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Veröffentlicht am 06.04.2023

Beste Unterhaltung

Vinz Solo
2

In der niederbayerischen Provinz ticken die Uhren anders – zumindest meint man dies zu wissen. Und wenn man sich mit Vinzenz Bachmeier näher beschäftigt, scheint dies auch zu stimmen. Nun, er ist in Artlhofen, ...

In der niederbayerischen Provinz ticken die Uhren anders – zumindest meint man dies zu wissen. Und wenn man sich mit Vinzenz Bachmeier näher beschäftigt, scheint dies auch zu stimmen. Nun, er ist in Artlhofen, das liegt bei Landshut, aufgewachsen und hier verbringt er auch seine Jugend, hier wird er erwachsen. Das Dorf hat 853 Einwohner. „Hätte man allerdings noch Schweine und Legehühner mitgezählt, Artlhofen wäre eine Großstadt gewesen.“

Schon der Anfang verspricht viel, das Erwachsenwerden eines Pubertierenden kann nur gut und unterhaltsam werden. Und genau das ist es auch. Sebastian Beck kennt sich aus, er ist selbst auf dem Land aufgewachsen, Parallelen zu seinem Protagonisten sind durchaus vorhanden.

Gleich mal offenbart Vinz drei Wünsche, die er sich unbedingt erfüllen will. Naja, einem Fast-Kumpel die Freundin ausspannen – ob das klappen wird? Ein eigenes Auto dagegen hat er dann bald, auch wenn dies eher eine Klapperkiste ist. Ein „humorloses Spießerauto für Komödienstadel-Glotzer…“ ist sein Commodore, aber immerhin verspricht sein fahrbarer Untersatz Freiheit ohne Ende. Und mit einem ganz besonderen Modell der ersehnten E-Gitarre könnte er als Musiker ganz groß rauskommen. Auch dieser Wunsch ist nicht nur Träumerei. Vinz spielt in einer Band, sie nennen sich The Holy Shit. Schon der Bandname ist Programm. Nicht immer treffen sie jeden Ton und doch spielen sie auch mal in München, zwar nur als Vorgruppe, aber immerhin!

Es sind prägende Jahre. Das Lebensgefühl der 80er wird lebendig. Vinz lässt sich treiben, findet in Kowalczyk einen väterlichen Freund und Arbeitgeber, der ihm Halt gibt. Die Kirche hat viel Einfluss, er wird mit Drogen konfrontiert und gegen die WAA in Wackersdorf muss natürlich demonstriert werden. Er probiert sich aus, er übertreibt nicht nur ein bisschen, er geht an Grenzen und darüber hinaus. Dies alles und noch viel mehr macht „Vinz Solo“ aus. Einen Beziehungstrottel nennt er sich und doch begegnet ihm auch die Liebe, wenngleich nicht alles von Dauer ist. Es ist bei ihm genau so, wie es bei vielen, wie es bei den meisten ist. Da ist er keine Ausnahme.

Sebastian Beck erzählt mit Witz und Hintersinn von Vinz, ich bin ihm gerne gefolgt, habe des Öfteren geschmunzelt und zuweilen laut gelacht. Aber nicht nur das, nicht alles ist Spaß, es wird ernst, bitterernst. Auch diese Seite des Lebens bekommt er zu spüren.

Ein prägendes Stück seines Weges habe ich Vinz begleitet, er hat mich bestens unterhalten. Der Zeitgeist der 80er Jahre auf dem Lande ist gut eingefangen. Sich finden, seinen Weg suchen ist gar nicht so einfach, die Dörfler und ihr zuweilen eingeschränkter Blickwinkel, ihre kleine Welt, sind aufs Beste dargestellt. Der locker-leichte, humorige Schreibstil hat ein Übriges getan, es waren kurzweilige und vergnügliche Lesestunden.

Vinz, machs guad, du wirst es schon packen, das Leben. Mit allen Höhen und Tiefen, eh klar.

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Veröffentlicht am 01.04.2023

Spannendes Verwirrspiel und dazu ein Wiegenlied

Das Wiegenlied: Thriller
2

Wie schön, der 13. Zons-Thriller ist da! Seit dem „Puzzlemörder von Zons“ bin ich Fan von Bastian Mühlenberg, ein wenig auch von Oliver Bergmann und von ihrer Schöpferin Catherine Shepherd sowieso.

…und ...

Wie schön, der 13. Zons-Thriller ist da! Seit dem „Puzzlemörder von Zons“ bin ich Fan von Bastian Mühlenberg, ein wenig auch von Oliver Bergmann und von ihrer Schöpferin Catherine Shepherd sowieso.

…und immer wieder klingt ein Kinderlied an, sowohl in der Gegenwart als auch 500 Jahre zuvor. Ein Wiegenlied…

Schon der Prolog lässt Böses ahnen, aber wie lassen sich diese Gewaltszenen in das Nachstehende einfügen? Noch bin ich komplett ratlos und gehe gleich mal zurück ins ausgehende Mittelalter, nach Zons ins Jahr 1504. Zu noch nachtschlafender Zeit ist die junge Schwester Agnes bereits in der Kapelle zugange, als sie eine Nonne findet - niedergestochen, in der Handfläche ein Brandmal. Der Stadtsoldat Bastian Mühlenberg wird herbeigerufen, leider bleibt es nicht bei dem einen Mord. Auch Oliver Bergmann muss sich in der Gegenwart mit einem Doppelmord auseinandersetzen und auch hier sind weitere Todesfälle aufzuklären - allesamt wurden sie erstochen.

Die beiden Zeitebenen wechseln sich ab. Zusammenhänge tun sich auf wie etwa das Kinderlied, das sich wie ein roter Faden durch beide Erzählstränge zieht. Aber nicht nur dieses Lied, auch wesentliche Merkmale in Verbindung mit den Toten im Heute und im Gestern werden sichtbar. Und immer wieder taucht dieses Teufelsmal auf, wenngleich ich dadurch eher verwirrt bin. Es fehlt nicht nur ein entscheidendes Verbindungsstück, sodass ich meine vermeintlich logischen Lösungsansätze nicht nur einmal verwerfen muss.

Nichts desto trotz führt Catherine Shepherd ihre Leser gekonnt durch dieses Verwirrspiel und am Ende angelangt fügen sich die einzelnen Versatzstücke nonchalant zusammen. Nichts anderes habe ich erwartet.

„Das Wiegenlied“ reiht sich ein in seine zwölf Vorgängerbände, jeder ist in sich abgeschlossen, man kann sie also unabhängig voneinander lesen. Ich aber werde mir keinen Zons-Thriller entgehen lassen, jeder einzelne ist so spannend wie dieser letzte hier, bietet beste Unterhaltung mit authentischen Charakteren – neben hinterhältigen, gewalttätigen Subjekten finden sich auch ehrliche, sympathische Figuren. Beide Epochen haben ihren Reiz, wobei das Zons vor 500 Jahren für mich ganz besonders anziehend wirkt. Ein wiederum gelungener Thriller, den ich am Stück verschlungen habe.

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Veröffentlicht am 29.03.2023

So spannend wie nervenaufreibend

Death Call - Er bringt den Tod (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 8)
2

Lange waren meine Nerven nicht stark genug für Chris Carter, jedoch hat sich dies radikal geändert und so lese ich mich durch die Fälle des Profilers Robert Hunter und seinem Partner Carlos Garcia. Der ...

Lange waren meine Nerven nicht stark genug für Chris Carter, jedoch hat sich dies radikal geändert und so lese ich mich durch die Fälle des Profilers Robert Hunter und seinem Partner Carlos Garcia. Der 8. Band hat es wieder in sich, ich war von Anfang an gefesselt…

…aber so wie Tanya Kaitlins Freundin Karen dann doch nicht. Von Karens Telefon erhält Tanya einen Videoanruf, diese ist nicht nur gefesselt, sie ist auch geknebelt. Zunächst denkt Tanya an einen makaberen Scherz, bis sie eines Besseren belehrt wird. Wie kann sie ihrer Freundin helfen? Lediglich zwei Fragen muss sie beantworten, und dafür bleibt ihr wenig Zeit. Die erste – kein Problem. Bei der zweiten Frage sieht das schon anders aus. Und so muss sie das allzu Schreckliche hilflos mit ansehen.

Eine grausame Geschichte, perfekt durchdacht. So, wie man es von Carter gewohnt ist. Hier passt alles zusammen, der Nervenkitzel tut ein Übriges. Der kaltblütige Killer schreckt vor nichts zurück, beim Lesen spürt man direkt seine sadistische Ader. Es geschehen weitere Morde, Hunter und Garcia gehen systematisch vor, sie sind dabei, die Vorgehensweise des Killers zu begreifen.

Einmal angefangen, kann man – kann ich – keinen Carter-Thriller zur Seite legen, auch diesen nicht. Mittlerweile sind es doch schon einige mehr, auch dieser „Death Call…“ hat mich wieder komplett gefesselt. Wer Chris Carter kennt und seine Bücher mag, ist hier bestens bedient.

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Veröffentlicht am 29.03.2023

Fesselnd, nervenaufreibend, hörenswert

Wolfskinder
2

Jakobsleiter. So heißt das Dorf, deren Bewohner mit denen in der nahe gelegenen Stadt nichts zu tun haben wollen. Was auch umgekehrt genauso gilt. Es ist eine düstere Stimmung, die gleich mit den ersten ...

Jakobsleiter. So heißt das Dorf, deren Bewohner mit denen in der nahe gelegenen Stadt nichts zu tun haben wollen. Was auch umgekehrt genauso gilt. Es ist eine düstere Stimmung, die gleich mit den ersten Worten hervorwabert und nicht mehr weichen will.

Mit Smilla reise ich nach Jakobsleiter und zurück in die Nacht, die sie mit ihrer besten Freundin Juli im Freien verbracht hat. Diese Mutprobe wurde schnell zum Albtraum, als Juli weg war und bis heute nicht mehr aufgetaucht ist. Noch immer hofft Smilla, sie zu finden. Was ist damals geschehen? Keiner weiß es, keiner sagt etwas. Diejenigen, die da oben wohnen, schotten sich ab, nicht alle Kinder schicken sie in die Schule - Jakob geht trotz aller Widerstände. Auch er weiß nicht, was mit seiner Freundin Rebekka geschah. Ohne Vorankündigung war sie plötzlich verschwunden. Und doch ist Jakob mir am nächsten, ganz anders die kleine Edith. Sie ist ein Kind der Natur, trotz ihrer Wildheit merkt man ihr an, dass sie auch ohne zu sprechen ihre Umgebung genauestens wahrnimmt.

Es muss nicht immer etwas Schlechtes dahinterstecken, wenn sich eine Gemeinschaft dazu entscheidet, der Zivilisation ade zu sagen, um den Lebensstil der Vorfahren anzunehmen. Es gibt sie, diese naturverbundenen Aussteigertypen. Jedoch kommen mir die Bewohner von Jakobsleiter nicht so vor und ich frage mich, warum isolieren sie sich, warum verschließen sie sich dermaßen, warum gewähren sie Fremden keinen Zutritt. Keinem der Männer da oben möchte ich begegnen.

„Die Wolfskinder“ werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, das Hörbuch lebt von den Erzählern. Es sind namhafte Sprecher, die über 12 Stunden und 51 Minuten exzellent und unheimlich fesselnd versuchen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wobei „unheimlich“ durchaus wörtlich zu nehmen ist. Allen voran Christiane Marx, die Smilla ihre Stimme leiht, zusammen mit ihren Kollegen und Kolleginnen entführen sie ihre Hörer in diese Bergregion, in tiefste menschliche Abgründe.

„Die Männer sind auf den Berg gekommen, um alles kaputt zu machen, was bislang meine Welt war. Doch sie haben die falschen Waffen mitgenommen... Es braucht nur die Wahrheit.“ Dies sind Jakobs Gedanken und diese Wahrheit ist so bitter, so undenkbar und doch letztendlich nachvollziehbar. Es war ein zwar nervenaufreibendes Hören, die Geschichte dahinter hat mich aber derart gefesselt, dass ich gar nicht mehr loslassen wollte. Ein Thriller, der es verdient, als solcher betitelt zu werden.

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Veröffentlicht am 28.03.2023

Spannung pur!

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
2

Ein Auffahrunfall im Kreisverkehr hat ungeahnte Folgen. Jemand beobachtet, wie der Fahrer eines Kleinlasters flüchtet. Später stellt sich dann heraus, dass auf der Ladefläche dieses Lasters eine fast ...

Ein Auffahrunfall im Kreisverkehr hat ungeahnte Folgen. Jemand beobachtet, wie der Fahrer eines Kleinlasters flüchtet. Später stellt sich dann heraus, dass auf der Ladefläche dieses Lasters eine fast unbekleidete Tote liegt. Unübersehbar ist die Privatadresse des Bundeskanzlers auf ihrem Körper eingeritzt. Warum? Was hat dieser Schriftzug zu bedeuten?

Artur Mayer wird auf den Fall angesetzt, an seiner Seite die junge Nele Tschaikowski. Zwei ganz und gar gegensätzliche Typen, die sich trotz aller Differenzen gut ergänzen. Sie sind die Ermittler der neuen Thriller-Reihe von Marc Raabe, der Auftakt hierzu ist gelungen. Die zwei haben Biss, sie sind für mich ein Dream-Team. Artur, Art genannt, ist ein bärbeißiger Charakter, mit dem nicht jeder kann, was ihm aber auch herzlich egal ist. Nele gibt ihm Kontra, sie weiß mit ihm umzugehen. Beide haben mich mit ihrem herben Charme eingefangen, ihre Dialoge sind ein Genuss. Und sie lassen nicht locker, ihr Spürsinn spricht für sie. Auch die neuen Medien spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle, es tauchen Bilder im Netz auf, Fake-News mit all ihren negativen Folgen kennen wir alle.

Alles beginnt gut zwanzig Jahre zuvor. Eine eingeschworene Gruppe Jugendlicher taucht zwischendurch immer wieder auf, die Halbwüchsigen scheinen eine Verbindung zu dem Geschehen im Heute zu haben. Auch wenn beide Zeitebenen für sich stehen, so wird doch sichtbar, dass die Personen von Gestern und die im Heute miteinander zu tun haben. Und sie nähern sich an, die beiden Erzählstränge sind jeder für sich spannend, die Zusammenhänge zunehmend klarer erkennbar. Wenngleich die Richtung sich ändert, meine Vermutungen sich nicht bestätigen, so bin ich doch mit dem Ende sehr zufrieden. Lange sieht es ganz anders aus, die Wendung hat es nochmal in sich. Gut so!

„Der Morgen“ ist ein Thriller, dem ich mich nicht entziehen konnte, es auch gar nicht wollte. Die knapp 600 Seiten waren Spannung pur von der ersten bis zur letzen Seite. Ein Leckerbissen für jeden Thriller-Fan.

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