Flaßpöhler sich für die künftige Gesellschaft wünscht, ist nicht reaktiv auf die Aktion des Mann wartend, sondern gleich aktiv wie der potente Mann. Flaßpöhler regt an mit dem sozialgesellschaftlichen Bildern von Mann und Frau aufzuräumen. Ihr Plädoyer, weibliche Lust zu leben und nicht passiv zu sein respektive sich auffordern zu lassen die eigene Lust zu aktivieren, weil ein althergebrachtes Rollenbild nach wie vor präsent ist, liest sich in aller Kürze leicht weg und kommt ganz gut als weitere Diskussionsgrundlage daher.