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Veröffentlicht am 05.05.2024

Solide Geschichte

Die Unbestechliche
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„Die Unbestechliche“ spielt in München und beginnt im Jahre 1968. Im Mittelpunkt der Handlung steht Alice, die es geschafft hat bei einem Lokalblatt ein Volontariat zu erhalten. Dort lernt sie das journalistische ...

„Die Unbestechliche“ spielt in München und beginnt im Jahre 1968. Im Mittelpunkt der Handlung steht Alice, die es geschafft hat bei einem Lokalblatt ein Volontariat zu erhalten. Dort lernt sie das journalistische Handwerk, aber muss sich auch mit dem alltäglichen Sexismus auseinander setzen. Ihr cholerischer Chef ist dabei eine besondere Zumutung. Doch die Frauen der Zeitung halten zusammen. Die Situation spitzt sich jedoch zu als Alice eine Reportage über die Frau eines Politikers schreiben soll, die sich aber kurz darauf das Leben nimmt. Alice möchte der Frau endlich eine Stimme geben und ist bereit alles zu geben, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Handlung konzentriert sich auf das Leben von Alice, welches der Leser in Episoden begleitet und dabei auch einen guten Überblick über die historischen Ereignisse von 1968 bis 1977 bekommt. Die Mondlandung, Olympia, der Kalte Krieg und die RAF sind dabei nur einige Themen die angeschnitten werden. In dieser Zeit arbeitet sich Alice von Volontärin immer weiter hoch und das in einer Zeit, in der es Frauen nicht leicht haben in der Berufswelt. Alice ist zudem alleinerziehende Mutter. Man merkt bereits, es werden sehr viele verschiedene Themen im Buch behandelt und ich muss zugeben, dass ich mich öfters gefragt habe wohin die Autorinnen nun mit der Handlung eigentlich hinwollen. Es werden viele historische Themen behandelt, die Unterdrückung der Frauen wird immer wieder in den Mittelpunkt gestellt ...aber irgendwie hat mir doch ein roter Faden gefehlt, der uns durch die Handlung führt. So hat sich die Handlung manchmal doch eher so angefühlt, als wüssten die Autorinnen nicht so ganz wohin mit ihrer Geschichte.

Alice ist eine sympathische Protagonistin, aber niemand der einem lange in Erinnerung bleibt. Und das ist auch mein größter Kritikpunkt an dem ganzen Buch. „Die Unbestechlichen“ ist nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Das Buch ist absolut mittelmäßig und sobald man mit der Geschichte durch ist, hat man die Hälfte schon wieder vergessen, einfach weil die Geschichte und die Charaktere nicht genug hervorstechen können um einen wirklich in Erinnerung zu bleiben. Es ist eine nette Lektüre für zwischendurch, aber ob ich wirklich eine Kaufempfehlung aussprechen würde weiß ich nicht.

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Veröffentlicht am 01.10.2023

Historisches München

Wir träumten vom Sommer
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„Wir träumten vom Sommer“ erzählt die Geschichte von Amrei, die nach zwei Jahren im Ausland nach München zurückkehrt und bei ihrer Großtante einzieht, um dort ihr Studium zu beenden. Dort war sie vor ihrer ...

„Wir träumten vom Sommer“ erzählt die Geschichte von Amrei, die nach zwei Jahren im Ausland nach München zurückkehrt und bei ihrer Großtante einzieht, um dort ihr Studium zu beenden. Dort war sie vor ihrer Abreise hin- und hergerissen zwischen zwei Männern: dem Polizisten Wastl und dem Linksaktivisten David. Doch mittlerweile sind die beiden Freunde geworden. Vor der Kulisse der Olympischen Spiele gerät Amrei zwischen die Fronten.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Die Ereignisse im Jahr 1968 stehen im Schatten der Studentenproteste und arbeiten die Vorgeschichte von Amrei, David und Wastl auf. 1972 stehen die Olympischen Spiele im Vordergrund und nehmen Einfluss auf die drei Protagonisten. Ich liebe historische Romane, allerdings empfand ich „Wir träumten vom Sommer“ doch eher als Liebesroman vor historischem Setting. Zwar hat man natürlich von den Studentenprotesten und dem Attentat währen der Olympischen Spiele schon gehört, aber sonderlich viel wusste ich darüber nicht, weshalb ich umso gespannter war mehr darüber herauszufinden.

„Wir träumten vom Sommer“ war mein erstes Buch der Autorin, weshalb ich mit ihrem Stil nicht vertraut bin. Den Schreibstil fand ich in Ordnung, aber er hat mich auch nicht wirklich begeistert. Die Geschichte ist schlicht erzählt und dem Schreibstil fehlt leider der Wiedererkennungswert. Trotzdem lässt sich die Geschichte soweit gut lesen, aber ich glaube nicht, dass es ein Buch ist was mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Charaktere sind größtenteils recht gelungen dargestellt, allerdings sind mir alle eher fremd geblieben und ich habe mich zu niemandem verbunden gefühlt, weshalb ich die Handlung eher anteilnahmslos verfolgt habe. Amrei mochte ich nicht sonderlich, aber die Szenen mit ihrer Großmutter haben mir gut gefallen.

Ich hätte mir gerade in Hinsicht auf die historischen Ereignisse, die der Roman behandelt, doch etwas mehr erwartet. Was Handlung, Charaktere und Schreibstil angeht ist das Buch nicht schlecht, aber halt auch einfach nicht hervorragend. Mir hat einfach das gewisse Etwas gefehlt. Sobald ich das Buch zugeklappt habe, waren meine Gedanken nicht mehr bei der Geschichte und ich wollte auch nicht wirklich wissen wie es weitergeht. Vielleicht ist das Buch aber auch einfach an eine etwas ältere Zielgruppe gerichtet.

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Veröffentlicht am 27.08.2023

Vier starke Frauen

Das Pferd im Brunnen
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„Das Pferd im Brunnen“ beschäftigt sich mit der Familie von Walja, die im russischen Kurort bei Kasan aufgewachsen ist. Dorthin kehrt sie zurück, als ihre Großmutter stirbt und fängt an sich mit der Geschichte ...

„Das Pferd im Brunnen“ beschäftigt sich mit der Familie von Walja, die im russischen Kurort bei Kasan aufgewachsen ist. Dorthin kehrt sie zurück, als ihre Großmutter stirbt und fängt an sich mit der Geschichte ihrer Familie zu beschäftigen. Die Geschichte beschäftigt sich aber nicht nur mit Walja, sondern auch mit ihrer Großmutter Nina und ihrer Urgroßmutter Tanja, allesamt starke Persönlichkeiten. Das Buch wird als autobiografisch inspirierter Roman vermarket und beschäftigt sich nicht nur mit vier eindrucksvollen Frauen, sondern zeichnet gleichzeitig auch ein interessantes und realistisches Bild von Russland im 20. und 21. Jahrhundert.

Die Frauen stehen im Mittelpunkt der Geschichte und die einzelnen Handlungsstränge sind eng miteinander verbunden. Dabei springt die Handlung zwischen den einzelnen Frauen und auch zwischen den verschiedenen Zeitebenen, was teilweise etwas verwirrend sein kann. Die vier Frauen sind sicherlich eindrucksvoll und jede hat eine interessante Geschichte zu erzählen. Allerdings gelingt es der Autorin nicht wirklich jede Protagonistin individuell herausstechen zu lassen und teilweise verschwimmen die Grenzen zwischen den Charakteren und man muss sich beim lesen in Erinnerung rufen, welcher Charakter nun eigentlich gerade im Mittelpunkt steht.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen der Ich-Perspektive und der 3. Person, was sicherlich nicht jedem Leser zusagt aber in diesem Fall durchaus gut funktioniert, allerdings werden die Beweggründe dafür nicht wirklich deutlich. Der Schreibstil ist recht nüchtern und konnte bei mir keine großen Gefühle hervorbringen. Das Buch ist nicht schlecht geschrieben, aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt und ich fand es teilweise auch schwer am Ball zu bleiben und musste mich zwingen weiterzulesen.

Ich muss an der Stelle leider auch das Cover ansprechen, welches ich absolut grausam finde. Ich weiß nicht was man sich dabei gedacht hat, aber ich würde das Buch wegen dem Cover von selbst niemals in die Hand nehmen. Die Farben sind grell; es ist einfach nicht schön und hat auch nichts mit der Handlung zu tun. Es ist mir ein absolutes Rätsel wer dachte das Cover wäre eine gute Idee und ich bin tatsächlich versucht allein wegen dem hässlichen Cover einen Stern von der Bewertung abzuziehen, weil doch eigentlich jeder Autor ein hübsches Cover verdient hat.

Alles in einem muss ich sagen, dass „Das Pferd im Brunnen“ ein Buch ist, welches ich definitiv kein zweites Mal lesen würde und welches mir auch nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Es hat gute Momente und die Geschichte hat Potential, aber die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Es ist keine schlechte Lektüre, aber mir hat einfach was gefehlt.

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Veröffentlicht am 18.04.2023

Vier Schicksale, ein Fels...

Der weiße Fels
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Im Roman „Der weisse Fels“ steht besagter Fels im Mittelpunkt der Handlung. Im Jahre 2020 reist eine Schriftstellerin in ein mexikanisches Küstenstädtchen und eben dort befindet sich besagter weißer Fels. ...

Im Roman „Der weisse Fels“ steht besagter Fels im Mittelpunkt der Handlung. Im Jahre 2020 reist eine Schriftstellerin in ein mexikanisches Küstenstädtchen und eben dort befindet sich besagter weißer Fels. Und dieser unscheinbare Fels vereint die Schicksale von ganz verschiedenen persönlichkeiten. 1969 flieht Jim Morrison vor dem Vietnamkrieg an den mexikanischen Strand. Anfang des 20. Jahrhundert werden zwei Schwestern des Yoeme-Stamm dorthin verschleppt. Und 1775 findet sich ein spanischer Leutnant an dem Felsen wieder. Anna Hope erzählt eben diese vier Schicksale vor der Kulisse des heiligen Felsen in Mexiko. Vom Inhalt her klang es für mich sehr vielversprechend und ich war gespannt darauf zu sehen wie die Autorin diese ganz unterschiedlichen Schicksale miteinander verbinden würde. Doch eben dies gelingt ihr nur bedingt.

Ich lese gerne in neue Genre rein, die sonst nicht unbedingt mein Geschmack sind und ich hatte ein wirklich gutes Gefühl bei „Der weisse Fels“. Und es gab auch einige Dinge die mir gut gefallen haben. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und ich mochte die Idee sehr gerne. Ich finde es spannend wenn ganz unterschiedliche Schicksale miteinander verknüpft werden und besonders gut gefallen hat mir, dass die einzelnen Handlungsstränge auf verschiedenen Ebenen spielen. Ich liebe historische Elemente in Büchern und war gespannt wie all dies vor der Kulisse Mexikos umgesetzt werden würde.

Leider muss ich aber sagen, dass gerade das verknüpfen der Schicksale nicht wirklich gelungen ist. Vielmehr fühlt es sich beim lesen so an als würde man einzelne Kurzgeschichten lesen, die nicht miteinander zusammen hängen. Und letztendlich haben sie außer dem Felsen auch nichts miteinander zu tun. Ich hätte mir da doch mehr gewünscht und hätte gedacht die Autorin würde tiefer in die Geschichten eintauchen!

Besonders wichtig bei Büchern sind mir immer die Charaktere und selbst eine mittelmäßige Geschichte kann noch einiges herausholen wenn die Charaktere mich überzeugen. Leider war das hier nicht der Fall. Die Charaktere bleiben teilweise namenslos und ihnen fehlt auch ganz klar die Individualität und der Wiedererkennungswert. Einige Leser mögen die Richtung, die die Autorin damit einschlägt vielleicht gefallen, aber für mich war es leider überhaupt nichts. Ich habe schnell gemerkt, dass mir langweilig wurde beim lesen und ich konnte überhaupt kein Interesse für die Charaktere und ihr Schicksal aufbringen, was ich wirklich sehr schade fand.

Alles in einem verspricht das Buch mehr, als es tatsächlich erfüllen kann, weshalb es von mir guten Gewissens keine Empfehlung geben kann! Ich denke es ist hier wirklich reine Geschmackssache, ob einem das Buch und die Erzählart gefällt oder nicht. Ich würde jedem empfehlen in die Leseprobe reinzulesen und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, da man sehr schnell ein Gefühl für das Buch bekommt.

Veröffentlicht am 04.12.2022

Das Zuhause aus philosophischer Sicht

Das Zuhause
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Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte in Paris und promovierte in Florenz. Der Italiener zog selber mehr als 30 Mal um und beleuchtet in „Das Zuhause“ die Philosophie des Wohnes. Dabei ...

Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte in Paris und promovierte in Florenz. Der Italiener zog selber mehr als 30 Mal um und beleuchtet in „Das Zuhause“ die Philosophie des Wohnes. Dabei beschäftigt er sich mit der Frage was ein Zuhause ist und geht dabei sehr genau auf die Aufteilung einzelner Räume ein und wie sehr diese die Psyche prägen können. Im Mittelpunkt steht dabei der Gedanke wie der Mensch die Welt zu seinem Zuhause macht und welche Rolle das Zuhause im Leben eines Menschen spielt.

Mit 160 Seiten ist „Das Zuhause“ nicht sehr dick, aber der Inhalt ist keine leichte Kost und man sollte ein Interesse für Philosophie mitbringen, andernfalls werden sich die Seiten ganz schön in die Länge ziehen. Und so fiel mir der Anfang nicht ganz leicht und ich hatte Probleme in die Gedankenwelt des Philosophen einzutauchen. Besonders der Schreibstil und der Aufbau des Buchs haben mir das lesen erschwert. Ich lese nur selten Sachbücher und wollte unbedingt neues ausprobieren und aus meiner comfort zone ausbrechen, aber „Das Zuhause“ hat es mir dabei nicht ganz leicht gemacht. Wer ein grundlegendes Interesse an Philosophie mitbringt wird dies aber vielleicht anders sehen.

Emanuele Coccia betrachtet nicht nur das Zuhause der Gegenwart sondern unternimmt auch eine Reise in die Vergangenheit und es ist interessant zu sehen wie sich unser Verständnis verändert. Dabei bringt er stets seine eigenen Erfahrungen mit ein, was es leichter macht seinen Gedanken zu folgen. Alles in einem ist das Buch definitiv keine leichte Unterhaltung und es regt den Leser bewusst zum denken an und lädt einen ein selber darüber nachzudenken was einem das Zuhause bedeutet. Für mich war „Das Zuhause“ ein auf und ab der Gefühle und immer wenn mein Interesse geweckt wurde, war es auch schon wieder verloren weil der Autor es nicht schafft konstant den Leser zu unterhalten. Ich würde das Buch empfehlen wenn man ein Interesse für das Thema und ein Interesse für Philosophie mit sich bringt. Die Gruppe die mit dem Buch angesprochen wird ist definitiv eher klein und ich werde das Buch nicht nochmal lesen und hätte grundsätzlich auch eher darauf verzichten können. Aber es war interessant mal einen Ausflug in die Philosophie zu unternehmen.

Ein Pluspunkt bekommt das Buch zweifelsohne für sein Cover, welches nicht nur perfekt zum Inhalt passt, sondern auch ein echter Hingucker ist. Gerade bei Sachbüchern finde ich Cover oftmals schlecht gewählt, aber hier hat der Verlag großartige Arbeit geleistet.

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