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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2023

Sparen auf japanisch

3000 Yen fürs Glück
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Was kann man mit Sparen erreichen und wofür sollte man sein Geld ausgeben? Welchen Einfluss hat Geld auf unser Leben und unseren Charakter?

Das Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen ...

Was kann man mit Sparen erreichen und wofür sollte man sein Geld ausgeben? Welchen Einfluss hat Geld auf unser Leben und unseren Charakter?

Das Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite mochte ich die Familiengeschichte, die Einblicke in die japanische Kultur, der Blick auf die Traditionen und das Leben in Japan. Ich folgte gern den Charakteren bei ihrer Entwicklung. Die kulturellen Unterschiede, die man beim Lesen feststellte, waren spannend. Auch die ganzen Hintergrundinformationen zur Umgebung, zur Stadt und Japan selbst, waren schön beschrieben und interessant.

Auf der anderen Seite kam ich mir bei manchen Passagen wie bei einer Rentenberatung vor. Die Geschichte kippte von einem Roman in ein Sachbuch und nach dem Abschnitt wieder zurück. Die Ratschläge und die Berechnungen wirkten manchmal wie ein Fremdkörper in der Geschichte, was den Lesefluss etwas störte. Man wurde aus der Familie herausgerissen und in die Bankberatung hineingeworfen. Die Verbindung von beiden Seiten war leider nicht so gut gelungen. Die Tipps an sich, waren gut und nachvollziehbar.

Die Idee, ein Buch zum Thema Sparen und Altersvorsorge mit einer Familiengeschichte zu verbinden, ist gut, da es das Sparenthema greifbarer und verständlicher macht, aber leider war es nicht so gut umgesetzt worden.

Cheyenne Dreißigacker, die Übersetzerin, hat am Ende noch ein paar Worte zur Übersetzung hinzugefügt. Diese sollte man lesen, um bestimmte Verhaltensweisen besser zu verstehen. Auch das Glossar am Ende des Buches war hilfreich.

Veröffentlicht am 21.04.2023

Für Katzenfans

Auf Samtpfoten durch die Geschichte
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Katzen gehören mit zu des Deutschen liebsten Haustiere. Doch welche Rolle spielte eigentlich die Katze in der Weltgeschichte? Waren sie schon immer da und so beliebt? Wo kann man in der Geschichte Spuren ...

Katzen gehören mit zu des Deutschen liebsten Haustiere. Doch welche Rolle spielte eigentlich die Katze in der Weltgeschichte? Waren sie schon immer da und so beliebt? Wo kann man in der Geschichte Spuren von ihnen finden?

Zusammen mit der Katzendame Baba streift der Autor und der Lesende durch die (Welt-)Geschichte. Alles wird aus ihrer Sicht geschrieben, d.h. eine Katze erzählt die Geschichte. Für mich war das etwas befremdlich, da ich das Vermenschlichen von Tieren (außer in Kinderliteratur) nicht so mag. Auch fand ich leider keinen so richtigen Zugang zu den Bildern von Baba in historischen Kostümen, auch wenn sie sehr umfangreich und der Epoche entsprechend angepasst, gestaltet wurden. Am Ende des Buches beschreibt der Autor wie es zu den ganzen Kostümen und der Idee kam. Der Schreibstil war für mich schwierig. Die erzählende Katze konnte mich leider nicht einfangen. Da das Buch durchaus auch als Sachbuch angesehen werden kann, war für mich dieser Schreibstil nicht passend. Er kann aber durchaus Lesenden, die die "trockenen" Sachbücher nicht mögen, gefallen.

Die geschichtlichen Dokumente wie z.B. Zeitungsausschnitte, Poster, Texte und Kunstgegenstände, die zusätzlich hinzugefügt wurden, fand ich gut und interessant, da sie aufzeigen, welchen Einfluss die Katzen auf das Leben der Menschen hatten. Sie waren nicht nur für die Jagd gegen das Ungeziefer gut, sondern waren auch Vorbild für das Frauenbild (z.B. Kleopatra). Sie wurden geliebt, gefüttert und umsorgt. Jedoch nicht überall auf der Welt. In einigen Gebieten mussten sie sich ihren Platz erst erkämpfen und behaupten.

Der Lesende bekommt die (nicht allumfassende) Weltgeschichte aus Katzensicht präsentiert. Viele bekannte Namen von Herrscher:innen und Künstler:innen werden erwähnt und am Ende des Buches findet man noch Anregungen zu Büchern in denen die Katzen eine Rolle spielen.

Für Katzenliebhaber:innen ein schöner Schmöker mit vielen geschichtlichen Fakten. Wer weiß, ob nicht die eigene Katze schon mehr erlebt hat, als wir annehmen, denn die Katze hat bekanntermaßen sieben Leben.

Veröffentlicht am 12.04.2023

Wohlfühlbuch

Madame Colette und das Talent zu leben
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Aurèlie Valognes hat ein typisches Wohlfühlbuch geschrieben. Mit einer Tasse Tee, einer Kuscheldecke und diesem Buch kann man wunderbar ein Wochenende auf der Couch verbringen.

Madame Colette ist eine ...

Aurèlie Valognes hat ein typisches Wohlfühlbuch geschrieben. Mit einer Tasse Tee, einer Kuscheldecke und diesem Buch kann man wunderbar ein Wochenende auf der Couch verbringen.

Madame Colette ist eine typisch französische Geschichte mit feinem, ironischen und scharfzüngigen Humor, einer guten Portion Gesellschaftskritik, einer Persönlichkeitsentwicklung und etwas Liebe als Kirsche obendrauf. Die Geschichte liest sich wie eine französische Komödie mit vielen tollen Charakteren, ein paar schrulligen Charaktereigenschaften und jede Menge Pariser Flair.

Das Zusammenspiel zwischen Rose und Colette ist herrlich. Sie wechseln immer wieder die Position. Für mich war Rose manchmal zu naiv, zu nachgiebig und gutmütig, aber sie entwickelte sich, dank Colette, in die richtige Richtung. Das Theater mit ihrem Sohn fand ich etwas überzogen (vor allem die Art des Sohnes). Leider überlagerten diese Passagen etwas die Hauptgeschichte von Rose und Colette. Durch die wenigen Seiten kratzt die Autorin gelegentlich nur an der Oberfläche und überlässt es dann den Lesenden, wie der Handlungsstrang ausgehen könnte.

Insgesamt hat mich die Geschichte trotzdem gut unterhalten und zum Schmunzeln gebracht. Manchmal braucht man auch nicht mehr.

Veröffentlicht am 17.03.2023

Milieustudie aus Leipzig

Aus unseren Feuern
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Es sollte eine Milieubeschreibung sein, die in einer spannenden und umwälzenden Zeit spielte. Mehrere Charaktere, die sich durch die "neue" Zeit kämpfen mussten. Verlieren oder gewinnen. Zurecht kommen ...

Es sollte eine Milieubeschreibung sein, die in einer spannenden und umwälzenden Zeit spielte. Mehrere Charaktere, die sich durch die "neue" Zeit kämpfen mussten. Verlieren oder gewinnen. Zurecht kommen oder stranden. Ein Blick in die ostdeutsche Gesellschaft, wie sie mit der Wende-Euphorie umgegangen sind. Oder gab es diese Euphorie eigentlich nur in den Medien? Was passierte mit den Menschen, die umdenken und sich neu aufstellen mussten? Was geschah mit den jungen Menschen und deren Träumen?

Der Autor packte diese Fragen in eine Geschichte über drei junge Männer, die mit sich und der politischen und gesellschaftlichen Situation hadern. Es gab sehr viele dunkle, trostlose Szenen, die den Lesenden in eine bedrückende Stimmung bringen kann. Die Hoffnungslosigkeit, der Frust, die Ängste und die geringe Perspektive sorgten für eine stetig düstere Stimmung. Der Autor beschreibt die Freundschaft, den Tod und die Arbeit von Heiko (dem Bestatter) sehr detailliert, recht derb und ohne Rücksicht auf political correctness. So, wie die jungen Männer zu dieser Zeit sprachen und fühlten. Ab und an blitzte etwas Humor in den Dialogen auf, aber der war eher bittersüß.

Immer wieder hoffte man auf den erlösenden Moment, der etwas mehr Licht in die Geschichte bringt, aber gefunden habe ich diesen nicht. Im Gegenteil, die Geschichte wurde leider immer zäher und anstrengender zu lesen. Ich habe mich durch die Zeilen gekämpft und gehofft, dass mich die Charaktere doch noch irgendwie packen können. Da ich selbst zu dieser Zeit im Osten gelebt habe, konnte ich einige Punkte gut nachvollziehen, aber so richtig konnte mich die Geschichte nicht einfangen und mitreißen. Schade.

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Veröffentlicht am 05.02.2023

Aus dem Leben

Wie ich einmal alles schaffen wollte, was ich mir schon immer vorgenommen habe
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Wer kennt das nicht? Das Jahr geht zu Ende und ein frisches neues "unbeschriebenes" Jahr steht vor der Tür. Die Liste der Vorhaben, die man endlich verwirklichen möchte, ist lang und wird von Lebensoptimierungsmaßnahmen ...

Wer kennt das nicht? Das Jahr geht zu Ende und ein frisches neues "unbeschriebenes" Jahr steht vor der Tür. Die Liste der Vorhaben, die man endlich verwirklichen möchte, ist lang und wird von Lebensoptimierungsmaßnahmen noch ein wenig mehr aufgeblasen. Hoch motiviert wird gestartet, um recht bald stark nachzulassen. Im März haben die meisten Menschen ihre Vorhaben schon wieder ad acta gelegt. Martin Wittmann hat auch viele Dinge auf seiner Liste stehen. Beim Durchlesen der ganzen Wünsche, Ziele und Vorhaben sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Wie will er das alles schaffen?

In diesem Buch kann man seinen Weg verfolgen. Jeder Monat hat ein Vorhaben im Fokus. Die anderen bereits gestarteten Vorhaben werden immer wieder aktualisiert. Je weiter das Jahr fortschreitet, desto angestrengter wirkt sein Vorgehen. Statt Erleichterung und Verbesserung seiner Lebensqualität wird es stressiger und eingeengter. Um alles zu schaffen, optimiert er seinen Tag. Jede Lücke wird genutzt und gefüllt. Obwohl es sich bei diesen Dingen, um seine Wünsche und Ziele handelt, kommt kaum noch Freude auf. Es wirkt wie ein "Hinterherrennen" statt ein Aufnehmen und Verinnerlichen.

Ich fand es interessant zu verfolgen, wie er an seine Ziele herangeht und welche Hilfsmittel oder Ratgeber er dafür verwendet. Der Autor packt neben seinen persönlichen Erfahrungen auch die Studien zu den jeweiligen Themen mit in das Buch. Leider wird dadurch alles recht knapp und oberflächlich.

Es ist trotzdem eine unterhaltsame Geschichte, in der man sich ab und an wiederfinden kann und nicht selten auch mal schmunzelnd mit dem Kopf nicken muss.