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Veröffentlicht am 04.06.2023

Grausam, spannend, typisch Meyer

Der Follower (Tom-Bachmann-Serie 3)
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Er beobachtet sie, er tötet sie und ergötzt sich an ihrem Leichnam. Ein kranker Killer treibt auf Instagram sein Unwesen und beschäftigt schon bald den Ermittler Tom Bachmann. Dass er es diesmal mit einem ...

Er beobachtet sie, er tötet sie und ergötzt sich an ihrem Leichnam. Ein kranker Killer treibt auf Instagram sein Unwesen und beschäftigt schon bald den Ermittler Tom Bachmann. Dass er es diesmal mit einem nekrophilen Täter zu tun hat, lässt den sonst so stark wirkenden Tom alles andere als kalt. Er will ihm mit allen Mitteln das Handwerk legen und muss sich dabei den Schatten seiner eigenen Vergangenheit stellen…

Das Thema Nekrophilie steht hier klar im Mittelpunkt. Für mich natürlich erstmal harter Tobak, aber Meyer beweist viel Fingerspitzengefühl und führt den Leser vorsichtig an das Thema heran. Auch wenn diese Neigung überaus krank ist, fand ich die Hintergrundinformationen dazu ziemlich interessant.

»Es gibt unterschiedliche Ursachen und unterschiedliche Formen von Nekrophilie. In der Regel sind fast nur Männer von dieser abweichenden Sexualpräfenz betroffen. Wie bei einer Zwangsstörung kann es dabei zu aggressiven Zwangsgedanken und Zwangshandlungen kommen. Im besten Fall werden sie nur im gemeinsamen Einverständnis ausgelebt, also mit einem Sexualpartner, der regungslos bleibt.« (Zitat S. 97)

Direkt zu Beginn schockt uns der Autor mit einer ersten Bluttat und lässt dem neugierigen Leser keine andere Wahl, als die weitere Handlung mit Spannung und Nervenkitzel zu verfolgen. Mit seinem schonungslosen, blutigen und bedrückenden Schreibstil ist es Meyer perfekt gelungen, eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen, die perfekt zur Szenerie passt und mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Tom Bachmann kannte ich bereits aus den vorigen Teilen. Aber diesmal hat er mich ganz besonders beeindruckt. Die Erlebnisse aus seiner Kindheit gingen mir persönlich sehr nah und haben mich traurig und wütend zugleich gemacht. Kaum zu glauben, dass einem Menschen in jungen Jahren so viel Leid zugefügt wurde und er es dennoch geschafft hat, was aus sich zu machen. Tom ist daher ein bemerkenswerter Protagonist, und nachdem ich nun seine Vergangenheit kenne, bin ich stolz darauf, dass er seine Berufung gefunden hat und versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Fazit: Eine spannende Fortsetzung, die mich sprachlos gemacht hat. Der Autor hat hier ein heikles Thema aufgegriffen und eine fesselnde Story kreiert, die ich mit Neugier verschlungen habe. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Tom Bachmann!

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Veröffentlicht am 04.06.2023

Spannend, temporeich, Cavanagh

Liar
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Wer Eddie Flynn kennt, weiß, dass er seinen Job absolut ernst nimmt. Wenn er ein Versprechen gibt, dann hält er es auch. Das weiß Leonard, ein alter Bekannter von Eddie, der ihn besorgt um Hilfe bittet, ...

Wer Eddie Flynn kennt, weiß, dass er seinen Job absolut ernst nimmt. Wenn er ein Versprechen gibt, dann hält er es auch. Das weiß Leonard, ein alter Bekannter von Eddie, der ihn besorgt um Hilfe bittet, um seine entführte Tochter Caroline zu retten. Für Eddie keine leichte Aufgabe, denn die Situation wird immer bizarrer, und er weiß am Ende nicht mehr, wem er noch vertrauen kann. Als er selbst in Gefahr gerät, bleibt ihm keine andere Wahl, als zu lügen...

Mit einer grandiosen Story hat mich Cavanagh auch in Teil 3 auf Trab gehalten. Dabei bleibt er seinem flüssigen und fesselnden Schreibstil treu und entführt den neugierigen Leser in einen weiteren bizarren Fall, aus dem es zunächst keinen Ausweg zu geben scheint. Doch wie wir Flynn kennengelernt haben, beweist er auch hier Biss und Durchhaltevermögen und macht das Unmögliche möglich.

Als Protagonist ist Eddie einzigartig, und obwohl ich dachte, ich hätte schon alles über ihn erfahren, legt Cavanagh nochmal eine Schippe drauf, gibt weitere Dinge aus Eddies Vergangenheit preis und – was mir wieder prima gefallen hat – der Freundschaft zwischen Eddie und Richter Harry nochmal eine ganz besondere Plattform.

Die Spannung zieht sich auch in diesem Teil wie ein roter Faden durch die Handlung. Der Autor schafft es einfach jedes Mal aufs Neue, den Leser direkt zu Beginn zu packen und erst am Ende völlig erschöpft loszulassen. Dabei lässt er die Bombe diesmal auch wirklich erst kurz vor Schluss platzen.

Fazit: Ein grandioser dritter Teil, der mich begeistert und bestens unterhalten hat. Eddie Flynn zu begleiten, ist immer wieder ein Abenteuer, das bitte nieeeee enden darf!

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Eine zauberhafte Geschichte

Die unerhörte Reise der Familie Lawson
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Im typisch leicht zugänglichen Romanstil nimmt uns T.J. Klune dieses Mal mit in eine roboterlastige Zukunft. Von den Menschen entwickelt, um sich einen Gehilfen oder Begleiter zu schaffen. Vor allem aber ...

Im typisch leicht zugänglichen Romanstil nimmt uns T.J. Klune dieses Mal mit in eine roboterlastige Zukunft. Von den Menschen entwickelt, um sich einen Gehilfen oder Begleiter zu schaffen. Vor allem aber auch, um die Leere im Herzen zu füllen. Denn die Menschen haben verlernt, miteinander zu kommunizieren. Wir werden in eine kuriose Zukunft entführt, in denen die Roboter ähnlich wie im Film iRobot die Menschen ausgelöscht haben, um eine bessere Welt zu schaffen. Doch ein menschliches Wesen lebt weiterhin auf dieser Erde. Der junge Victor macht die Wälder um seinen Wohnort unsicher.

Victor wird begleitet von dem übernervösen, naiven, aber großherzigen Staubsaugerroboter Rambo mit starker Reinigungsneurose und einer schwarzhumorigen ausrangierten Pflegeroboterdame mit Hang zum Sadismus. Sie versteht es wie kein anderer, die Lachmuskeln des Lesers mit ihren fies neckigen Sprüchen zu reizen.

„Habe ich einen Anus?“, fragte Rambo.
„Nein“, antwortete Schwester Grob. „Trotzdem bist du manchmal ein Arsch mit Sprechdurchfall.“ (Pos. 1163)

Dann taucht eines Tages Tom auf, eine Mordmaschine, geschaffen, um die Menschheit auszurotten. Selbstbestimmt lehnt er sich mit den anderen gegen die Obrigkeit auf. Und damit sind wir beim Kern der Geschichte. Keine der Figuren lässt sich in eine Schublade stecken. Die Bedeutung von Freundschaft, Loyalität, psychischem Wachstum, aber auch Trauer, Verlust und Schmerz sind einige der Gefühle, mit denen wir konfrontiert werden.

[Victor:] „Ich glaube, ich war noch nie so sehr Mensch wie jetzt.“
[GIOvanni:] „Warum?“
„Weil ich atme, aber keine Luft bekomme.“ (Pos. 7193)

Das Ende war für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ständig hing ich zwischen Trauer und Hoffnung fest, denn wie im wirklichen Leben endet nicht alles mit einem Happy End. In diesem Buch steht die (freundschaftliche und familiäre) Liebe im Vordergrund, und an Lebensweisheiten wird ebenfalls nicht gespart. Dank der eher futuristischen Dystopie und einem interessanten Setting hat das Buch eine ganz eigene Stufe erreicht und wird noch länger nachwirken.

Fazit: Eine zauberhafte Geschichte, die mich zum Lachen, Nachdenken, Mitfühlen und Schnappatmen brachte. Es wird aufgezeigt, wo Ungerechtigkeiten in der Welt vorhanden sind, und dennoch ohne erhobenen Zeigefinger vorgeführt, wie einfach es sein könnte, wenn wir mehr miteinander statt gegeneinander leben würden. Wenn wir jedem seinen Charakter, seine Eigenheiten, sein Anders akzeptierten und endlich verstünden, dass jeder seinen Platz in der Welt verdient hat. Empfehlung!

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Düster, abgründig, wendungsreich

Wenn sie wüsste
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Millie wurde gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und ist nun auf der Suche nach einem Job. Als Ex-Sträfling ist das nicht so einfach und deshalb fällt sie aus allen Wolken, als sie die Haushaltsstelle ...

Millie wurde gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und ist nun auf der Suche nach einem Job. Als Ex-Sträfling ist das nicht so einfach und deshalb fällt sie aus allen Wolken, als sie die Haushaltsstelle bei der wohlhabenden Nina auf Long Island ergattert. Millie bekommt ihr eigenes Zimmer im Dachgeschoss und wird sofort mit ihren neuen Aufgaben vertraut gemacht. Ein guter Start! Doch schon bald zeigt Nina ihr wahres Gesicht - und man ist mittendrin im Geschehen. Die drohende Gefahr ist permanent zu spüren, aber nicht greifbar, und treibt das Adrenalin dadurch in die Höhe. Man stellt Vermutungen an, hinterfragt diese wieder, sucht fehlende Puzzleteile und wird mit seinen Emotionen immer wieder durch die Luft gewirbelt. Ein Twist jagt den nächsten, sodass man völlig verunsichert ist und nicht mehr weiß, was die Wahrheit ist.

Figuren, die man erst mochte, hasst man plötzlich. Andere wiederum wirken so unscheinbar, dass man dererseits nichts Böses erwartet, aber dann ziemlich von ihnen überrumpelt wird.

In drei Teilen tischt die Autorin uns mit ihrem fesselnden Schreibstil eine Story auf, die sich gewaschen hat. Im ersten Teil erzählt Millie die Geschichte aus ihrer Sicht und wird im zweiten Teil von einer anderen Figur abgelöst. Danach wechseln die Kapitel zwischen den beiden hin und her und machen den Leser fix und fertig. Nicht nur, weil beide Charaktere in ihrer Art völlig unterschiedlich sind. Sondern auch, weil aufgrund dieser Wechsel vorangegangene Geschehnisse eine ganz andere Bedeutung bekommen. Das ganze Konstrukt, was man sich im ersten Teil aufgebaut hat, fällt im zweiten in sich zusammen. Fragen ploppen auf, Gedanken schwirren einem durch den Kopf, Puzzleteile finden ihren Platz, bis schließlich der erlösende Aha-Moment eintritt und man sprachlos die Buchdeckel zuklappt.

Mit dem Ende bin ich nicht ganz glücklich, denn das wirkte auf mich etwas zu (über)konstruiert. Es passt zwar zum Plot, allerdings habe ich den großen Knall vermisst bzw. hätte mir einen anderen gewünscht. Da mir aber alles andere sehr gut gefallen hat, kann ich die letzten Seiten verschmerzen und hinnehmen.

Fazit: Düster, abgründig, wendungsreich - dieser Psychothriller spielt mit unseren Emotionen und Gedanken und animiert zum Fingernägelkauen. Mal wieder wurde mir aufgezeigt, dass man nicht zu vorschnell urteilen sollte und nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein perfides Spiel, das jeder selbst erleben muss. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 05.05.2023

Düster, mystisch, abenteuerlustig

Moorläufer. Im Reich des letzten Drachen
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Boris Koch hat mit „Moorläufer“ einen grandiosen Fantasy-Roman abgeliefert. Schon die ersten Zeilen haben mich gefesselt und in eine Welt gezogen, die so phantastisch und zugleich doch real erscheint. ...

Boris Koch hat mit „Moorläufer“ einen grandiosen Fantasy-Roman abgeliefert. Schon die ersten Zeilen haben mich gefesselt und in eine Welt gezogen, die so phantastisch und zugleich doch real erscheint. Menschen, zerfressen von Neid, Ungunst und Gier. Böse Blicke hier, Getuschel da. Alles nur dummes Gerede, oder steckt doch mehr hinter den düsteren Gerüchten? Und welche Gefahren lauern wirklich in der Nacht? Ist Milan der Wahrheit gewachsen?

Koch zeichnet wunderbar vielschichtige Charaktere und taucht dabei tief in gesellschaftskritische Strukturen ein. Milan, der sich nicht beirren lässt, auf sein Gefühl vertraut und sich einfach nicht anpassen will, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Aber auch Milans Familie, Khyra und die anderen Torfstecher sind einfach so vielseitig, dass beinahe niemand einfach nur gut oder böse zu sein scheint. Und genau das verleiht der Handlung diese realistischen Züge.

Auch sprachlich hat mich Koch absolut überzeugt. Er schafft wunderbare Naturbilder. Ohne Details zu beschreiben, hatte ich sofort Bilder von Nebelbruch und den Schwarzmooren im Kopf. Gleichzeitig hat sein Schreibstil mich enorm gefesselt und der „Moorläufer“ zu einem Pageturner par excellence gemacht. Von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel, steigert sich beinahe unmerklich die Spannung. Und das, ohne auf große Action oder Überraschungseffekte zu setzen.

In den letzten Nächten bin ich gefühlt gemeinsam mit Milan durch die Schwarzmoore gestapft, so sehr hat mich das magisch düstere Nebelbruch mit seinen mystischen Wesen und kauzigen Bewohnern in seinen Bann gezogen. Zudem hat mich auch die Coming of Age Story rund um Milan und Khyra einfach komplett abgeholt.

Fazit: Noch nie habe ich einen Fantasy-Roman dermaßen verschlungen. Und ich wäre durchaus begeistert, gäbe es in Zukunft mehr von Milan, dem Moorläufer, zu lesen. Also, egal wie das Wetter am Wochenende wird, sucht euch ein lauschiges Plätzchen und schnappt euch dieses Buch!

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