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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2025

Sommerroman, aber nicht unbeschwert

Das Summen unter der Haut
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Ich fand "Das Summen unter der Haut" nicht so fröhlich, wie Cover und Beschreibung vermuten lassen können. Stephan Lohse erschafft schon eine stimmungsvolle, manchmal auch befreite Sommeratmosphäre, über ...

Ich fand "Das Summen unter der Haut" nicht so fröhlich, wie Cover und Beschreibung vermuten lassen können. Stephan Lohse erschafft schon eine stimmungsvolle, manchmal auch befreite Sommeratmosphäre, über der ich aber immer einen dunklen Schatten liegen sah. Dadurch hätte ich am Ende auch mit mehr Drama gerechnet, als es dann gab. Die Geschichte endet ohne Knall, ohne komplette Auflösung, vielleicht sogar etwas unrund. Die eben erwähnte Ambivalenz passt aber vielleicht auch dazu, dass die beiden Protagonisten dieser Coming-of-Age-Geschichte irgendwo zwischen kindlicher Unschuld und Erwachsenwerden stecken.
Das Schwulsein von Julle beschäftigt ihn selbst, in seiner Umgebung ist es aber kein großes Thema oder gar Problem - keine Ahnung, wie realistisch das war, aber es war mal anders und ein angenehm entspannter Umgang.

Veröffentlicht am 15.07.2024

Geschichte einer dysfunktionalen Familie

Nochmal von vorne
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Wie schon in ihrem Debut "Otto" widmet sich Dana von Suffrin auch in "Nochmal von vorne" einer dysfunktionalen, traumatisierten deutsch-(ost)jüdischen Familie. Das ist oft schwarz-humorig, bohrt in Abgründen ...

Wie schon in ihrem Debut "Otto" widmet sich Dana von Suffrin auch in "Nochmal von vorne" einer dysfunktionalen, traumatisierten deutsch-(ost)jüdischen Familie. Das ist oft schwarz-humorig, bohrt in Abgründen ohne immer Antworten zu haben. Das Buch hat wenig Handlung, beleuchtet in Rückblenden das Familienleben mit all seinen Abgründen. Und obwohl das Buch durchaus Potential zu einer sehr dunklen Lektüre hat, wird es nicht dauerhaft düster. Die Ich-Erzählerin Rosa vermittelt immer die Hoffnung, zwar nicht auf eine strahlende Zukunft, aber darauf, irgendwie mit diesem Leben und all seinem Ballast zurecht zu kommen.
Wem "Otto" gefallen hat, der wird auch das neue Buch von Dana von Suffrin mögen. Wer hingeben ein Problem mit Schachtelsätzen und/oder der Abwesenheit einer Handlung hat, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden.

Veröffentlicht am 26.09.2023

Die ??? als Erwachsene

Rocky Beach
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Ein Gedankenexperiment, was aus den ??? geworden sein könnte, wenn sie denn jemals erwachsen werden würden. Man erfährt nur bruchstückhaft, wie es den dreien ergangen ist, nachdem sich ihre Wege getrennt ...

Ein Gedankenexperiment, was aus den ??? geworden sein könnte, wenn sie denn jemals erwachsen werden würden. Man erfährt nur bruchstückhaft, wie es den dreien ergangen ist, nachdem sich ihre Wege getrennt haben. Trotzdem entsteht zu jedem ein aussagekräftiges Bild. Das hat mir gefallen, auch wenn man sich vielleicht andere Lebenswege für die drei gewünscht oder vorgestellt hätte.
Verbunden ist das mit einer etwas verworrenen Kriminalgeschichte, die bei den drei Detektiven den Ermittler-Spürsinn wiedererweckt. Naja, das war nicht ganz überzeugend. Zudem ist die ganze Geschichte so hetero-männlich wie nichts anderes, das ich in den letzten Monaten gelesen habe - Frauen sind hier höchstens Stichwortgeberinnen. Nicht nur deswegen wirkt das ganze Buch wie aus der Zeit gefallen, was an die Hörspiele anknüpft und wiederum auch seinen Reiz hat. Auch die düstere Atmosphäre Rocky Beachs fand ich gelungen.

Veröffentlicht am 08.05.2023

Deutschland als Überwachungsstaat

Paradise City
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Eine Dystopie, in der Deutschland ein Überwachungsstaat ist. Diese Zukunftsvision hat im Detail durchaus auch positive Aspekte, was ein interessantes Spannungsfeld ergibt, bis dann die Schattenseiten immer ...

Eine Dystopie, in der Deutschland ein Überwachungsstaat ist. Diese Zukunftsvision hat im Detail durchaus auch positive Aspekte, was ein interessantes Spannungsfeld ergibt, bis dann die Schattenseiten immer weiter aufgedeckt werden und endgültig allesPositive überlagern. Deutlich wird, dass die Entwicklung zum Überwachungsstaat, in dem auch Fake News allgegenwärtig sind, ihre Wurzeln in unserer Gegenwart haben. Das machte das Beschriebene noch eindringlicher.
Die eigentliche Geschichte rund um die Investigativjournalistin Liina ist spannend, überzeugt aber nicht in jedem Detail. Ich fand es aber insgesamt trotzdem ein lesenswertes Buch.

Veröffentlicht am 08.05.2023

Sehr stimmungsvolle Naturbeschreibungen

Der Gesang der Flusskrebse
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Das Buch lebt vor allem von der Atmosphäre und der Hauptperson Kya. Die Maschlandschaft North-Carolinas, in der das Buch spielt, ist eigentlich die zweite (wenn nicht sogar die erste) Hauptdarstellerin ...

Das Buch lebt vor allem von der Atmosphäre und der Hauptperson Kya. Die Maschlandschaft North-Carolinas, in der das Buch spielt, ist eigentlich die zweite (wenn nicht sogar die erste) Hauptdarstellerin des Romans. Sie wird stimmungsvoll und detailreich beschrieben, ohne dass das je langweilig wird. Im Mittelpunkt steht dabei die Natur mit Flora und Fauna, aber auch die Lebensrealität innerhalb und außerhalb der kleinen Stadt in den 1950'er bis 1960'er Jahren wird gut, wenn auch erwartbar, beschrieben. Kya ist eine willensstarke, oft einsame Außenseiterin mit viel Liebe zur Natur, die man beim Erwachsenwerden begleitet und die einem beim Lesen sofort ans Herz wächst. Die eigentliche Liebes- und Kriminalgeschichte kann hier nicht mithalten. Die ist eher gewöhnlich, was aber wegen des tollen Drumherum verzeihlich ist.