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Veröffentlicht am 03.08.2023

Bleibt in Erinnerung

Und morgen ein neuer Tag
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Zwischen all den Krimis und Thrillern brauche ich auch manchmal was für’s Herz. Da kam mir „Morgen ein neuer Tag“ gerade recht. Dachte ich, denn bei diesem Cover habe ich mir vorgestellt, dass es eine ...

Zwischen all den Krimis und Thrillern brauche ich auch manchmal was für’s Herz. Da kam mir „Morgen ein neuer Tag“ gerade recht. Dachte ich, denn bei diesem Cover habe ich mir vorgestellt, dass es eine seichte Geschichte ist, die man mal zwischendurch lesen kann. Weit gefehlt, denn dies ist alles andere als ein Buch, was einen wohlig zurücklässt.

Die Autorin Claire Alexander sagte, dass Meredith ihr ähnlicher sei, als ihr lieb ist. Wie viel Persönliches in diesem Roman steckt, lässt sich aber nicht sagen. Die Bandbreite der Themen reicht von Depression über Angststörungen bis hin zu Missbrauch und Gewalt. Also alles andere als seicht. Meredith hat einiges hinter sich, weswegen sie diese Themen beschäftigen. Trotz ihrer Ängste ist sie eine starke Frau, die versucht, wieder nach vorne zu blicken. Erzählt wird die Geschichte parallel aus Gegenwart und Vergangenheit, so dass wir erfahren, was Meredith widerfahren ist und weswegen sie sich in dieser Situation befindet. In der Isolation, abgeschottet. Sie puzzelt gerne, hat am liebsten die Gesellschaft ihrer Katze. Ihre Freundin Sadie ist ebenfalls willkommen, auch wenn Meredith jedes Mail zu spüren bekommt, dass die Unterschiede zwischen ihnen sehr groß sind.

Im Gegensatz zu den vielen Schicksalsschlägen steht die Sprache. Die ist sehr umgangssprachlich und lockert die Handlung dadurch zwar etwas auf, kann die Schwere jedoch nicht ganz vertreiben. Denn auch in der Übersetzung gehen die Emotionen nicht verloren, sind genauso, wie sie gefühlt werden sollen. Das ist eines der wenigen Bücher, bei dem ich sagen kann, dass die Übersetzerin Stefanie Retterbush ganze Arbeit geleistet hat, um die Geschichte rund zu machen und ihr das gewisse Etwas zu geben. Im Nachhinein nicht verwunderlich, da sie zum Beispiel auch „Ohne ein einziges Wort“ und „Mr Wrong Number“ übersetzt hat, die sprachlich ebenfalls super waren.

Fazit: Für mich persönlich steckt zwischen den Zeilen zu viel Negativität, dennoch empfehle ich dieses Buch ob der Themen und der Sprache wegen weiter. Es ist berührend, regt zum Nachdenken an, kann durchaus pieksen - und bleibt garantiert in Erinnerung.

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Es läuft einem eiskalt den Rücken runter

Zwei Fremde
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Dass ein Hotel als Kulisse für spannenden Stoff bestens geeignet ist, hat ja schon Stephen King mit „Shining“ gezeigt. Thriller, deren Setting ein abgeschiedener oder abgeschnittener Ort ist, sind ebenfalls ...

Dass ein Hotel als Kulisse für spannenden Stoff bestens geeignet ist, hat ja schon Stephen King mit „Shining“ gezeigt. Thriller, deren Setting ein abgeschiedener oder abgeschnittener Ort ist, sind ebenfalls beliebt und Martin Griffin hat diese beiden Attribute nun miteinander verbunden.

Remie als Protagonistin hat mir gut gefallen. Ihre Beweggründe werden mit fortlaufender Geschichte immer sichtbarer. Ihr Hintergrund macht sie zu einer würdigen Gegnerin der beiden Fremden in deren Verwirrspiel. Man versteht mehr und mehr, wie Remies Bruder in diesem Geflecht von Lügen verwoben ist und was seine Rolle in dieser verschneiten Winternacht ist. Das Band zwischen den Geschwistern ist stark, obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten.

Spannung ist durch die Atmosphäre unterschwellig immer vorhanden. Remie weiß, dass ein Fehler ihr Leben bedeuten könnte. Sie weiß jedoch nicht, wem sie vertrauen kann. Als Leser findet man sich in einem Ping-Pong-Spiel zwischen Misstrauen und Vermutungen wieder, während man selbst versucht, den Gefangenen und den echten Officer zu entlarven. Das führt dazu, dass die Spannungskurve steigt. Ein paar Längen hat die Geschichte, dennoch, die waren für mich aber nicht weiter schlimm. Als Leser ist so eine kurze Pause ganz gut, um sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen, welche Figur welche Hinweise gegeben hat, die sie (oder ihn) entlarven könnten.

Fazit: Zu einer Frau an abgeschiedenen Ort fügt man ein gewaltiges Naturereignis hinzu und würzt das Ganze mit zwei Fremden. Heraus kommt eine spannende Story, die einem eiskalt den Rücken hinunterläuft. Brrr!

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Zweiter Blick lohnt sich

Heimwärts
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Mit ihrem 688 Seiten starken Buch hat Kate Morton die Erwartungen mal wieder hochgeschraubt. Lange genug mussten die deutschen Fans auf ihren neuesten Spannungsroman warten.

Zugegeben, das Konstrukt ...

Mit ihrem 688 Seiten starken Buch hat Kate Morton die Erwartungen mal wieder hochgeschraubt. Lange genug mussten die deutschen Fans auf ihren neuesten Spannungsroman warten.

Zugegeben, das Konstrukt „junge Frau kommt nach langer Zeit zurück nach Hause und lüftet dann ein ewig gehütetes Familiengeheimnis“ ist schon ziemlich ausgelutscht. Allerdings hat jede Familie ihre eigenen Geheimnisse, sodass jede einzelne dieser Geschichten auch wieder etwas Neues mit sich bringt. Und hier gibt es einen Bonus: ein Buch im Buch. Kate Morton erweckt den Autor Daniel Miller zum Leben und präsentiert uns Lesenden so einen ungelösten Mordfall in Form einer True Crime Story in ihrem Roman. Ab da hat das Buch einen Sog auf mich ausgeübt, den ich lange beim (allgemeinen) Lesen vermisst hatte.

Wie Morton immer wieder betont, schreibt sie keine Krimis oder Thriller, sondern Romane mit dramatischen oder tragischen Elementen. Das beschreibt ihren Stil tatsächlich sehr gut. Denn obwohl die Spannung vorhanden ist, ist sie nicht das vordergründige Element. Es sind eher die Atmosphäre, die Dynamik der Familie, die Umstände, außergewöhnliche Charaktere, die die Lesenden in ihren Bann ziehen.

Auch hier ist die Protagonistin sehr eigen, mir anfangs sogar unsympathisch. Sie hat ihren ganz eigenen Weg gefunden und beschritten. Wie sie mit ihrer Familiengeschichte umgeht und den Geheimnissen, die sie im Laufe der Story lüftet, kann man vielleicht nur nachvollziehen, wenn man selbst schon in dieser Situation gesteckt hat.

Die Geschichte spannt sich über einen Zeitraum von sechzig Jahren - und ja: Sie hatte ihre Längen an der einen oder anderen Stelle. Dennoch macht dieser Kritikpunkt das Buch nicht schlecht. Es gibt eben Geschichten, die brauchen eine Weile, bis sie anlaufen und überzeugen. Fast wie bei einem Käsekuchen. Der muss schließlich auch erst aufgehen, bevor er schmeckt.

Fazit: Wieder einmal eine Geschichte, die auf den zweiten Blick so viel mehr ist, als das Wörtchen „Roman“ verspricht. Eine Erzählung über die Verbundenheit, die man mit der Heimat hat. Über Mutterschaft und Muttersein und vor allem über Verrat. Kann man gut und gerne ein zweites Mal lesen.

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Veröffentlicht am 17.05.2023

Lässt einen bedrückt zurück

Die Schwester
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Maras Schwester Lisa ist die perfekte Frau, Mutter und Ärztin - hat immer alles im Griff und beschwert sich nie. Und dann ist sie eines Tages einfach verschwunden...

Pia Meyer von der Kripo Neustadt ...

Maras Schwester Lisa ist die perfekte Frau, Mutter und Ärztin - hat immer alles im Griff und beschwert sich nie. Und dann ist sie eines Tages einfach verschwunden...

Pia Meyer von der Kripo Neustadt kann keine Hinweise auf ein unfreiwilliges Verschwinden finden und so werden die Ermittlungen eingestellt. Mara kann aber nicht glauben, dass ihre Schwester freiwillig ihre Familie zurückgelassen hat, und versucht den Tag, an dem sie zuletzt gesehen wurde, zu rekonstruieren. Dabei stößt sie auf immer mehr Ungereimtheiten.

Zitat Pos. 1004:
"Aus Erfahrung wusste Pia, dass von den zweihundert bis dreihundert Personen, die an jedem Tag in Deutschland vermisst gemeldet wurden, nicht nur die meisten innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder auftauchten, sondern dass sie im Nachhinein oft gar nicht wirklich verschwunden gewesen waren."

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Sicht von Mara und der Kommissarin Pia erzählt. Die erste Hälfte des Buches waren daher hauptsächlich Spekulationen und "Was-wäre-wenn"-Szenarien. Es gibt einige verschiedene Figuren, die teilweise recht interessant sind. Aber auch ein paar private Details aus dem Leben der beiden Protagonisten, die meiner Meinung nach überflüssig waren und die nur vom Geschehen ablenkten. So dümpelte die Story vor sich hin - bis eine Leiche gefunden wird. Schlagartig schnellt der Spannungsbogen nach oben und es kam endlich etwas ins Rollen.
Die Aufklärung des Falls war aufregend und konnte mich so doch noch von diesem Titel begeistern. Auf Details möchte ich diesmal nicht weiter eingehen, weil sie zu viel verraten würden, aber der Hintergrund des Ganzen ist höchst erschütternd und fast nicht nachvollziehbar, obwohl ich sicher schon mal von "so etwas" gehört hatte. Ein richtiges Happy End ist in diesem Buch nicht zu finden und ließ mich noch einige Zeit bedrückt zurück.

Fazit: Nach einem etwas langatmigen Start gipfelt dieser Kriminalroman in einer dramatischen Story, die einen sehr bedrückt und über deren Thema es mehr Aufklärung geben müsste.

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Veröffentlicht am 10.04.2023

Spannungsroman mit Tiefgang

Die 22 Tode der Madison May
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Das Thema „Zeitreisen“ ist seit einigen Jahren präsenter denn je. Filme und Serien erzählen auf jede mögliche Art darüber. Sei es, die Zeit zurückzudrehen, in die Zukunft zu reisen oder ein Paralleluniversum ...

Das Thema „Zeitreisen“ ist seit einigen Jahren präsenter denn je. Filme und Serien erzählen auf jede mögliche Art darüber. Sei es, die Zeit zurückzudrehen, in die Zukunft zu reisen oder ein Paralleluniversum zu besuchen: Hier ist alles möglich. Nach „Die Frau des Zeitreisenden“ habe ich lange kein Buch mehr gefunden, welches mir ebenso viel Spaß gemacht hat. Bis mir Madison May in die Finger geriet.

Zugegeben empfinde ich es als ziemlich schwer, schriftlich Zeitreisen oder Paralleluniversen darzustellen. Das Medium „Film“ ist dafür besser geeignet, denn als Zuschauer staunt man unter Umständen ebenso wie der Protagonist, wenn sich eine neue Welt auftut. Bei Büchern hingegen ist es ein schmaler Grat, alles möglichst anschaulich zu beschreiben, ohne dass sich die Story dadurch zieht und verlangsamt. Max Barry hat einen guten Mittelweg gefunden. Während das Buch im Englischen als „Thriller“ gelistet ist, findet man es im deutschen als „Roman“ - und das spiegelt auch meinen Eindruck wider.

Zwar gibt es einige Spannungselemente. Die Mordrate ist sicher höher als in vielen anderen Thrillern. Dennoch ist die Geschichte von einer Leichtigkeit geprägt, die beim Lesen ein gutes Gefühl macht. Sie hat nichts Düsteres oder Beklemmendes. Felicity führte mich mit ihrer charmanten und zugewandten Art durch die Story, so dass ich mich wirklich dabei ertappte, wie ich mir Gedanken über Paralleluniversen machte. Auch Madison hat einen guten Eindruck bei mir hinterlassen, ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.

Fazit: Wer dem Thema Zeitreise nicht abgeneigt ist, wird sicher Spaß mit diesem Buch haben. Allerdings sollte man nicht zu viel hinterfragen oder vergleichen. Einfach genießen.

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