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Veröffentlicht am 18.05.2023

Der Sternbräu darf nicht untergehen

Schankschluss
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"Schankschluss" ist der siebte Band der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl. Eigentlich ist für den Brauer Alfred Sanktjohanser das Leben in Ordnung. In seiner "Bierwerkel" braut er besondere Sorten, als ...

"Schankschluss" ist der siebte Band der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl. Eigentlich ist für den Brauer Alfred Sanktjohanser das Leben in Ordnung. In seiner "Bierwerkel" braut er besondere Sorten, als plötzlich das Unheil in Form von Thore Mommsen über ihn hereinbricht. Der Vater seiner Stieftochter Martina drängt sich in sein Leben. Nicht nur dass er seiner Ehefrau Kathie den Hof macht, er ist auch noch Geschäftsführer eines norddeutschen Molkerei-Imperiums, dass seine geliebte Lehrbrauerei, das "Sternbräu", gekauft hat. Allerschlimmstes ist zu befürchten, doch dann wird der Molkereibesitzer erschossen aufgefunden. Gemeinsam mit der Kommissarin Bine Schranner begibt sich Sanktus erneut auf Ermittlerpfade. Zum mittlerweile siebten Mal lässt Andreas Schröfl Sanktus in seinem "Bierkrimi" auf humorvolle Weise agieren. Das Hopfengetränk fließt reichlich in jeglicher Brauart, der Sanktus wie immer gut für jedes Fettnäpfchen um darin reinzutreten. Auch seine Freunde haben alle wieder ihren Auftritt, vom "Graffiti" bis zum "Leichen-Seppi". Nur der lustige Inder Bhupinder mit seinem "Blitz von Bangladore" kam mir in diesem Band ein wenig zu kurz. Ist er doch auch immer für diverse Lachsalven gut. Obwohl man im mittlerweile siebten Band der Reihe beim Sanktus leichte Abnutzungserscheinungen erkennen kann, ist die Geschichte durchaus wieder unterhaltsam. Von dieser Reihe darf man nicht knallharte Krimikost erwarten. Vielmehr überzeugt sie durch Haidhauser Flair (Stadtteil Münchens) und lebt von der Humoristik der Figuren. Und diese überzeugt nach wie vor auf ganzer Länge. Erneut eine gelungene Mixtur von "Münchner Geschichten", "München 7" mit einem Touch von "Eberhofer". Wer so eine Mischung gerne liest, dem wird der Sanktus auch mit diesem Band eine Freude bereiten.

Veröffentlicht am 14.05.2023

Der Totenweg führt in die Vergangenheit

Totenweg
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"Totenweg" ist der erste Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölk. Der Apfelbauer Paulsen wird hinterrücks niedergeschlagen und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Doch er liegt im Koma und zuhause steht ...

"Totenweg" ist der erste Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölk. Der Apfelbauer Paulsen wird hinterrücks niedergeschlagen und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Doch er liegt im Koma und zuhause steht sein Hof kurz vor der Pleite. Seine Tochter Frida, die mittlerweile Polizistin in Hamburg ist, kehrt auf den Hof zurück um ihrer Mutter zur Seite zu stehen. Nach knapp 20 Jahren wird sie wieder mit den Geschehnissen in ihrem Heimatdorf konfrontiert und in dem damals ihre beste Freundin Marit ermordet aufgefunden wurde. Ein Schatten, der bis heute über allem liegt. Kriminalhauptkommissar Haverkorn hat dieser Fall nie losgelassen und erneut wird er mit den aktuellen Ereignissen konfrontiert, die anscheinend ihren Ursprung im alten Fall haben. Romy Fölk lässt hier die junge Frida Paulsen, die gerade ihre Ausbildung zur Kommissarin macht, zum einen auf den alten Ermittler Haverkorn treffen, aber auch die junge Frau mit ihrer Vergangenheit konfrontieren. Teils in Rückblenden, teils in aktuellen Ereignissen der Gegenwart. Irgendwie scheint so mancher Bewohner des kleinen Ortes in der Elbmarsch seine Geheimnisse zu haben und je mehr die Ermittlungen voranschreiten erscheint vieles in einem neuen Licht. So werden in diesem Krimi etliche Fäden gesponnen, die den Leser in die Irre leiten können, letztendlich läuft aber vieles zusammen. Vieles, aber nicht alles und so bleiben ein paar kleine Fragen offen. Dadurch wirkt es wie wenn an manchen Stellen zu viel in die Story gepackt wurde. Grundsätzlich aber ist dies ein gelungener Einstieg in die Elbmarsch-Reihe. Frida Paulsen ist eine sympathische Ermittlerin, auch der alternde Haverkorn mit all seinen eigenen Sorgen wirkt realistisch auf den Leser. Nachdem ich bereits Folgebände der Reihe gelesen habe, ist dieser erste Band für mich schlüssig und rundet den Gesamteindruck dieser Reihe positiv ab. Jeder Fall lässt sich für sich gut lesen, es macht aber Spaß alle Bände zu lesen.

Veröffentlicht am 06.05.2023

Der Kampf um die Nachfolge von König Edward dem Älteren

Das Königsschwert
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"Das Königsschwert" ist der zwölfte Band der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell. Uhtred ist endlich in seiner geliebten Heimat Bebbanburg angekommen. Er ist in die Jahre gekommen und eigentlich könnte er ...

"Das Königsschwert" ist der zwölfte Band der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell. Uhtred ist endlich in seiner geliebten Heimat Bebbanburg angekommen. Er ist in die Jahre gekommen und eigentlich könnte er auf der Burg sein restliches Leben verbringen. Aber eine Nachricht aus dem Süden und ein alter gegebener Schwur lassen ihn wieder gen Süden ziehen bis nach Lundene (das heutige London). Dort wird der Kampf um die Nachfolge Königs Edwards dem Älteren entschieden und Uhtred muss sich einem brutalem Kämpfer stellen. Einer, der ihm sein geliebtes Schwert Schlangenhauch abgenommen hat. Er kämpft erneut um seine Ehre, sein Schwert und die Erfüllung seines Schwures. Wie Cornwell selbst schreibt, ist über die genauen zeitlichen Umstände der Thronnachfolge von Edward nur wenig bekannt. In diesem Roman lässt er zwar wieder Uhtred im Mittelpunkt agieren, formt aber eine fiktive Geschichte, die sich in die Zeit um das Jahr 924 gut einfügt. England nimmt immer mehr Formen an. Die südlichen Königreiche Wessex, Ostanglien und Mercien sind vereint, aber die Entscheidung zwischen den Halbbrüdern Æthelstan und Ælfweard als Nachfolgekönig steht noch aus. Dieser Band ist auch wieder von vielen blutigen Kämpfen geprägt. Uhtred wird alt und verletzlich, aber Cornwell lässt ihn trotz aller Wunden erneut siegreich sein. Dies ist angesichts seines Alters nicht mehr ganz glaubwürdig. Lässt man dies aber außer acht, ist dieser zwölfte Band durchwegs spannend zu lesen. Tod und Sterben auf dem Schlachtfeld und an der Pest begleiten diesen Teil rund um Uhtred von Bebbanburg. In Summe ein guter Band, der mich gespannt auf den finalen dreizehnten der Saga hinterlässt.

Veröffentlicht am 27.04.2023

Der Zugriff auf die weißen Jahrgänge

Die Zeit der Tyrannen
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"Die Zeit der Tyrannen" ist der siebte Band der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1940 und Deutschland befindet sich mitten im Krieg. Dies spüren auch die Familien auf ...

"Die Zeit der Tyrannen" ist der siebte Band der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1940 und Deutschland befindet sich mitten im Krieg. Dies spüren auch die Familien auf Gut Falkenbach. Die sogenannten weißen Jahrgänge, zu denen auch die Söhne der Lehmanns und von Falkenbach gehören, stehen vor der Einberufung an die Front. Die Väter versuchen verzweifelt ihnen dieses Schicksal zu ersparen und sie unabkömmlich in der heimischen Waffenproduktion oder als Arzt in der Heilanstalt Eglfing darzustellen. Doch dies gelingt nur teilweise, das Regime im deutschen Reich ist stärker. Keine guten Zeiten für die Familien, deren Einfluss auf Entscheidungsträger immer geringer wird, während der Krieg immer gefährlicher und unberechenbarer wird. Ellin Carsta beschreibt in diesem Band wie die Kriegswirren auch vor Gut Falkenbach nicht Halt machen. Gleichzeitig werden die ehemals starken Familienoberhäupter dem ganzen nur noch teilweise her. Ihre Einflüsse nehmen immer mehr ab, es wird immer schwieriger die Familien als Einheit zusammenzuhalten. Im gewohnten Stil lässt sich auch dieser Band der Autorin flüssig lesen, auch wenn an manchen Stellen mir mittlerweile das Geschehen ein wenig zu seicht wird. Schemen wiederholen sich und langsam geht es mir persönlich so, dass die Saga Richtung Ende steuern sollte. Trotz dieser Anmerkung finde ich aber immer noch, dass sie sehr gut geschrieben ist, Geschichte ebenso gut einbindet und weiterhin lesenswert ist. Man darf also immer noch gespannt sein wie Ellin Carsta den Bogen der Familien zu Ende spannt.

Veröffentlicht am 27.03.2023

Das Studium der Hände

Wahnspiel
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"Wahnspiel" ist der erste Krimi von Kilian Eisfeld, der als Daniel Wolf erfolgreich historische Romane schreibt. Als ein verurteilter Mörder sechs Jahre nach seiner Inhaftierung auf Bewährung freigelassen ...

"Wahnspiel" ist der erste Krimi von Kilian Eisfeld, der als Daniel Wolf erfolgreich historische Romane schreibt. Als ein verurteilter Mörder sechs Jahre nach seiner Inhaftierung auf Bewährung freigelassen wird, kocht die Volksseele schnell hoch. In den Onlinemedien entladen sich Hasskommentare, ein Mob bildet sich. Der Mörder Lukas Schneider bewegte sich in der Incel-Szene und tötete eine junge Frau nach einer versuchten Vergewaltigung. Vor seiner Festnahme fand er zuletzt Unterschlupf bei einem Mitglied der rechtsgerichteten Burschenschaft Gothia, der seine Tat filmte. Sofija Marković, damals SEK-Beamtin, war beim Zugriff der Soko ebenso beteiligt wie Alex Schwerdt als ermittelnder Kripo-Beamter. Heute leitet Marković die Abteilung für Kapitaldelikte in Heidelberg, Alex Schwerdt arbeitet bei der Sitte. Als Schneider kurz nach seiner Haftentlassung plötzlich verschwindet und seine abgetrennte Hand aufgefunden wird, holt Marković den Kollegen Schwerdt zur neu gebildeten Soko zurück ins Team. Kilian Eisfeld verwebt in diesem Krimi gleich mehrere Themen, von Incel, Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Homosexualität, bis Mobbing und Hassparolen in den sozialen Netzwerken. Dadurch ergeben sich teils falsche Spuren, aber es enden dadurch auch Stränge teilweise im Nichts, ohne dass sie zu Ende geführt werden. Hier wäre etwas weniger vielleicht zielführender gewesen. Daher entwickelte ich als Leser durch Ausschlussprinzip auch schnell eine Theorie bzgl. Täterschaft, die sich letztendlich auch bewahrheitete. Hat der Krimi anfangs noch einige Längen, nimmt er aber im Laufe der Story Fahrt auf. Tempo und Spannung steigern sich bis zum Finale, was dann als klarer Pluspunkt zu werten ist. Die berufliche Annäherung zwischen den beiden Hauptermittlern ist durchaus gut dargestellt, beide nehmen eine Entwicklung im Laufe der Story. Einem nächsten Fall steht damit nichts im Wege. "Wahnspiel" hat sicherlich noch nicht ganz sein Krimipotential ausgeschöpft, ist aber für mich durchaus ein gelungenes Debüt von Kilian Eisfeld im Krimigenre, auf dass sich aufbauen lässt.