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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2023

Dynamische und abwechslungsreiche Geschichte am Puls der Zeit, aber nur mäßig spannend und mit zu simpler, enttäuschend langweiliger Auflösung.

Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?
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Patrick Dostert befindet sich in Untersuchungshaft- unschuldig. Das behauptet er zumindest steif und fest. Die Indizien sprechen jedoch eine andere Sprache. Patrick wird verdächtigt, eine Frau entführt, ...

Patrick Dostert befindet sich in Untersuchungshaft- unschuldig. Das behauptet er zumindest steif und fest. Die Indizien sprechen jedoch eine andere Sprache. Patrick wird verdächtigt, eine Frau entführt, eine Frau bedroht und eine weitere Frau getötet zu haben. Ein Video, das ihn als unbeherrschten Stalker zeigt, belastet ihn schwer und schürt erste Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Was ist Fakt und was ist Fake und wie soll Patrick seine Unschuld beweisen, wenn nicht einmal seine Frau ihm glaubt und die Polizei keinen anderen Täter in Betracht zieht?

"Fake - Wer soll dir jetzt noch glauben?" ist ein Psychothriller, der wie von Arno Strobel schon gewohnt, moderne Technik in den Fokus rückt, die mehr Fluch als Segen ist. Es wird ein albtraumhaftes Szenario aufgebaut, in dem ein Unschuldiger durch Manipulation zum Hauptverdächtigen eines Schwerverbrechens wird. Die Medien und Nutzer von Social Media springen auf den Zug auf und sorgen dafür, dass eine bisher unbescholtene Person innerhalb kürzester Zeit Renommee, Freunde, Job und Ehefrau verliert. Aber kann es wirklich so einfach sein, einen Unschuldigen ins Gefängnis zu bringen? Wer soll dafür diesen enormen Aufwand betreiben und aus welchem Grund?

Der Roman schildert aus der Ich-Perspektive die Untersuchungshaft von Patrick und wie er dort seine eigene Geschichte erzählt. Diese wirkt dann ein wenig einfältig. Der Schreibstil ist (beabsichtigt?) sehr einfach gehalten, die Dialoge hölzern. Die Gespräche zwischen dem Ehepaar wie die Telefonate und Befragungen der Polizei sind unnatürlich steif und gekünstelt. Die Erzählung aus Sicht von Anwalt und Privatermittler gibt der Geschichte neuen Schwung, lässt die stümperhaft ermittelnden Polizeibeamten bald alt aussehen, während die beiden Verteidiger die richtigen Fragen stellen und ohne Anstrengung Ungereimtheiten auftun.
Die Charaktere bleiben farblos und eindimensional. Patricks naives Verhalten und die Fallen, in die er tappt, machen die Geschichte nicht lebendiger oder glaubwürdiger. So bemitleidet man die Hauptfigur, deren perfektes Leben so schnell aus den Fugen gerät, spürt aber keinen thrillertypischen Nervenkitzel. allzu offensichtlich erscheint, dass die/ der Leser*in auf eine falsche Fährte gelockt werden soll. Die zu erwartende Wende kommt deshalb nicht überraschend, allerdings sehr spät, so dass man am Ende nur mit einer holprigen Erklärung aus Tätersicht abgespeist wird. Das Motiv weiß nicht zu überzeugen und letztlich wirkt der Fallkomplex mit den brutalen Opfern überkonstruiert und in Bezug auf den Täter zu vorhersehbar.

"Fake/Fakt" ist dennoch abwechslungsreich und dynamisch und auch der schlichte Schreibstil und kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man schnell durch die Geschichte rast. Der Aufbau der Geschichte ist ganz originell, die Thematik am Puls der Zeit. Abstriche muss man jedoch bei der kaum vorhandenen Spannung und der simplen und enttäuschend langweiligen Auflösung machen.

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Veröffentlicht am 31.03.2023

Geheimnisvolle Familiengeschichte, bei der die Spannung durch Namensänderungen künstlich in die Länge gezogen wird, weshalb der Roman am Ende wenig originell erscheint.

Irgendwo für immer
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Nach ihrer Scheidung begibt sich die Schriftstellerin Emily Grace zu ihrer Großtante Bee nach Bainbridge Island, wo sich die Sommer ihrer Jugend verbrachte. Sie hofft, dort die gescheiterte Beziehung zu ...

Nach ihrer Scheidung begibt sich die Schriftstellerin Emily Grace zu ihrer Großtante Bee nach Bainbridge Island, wo sich die Sommer ihrer Jugend verbrachte. Sie hofft, dort die gescheiterte Beziehung zu verarbeiten und ihre Schreibblockade zu überwinden.
In Bees Strandvilla findet sie das Tagebuch einer Esther aus dem Jahr 1943, die darin ihre dramatische Liebesgeschichte schildert. Emily ist berührt von den Aufzeichnungen und möchte mehr über Esther und ihre Vergangenheit erfahren, da sie auf Nachfragen nur geheimnisvolles Schweigen erhält.

Die Geschichte handelt im Jahr 2005 und wird aus der Sicht von Emily geschildert, während sich die Vergangenheit aus den Tagebuchaufzeichnungen von Esther erschließt. Emily, die auf der Insel vor Seattle, auf der sie sich heimisch fühlt, auf ihre Jugendliebe Greg trifft und den charmanten Jack kennenlernt, entdeckt in dem Tagebuch der für sie unbekannten Frau nicht nur eine dramatische Liebesgeschichte, sondern auch ein Familiengeheimnis.

Das Setting auf der kleinen Insel mit den rüstigen älteren Damen ist lebendig und anschaulich beschrieben, Emilys Entwicklung allerdings vorhersehbar, zumal ihre Heilung auf der Insel und die Aufklärung ihrer Familiengeschichte innerhalb weniger Tage stattfindet. Dagegen überzeugt die Geschichte der Vergangenheit mit mehr Wendungen und erzeugt insbesondere durch die Frage Spannung, wie die Ereignisse und die Menschen aus dem Jahr 1943 mit der Gegenwart und Emily in einem Zusammenhang stehen. Durch Emilys Recherchen und Gespräche mit Zeitzeugen fügen sich die Puzzlestücke allmählich zusammen, während ihre Gefühle durch Missverständnisse durcheinander gewirbelt werden.

Sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart bleiben ein wenig oberflächlich, beide Liebesgeschichten hatten noch Raum zur Entfaltung. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss spannend, allerdings auch nur, weil die Autorin durch Spitznamen und zweite Vornamen die Identitäten der Figuren verzerrt und verschleiert, was die Geschichte am Ende etwas gekünstelt wirken und kreative Raffinesse vermissen lässt.

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Veröffentlicht am 28.03.2023

Interessante Aspekte zur Bio- und Ökobewegung auf Kosten einer mäßig spannenden Geschichte mit wenig einnehmenden Charakteren

Glückstöchter - Einfach leben
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Eva Klein wächst in einem Vorort von München auf, wo ihre Eltern einen Friseursalon haben. Sie hat eine Begabung für Gerüchte, interessiert sich für Pflanzen und ihre heilende Wirkung, weshalb sie selbst ...

Eva Klein wächst in einem Vorort von München auf, wo ihre Eltern einen Friseursalon haben. Sie hat eine Begabung für Gerüchte, interessiert sich für Pflanzen und ihre heilende Wirkung, weshalb sie selbst Cremes herstellt, in einer Apotheke einen Nebenjob hat und Pharmazie in München studiert. Ihr bisher so ruhiges, unaufgeregtes Leben als strebsame Studentin und fleißige Tochter gerät ins Wanken, als sie bei einem Dachbodenfund ein Familiengeheimnis lüftet. Eva zieht aus und stürzt sich in ein freieres, unkonventionelles Leben in der Stadt, wo sie schnell Anschluss findet.
Einige Jahrzehnte zuvor lebt Anna zusammen mit ihrem Vater, dem Botaniker Christoph von Quast auf Gut Dreisonnenquell, einem ehemaligen Kloster, wo sie sich der Pflanzenzucht widmen und die aufwendige Herstellung von Seide als Pioniere in Deutschland umsetzen möchten. Als ihr Vater ihr eine neue Frau in seinem Leben vorstellt und sie wenig später heiratet, fühlt sich Anna überrumpelt und hintergangen. Der plötzliche Tod des Vaters sorgt dafür, dass Anna das Gut verlässt und auf sich alleingestellt ein neues Leben beginnen muss.

"Glückstöchter - Einfach leben" ist der erste Band einer Trilogie um die beiden jungen Frauen Eva und Anna, die in unterschiedlichen Zeiten durch unvorhergesehene Ereignisse gezwungen sind, neue Wege zu gehen.

Der Schreibstil ist bildhaft und anschaulich und mit viel Liebe zum Detail. Besonders die Welt der Pflanzen und Düfte, die Natur als schützenswerte Ressource, wird inhaltlich mit der Geschichte verbunden.
Es ist erstaunlich, dass sich die Menschen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Gedanken um fleischfreie Ernährung gemacht haben und sich schon bewusst über die negativen Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt waren. In den 1970er-Jahren wird der Gedanke noch nachhaltiger und radikaler fortgeführt. Vegetarische Ernährung, ökologischer Anbau, Nachhaltig und Anti-AKW-Bewegungen sind in aller Munde.

Während es die Autorin insofern schafft, den Zeitgeist besonders unter dem Aspekt Natur und Umwelt lebendig einzufangen, ist die Entwicklung der Lebensgeschichten von Eva und Anna vergleichsweise zäh. Als Trilogie angelegt, ist sehr deutlich zu erahnen, dass sich die Autorin noch Ideen für die Nachfolgebände offen lässt und die/ den Leser*in deshalb mit so einigen offenen Fragen zurücklässt. Die Verbindung zwischen Eva und Anna lässt sich zwar erahnen, andere Details wie Fragen der Herkunft bleiben jedoch verborgen.
Weiterhin fiel es mir schwer, mich in Eva und Anna hineinzuversetzen. Beide Frauen waren mir nicht wirklich sympathisch, da ich viele ihre Entscheidungen als zu überstürzt und kopflos empfand und ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen konnte. Beide fliehen vor Problemen statt sie zu lüften und haben keine Skrupel damit, Brücken abzubrechen. Vielleicht ist das mutig und emanzipiert, vielleicht aber auch einfach eine Trotzreaktion. Die weiteren Charaktere blieben blass und bestenfalls klischeehaft als böse Stiefmutter oder Öko-Kiffer-Hippie-Studenten.
Bis auf wenige Höhen und Tiefen plätschert die Handlung recht ereignislos dahin. Evas und Annas Lebensgeschichten, die in Band 1 noch so oberflächlich blieben, konnten mich trotz des Muts für Veränderungen und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit nicht fesseln. Positiv bleibt zu resümieren, dass noch viel Potenzial für Band 2 und 3 bleibt, die im Frühjahr und Herbst 2024 erscheinen.

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Veröffentlicht am 24.03.2023

Schwarzhumoriger Kriminalfall, aber eine etwas überdrehte Geschichte mit einer skurrilen Hauptfigur

Frauen, die Bärbel heißen
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Bärbel Böttcher ist Mitte 50 und führt schon seit ihrer Jugend ein sehr zurückgezogenes Leben im Haus ihrer Eltern am Waldrand in der Nähe einer Kleinstadt. Einziger Kontakt bis auf den Briefboten ist ...

Bärbel Böttcher ist Mitte 50 und führt schon seit ihrer Jugend ein sehr zurückgezogenes Leben im Haus ihrer Eltern am Waldrand in der Nähe einer Kleinstadt. Einziger Kontakt bis auf den Briefboten ist Hündin Frieda. Bei einem ihrer morgendlichen Spaziergänge treffen sie auf die Leiche eines toten Schauspielers, dem ein ideales Wurfstöckchen im Auge steckt. Nach Kontaminierung des Tatorts und versehentlicher Beseitigung eines Beweismittels verständigt Bärbel die Polizei, bevor sie sich wieder ihren alltäglichen Shoppingsendungen widmet. Als plötzlich die Ehefrau des Toten vor Bärbels Haustür steht, gerät ihr eintöniges, aber für sie zufriedenstellendes Leben aus den Fugen. Bärbel, in der schon als Kind kriminelle Energie steckte, wird plötzlich selbst zur Täterin und befindet sich bald auf der Flucht vor Strafverfolgung, wobei es am Ende selbst für sie beruhigend ist, nicht mehr allein zu sein.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der sehr eigenwilligen Bärbel erzählt, die nach dem Fund einer Leiche von einer absurden Situation in die nächste stolpert und auf ihre spezielle Art und Weise reagiert. Bärbel führt ein Leben am Rand der Gesellschaft, geht gerade einmal einkaufen, hat aber sonst nichts mit Menschen zu tun, so dass ihr der Umgang mit ihnen nachvollziehbar schwerfällt. Durch geschickte Rückblenden, wenn sich Bärbel in ihren Gedanken verliert, erfährt man zudem Details aus ihrer Vergangenheit, die ihren Charakter und ihr Verhalten erklären.

Die Handlung ist durch die sich überschlagendem Ereignisse kurzweilig und voll schwarzem Humors. Der Kriminalfall überrascht zudem durch ungeahnte Wendungen, die noch mehr Menschen mit krimineller Energie offenbaren und Bärbels Wege unerfreulich kreuzen.

Die Geschichte ist lebendig geschildert, allerdings wirkt sie mit den zahlreichen skurrilen Charakteren und Handlungen, die die plötzlich verzwickte Situation nur noch schlimmer macht, auch reichlich überzogen und gewollt witzig. Auch wenn Bärbel als Hauptfigur durchaus durchdacht ist und ihre Vergangenheit der Geschichte Tiefe gibt, bleibt die Offenbarung zu ihren Wurzeln unaufgeklärt, ein Anreiz für eine Fortsetzung, aber für diese Krimikömödie ohne Mehrwert. So wie man den zumal pietätlosen Humor mögen muss, darf man sich auch nicht an einem etwas unbefriedigend offenen Ende stören.

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Veröffentlicht am 22.03.2023

Modernes Aschenputtel-Märchen, das trotz manch amüsanter Szene und spritziger Dialoge recht fade und langatmig erzählt ist

Vielleicht mag ich dich morgen
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Anna Alessi ist Anfang 30, studierte Historikerin und Single. Als sie 16 Jahre nach ihrem Schulabschluss eine Einladung zum Klassentreffen erhält, beschließt sie hinzugehen, um sich ihren Dämonen der Vergangenheit ...

Anna Alessi ist Anfang 30, studierte Historikerin und Single. Als sie 16 Jahre nach ihrem Schulabschluss eine Einladung zum Klassentreffen erhält, beschließt sie hinzugehen, um sich ihren Dämonen der Vergangenheit zu stellen. Als Schülerin war Anna (damals noch Aureliana) ein dickes, pickliges Mädchen mit strubbeliger Frisur, die von ihren Mitschülern gehänselt wurde. Den Höhepunkt ihrer Peinigung erlebte sie beim Abschlussball, als ihr Schwarm James Fraser sie vor der gesamten Schule bloßstellte.
Auf dem Klassentreffen erkennt niemand die inzwischen hübsche und schlagfertige Anna als die verschüchterte Aureliana wieder. Selbst James und sein Kumpel Laurence rätseln, wer die schöne, unbekannte Frau ist.
Anna, die ihre Identität nicht preisgibt, trifft wenig später unerwartet beruflich auf James wieder. Nach anfänglicher Abneigung freunden sich die beiden an, denn James, der in Scheidung lebt und von seiner Ehefrau verletzt wurde, versucht Anna vor Schwerenöter Laurence zu bewahren. Während der gemeinsamen Zeit kommen sie sich näher, bis James erfährt, wer Anna ist.

Nach mehreren Romanen von Mhairi McFarlane, die mir aufgrund ihrer spritzigen Schreibweise gut gefallen haben, habe ich mit "Vielleicht mag ich dich morgen" zu einem älteren Exemplar der Autorin gegriffen.
Anders als erwartet, ist es keine "Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan"-Geschichte, denn von Aurelianas Verwandlung erfährt man nichts. Fakt ist, dass sie 16 Jahre nach ihrem Schulabschluss schlank und attraktiv ist und sich gegenüber ihren Mitmenschen behaupten kann. Dennoch ist sie Single und auf der Suche, wobei ihre Datings Desaster sind.

Die Liebesgeschichte ist vorhersehbar, was bei romantischen Komödien verzeihbar ist. Viel spannender sollte sein, wie die Hauptfiguren am Ende zu einander finden.
Der Verlauf der Geschichte ist allerdings langatmig und fade. Weder der Erzählstrang aus der Perspektive von Anna, noch der aus Sicht von James kann ein Interesse für die Charaktere wecken. Es passiert gefühlt nichts, nicht einmal die Begegnungen von Anna und James zeugen von einer Anziehung oder gar Herzklopfen. Auch die Nebenschauplätze wie James Scheidung oder die Hochzeit von Annas Schwester sorgen für Lebendigkeit oder bringen die Handlung entscheidend voran.
Das Buch enthält zwar die ein oder andere amüsante Szene und unterhält durch die mitunter spritzigen Dialoge, die sich aus Annas sarkastischer Art ergeben, können damit aber nicht die belanglose Geschichte retten. Das moderne Aschenputtel-Märchen krankt an der wenig innovativen und zu simpel konstruierten Umsetzung.

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