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Veröffentlicht am 01.11.2020

Emotional tief und nah - wunderschön und so schmerzhaft

Die Sommer
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Tief bewegt hat mich das Buch zurückgelassen - und meinen Mann ebenso, denn ich habe ihm viele Stunden daraus laut vorgelesen. Und manchmal auch ganz leise. Und manchmal musste ich schlucken und die Stimme ...

Tief bewegt hat mich das Buch zurückgelassen - und meinen Mann ebenso, denn ich habe ihm viele Stunden daraus laut vorgelesen. Und manchmal auch ganz leise. Und manchmal musste ich schlucken und die Stimme versagte. Das passiert mir selten. Ronya Othmann beschreibt in einer wunderbar melodischen Sprache die Kindheit und Jugend der Kurdin und Ezidin Leyla, hier in Deutschland - dem Land ihrer Geburt -, dort in einem kleinen Dorf im Norden Syriens, gleich an der Grenze zur Türkei. Ihre scheinbar unbeschwerten Sommer bei ihren Großeltern, Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, nachts unter dem freien Sternenhimmel, tagsüber zum Schutz vor der Hitze geborgen hinter den dicken Mauern des Hauses. Und dann, für mich als Leserin ganz langsam, erhält das Grauen, der Schrecken des Krieges Einzug, Furcht, Angst und Vertreibung, die bereits seit vielen, vielen Generationen Teil der Geschichte des ezidischen Volkes sind. Leyla, ihr Vater und ihre Mutter in Deutschland sind Teil dieses Krieges, wenn auch räumlich ganz weit entfernt, emotional dagegen so nah. Was macht das mit ihrem eigenen Leben, wie viel eigenes Leben kann so überhaupt entstehen, wachsen und über die Jahre bleiben - Ronya Othmann schildert es eindrucksvoll und mit einer Intensität und Nähe, die ich manchmal nur schwer zulassen konnte. Dieses Leseerlebnis bleibt - und zwar deutlich länger als diesen "einen Sommer" in meinem Kopf. Und ich hoffe sehr, dass auch die Fragen, die dieses Buch in mir aufgeworfen hat, und all meine Neugier auf Antworten so schnell nicht zur Ruhe kommen werden.

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Veröffentlicht am 01.11.2020

Weltenspiel mit Tiefgang

Cryptos
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Von Ursula Poznanski erwarte ich beste Unterhaltung und Stunden voller Spannung, Abenteuer und Nervenkitzel bis mir der Atem stockt – und all das habe ich in „Cryptos“ gefunden.
Wir werden mit in ein dystopisches ...

Von Ursula Poznanski erwarte ich beste Unterhaltung und Stunden voller Spannung, Abenteuer und Nervenkitzel bis mir der Atem stockt – und all das habe ich in „Cryptos“ gefunden.
Wir werden mit in ein dystopisches Konzept unseres Lebens genommen, mit in eine Welt, die ihre Bewohner mit widrigsten Bedingungen und einem feindlichen Äußeren konfrontiert, eine Welt, frei von realen, tatsächlichen Freuden und Annehmlichkeiten – wenn, ja wenn nicht eine entsprechende Kompensation im Virtuellen geschaffen worden wäre. Eine unendliche Zahl an Zufluchten, alles ist erlaubt, alles ist möglich, auch für die Autorin, die für ihre überbordenden Fantasie so eine große Spielwiese geschaffen hat, mit der sie den Leser verzaubert und immer wieder aufs Neue zu überraschen vermag.
Zu erleben, wie Ursula Poznanski so selbst zu einer Weltendesignerin wird, war für mich ein großes Vergnügen, das gerne noch viele Seiten hätte andauern dürfen. Und dass ich als große Freundin von Monstern, Horror und allem Untoten dann auch noch mit auf einen Ausflug nach „Vampyrion“ genommen wurde, war für mich eine ganz besondere Freude und ein tolles Erlebnis. Hier hoffe ich sehr auf eine Fortsetzung!
Doch Poznanski wäre nicht Poznanski, gäbe sie sich mit unglaublich guter Unterhaltung und einem Leseerlebnis, das auch mal die Nacht zum Tag werden lässt, zufrieden. Sie will den Leser zum Nachdenken anregen und sein gewohntes Denken – vielleicht auch seine Bequemlichkeit – durchkreuzen. Umweltzerstörung, schwindende Ressourcen und ein Konzern, der unreguliert Geld und Macht vermehrt und seinen ganz eigenen Interessen nachgehen kann. Zum Glück ist das alles nur ein Gedankenexperiment und eine große Fiktion – oder etwa nicht?

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Veröffentlicht am 12.05.2023

Sprachwitz, Humor und so skurril und überraschend

Cult Classic
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Die Büchse der Pandora – das ist „Cult Classic“ für mich, wenn ich den Buchdeckel einmal geöffnet habe und die Geschichte Raum findet, sich zu entfalten. Und was entweicht, ist weit mehr als ich erwartet ...

Die Büchse der Pandora – das ist „Cult Classic“ für mich, wenn ich den Buchdeckel einmal geöffnet habe und die Geschichte Raum findet, sich zu entfalten. Und was entweicht, ist weit mehr als ich erwartet habe. Es ist Humor und Sprachwitz so wunderbar und originell, das er mich zum Lachen und zum laut Vorlesen gebracht hat – Letzteres mag schon etwas heißen! Es ist eine Geschichte mit unerwarteten Wendungen und vor allem skurrilen Einfällen und Entwicklungen, die sich einfach nicht voraussehen lassen. Und was „Cult Classic“ vor allem ist: ein Roman, der alles ist außer gewöhnlich!
Doch noch mal zurück und ganz von vorn: Lola ist eher sprunghaft – vor allem, wenn es um die Wahl ihrer Männer und Dauer ihrer Beziehungen geht. Ihre Ex-Freunde könnten ein ganzes Buch füllen. Und tun sie in diesem Fall auch. Denn Lola begegnet ihnen plötzlich und unverhofft auf den Straßen und in Restaurants, beim Einkaufen, vor der Haustür und damit auf Schritt und Schritt. Wieviel Zufälligkeit kann in diesen zufälligen Zusammentreffen liegen, und ab wann wird das Unerwartbare bereits erwartbar?
Und dann passiert es: Es wird skurril! Geradezu unglaublich! Und zwar in einer Form, die nun ich nicht erwartet hätte. Und das ist gut, sehr gut sogar, denn die ganz eigene Dynamik und Bedeutungsebene, die nun aufgemacht werden, sind originell und besonders, bringen mich zum Staunen und lassen alles Vorherige und auch das Folgende in einem neuen Licht erscheinen. Denn bisher erschien mir die Geschichte durchaus „irdisch“ und mit Bodenhaftung, in der realen Welt verankert und den Gesetzen der Wissenschaft verpflichtet. War ich eine Närrin!
Und bevor ich noch zu viel verrate, beschränke ich mich auf: Findet es selbst heraus! Und habt dabei ebenso viel Lesefreude wie ich! Lacht über die Schlagfertigkeit einer Ich-Erzählerin, die sich nicht nur in die Herzen unzähliger Freunde und Ex-Freunde gestohlen hat! Und haltet Euch fest, denn es kommt einiges auf Euch zu!

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Veröffentlicht am 29.07.2026

So traurig, so wunderschön

Der andere Arthur
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Die Flucht in die Einsamkeit – Arthur Opp ist sie vor vielen Jahren angetreten. Verschanzt in seinem Haus in Brooklyn, hat er sich der Außenwelt entzogen. Und sich selbst eingesperrt. Gemeinsam mit all ...

Die Flucht in die Einsamkeit – Arthur Opp ist sie vor vielen Jahren angetreten. Verschanzt in seinem Haus in Brooklyn, hat er sich der Außenwelt entzogen. Und sich selbst eingesperrt. Gemeinsam mit all seinen Gefühlen, Verletzungen und Ängsten. Und gemeinsam mit dem vielen Essen, seinen zahlreichen Mahlzeiten, Snacks und Schlemmereien jeden Tag. Und der Schwere und Unbeweglichkeit, welche diese mit sich bringen. Und den Schritt vor die Tür bald unmöglich erscheinen lassen.
Sein einziger Kontakt zur Außenwelt, seine Lebensader und seltenen Glücksmomente sind die Briefe seiner einstigen, großen Liebe. Die ihn inzwischen immer seltener erreichen. Und ihn doch jeden Tag von den vergangenen Begegnungen und glücklichen Momenten mit Charlene träumen lassen. Und ihm zugleich die verpassten Chancen und Gelegenheiten ebenso vor Augen führen wie die Trauer um eine Zukunft, die nie stattgefunden hat, lebendig halten. Als dann plötzlich und unerwartet sein Telefon klingelt und er Charlenes Stimme hört, verändert eine Nachricht alles. Und in die Dunkelheit ziehen Licht und Hoffnung ein.
Nur wenige Kilometer entfernt kämpft ein „anderer Arthur“ gegen Einsamkeit, Not und Verzweiflung. Und auch, wenn beide voneinander nicht wissen, so sind sie doch über ihre Geschichte miteinander verbunden. Und so wie für den einen Arthur sich das Leben auf dramatische Weise zuspitzt, so öffnet sich für den anderen Arthur eine Tür, die für alle Zeit verschlossen schien. Und nach und nach bewegen sich beide aufeinander zu. Erst zögerlich, dann unaufhaltsam.
Und unaufhaltsam hat sich die Geschichte auch in mein Herz geschrieben. Überwältigt von der Traurigkeit und scheinbaren Ausweglosigkeit der gezeichneten Lebensentwürfe haben mich die Schönheit in der Tiefe der Charaktere und deren Ringen um ein Leben unter widrigsten Umständen emotional nicht nur berührt. Sondern mich zunehmend auch auf einen Ausgang hinfiebern lassen, der Auf- und Erlösung und auch ein zartes Glück verspricht. Und mich aus diesem Grunde schneller und schneller hat über die Seiten fliegen lassen.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Ein Buch, das glücklich macht

Einatmen. Ausatmen.
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Ein Wohlfühlbuch! In das ich mich am liebsten einkuscheln würde. Zwischen den Seiten verlieren. Mit dem ich gemeinsam auf einer Frühlingswiese im hohen Gras liege. Mit Sonnenlicht, das mir warm ins Gesicht ...

Ein Wohlfühlbuch! In das ich mich am liebsten einkuscheln würde. Zwischen den Seiten verlieren. Mit dem ich gemeinsam auf einer Frühlingswiese im hohen Gras liege. Mit Sonnenlicht, das mir warm ins Gesicht scheint. Ein Buch zum Glücklichsein.
All das Schöne hat der neue Roman von Maxim Leo vermocht. Und dabei hat er mich ganz wunderbar unterhalten. Und zum Lachen, Schmunzeln und langen Lesestunden gebracht. Denn die Geschichte von Marlene gleicht einem Aufeinandertreffen zweier Welt, einem Aufprall, der alles erschüttert und ins Wanken bringt. Und Neues erschafft. Und das ganz unerwartet: Denn als knallharte Managerin ist Marlene es gewohnt, Erfolg vor Gefühle zu stellen. Lange Arbeitstage vor Freundschaften oder gar Beziehungen. Und eigene Sehnsüchte und Träume fernab einer Beförderung zum CEO scheint es nicht zu geben.
Und dann der gruselige Alptraum für Marlene: Sie wird zu einem Achtsamkeitsseminar verpflichtet. Ihrer Mitarbeitendenführung fehlt es an Empathie und Sensibilität. Das kommt nicht überraschend, auch nicht für Marlene. Was allerdings für sie sehr wohl ganz undenkbar war: Unter der harten Schale ist etwas, was auf Coach Alex Grow mit seinem Künstlernamen und Methoden anspringt. Und Wirrungen nicht nur in ihrem Irren sondern auch in seiner „Academy“ mit ihren Menschen auslöst. Und nach dem ersten Schrecken allen Beteiligten sehr gut tut. Mich als Leserin eingeschlossen.
„Einatmen Ausatmen“ hat mich nachdenklich gemacht. Mich reflektieren lassen. Und vor allem in vielem sehr gestärkt und beruhigt. Denn die Suche nach Glück, Sinn und Selbstverwirklichung ist universell. Und zwar ein Thema von großer Tiefe, hier aber mit sehr viel Leichtigkeit, Freude und Lachen erzählt. Und macht damit bereits beim Lesen glücklich.

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