Lucy Clarke erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die auf einer griechischen Insel den Junggesellinnenabschied von Lexie feiern. Das Buch ist kein klassischer Thriller, sondern lebt von der ...
Lucy Clarke erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die auf einer griechischen Insel den Junggesellinnenabschied von Lexie feiern. Das Buch ist kein klassischer Thriller, sondern lebt von der subtilen Spannung, die sich durch die Erzählung der Geschichten und Geheimnisse der Frauen aufbaut. Die Autorin erschafft dabei eine komplexe Beziehungsdynamik zwischen den Charakteren, von denen jede ihre eigenen Geheimnisse und Absichten hat. Der flüssige Schreibstil trägt dazu bei, dass man die Geschichte schnell und leicht lesen kann.
Allerdings hat das Buch auch einige Schwächen. Es fehlt für einen Thriller an Spannung, da der Todesfall erst auf den letzten Seiten des Buches erwähnt wird und die Auflösung unbedeutend ist. Zumindest waren die vielen Konflikte im Anschluss nicht wirklich ausschlaggebend und sofort vergessen. Zudem überschlagen sich die Enthüllungen am Ende und wirkend dabei zu konstruiert und klischeehaft.
Insgesamt ist "one of the girls" ein gelungener Sommerroman, da er von der subtilen Spannung und den interessanten Charakteren lebt. Man weiß zwar, dass es am Ende eine Leiche geben wird, doch wer und warum bleiben bis zum Ende offen.
In "Die Perfektionen" von Vincenzo Latronico werden die Porträts von Anna und Tom, zwei jungen Graphikdesignern in Berlin, gezeichnet. Der Schreibstil des Romans wird auf dem Büchrücken treffend ...
In "Die Perfektionen" von Vincenzo Latronico werden die Porträts von Anna und Tom, zwei jungen Graphikdesignern in Berlin, gezeichnet. Der Schreibstil des Romans wird auf dem Büchrücken treffend als "lakonisch und satirisch" beschrieben und die Geschichte lässt sich gut innerhalb eines Abends lesen. Durch die Beschreibung der Wohnung des Paares, die voller typischer Instagram-tauglichen Einrichtungskonzepte ist, wird die Unverbindlichkeit und Beliebigkeit des Mainstreams dargestellt, die sich auf ihr gesamtes Leben ausdehnt. Mit der Veränderung Berlins und dem Weggehen ihrer Freunde, wächst die Sehnsucht nach einem neuen Aufbruch, aber die beiden finden keine notwendige Ruhe.
Latronico schafft es, ein universelles Porträt einer Generation zu schaffen, die nach Bedeutung und Sinnhaftigkeit sucht. Der Roman ist vielschichtig und interpretationsoffen, mit einem Nachklang, der die Frage nach einem eigenen Bedürfnis nach einer Fassade aufwirft.
Die Hardcover-Ausgabe kommt in einem schlichten Cover einher, das sehr gut zu dem verzerrten Bild der Alltagsrealität unserer Protagonisten passt. Von links her zieht sich ein leichter Schleier über das Cover, der auch den Titel leicht verwischt und durch eine besondere Habtik noch mehr an Prominenz gewinnt.
Als Fazit muss ich sagen, dass dieses Buch zum Nachdenken anregt. Nicht nur zur eigenen Situation, sondern vielmehr eröffnet es eine Sichtweise darauf, unter welchen Umständen eine vermeintlich perfekte "Fassadenrealität" aufrecht erhalten wird, die heutzutage als das Ziel vieler junger Menschen betrachtet wird
„52 wilde Fermente“ hat mich gleich zu Beginn fasziniert, besonders die Idee, jede Woche eine neue Wildpflanze zu entdecken und zu verarbeiten. Vor allem für mich als Wildkräuter Neuling habe ...
„52 wilde Fermente“ hat mich gleich zu Beginn fasziniert, besonders die Idee, jede Woche eine neue Wildpflanze zu entdecken und zu verarbeiten. Vor allem für mich als Wildkräuter Neuling habe ich erhofft eine neue Welt zu eröffnen. Das Buch startet auch sehr gut, mit einer klaren Einführung in die Fermentation und den gesundheitlichen Nutzen. Die saisonalen Rezeptideen, bieten wirklich eine tolle Abwechslung, von gängigen Pflanzen bis zu exotischen. Allerdings gibt es ein paar Haken. Die Pflanzen werden nicht direkt bei den Rezepten gezeigt, was die Identifikation erschwert, und zu einigen gibt es leider keine Warnhinweise zu giftigen Doppelgängern. Auch die restlichen Zutaten könnten das Ausprobieren schwierig machen. Insgesamt finde ich das Buch sehr informativ, aber es wäre hilfreich gewesen, wenn es mehr praktische Tipps für Einsteiger gegeben hätte.
„Noch fünf Tage“ hat eine klare Ausgangslage, ene Sterneköchin wird nach einem Giftanschlag ins Krankenhaus eingeliefert und weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Während sie körperlich abbaut, ...
„Noch fünf Tage“ hat eine klare Ausgangslage, ene Sterneköchin wird nach einem Giftanschlag ins Krankenhaus eingeliefert und weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Während sie körperlich abbaut, versucht sie herauszufinden, wer das Gift ins Essen gemischt hat. Parallel muss sie regeln, was mit ihrer Tochter passiert.
Das Buch ist sehr eng getaktet, oft mit genauen Zeitangaben. Das funktioniert gut, weil man ständig merkt, dass die Zeit knapp wird. Die Kapitel sind kurz, dadurch liest es sich schnell weg. Man kommt ohne große Hürden durch die Geschichte.
Inhaltlich ist es aber weniger ein klassischer Thriller als eher eine ruhige, stellenweise fast sachliche Auseinandersetzung mit der Situation. Viel passiert im Gespräch oder in Gedanken. Es gibt keine durchgehende Spannung im Sinne von „man kann nicht aufhören zu lesen“, sondern eher ein konstantes Mitlaufen.
Die Einblicke in das Umfeld der reichen Familie und in den Alltag der Protagonistin sind interessant, werden aber teilweise zu detailliert. Vor allem die vielen Beschreibungen von Luxus und Essen wirken irgendwann überflüssig. Auch die Figuren bleiben etwas schwer greifbar, emotional kommt nicht alles an.
Positiv ist, dass die Auflösung nicht direkt absehbar ist. Man wird bis zum Ende nicht eindeutig in eine Richtung geführt.
Insgesamt ein solides Buch, das sich gut lesen lässt, aber nicht wirklich heraussticht. Eher ruhig erzählt, mit einer guten Idee, die nicht ganz ausgeschöpft wird.
Historische Romane über reale Persönlichkeiten haben es nicht leicht. Entweder wirken sie schnell wie trockene Geschichtsstunden oder sie verbiegen die Fakten so stark, dass vom historischen Kern kaum ...
Historische Romane über reale Persönlichkeiten haben es nicht leicht. Entweder wirken sie schnell wie trockene Geschichtsstunden oder sie verbiegen die Fakten so stark, dass vom historischen Kern kaum noch etwas übrig bleibt. „Im Auftrag der Fugger – Teufelsreigen“ versucht einen Mittelweg und schafft es über weite Strecken tatsächlich, die Welt um Jakob Fugger lebendig werden zu lassen.
Im Zentrum steht erneut der mächtige Augsburger Kaufmann, dessen Handelsnetz sich über große Teile Europas spannt. Doch plötzlich geraten seine Geschäfte ins Wanken. Transporte werden überfallen, Boten verschwinden, Gerüchte über finanzielle Probleme machen die Runde. Hinter den Kulissen scheint jemand gezielt daran zu arbeiten, Fugger zu ruinieren. Um der Sache auf den Grund zu gehen, schickt er wieder seine beiden ungewöhnlichen Vertrauten los: Afra und Herwart.
Wer den ersten Band gelesen hat, trifft hier auf vertraute Figuren, deren Geschichte weitergeführt wird. Das hat mir tatsächlich gut gefallen, weil man ihre Dynamik bereits kennt und nun sieht, wie sie sich weiter durch Fuggers gefährliche Aufträge schlagen. Gleichzeitig funktioniert der Roman aber auch ohne Vorwissen, da die wichtigsten Zusammenhänge schnell wieder verständlich werden.
Diesmal rückt außerdem das weit verzweigte Fugger-Netzwerk stärker in den Fokus. Kontore, Handelsrouten und politische Kontakte spielen eine größere Rolle als im ersten Band. Dadurch bekommt man einen besseren Eindruck davon, wie groß der Einfluss dieses Kaufmannshauses tatsächlich war und wie empfindlich selbst ein solches Machtgefüge werden kann, wenn an mehreren Stellen gleichzeitig Druck entsteht.
Was den Roman stark macht, ist die Atmosphäre. Die Welt der Kaufleute und politischen Allianzen wirkt detailreich und glaubwürdig. Man merkt, dass der Autor sich intensiv mit der Zeit beschäftigt hat. Besonders hilfreich sind auch das Figurenverzeichnis sowie ein Glossar und ein Nachwort, das erklärt, welche Elemente historisch belegt sind und wo die Fiktion beginnt.
Für Spannung sorgt vor allem das Ermittlerduo. Afra ist eine eigenwillige Figur, die sich nicht so recht in die Erwartungen ihrer Zeit einfügt, während Herwart eher der bodenständige Gegenpart ist. Zusammen geraten sie allerdings ziemlich oft in brenzlige Situationen. Der Roman setzt stark auf Action, Verfolgungen und überraschende Wendungen. Das sorgt zwar für Tempo, wirkt auf Dauer aber etwas repetitiv und lässt manche Entwicklungen etwas konstruiert erscheinen. Mir waren es einfach irgendwann zu viele Zufälle, was mich schon irgendwann gestört hat.
Trotz dieser Schwächen bleibt der Roman unterhaltsam. Wer Freude an historischen Stoffen hat, sich für die Welt der Fugger interessiert und eine Geschichte mit viel Bewegung und Intrigen sucht, findet hier eine solide Lektüre. Etwas Straffung hätte dem Buch vermutlich gutgetan, aber das historische Umfeld und die lebendige Darstellung der Epoche machen vieles wieder wett. 3 von 5 Sternen.