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Veröffentlicht am 13.09.2025

Turbulente Zeiten im englischen Mittelalter: "Rabenthron" von Rebecca Gablé

Rabenthron
4

England, 11. Jahrhundert: Das geschwächte Land leidet unter der unfähigen Herrschaft König Ethelreds und sieht sich immer wieder Wikingerüberfällen ausgesetzt. Viele Engländer sind müde von den jahrzehntelangen ...

England, 11. Jahrhundert: Das geschwächte Land leidet unter der unfähigen Herrschaft König Ethelreds und sieht sich immer wieder Wikingerüberfällen ausgesetzt. Viele Engländer sind müde von den jahrzehntelangen Kämpfen und ziehen in Erwägung, sich dem dänischen König anzuschließen. So auch Dunstan, der Thane von Helmsby. Aus Loyalität zur englischen Krone begibt sich dessen Neffe Aelfric heimlich mit seinem sechsjährigen Sohn auf die Suche nach dem Ealdorman von East Anglia, um ihm einen hochrangigen dänischen Gefangenen zu übergeben.
Doch die Reise verläuft anders als geplant und die beiden, Aelfric und der Däne Hakon, freunden sich an und werden Teil der Gefolgschaft von Königin Emma. An der Seite der Königin und ihrer Prinzen erleben wir gemeinsam mit Aelfric und Hakon, wie Emma sich im Verlauf der Handlungen von einer jungen, unerfahrenen Königin zu einer geschickten Politikerin mit Weitsicht und Machtbewusstsein entwickelt.

Rebecca Gablé entführt uns in "Rabenthron" wie gewohnt auf sehr unterhaltsame Weise in einen turbulenten Abschnitt englisch-dänischer Geschichte. Dabei lässt sie nicht nur die historischen Persönlichkeiten erlebbar werden, sondern entwirft auch die fiktiven Charaktere sehr lebendig und nahbar - auch wenn die Rettung in letzter Minute und der Sinneswandel des Hauptcharakters Aelfric mich an der ein oder anderen Stelle nicht ganz überzeugen konnte. Diese Details tun dem allgemeinen Lesevergnügen aber nur geringen Abbruch, denn Gablé gelingt es mit dem dritten Roman aus der Helmsby-Reihe erneut, die komplexen historischen Gegebenheiten verständlich und spannend zu schildern.
Ein anregend geschriebener, gut recherchierter Mittelalter-Roman mit Frauen-Power und wunderschönem Farbschnitt - lesenswert, nicht nur für Gablé-Fans!

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 30.01.2026

Seltsame Bilder - die "Sketch Mystery" Hen Na E von Uketsu

HEN NA E - Seltsame Bilder
1

Worum geht's?
In "Hen Na E - seltsame Bilder" entführt uns der japanische Autor Uketsu in eine düstere und faszinierende Welt, die von psychologischen Abgründen und geheimnisvollen Rätseln geprägt ist. ...

Worum geht's?
In "Hen Na E - seltsame Bilder" entführt uns der japanische Autor Uketsu in eine düstere und faszinierende Welt, die von psychologischen Abgründen und geheimnisvollen Rätseln geprägt ist. Die Geschichte beginnt mit einer Psychologie-Vorlesung, die sich um die Bilder eines elfjährigen Mädchens dreht, das seine Mutter ermordet hat. Diese schockierende Prämisse zieht den/die Leser/in sofort in die Handlung hinein. Der Kontrast zwischen der Unschuld eines Kindes und der Grausamkeit einer solchen Tat ist verstörend und fesselnd zugleich. Parallel dazu wird die Geschichte aus der Perspektive eines Studenten erzählt, der in einem düsteren Blog versinkt, anstatt sich um seinen Berufseinstieg zu kümmern. Diese beiden Erzählstränge sind geschickt miteinander verwoben und schaffen eine spannende Dynamik. Erst im Laufe der weiteren Handlung wird klar, wie beide Geschichten zusammenhängen.

Mein Leseeindruck
Der Schreibstil von Uketsu ist zunächst ungewohnt und hier und da etwas einfach, einige Beschreibungen wirken durch sich wiederholende Gedankengänge teilweise langatmig. Dies ist jedoch nur punktuell der Fall. Die Mischung aus Faszination und Beklommenheit, die man beispielsweise aus den Werken Haruki Murakamis kennt, ist jedoch auch hier und insbesondere in der ersten Hälfte des Romans spürbar.
Im weiteren Verlauf der Geschichte werden zahlreiche neue Charaktere eingeführt, was die Komplexität der Handlung erhöht. Die vielen japanischen Namen können für Leser/innen, die sich in der japanischen Sprache nicht auskennen, teilweise verwirrend sein. Ein Personenregister wäre hier hilfreich gewesen.
Die meisten Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die Enthüllungen über die Charaktere und ihre Verbindungen zueinander sind geschickt inszeniert und halten die Lesenden in Atem. Einige der Gewaltszenen sind sehr detailliert geschildert, was ich als unnötig heftig und verstörend empfand.

Fazit
Insgesamt hat mir "Hen na e - seltsame Bilder" sehr gut gefallen. Die Mischung aus psychologischen Elementen, mysteriösen (Bilder-)Rätseln und emotionalen Konflikten macht das Buch zu einem fesselnden Leseerlebnis. Uketsu hat mit dieser "Sketch Mystery" einen eindrucksvollen Beitrag zur zeitgenössischen japanischen Literatur geleistet, der mich gut unterhalten hat und Lust auf weitere Krimis aus seiner Feder macht.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 11.11.2024

"Die steinerne Krone" - fundiert recherchiert, aber alles andere als trocken

Die steinerne Krone
2

Worum geht's?
Während die Sonne unbarmherzig auf Apulien herab strahlt, müht sich der deutsche Archäologe Josef Burger in den 1940er Jahren mit Ausgrabungen rund um das Castel del Monte ab. Ziel der Expedition ...

Worum geht's?
Während die Sonne unbarmherzig auf Apulien herab strahlt, müht sich der deutsche Archäologe Josef Burger in den 1940er Jahren mit Ausgrabungen rund um das Castel del Monte ab. Ziel der Expedition ist es, mehr über den Zweck der mittelalterlichen Burg herauszufinden - und die Erkenntnisse für NS-Propaganda zu verwerten. Bei den Grabungen entdeckt das Team in einem der Turmfundamente ein altes Manuskript, das aus der Zeit Friedrich II zu stammen scheint. Schnell stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine Art Biographie des letzten großen Stauferkaisers handelt, die dessen Aufstieg und Wirken schildert. Und so tauchen wir zusammen mit dem Archäologen Burger in die turbulente Welt des Mittelalters ein...

Mein Leseeindruck:
Dem Autor gelingt es, die komplexe Figur Friedrichs II. lebendig werden zu lassen, indem er den Werdegang und die unterschiedliche Facetten des Herrschers eindrucksvoll darstellt: Wir lernen Friedrich als einen Förderer der Wissenschaften kennen, der Arabisch spricht und eine eigene Universität gründet. Wir erleben ihn als weisen und vorausschauenden Herrscher, der auf Drängen des Papstes zu einem Kreuzzug nach Jerusalem aufbricht, und dort durch sein diplomatisches Geschick ein Friedensabkommen schließt. Schließlich erfahren wir aber auch von seiner jähzornigen und despotischen Seite, die er seinen Gegnern gegenüber offenbart.
Der Schreibstil wechselt zwischen wirklich mitreißenden, und beschreibenden, aufzählungsartigen Passagen. Insgesamt fällt es leicht, sich in die historische Kulisse des Hochmittelalters hineinzudenken. Die Zeitsprünge zur Ausgrabung im Jahr 1943 bilden einen spannenden Rahmen und machen die Lektüre unterhaltsam.

Mein Gesamtfazit:
„Die Steinerne Krone“ ist ein gut lesbarer historischer Roman, der sowohl Mittelalterfans als auch allgemein geschichtlich interessierte Leser/innen ansprechen dürfte. Michael Peinkofer erzählt die Geschichte Friedrichs II. auf eine Weise, die sowohl informativ als auch unterhaltsam ist. Dabei zeichnet er ein überzeugendes Bild dieses vielschichtigen Charakters und seiner Umwelt. Kein Pageturner, aber dennoch eine lohnenswerte Lektüre!

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  • Thema
Veröffentlicht am 08.04.2023

Einmal Boston und zurück - Mit dem Fahrrad um die Welt

Die Radfahrerin
0

Kurze Inhaltszusammenfassung
Boston, 1894. Alles beginnt mit einer Wette: Ist eine Frau in der Lage, mit einem Fahrrad die Welt zu umrunden? John Dowe, Literaturprofessor und Verfechter der Gleichberechtigung ...

Kurze Inhaltszusammenfassung
Boston, 1894. Alles beginnt mit einer Wette: Ist eine Frau in der Lage, mit einem Fahrrad die Welt zu umrunden? John Dowe, Literaturprofessor und Verfechter der Gleichberechtigung von Frauen, meint ja. Samuel Thatcher, Zuckergroßhändler und Vertreter der androzentrischen Weltsicht dieser Zeit hält ein solches Unterfangen dagegen für absurd. Der Wetteinsatz beträgt fünftausend Dollar, ein regelrechtes Vermögen.
Die junge Mutter und Annoncenverkäuferin Anna Kopchovsky stellt sich dieser Herausforderung und radelt am 25. Juni 1894 los. Auf ihrer Reise lernt sie nicht nur neue Städte, Unterstützer*innen und Verehrer kennen, sondern muss sich mit zahlreichen Gefahren und Gegnern ihres Vorhabens auseinandersetzen. Dabei jedoch entdeckt sie auch ganz neue Seiten an und Freiheiten für sich selbst.

Mein Leseeindruck
Der lebendige Schreibstil lässt uns direkt in die Geschichte eintauchen und mit Annie mitfühlen. Unterstützt wird dies durch eingestreute Kapitel, die als Tagebucheinträge formuliert sind und das Geschehen eindrücklich aus Annies Perspektive schildern.
Die Lebensbedingungen von Annie und ihrer Familie sind bedrückend, das wird beim Lesen mehr als deutlich, und stehen sicherlich stellvertretend für viele Einwanderungsbiographien dieser Zeit. Auch die Rückschläge, gegen die Annie bereits vor Antritt ihrer Fahrt zu kämpfen hat, zeichnen das Frauen- und Gesellschaftsbild der damaligen Zeit anschaulich nach. So muss sie sich nicht nur gegen Widerstand aus ihrer eigenen Familie durchsetzen, sondern auch mit einer kritischen, häufig frauenfeindlichen öffentlichen Meinung umgehen lernen. So wird die Reise auch zu einer emotionalen bzw. charakterlichen Reifeprüfung für die junge Frau, deren Entwicklung zu einer selbstbewussten, selbstbestimmten Persönlichkeit wir im Verlauf der Handlungen hautnah mitverfolgen können.

Mein Fazit
Mit "Die Radfahrerin" gelingt es Susanne Leonard, die harschen Lebensrealitäten von Einwander- und Arbeiterfamilien um 1900 in den USA eindrücklich zu schildern. Das amerikanische Narrativ "From dishwasher to millionaire" wird hier anhand der Biographie von einer jungen Einwanderin verarbeitet. Dabei steht nicht so sehr die eigentliche Weltumrundung mit dem Fahrrad, sondern deren historischer Hintergrund und die Charakterentwicklung Annies im Vordergrund - vermutlich auch, weil der größte Teil der Reise nicht historisch greifbar ist. Trotzdem wird bei der Lektüre von "Annie Londonderry" das Bild einer willensstarken jungen Frau deutlich, deren mutige Leistung die Welt zu Unrecht vergessen hat.

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Die Abschaffung des Todes - wenig Thrill, hohe Brisanz

Die Abschaffung des Todes
3

Worum geht's?
James Henry Windover, Gründer und Geschäftsführer der höchst exklusiven Windover View-Zeitung, erlaubt uns einen Blick hinter die Kulissen seiner journalistischen Arbeit: Redaktionskonferenzen, ...

Worum geht's?
James Henry Windover, Gründer und Geschäftsführer der höchst exklusiven Windover View-Zeitung, erlaubt uns einen Blick hinter die Kulissen seiner journalistischen Arbeit: Redaktionskonferenzen, Kontaktpflege, Investigativrecherchen - regelmäßig werden für einen kleinen Kreis gut zahlender Abonnenten auf diese Weise die wichtigsten Entwicklungen des Weltgeschehens zusammengestellt. Als Windover die Möglichkeit erhält, an dem Investorentreffen eines Start-ups teilzunehmen, das mittels Medizin- und Nanotechnologie den Upload des menschlichen Bewusstseins in die Cloud ermöglichen will, macht sich Windover daran, herauszufinden, was wirklich hinter der Geschäftsidee steckt. Sein journalistischer Spürsinn führt ihn, mit Unterstützung seines Redaktionsteams, zu einem Schriftsteller, den die Investoren mit Schweigegeldzahlungen ruhig zu stellen versuchen. Auf der Suche nach der Wahrheit wird Windover schnell klar, dass seine Recherchen jemand Mächtigem gehörig zu stören scheinen.

Mein Leseeindruck
Eschbach gelingt hier, wie gewohnt, ein fesselnder und unterhaltsamer Einstieg in die Geschichte, der von einer angenehmen Spannung um die Geschäftsidee von Youvatar geprägt ist. Zusätzlich gewürzt wird das Ganze durch den Anspruch des Romans, es handle sich hier um eine reale Begebenheit, bei der lediglich die Namen der handelnden Personen verändert wurden, um rechtliche Konsequenzen zu umgehen.
In den ersten Kapiteln werden zahlreiche Charaktere eingeführt, was die Lektüre etwas unübersichtlich machen kann. Auch die vielen neuro- und naturwissenschaftliche Zusammenhänge, Theorien und Beispiele gestalten die Lektüre bisweilen komplex, sind aber notwendige Voraussetzungen, um die späteren Entwicklungen nachvollziehen zu können. Der hin und wieder eingestreute trockene Humor des britischen Protagonisten, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, bietet hier eine erfrischende und unterhaltsame Abwechslung.
In der zweiten Hälfte des Romans entwickelt sich der Spannungsbogen dann sehr schnell - bevor er leider auch schon wieder vorbei ist und die einzelnen Handlungsstränge nach und nach ihre, teilweise vorhersehbare und insgesamt eher ernüchternde Auflösung finden.
Während mich der Roman sprachlich-erzählerisch überzeugen konnte, habe ich inhaltlich die klassischen Thriller-Elemente vermisst und mich stellenweise schwer getan, der Story zu folgen.

Fazit
Eschbachs neuester Roman verspricht leider mehr als er halten kann. Trotz der Brisanz des Themas und des gewohnt flüssigen Schreibstils von A. Eschbach habe ich mich mit der Lektüre schwer getan und hätte das Buch bisweilen am liebsten zur Seite gelegt. Nach einer zwar unterhaltsamen, aber ruhigen Exposition nimmt die Story etwas an Fahrt auf, enttäuscht jedoch mit einem (für mich) unbefriedigenden und nicht vollkommen überzeugenden Schluss.
Man kann den Roman gemäß seines eingangs postulierten Anspruchs als Parabel auf den Erfindergeist und die Ausstrahlungskraft des Silicon Valley verstehen: "Die Abschaffung des Todes" liefert interessante Analysen und Gedankenanstöße zu aktuellen Entwicklungen, gängigen Geschäftspraktiken sowie realen (auch streitbaren) Charakteren aus der Welt der IT- und Hightech-Industrie. Ob die Bezeichnung "Thriller" für dieses Gedankenspiel passend ist, möge jede/r selbst entscheiden.

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