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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2024

Schaurig schön mit Luft nach oben

Hunting Souls (Romantasy-Dilogie, Bd. 1)
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Katrina ist 18 Jahre alt und seit kurzem untot. Kein Problem, eigentlich erspart es einem einiges, wenn man sich in der High School nicht dauernd mit diesen ganzen Gefühlsduselein herumschlagen muss. Aber ...

Katrina ist 18 Jahre alt und seit kurzem untot. Kein Problem, eigentlich erspart es einem einiges, wenn man sich in der High School nicht dauernd mit diesen ganzen Gefühlsduselein herumschlagen muss. Aber dann tauchen plötzlich neue Nachbarn auf und das sind nicht nur irgendwelche Nachbarn, nein, die Walkers sind verfeindete Jäger und sie sind auch nicht zufällig zugezogen. Durch einen missglückten Fluch wird Katrina ausgerechnet an Tate Walker, den nervigen Nachbarsjungen gebunden und fortan müssen die beiden aneinander näher sein, als sie sich wünschen …

Katrina und Tate – das ist Slow Burn, das ist Enemies to Lover, das ist Neckerei, das ist eine Liebesgeschichte, die in ihrer Entwicklung viel Spaß macht. Besonders Katrina ist ein toller Charakter, der bis obenhin voll mit Sarkasmus steckt und auch nicht mit bissigen Kommentaren geizt. Neben dieser starken Persönlichkeit bleibt Tate leider ein bisschen blass, da hilft es auch nicht, dass immer wieder Kapitel aus seiner Sicht erzählt werden – aber gut, es ist auch schwer neben Katrina zu bestehen.

In diesem Zuge muss ich unbedingt den Schreibstil erwähnen. Tina Köpken hat eine unglaublich humorvolle, sarkastische Art zu schreiben, die sehr viel Spaß macht zu lesen und einen problemlos durch das Buch trägt. Es wird viel Wert auf Beschreibungen, kleine morbide Details gelegt, was eine tolle Stimmung heraufbeschwört – ein bisschen Addams Family Vibe. Das ganze Zombie-Dasein von Katrina spielt da schon mit rein, ist aber in seinen Regeln so komplex, dass man da über die ein oder andere Logiklücke in ihrem Verhalte lieber hinwegsehen sollte.

Etwas Probleme hatte ich hingegen mit der Handlung. „Hunting Souls“ war für mich ein Buch, das zu viel wollte, das zu viele Handlungsstränge aufgeworfen hat, sodass ich am Ende ein Bündel mit losen Fäden in der Hand hatte, von denen keiner zu einem Ende geführt war. Das fand ich ein bisschen schade, denn Potential wäre hier eindeutig da gewesen. Da es ein Zweiteiler ist, finde ich offene Handlungsstränge an sich nur natürlich, aber wenigsten ein klitzeklein bisschen Klärung hätte ich mir schon gewünscht.

All in all hat mir das Lesen Spaß gemacht, aber man muss mit offenen Enden umgehen können – mit sehr offenen. Wer schwarzen Humor und die Addams Family mag, ist hier aber auf jeden Fall richtig aufgehoben.

Und können wir bitte nochmal ganz kurz einen Moment für die wunderschöne Gestaltung des Buches innehalten? Sowohl Cover, Farbschnitt als auch Innengestaltung sind einfach nur ein (Alb-)Traum <3

Veröffentlicht am 22.01.2024

Zwiegespalten

Das Philosophenschiff
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n "Das Philosophenschiff" erzählt die 100-jährige Architektin Anouk Perleman-Jacob einem Schriftsteller die Geschichte, wie sie als junges Mädchen zusammen mit ihrer Familie und anderen Intellektuellen ...

n "Das Philosophenschiff" erzählt die 100-jährige Architektin Anouk Perleman-Jacob einem Schriftsteller die Geschichte, wie sie als junges Mädchen zusammen mit ihrer Familie und anderen Intellektuellen von Russland aus auf eines der sogenannten Philosophenschiffe ins Exil geschickt wurde. Dann kommt ein letzter Passagier an Board und das ist Lenin.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Zum einen gibt es die Rahmenhandlung, in der Anouk Perleman-Jacob auf den Schriftsteller trifft, ihn in ihr Haus einlädt und dazu überredet, ein Buch über eine Geschichte aus ihrer Kindheit zu schreiben. Dieser Teil ist gelungen, macht Spaß zu lesen und ist auch in dem Tonfall, den ich von Köhlmeier kenne, auf den ich mich gefreut habe und den ich auch ehrlich gesagt, nach der Leseprobe erwartet hätte. Dieser Part nimmt aber leider nur einen relativ geringen Anteil im Buch ein.

Denn dann gibt es da noch die zweite, wesentlich umfangreichere Ebene - Anouk Perleman-Jacobs Geschichte. Die alte Dame erzählt diese aus der Ich-Form und das in einem völlig anderen Ton. Ja, vielleicht ist es ein passenderer Ton, ein mehr gesprochenerer klingender, aber leider auch sehr anstrengend zu lesender. Es ist nicht ganz leicht, der teil verworrenen, springenden Erzählung zu folgen. An sich habe ich nichts dagegen, wenn nicht linear erzählt wird, aber hier war es irgendwie nicht ganz einfach - vielleicht lag das auch daran, dass mir viele Namen und geschichtliche Ereignisse einfach nichts gesagt haben und ich sie dadurch nur schwer einordnen und auch ihre Tragweite vielleicht nicht so richtig einschätzen konnte. Ich muss gestehen, dass ich öfter ins Überfliegen geraten bin und mich leider ein bisschen gelangeilt habe.

Insgesamt hätte ich mir mehr Rahmenhandlung und weniger "Philosophenschiff" gewünscht. Vielleicht sieht das aber jemand, der sich mit der Zeit besser auskennt ganz anders. Gut geschrieben ist dieses Buch mit Sicherheit, nur ist es eben nicht für jeden etwas.

Veröffentlicht am 25.09.2023

Paris alleine reicht nicht

Die Erfindung des Lächelns
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Am 22. August 1911 wird im Pariser Louvre die Mona Lisa gestohlen. Commissaire Lenoir soll sich auf die Suche nach dem verschwundenen Gemälde machen und das stellt sich als ziemliche Herausforderung raus ...

Am 22. August 1911 wird im Pariser Louvre die Mona Lisa gestohlen. Commissaire Lenoir soll sich auf die Suche nach dem verschwundenen Gemälde machen und das stellt sich als ziemliche Herausforderung raus - die Sicherheitsmaßnahmen im Louvre waren eher zweifelhafter Natur und auch von seinen Kollegen kann Lenoir eher wenig Hilfe erwarten, jeder scheint mehr oder weniger seine eigenen Ziele zu verfolgen, von Zusammenarbeit keine Spur - genauso wenig wie von der Mona Lisa. Dafür gibt es jede Menge Verdächtige und Möglichkeiten, was passiert sein könnte.

Mit "Die Erfindung des Lächelns" nimmt uns Tom Hillenbrand mit in das Paris Anfang des 20. Jhds und das ist eine ganz eigene, faszinierende Welt. Er versteht es meisterhaft, die Atmosphäre der Künstlercafes und schummrigen Bars mitzunehmen. Und so ganz nebenbei treffen wir auch noch jede Menge Berühmtheiten der Zeit - Dichter, Künstler, Tänzer, viele Namen, die auch heute noch Bekanntheitsgrad besitzen. Und sie alle scheinen auf die ein oder andere Weise in das Verschwinden der Mona Lisa verwickelt zu sein. Das ist auf der einen Seite wirklich spannend, auf der anderen entstehen dadurch aber auch wahnsinnig viele Nebenstränge, die nicht alle super wichtig sind für das vorankommen der Geschichte. Hier sind für mich bei einigen Abschnitten leider gewisse Längen entstanden und auch die Spannung ist eher auf der Strecke geblieben.

Mir war natürlich klar, dass es sich bei der Geschichte um einen Roman handelt und ich hatte auch schon vorher gelesen, dass der Raub der Mona Lisa zwar ein historischer Tatbestand ist, über den Ablauf selbst aber kaum etwas bekannt ist. Es war also mit künstlerischer Freiheit zu rechnen. Doch irgendwie habe ich trotzdem gedacht, dass sich die Geschichte an noch mehr historischen Fakten entlanghangelt. Letztendlich konnte ich nicht wirklich viel von dem glauben, was ich las und es war mehr eine erfundene Geschichte über den Raub. An sich ist das ja nicht schlimm, ich hatte nur irgendwie etwas mehr historisch belegtes erwartet und war dementsprechend etwas enttäuscht, dass es sich wirklich "nur" um einen Roman handelte.

Insgesamt ist "Die Erfindung des Lächelns" ein unterhaltsames Buch, das mich aber ein bisschen Mühe gekostet hat. Es vermittlet auf jeden Fall einen guten Eindruck der Stimmung von Paris Anfang des 20. Jhds. und das ist für mich auch das stärkste an dem Roman.

Veröffentlicht am 23.04.2023

Der Sparkle ist nicht wirklich übergesprungen

Sparkling – Maries zauberhafte Welt
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Marie ist eine bunte Magierin, die das zaubern aber noch nicht so richtig beherrscht - es ist aber auch gar nicht so einfach, sich auf Magieströme zu konzentrieren, wenn man gleichzeitig an Pancakes und ...

Marie ist eine bunte Magierin, die das zaubern aber noch nicht so richtig beherrscht - es ist aber auch gar nicht so einfach, sich auf Magieströme zu konzentrieren, wenn man gleichzeitig an Pancakes und Muffins denken muss. Als ihr Lehrer und Adoptivvater Luuk verschwindet, muss sie sich zusammen mit Nachbarsjunge Philipp und Gestaltwandler Alfred auf die Suche nach ihm machen. Und die Zeit drängt, denn es naht ein Geistermond ...

Das Cover von "Sparkling" macht einfach nur gute Laune und gefällt mir sehr gut - leider besser als der Inhalt selbst. Die Geschichte ist solide erzählt, aber leider nicht so außergewöhnlich wie sie gerne wäre. Ich habe sie leider als sehr uninspirriert und vorhersehbar empfunden. An der Vorhersehbarkeit hätte ich mich gar nicht weiter gestört, da ich weiß, dass ich nicht mehr wirklich zur Zielgruppe gehöre und somit vermutlich etwas anders lese, aber die Plot-Ideen an sich waren für mich einfach zu gewöhnlich - ich hatte mich auf kreative Ideen gefreut, aber leider nichts gelesen, was nicht schon oft dagewesen wäre.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen, aber auch hier hatte ich auf mehr gehofft, auf Witz und Augenzwinkern, aber als wirklich humorvoll oder lustig habe ich das Buch leider nicht empfunden. Dafür ist die Geschichte einfach zu "normal runter erzählt".

Insgesamt ist "Sparkling" ein solides Buch, nicht mehr und nicht weniger, dem in meinen Augen aber das gewisse Etwas fehlt, um es zu einem wirklich unterhaltsamen Buch zu machen. Der Band ist in sich geschlossen, ließe aber Möglichkeiten für eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 08.04.2023

Beklemmende Eintönigkeit

Institut für gute Mütter
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Weil Frida ihre Tochter unbeaufsichtigt lässt, wird ihr vorläufig das Sorgerecht für die Kleine entzogen - will sie es zurückerlangen, muss sie ein Jahr lang im "Institut für gute Mütter" lernen, was ...

Weil Frida ihre Tochter unbeaufsichtigt lässt, wird ihr vorläufig das Sorgerecht für die Kleine entzogen - will sie es zurückerlangen, muss sie ein Jahr lang im "Institut für gute Mütter" lernen, was es heißt, eine gute Mutter zu sein. Oder zumindest, was der Staat sich unter einer guten Mutter vorstellt. Anhand von KI-Puppen muss Frida zusammen mit anderen gescheiterten Müttern eine Lektion nach der anderen über sich ergehen lassen, egal wie sinnlos und kalt die Lektionen auch scheinen, wer aufbegehrt muss mit Strafen rechnen oder damit, sein eigenes Kind nicht wiederzusehen.

Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch. Die Idee fand ich faszinierend und beklemmend, auch die Vergleiche mit Büchern wie "Der Report der Magdt" oder "Alles, was wir geben mussten" haben mich wirklich neugierig gemacht. Der Anfang des Buches war relativ langsam und bis Frida dann endlich mal im Institut angekommen ist, dauert es gute hundert Seiten und ich muss gestehen, teilweise ein bisschen ungeduldig geworden zu sein. Im Institut selbst ist das Leben eintönig und hart und kalt. Anfangs ging davon noch eine gewisse Faszination am Schrecklichen aus, aber das Schreckliche blieb dabei auf einem relativ gleichtönigen Level ohne große Höhen und Tiefen, was mich irgendwie ein bisschen ermüdet oder abgestumpft hat.

Die KI-Puppen waren für mich das faszinierendste, die Idee hat mir wirklich gefallen und auch ihre Beschreibungen. Das war sehr gelunge, auch wenn ich mich vor den Puppen wirklich gegraust und teilweise sogar geekelt habe - aber das war ja Teil des Konzepts, also gelungen.

Die Erzählweise ist sehr kühl und distanziert. Weder zu Frida noch zu irgendeiner anderen Person konnte ich eine wirkliche Beziehung aufbauen und das hat es für mich dann leider auch ein bisschen schwer gemacht, der Geschichte über die vollen 400 Seiten meine Aufmerksamkeit zu widmen.

Insgesamt fand ich den Gedanken bzw. die Idee der Geschichte spannender oder gelungener als die Umsetzung. Ich hätte mir mehr Schrecken, mehr einschneidendes oder herausstechendes und weniger Eintönigkeit gewünscht. Ich bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben, weil es mich mit interessanten Fragen konfrontiert hat, aber noch einmal würde ich es nicht lesen.