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Veröffentlicht am 10.01.2024

Kleiner Seelentröster-Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft

Der Schacherzähler
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„Und was machen wir morgen?“, frage ich. Diese Frage ist ein Ritual.
Janne sagt die Antwort, die wir uns auf diese Frage immer geben: „Morgen machen wir es besser.“

Malu arbeitet im Café Blue Hour, ...

„Und was machen wir morgen?“, frage ich. Diese Frage ist ein Ritual.
Janne sagt die Antwort, die wir uns auf diese Frage immer geben: „Morgen machen wir es besser.“

Malu arbeitet im Café Blue Hour, dem Herzstück des Ortes Bad Altbach. Während der Corona-Krise gingen die Umsätze des Geschäfts merklich zurück. Es ist fraglich, ob das Blue Hour weiterhin bestehen kann. Und noch etwas bereitet Malu Sorgen: Ihr neunjähriger Sohn Janne hat in der Schule Probleme. Ihm fällt es sehr schwer, sich zu konzentrieren. Dann lernt Janne im Park einen alten Mann kennen, der mit sich selbst Schach spielt: Oldman. Oldman bringt Janne das Schachspielen bei, die beiden werden Freunde und auch Malu schließt den brummigen Mann ins Herz. Doch dann ist Oldman plötzlich verschwunden…

Judith Pinnow erzählt gut verständlich und flüssig aus mehreren Perspektiven: Malus, Jannes, Oldmans, der von Malus Freundin Liv und ihres Chefs Hinnerk. In der Regel sind die Abschnitte in der ersten Person geschrieben, lediglich die Passagen aus Oldmans Sicht sind in der dritten Person verfasst. Zudem erinnert sich Oldman darin immer wieder auch an Momente aus seinem Leben mit seiner Frau Lieschen.
Ungewöhnlich, aber schön: Auf manchen Seiten finden sich nette, drollige, kleine Illustrationen z.B. von Janne und Oldman beim Schachspielen. Überhaupt ist die Aufmachung des Buchs insgesamt gelungen. Das Cover des gebundenen Buchs zeigt Oldman und Janne von hinten auf grünem Hintergrund, eingerahmt von Kastanienblättern, Blüten und Kastanien. Das passt gut zum Thema des Buchs, schließlich lernen sich Janne und Oldman im Park kennen.

Für alle Figuren entwickelte ich als Leserin Verständnis und konnte mich gut in sie hineinversetzen. Janne ist ein aufgeweckter, sympathischer Junge, der soviel im Kopf hat, dass ihm das Stillsitzen schwer fällt. Beim Schachspielen mit Oldman beweist er, was er auf dem Kasten hat. Seine Mutter Malu kümmert sich liebevoll und mit viel Verständnis um Janne, steht immer zu ihm. Für die Kunden im Blue Hour hat sie trotz eigener Sorgen immer ein offenes Ohr. Dann ist da noch Oldman, der auf den ersten Blick etwas ruppig und brummig wirkt, das Herz aber am rechten Fleck hat. Oldman hütet, wie einige andere Figuren auch, ein besonders Geheimnis, das ihn belastet. Möglicherweise ist es langsam an der Zeit, sich endlich anderen Menschen anzuvertrauen….

„Der Schacherzähler“ ist die mutmachende, zuversichtliche Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Wie Janne, Oldman und Malu immer mehr Vertrauen zueinander entwickeln, dabei fast zu einer echten Familie werden, welche Rolle dabei weitere Charaktere spielen, die füreinander einstehen und zusammenhalten, hat mir großen Spaß gemacht. Das Blue Hour ist nicht irgendein Café, sondern eines mit Herz und großer Bedeutung für die vielen Stammkunden. Judith Pinnows Geschichte handelt von Liebe, Geheimnisse, Schuld, Vertrauen und vom Verzeihen. Alle Figuren haben ihre Päckchen zu tragen und werden dabei von anderen unterstützt.
Das Ende wartet mit einer besonderen Überraschung auf. Für mich ist das Buch ein echter Seelentröster-Roman, der auf charmante Weise zeigt, dass man zusammen niemals allein ist und dass jeder Tag eine neue Chance bietet.

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Veröffentlicht am 08.01.2024

Wumsala-wunderbar warmherzige und witzige Weihnachtsgeschichte

Der Weihnachtszwölf
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„Ein Wunder wird aus Fantasie gemacht.“

Wenn Alfie an Weihnachten denkt, versetzt es ihm jedes Mal einen kleinen Stich. Dieses Jahr ist nämlich alles anders. Alfies Eltern buddeln am anderen Ende der ...

„Ein Wunder wird aus Fantasie gemacht.“

Wenn Alfie an Weihnachten denkt, versetzt es ihm jedes Mal einen kleinen Stich. Dieses Jahr ist nämlich alles anders. Alfies Eltern buddeln am anderen Ende der Welt furchtbar seltene Dinosaurierknochen aus und haben ihre Kinder Pippa, Alfie und Bobby in die Obhut eines waschechten Drachens gegeben, Tante Gunilla. Gunilla ist nicht nur die schlimmste Tante der Welt. Sie hasst auch Weihnachten und entscheidet eigenmächtig, dass Weihnachten dieses Jahr ausfällt. Doch da hat sie die Rechnung ohne Wilson Wilbur Winterbottom gemacht, einem Weihnachtszwölf, der zwölf Tage vor Weihnachten in Alfies Zimmer einzieht. Mit einem Weihnachtszwölf im Haus kann Weihnachten doch eigentlich gar nicht ausfallen oder?

Lucy Astner erzählt kindgemäß, lebendig, abwechslungsreich mit viel wörtlicher Rede und gut verständlich. Die Geschichte lässt sich prima und flüssig vorlesen. Wumsala-wunderbar dabei die witzigen Wortspiele, wenn sich Wilson äußert. Seine drollige Art zu reden ist besonders unterhaltsam. Die bunten, fröhlichen Illustrationen passen sehr gut zur Geschichte. Die Bilder sehen niedlich und lustig aus, es ist klar zu erkennen, was passiert und wie sich die Personen gerade fühlen. Schon das detailreiche Cover mit der Abbildung von Wilson in Aktion vor seiner kleinen Tür macht gute Laune und neugierig. Das Buch richtet sich an Kinder ab acht Jahren zum Selberlesen und ist für jüngere Kinder zum Vorlesen geeignet.

Alfie ist aktuell nicht glücklich. Er fühlt sich oft allein. Der Junge ist schüchtern, vorsichtig und traut sich nicht viel zu. Doch der Weihnachtszwölf Wilson stellt sein Leben gehörig auf den Kopf. Wilson gibt sich immer positiv, hat tausend kreative Einfälle und genaue Vorstellungen, wie Weihnachten zu sein hat. Mit ihm kann es gar nicht langweilig werden. Der Weihnachtszwölf lockt Alfie aus seinem Schneckenhaus, bestärkt ihn und heitert ihn auf. Und nicht nur das, Wilson hat auch noch besondere magische Fähigkeiten, die vielleicht sogar Wunder wahr werden lassen können...

Dass Weihnachten dieses Jahr anders wird, ist längst klar. Wilson beschert Alfie eine absolut unvergessliche Weihnachtszeit.
Auch wenn Gunilla wirklich die schlimmste Tante der Welt ist und in der Geschichte viel von gruseligem Haferschleim und furchterregenden „Popeln des Grauens“ die Rede ist, hat uns das Buch so richtig in Weihnachtsstimmung versetzt. Auf sehr schöne Weise wird hier die Magie von Weihnachten vermittelt. So wird auch gezeigt, dass die besten Geschenke oft nicht materiell sind und worauf es an Weihnachten wirklich ankommt. Eine rundum gelungene, hübsch illustrierte, originelle, turbulente, warmherzige Weihnachtsgeschichte voller Humor für alle, die Weihnachten mögen und gerne lachen.

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Geisterhafter, unterhaltsamer und turbulenter Fußballspaß mit sehr witzigen Figuren

Die Geisterkicker - Falsches Spiel und Eis am Stiel (Band 2)
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Für Jan und seine Geisterkicker läuft es eigentlich rund. Mit viel Glück und ein bisschen geisterhafter Magie gewinnen sie das Achtelfinale der Juniorenmeisterschaft und stehen nun im Viertelfinale. Und ...

Für Jan und seine Geisterkicker läuft es eigentlich rund. Mit viel Glück und ein bisschen geisterhafter Magie gewinnen sie das Achtelfinale der Juniorenmeisterschaft und stehen nun im Viertelfinale. Und nicht nur das: Der neue, recht gewöhnungsbedürftige Sponsor spendiert den Kickern eine Fahrt ins Trainingslager nach Italien. Leider ist die Begleitung des dubiosen Lorenzo Bussoni, der sich selbst zum Co-Trainer ernennt, obligatorisch. Natürlich wollen sich Fußballgeist Toni Torwartschreck und sein bester Freund-Feind Bernd diese Reise nicht entgehen lassen und kommen heimlich mit. Vielleicht findet sich auf der Reise ja sogar Tonis vermisster verfluchter Fußballschuh?

Sonja Kaiblinger schreibt witzig und kindgemäß in Ich-Form aus Jans Sicht in Gegenwart. Viel wörtliche Rede gestaltet den Text lebendig. Die Geschichte ist aufgrund eines größeren Zeilenabstand gut lesbar, einige Sätze sind in blau und Großbuchstaben gedruckt, was äußerlich für Abwechslung sorgt. Besonders motivierend sind die reichlichen lustigen und bunten Comiczeichnungen von „der Anton“. Ein schönes Extra stellen die Geisterkickersticker zum Sammeln auf der letzten Seite dar.
Das Buch richtet sich an Kinder ab acht Jahren.

In Hauptfigur Jan können sich die kleinen Leser sicher gut hineinversetzen. Er ist neugierig, abenteuerlustig und sehr sympathisch. Bestimmt würden viele Kinder sofort mit Jan tauschen und hätten auch gerne solch unterhaltsame Geisterfreunde, mit denen es nie langweilig wird. Die liebenswerten Kabbeleien zwischen Bernd und Toni sind immer wieder amüsant zu lesen. Die beiden bekommen in Italien geisterhafte Verstärkung der besonderen Art. Während Trainerin Frau Krupp nach außen hin etwas ruppig wirkt, hat sie aber doch das Herz am rechten Fleck. Ganz im Gegensatz zum neuen schmierigen Co-Trainer Lorenzo Bussoni, der dunkle Geheimnisse zu hüten scheint und Toni merkwürdig bekannt vorkommt. Insgesamt eine bunte, interessante Figurentruppe, die Unterhaltung garantiert.

Ob das Trainingslager effektiv wird? Klärt sich Tonis Fluch auf? Und was hat Bussoni zu verbergen?
„Die Geisterkicker- Falsches Spiel und Eis am Stiel“ ist ein witziges, turbulentes, etwas anderes Fußballabenteuer mit originellen Figuren und Gespenstermagie. Ein großer Lesespaß für alle, die Fußball- und Geistergeschichten mit Humor und Phantasie mögen, auch Lesemuffel werden sich durch das Thema und die lustigen Bilder motivieren lassen. Die liebenswerten Charaktere werden den Lesern bestimmt gleich ans Herz wachsen. Noch besser kann man der Geschichte folgen, wenn man auch den Vorgänger kennt.

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  • Spaß
Veröffentlicht am 31.12.2022

Alte und neue Rätsel- spannende, dramatische Fortsetzung mit viel Action und einigen Überraschungen

Keeper of the Lost Cities – Das Vermächtnis (Keeper of the Lost Cities 8)
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Sophie möchte nicht akzeptieren, dass sie als „unvermittelbar“ gilt. Daher setzt sie alles daran, herauszufinden, wer ihre biologischen Eltern sind. Ihre Freunde unterstützen sie bei der Suche. Doch wie ...

Sophie möchte nicht akzeptieren, dass sie als „unvermittelbar“ gilt. Daher setzt sie alles daran, herauszufinden, wer ihre biologischen Eltern sind. Ihre Freunde unterstützen sie bei der Suche. Doch wie wird Fitz auf Sophies „Status“ reagieren?
Während die Freunde mit ihren Recherchen beschäftigt sind, erhalten sie vom Hohen Rat eine überraschende Botschaft. Sie werden mit neuen, herausfordernden Aufgaben betraut. Und dann erfahren Sophie und Keefe wichtige Informationen aus der Vergangenheit, die gewaltige Konsequenzen haben und beiden vor bedeutende Entscheidungen stellen. Bei all der turbulenten Entwicklungen ist es verdächtig still um die Neverseen….

Die Geschichte liest sich gewohnt flüssig und ist klar und witzig formuliert. Für Reihenkundige dürfte es keine Schwierigkeiten geben, den Text mit all seinen elfischen Fachbegriffen komplett zu erfassen. Neulinge werden vermutlich über Begriffe wie „Psioniepathie“, die Definition einer besonderen Fähigkeit unter den Elfen, stolpern. Die Buchserie richtet sich an Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

Sophie ist eine ganz besondere Protagonistin. Sie ist die „Mondlerche“, eine Schöpfung der Organisation Black Swan, ausgestattet mit vielen besonderen Fähigkeiten, die sie selbst noch nicht alle ganz erforscht und im Griff hat. Sophie kennt ihre echten biologischen Eltern nicht, was sie sehr unsicher macht. Auch mit ihren Talenten ist sie noch nicht hundertprozentig im Reinen. Dass Sophie manchmal ziemlich tollpatschig sein kann, nicht immer wie die makellose, perfekte, souveräne Heldin auftritt, macht sie umso sympathischer.
Mit Fitz verbindet Sophie eine besondere Beziehung. Doch nicht nur Fitz Bruder Alvar, der sich den Neverseen angeschlossen hat, steht zwischen ihnen. Auch Sophies persönliche Probleme wirken sich auf das Verhältnis der beiden aus. Und dann ist da noch Keefe mit den tollen Haaren, dessen hinterhältige Mutter mit allen Wassern gewaschen ist und ihn mit seinem Vermächtnis konfrontiert.
Die unterhaltsamste Figur ist für mich Keefes Bodyguard, Ogerprinzessin Ro. Sie hat zuverlässig witzige Kommentare auf Lager, die Situationen den Ernst nehmen. Mit ihren spitzen Bemerkungen wie „Also echt, Jungs dabei zuzusehen, wie sie zu kommunizieren versuchen, ist, als würde man Amöben beobachten“ sorgt sie immer wieder für Spaß.
Selbstverständlich haben auch wieder unberechenbare, abgrundtiefe Bösewichte aus den Reihen der Neverseen ihre Auftritte, denn die Welt der Elfen ist längst nicht so glänzend und gut wie manche Bewohner das gerne hätten…

„Das Vermächtnis“ ist unheimlich packend zu lesen, überrascht mit zahlreichen unvorhergesehenen Wendungen, Ereignissen und Geheimnissen. Die Spannung wird dabei permanent hochgehalten, die Handlung fesselt durchgehend. Die Charaktere entwickeln sich immer weiter, werden durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse komplexer und interessanter. Ich habe das Buch mit dem beachtlichem Umfang deshalb innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Für mich einer der besten Bände der Reihe. Und natürlich wartet Shannon Messenger wieder mit einem besonderen, grandiosen Cliffhanger auf, der die Neugier auf den nächsten Band noch größer macht.

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Veröffentlicht am 28.11.2022

Politische und private Krisen in der Weimarer Republik - mitreißende, lesenswerte Fortsetzung

Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3)
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„Es fühlte sich an, als würde sie von einem Zeitstrudel durch jeden einzelnen Tag gewirbelt werden. Nicht einmal auf dem See kam sie zur Ruhe. Ihr Blick glitt nicht, er huschte über die Umgebung, ohne ...

„Es fühlte sich an, als würde sie von einem Zeitstrudel durch jeden einzelnen Tag gewirbelt werden. Nicht einmal auf dem See kam sie zur Ruhe. Ihr Blick glitt nicht, er huschte über die Umgebung, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Dabei hätte ein Herbsttag kaum idyllischer sein können als der heutige.“

Während sich in der Weimarer Republik die politische Lage immer prekärer entwickelt, finden auch die Schwestern Marlene und Emma nicht zur Ruhe. Marlene und ihr Mann Maximilian hadern mit ihrer Kinderlosigkeit. Marlene, Ärztin in der Kinderklinik Weißensee, ist völlig überarbeitet und beschließt schweren Herzens, die Klinik zu verlassen. Sie hofft, dass sich ihr Traum vom Muttersein leichter verwirklichen lässt, wenn sie weniger Stress hat. Doch dann hört sie von Alexander Flemmings zufälligen Entdeckung des Penicillins. Sie erkennt die unglaublichen Möglichkeiten, die das Medikament bietet. Schnell gerät ihr Entschluss, sich aus der Medizin zurückzuziehen, ins Wanken…Ob das ihrem Mann Maximilian gefällt?
Für Marlenes Schwester Emma läuft es beruflich prima. Bis zur Oberschwester hat sie sich hochgearbeitet, doch dann taucht eine ehemalige Widersacherin an der Klinik auf und Emma bekommt mächtig Gegenwind. Emmas Sohn Theo hat ebenso Probleme. Am Gymnasium läuft es nicht gut für ihn. Dann lernt er einen Mitschüler näher kennen, der ihm neue Möglichkeiten aufzeigt, die seinen sozialdemokratischen Eltern gar nicht gefallen dürften…

Autorin Antonia Blum erzählt abwechselnd aus Marlenes und Emmas Sicht. Sie schreibt leicht, gut verständlich und flüssig.
Das einprägsame Cover, diesmal sind zwei Kinder von hinten zu sehen, die auf die Klinik blicken, ist sofort als Teil der Buch-Reihe zu erkennen.

Beide Protagonistinnen Marlene und Emma werden sehr sympathisch und einnehmend dargestellt. Die Schwestern sind absolut ehrlich, denken stets an andere und haben sich durch harte Arbeit selbstständig aus der Armut befreit. Ihre Disziplin ist bewundernswert. Marlene ist noch ein bisschen ehrgeiziger als ihre Schwester, für Emma steht mehr das Menschliche, der Umgang mit den Patienten und weniger die Forschung in der Medizin im Vordergrund. Dass die beiden bemerkenswerten Frauen schwere Krisen durchlaufen, ließ mich beim Lesen nicht kalt. Ich litt mit ihnen und hoffte für sie. Eine Reihe weiterer netter Figuren bereichern die Geschichte, Willy Pinke, Albert Kolpetzky oder Elwira Scharinski. Aber auch wirklich unangenehme Zeitgenossen wie Theodors Lehrer Rademacher oder die neue Oberin mischen das Geschehen kräftig auf und sorgen für viele Konflikte.

Auch der dritte Teil liest sich wunderbar leicht und unkompliziert. Die gesamte Geschichte um Emmas und Marlenes Schicksal ist derart fesselnd, dass es für mich unmöglich ist, die Serie nicht weiterzulesen.
Die Sorgen von Emmas Sohn Theo, seine ersten Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Bewegung stimmen nachdenklich, gehen nahe, machen traurig. Einmal mehr wird klar, wie stark Politik in das Leben der Menschen eingreifen kann.
Wer die ersten beiden Bücher der Reihe mochte, wird sicher auch vom dritten Band um die Kinderklinik Weißensee „Tage des Lichts“ begeistert sein. Allen anderen Fans von historischen Schmökern seien zunächst die ersten Bände ans Herz gelegt, denn mit Vorwissen bietet der dritte Band ein umso größeres Lesevergnügen.

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