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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2024

Insel der Langeweile

Die Insel des Zorns
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Hollywood-Sternchen Lana Farrar verbringt wie jedes Jahr die Osterfeiertage auf ihrer griechischen Privatinsel. Mit von der Partie sind ihr Ehemann Jason, ihr Sohn Leo, ihre Freundin Kate, die Haushälterin ...

Hollywood-Sternchen Lana Farrar verbringt wie jedes Jahr die Osterfeiertage auf ihrer griechischen Privatinsel. Mit von der Partie sind ihr Ehemann Jason, ihr Sohn Leo, ihre Freundin Kate, die Haushälterin Agathi sowie ihr guter Freund Elliot, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Doch schon der erste Tag endet tragisch mit drei Schüssen und viel Blut...

"Die Insel des Zorns" hat einige interessante Ideen. Mit Elliot haben wir einen Erzähler, dem wir nicht trauen können und der selbst uns immer mal an der Nase herumführt. Die Geschichte referiert immer wieder griechische Dramen und versucht auch, deren Aufbau zu imitieren. Auch gibt es immer mal wieder interessante Wendungen, die zumindest ich nicht habe kommen sehen. Leider werden diese netten Ideen ziemlich schlecht umgesetzt.

Vor allem Elliots Erzählerstimme ist ziemlich inkonsistent. Ständig weiß er Dinge, die er eigentlich nicht wissen dürfte, gleichzeitig bekommen wir nie die Erklärung, warum das so ist. Das war tatsächlich eine Sache, die mich ständig aus dem Buch herausgeholt hat, auch wenn ich verstehen kann, dass das andere vielleicht gar nicht stört.

Die sonst relativ innovativen Ideen wurden auch durch die ziemlich klischeehaften Figuren zerstört, gerade den Umgang mit psychischen Krankheiten fand ich unoriginell und leider auch schwierig, ebenso wie ein "Beziehungsdrama" im Zentrum der Geschichte, für dessen Aufklärung ziemlich absurde Mittel verwendet werden.

Leider konnte mich "Die Insel des Zorns" nicht überzeugen, auch wenn es auf dem Papier einige nette Ideen gab.

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Die Regeln der Gangster

Die Regeln des Spiels
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Ray Carney ist ehemaliger Gangster, hat sich aber schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen und konzentriert sich stattdessen auf sein Möbelgeschäft in Harlem. Als er jedoch seiner Tochter Karten für ...

Ray Carney ist ehemaliger Gangster, hat sich aber schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen und konzentriert sich stattdessen auf sein Möbelgeschäft in Harlem. Als er jedoch seiner Tochter Karten für das begehrte Jackson 5-Konzert besorgen muss, sieht er sich gezwungen, wieder mit alten Freunden und neuen Bekanntschaften in die dunkle Unterwelt abzutauchen.

Ich habe echte Schwierigkeiten, diesem Buch eine faire Bewertung zu geben. Einerseits erzählt Whitehead eine spannende Geschichte und taucht wirklich so in das schwarze Harlem der 70er ein, dass man komplett versteht, was diese Community ausmacht und, wie seine Menschen ticken und wo die Probleme liegen. Ich erkenne auch durchaus die preisgekrönte Genialität des Autors und seines Schreibstils und der clevere Humor, der immer wieder hindurchscheint.

Andererseits kann ich einfach nicht leugnen, dass ich diese Lektüre extrem anstrengend fand. Ich habe für diese nicht mal 400 Seiten über zwei Wochen gebraucht, was für meine Verhältnisse echt lang ist. Das lang für mich hauptsächlich an dem sehr komplexen Schreibstil, der ständig ausschweift. Zwar liegt hier sicher auch genau das, wofür Whitehead so viel Lob erhält, doch ich war oft einfach nicht in dem richtigen Headspace, um das wertzuschätzen. Hinzu kam eine doch recht große Menge an Figuren, die ich oft miteinander verwechselte, was auch dazu beitrug, das ich zeitweise der Handlung einfach nicht folgen konnte.

Letztendlich war ich sicher die falsche Person für dieses Buch zum falschen Zeitpunkt. Außerdem ist es sicher erwähnenswert, dass es sich hier um eine lose Fortsetzung von "Harlem Shuffle" handelt, was ich noch nicht gelesen habe. Auch wenn man das Buch sicher aus einzeln lesen kann, hätte es sicher vor allem bei den Figuren geholfen, wenn ich dieses Universum schon gekannt hätte.

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Veröffentlicht am 17.04.2023

Viele Chancen verschenkt

Ich, ein Sachse
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In "Ich, ein Sachse" erzählt uns Samuel Meffire seine Lebensgeschichte: vom Kennenlernen seiner Eltern, über die Kindheit als Afrodeutscher in DDR bis hin zu einer extrem turbulenten Nachwendezeit. Dabei ...

In "Ich, ein Sachse" erzählt uns Samuel Meffire seine Lebensgeschichte: vom Kennenlernen seiner Eltern, über die Kindheit als Afrodeutscher in DDR bis hin zu einer extrem turbulenten Nachwendezeit. Dabei trifft er sowohl auf Nazis als auch auf Minister, tingelt durch Fernsehstudios, kommt aber auch mit dem Gesetz in Konflikt.

Dieses Buch hatte SO viel Potential. Samuel Maffire hat wirklich eine absolut faszinierende Lebensgeschichte, die schon damit losgeht, dass sein Vater ein kamerunischer Austauschstudent in der DDR war, der am Tag seiner Geburt unter nicht komplett geklärten Umständen umkam. Wie Meffire als afrodeutsches Kind in der DDR aufwächst, wird tatsächlich sehr interessant erzählt und auch wenn mich zu diesem Zeitpunkt der doch recht pathetische und leicht selbstmitleidige Schreibstil etwas störte, gefiel es mir da doch noch recht gut.

Leider ging diese Meinung im Laufe des Buches immer mehr ins Schlechte über. Der Autor setzt ziemlich viel Wissen von Leser voraus, vor allem, was Kriminalität und Untergrund angeht, manchmal hatte ich auch echt das Gefühl, dass er meint, dass alle Leser ihn bereits vor der Lektüre kennen (was bei mir nicht der Fall war). Gerade ab der Wendezeit werden inflationär viele Metaphern und sprachliche Bilder genutzt, die irgendwie keine Funktion haben, außer dass alles übertrieben tough klingt. Manche Dinge werden nur angedeutet und nie wieder aufgegriffen, während andere Aspekte bis ins Kleinste beschrieben werden. So gibt es am Ende noch einige offene Fragen beim Lesen bzw. war mir bei manchen Dingen nicht so wirklich bewusst, warum der Autor sie eingebracht hat, wenn er später nicht noch einmal sich darauf zurückbezieht.

Als Meffire über seine eigene Straffälligkeit in den 90ern erzählte, verstand ich nicht mal vollständig, was genau er getan hatte. Sicher ist es schwer, über solch große Fehler zu schreiben, aber wenn ich im Nachhinein den Wikipedia-Eintrag einer Person lesen muss, um zu verstehen, was sie in ihrer Autobiografie geschrieben hat, ist das eigentlich ein schlechtes Zeichen. Mich verwundert all das schon sehr, da Meffire nicht als einziger Autor aufgeführt ist.

Das ist alles wirklich schade. Meffires Geschichte ist an sich unglaublich interessant und verdient es wirklich erzählt zu werden, aber der Schreibstil dieses Buches hat mein Interesse wirklich minimiert.

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Veröffentlicht am 10.04.2023

Würde das heute noch so durchgehen?

Der Zauberer der Smaragdenstadt
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Auch denjenigen, die vom "Zauberer der Smaragdenstadt" noch nie gehört haben, mag die Prämisse begannt vorkommen: Die kleine Ellie und ihr Hündchen Totoschka werden durch einen Sturm von Kansas in das ...

Auch denjenigen, die vom "Zauberer der Smaragdenstadt" noch nie gehört haben, mag die Prämisse begannt vorkommen: Die kleine Ellie und ihr Hündchen Totoschka werden durch einen Sturm von Kansas in das Zauberland gebracht. Um wieder nach Hause zu kommen, müssen sie einen gelben Weg in die Smaragdenstadt begehen, um dort auf den großen Zauberer Goodwin zu treffen. Unterwegs lesen die beiden eine Vogelscheuche, einen Zinnmann und einen Löwen auf, die sich auch alle Hilfe von Goodwin erhoffen.

Ja, dieses Buch ist ein ziemlich auffälliger Abklatsch von "Der Zauberer von Oz" und ein absoluter Klassiker der sozialistischen Kinderliteratur. Vielen, die in der DDR aufgewachsen sind, werden die Bücher ein Begriff sein und auch ich habe als Kind in den 2000ern die Geschichte gelesen, nachdem meine Mutter mir diese ans Herz gelegt hatte.

Was die russische Version vom amerikanischen Original wohl am meisten unterscheidet ist, dass Wolkow sowie einige andere Autoren die Geschichte noch weitergeschrieben haben, sodass man heute in der deutschen Übersetzung auf einen 17-bändigen Zauberland-Epos zurückgreifen kann. Genau das machte neben einem kleinen Ausflug in meine eigene Nostalgie und einem Interesse an der Vergangenheit der Kinderliteratur für mich den Reiz der Lektüre aus. Ich will gern noch in der Reihe weiterlesen und schauen, wie Wolkow und seine Kollegen die Geschichte weitergesponnen haben (Frage am Rande: Ist das schon Fanficton? ;))

Jedoch muss man wirklich ehrlich zugeben, dass dieser erste Band der Reihe eine ziemlich genaue Kopie des "Zauberers von Oz" ist - tatsächlich war ich überrascht, wie viele gleiche Elemente es gab. Tatsächlich fällt es mir wirklich schwer, dieses Werk fair zu bewerten, da ich wirklich nicht weiß, wie viel originellen Ideen hier wirklich drin sind.

Dazu kommt ein Schreibstil, der sicherlich für Kindergeschichten nicht ganz unüblich ist, aber für mein modernes, erwachsenes Auge schon recht gewöhnungsbedürftig war. Außerdem war ich mir aufgrund doch einiger überraschend brutaler Szenen ziemlich schnell sicher, dass ich die Bücher so nie jungen Kindern vorlesen würde.

Ich finde diese Reihe historisch gesehen super spannend und bin sehr an den nächsten Bänden interessiert - doch wenn man den historischen Aspekt ausklammert, war es hier doch kein besonderes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Der Garten der "Introvertierten"

Der Garten der kleinen Wunder
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Toja lebt als Buchillustratorin ziemlich abgeschieden in einem kleinen Haus am Stadtrand. Der besondere Clou ist aber der üppige und wilde Garten drumherum - den auch die kleine Vica wie magisch anzieht. ...

Toja lebt als Buchillustratorin ziemlich abgeschieden in einem kleinen Haus am Stadtrand. Der besondere Clou ist aber der üppige und wilde Garten drumherum - den auch die kleine Vica wie magisch anzieht. Toja und das Kind freunden sich schnell an und merken schnell, dass sie beide Probleme haben, in unserer heutigen, lauten Welt klarzukommen. Nach und nach kann Toja Vica und auch ihre Umwelt von einem alternativen Lebensstil überzeugen.

Eins vorab: Ich gebe der Autorin Recht, dass ruhigere Menschen, die besondere Bedürfnisse haben, in unserer Gesellschaft häufig nicht bedacht werden. Auch bringt sie richtig an, dass diejenigen, die den Normen nicht entsprechen oder diese, zum Beispiel in Form von Prüfungen in der Schule, nicht gerecht werden können, oft auf der Strecke bleiben. Was das angeht, lädt das Buch wirklich zum Nachdenken ein, und das rechne ich ihm hoch an.

Da hört das Positive bei mir leider aber auch schon auf. Ich glaube, mein Hauptproblem an der ganzen Geschichte ist, dass die Autorin nicht zu verstehen scheint, was "introvertiert" bedeutet, denn im Buch ist Introversion das, was Toja und Vica so "anders" macht. Introvertierte Menschen sind eher in sich gekehrt und sind durch soziale Interaktionen schnell ausgelaugt (im Gegensatz zu Extrovertierten, die eher Energie aus sozialen Interaktionen ziehen). Tatsächlich sind schätzungsweise bis zu 50 Prozent unserer Gesellschaft eher introvertiert als extrovertiert. Toja und Vica würde ich eher als hypersensibel oder möglicherweise auf dem autistischen Spektrum bezeichnen. Das ändert natürlich nichts daran, dass, wie bereits erwähnt, die Probleme solcher Menschen auch mehr Anerkennung finden sollten, die Fehlverwendung dieses Begriffs hat mich aber komplett aus der Handlung herausgeholt und zeugt irgendwie davon, dass sich die Autorin gar nicht so richtig mit dem Problem auseinandergesetzt hat. Wenn sie nicht mit dem Begriff so um sich geschmissen hätte, sondern die beiden einfach nur als "anders" oder "nicht der Norm entsprechend" beschrieben hätte, hätte mich das kaum weiter gestört. Ganz davon abgesehen finde ich es komplett unrealistisch, dass im Jahr 2025 ein Teenager und mehrere Erwachsene in ihrem Umfeld noch nie den Begriff "introvertiert" gehört haben und total geflasht sind, wenn ihnen erklärt wird, dass es tatsächlich Leute gibt, die Menschenansammlungen anstrengend finden.

Was mich auch unheimlich gestört hat war, dass immer wieder gegen Schubladendenken gewettert wird, kurz danach aber genau dieses Verhalten von der Autorin selbst vollzogen wird. Es wird beispielsweise kaum Verständnis dafür gezeigt, dass Vicas Vater doch tatsächlich Spaß daran hat, andere Menschen zu sich einzuladen. Und dieses wiederholte Runtermachen von weiblichen Teenagern, die sich für Schminke, Klamotten und Partys interessieren, sollten wir doch eigentlich auch in den 90ern gelassen haben. Irgendwann beschlich mich das Gefühl, dass für die Autorin das ruhige, künstlerische Leben das einzig Richtige ist - und so eine Lebensweise ist ja völlig okay, aber wenn man über andere schlecht redet, die vielleicht eher der Norm entsprechen, beteiligt man sich halt eben auch am Schubladendenken.

Es gab für mich auch viele Ungereimtheiten und unlogische Stellen. Warum hinterfragt zum Beispiel kein Erwachsener, warum diese 14-Jährige so viel Zeit allein in einem Haus mit Leuten verbringt, die ihr so gut wie fremd sind? Wenn es nicht im Klappentext erwähnt worden wäre, hätte ich auch keine Idee gehabt, wie alt Vica ist, weil sie sich manchmal wie eine Achtjährige verhält, während ein paar Seiten später schon ernsthaft über Ausbildung geredet wird.

Wie man merkt, war ich überhaupt nicht begeistert von diesem Buch. Da es sonst ja fast nur gute Rezensionen gibt, scheine ich wohl nicht die Zielgruppe hierfür zu sein. Schade, mit mehr Menschenkenntnis und Realismus hätte die Handlung durchaus was gekonnt.

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