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Veröffentlicht am 27.05.2023

Barcelona, ich komme…

Labyrinth Barcelona
2

„Reisen als mentaler Idealzustand hat Jens Wiegand ruhelos durch die Welt getrieben.“ Wenn das nicht ideale Voraussetzungen sind. Er kennt Barcelona wie seine Westentasche, seit nunmehr 25 Jahren erkundet ...

„Reisen als mentaler Idealzustand hat Jens Wiegand ruhelos durch die Welt getrieben.“ Wenn das nicht ideale Voraussetzungen sind. Er kennt Barcelona wie seine Westentasche, seit nunmehr 25 Jahren erkundet er jeden Winkel. Ich begebe mich voller Vorfreude in seine kundigen Hände, in sein „Labyrinth Barcelona“. Schon das erste Durchblättern weckt meine Reiselust. Ich war noch niemals in da, was ich dringend ändern muss. Dass diese katalonische Stadt zu den beliebtesten Zielen bei Städtereisen gehört, kann ich mir lebhaft vorstellen.

Ein erstes Zurechtfinden ermöglicht die Karte auf der vorderen Innenseite, die Struktur Barcelonas ist hier anschaulich dargestellt und die Ziffern führen mich direkt zu den einzelnen Spaziergängen. Diese sind mit km-Angaben versehen und den Tagen, an denen man diese am besten unternimmt. Auch findet man eine übersichtliche Karte mit den hier beschriebenen Stationen. Die Routen sind in wiederum in vier Blöcke unterteilt. Die ersten zehn führen durch die Innenstadt, sie sind alle nicht allzu lang, viele davon nur 1 km. Man schlendert durch die Gassen, bleibt stehen, schaut sich um, betrachtet die Sehenswürdigkeiten… Die Routen 11 bis 19 führen um das Stadtzentrum, die nächsten 6 Routen erkunden eher periphere Zonen und für die letzten 4 Besichtigungen steigt man in öffentliche Verkehrsmittel.

Vorangestellt sind viele Infos über beispielsweise die Barcelona-Card, um nur einen der vielen Tipps herauszugreifen, ein Best-of der Museen, Fotospots, Architektur, Aussichtspunkte und natürlich auch Bars und Restaurants. Am Ende des Buches sind noch allgemeine Tipps für unterwegs zusammengefasst wie etwa das Trinkgeld, das ja in jedem Land anders gehandhabt wird. Jahreskalender und Stichwortverzeichnis runden das Ganze ab.

Wenn ich mir nur mal die Tour 21 stellvertretend für alle anderen herauspicke, die in den Park Güell führt, bekomme ich viele Infos über das Gelände, die Entstehung und über Gaudi, der mit dem Entwurf der Gartenstadt beauftragt wurde. Immer garniert mit Fotos und da der Mensch auch was zum Essen und Trinken braucht, dürfen Bars und Restaurants mit Öffnungszeiten nicht fehlen.

Man merkt dem Buch an, dass hier ein Kenner der Stadt, ein Insider am Werk war. Und nicht nur das, er ist hier verwurzelt, mit seinem Barcelona verwachsen. Durch das „Labyrinth Barcelona“ kann man sich damit schon zurechtfinden, die Gässchen und Winkel wollen alle entdeckt werden. Abseits ausgetretener Touristenpfade, garniert mit Kultur, mit Geschichtlichem, auch mal Kuriosem und so einigen Ausgehtipps freue ich schon jetzt auf Kataloniens Hauptstadt.

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Veröffentlicht am 24.05.2023

Rache!

Schmeckst du ihren Tod?
2

Eine wie achtlos weggeworfene Leiche wird gefunden, ihr Brustkorb wurde fachgerecht mit einem Y-Schnitt geöffnet und nicht genug damit, ein Organ wurde entfernt. Und – es bleibt nicht bei dieser einen ...

Eine wie achtlos weggeworfene Leiche wird gefunden, ihr Brustkorb wurde fachgerecht mit einem Y-Schnitt geöffnet und nicht genug damit, ein Organ wurde entfernt. Und – es bleibt nicht bei dieser einen Tat. Als dann ein rotes Paket mit makaberem Inhalt zugestellt wird, auch hier folgen mehrere, fragen sich Marc, der Ermittler und Frieda, die Psychologin, wer hinter diesem grausamen Spiel steckt und warum. Darüber hinaus nimmt der vermeintliche Täter telefonisch Kontakt zu Frieda auf – was will er damit bezwecken? Eine schier ausweglose Situation, das Team tappt lange im Dunkeln und doch bleiben sie nah dran: „Wir! Finden! Ihn!“

Wie von Gunnar Schwarz gewohnt, bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten. Neben dem vielschichtig angelegten Fall schimmert auch ein wenig Privates durch. Frieda und Marc mögen sich sehr, sie waren verbandelt, sie sind sich noch immer sehr zugetan. Ihr familiärer Hintergrund fließt mit ein, nicht zu viel, aber doch genug, um beide menschlich gut einschätzen zu können.

Neben Marcs Ermittlungen ist Frieda als Psychologin prädestiniert, hinter die Tötungsphantasien der oder des Täters zu blicken. Wer lebt diese Phantasien aus und warum? Steckt gar etwas ganz anderes dahinter? In akribischer Kleinarbeit tragen sie Puzzleteil für Puzzleteil zusammen, denn irgendetwas müssen die Opfer gemeinsam haben. Grausame Details kommen zum Vorschein, man mag sich so manche Szene gar nicht vorstellen und doch treibt es einen weiter und – viel zu oft endet eine Spur im Nichts. Oder doch nicht? Hängt alles mit allem zusammen? Der Autor versteht es hervorragend, Hochspannung zu erzeugen und diese nicht abebben zu lassen.

„Schmeckst du ihren Tod?“ ist der finale fünfte Teil um Frieda Rubens und Marc Wittmann, dieser letzte Fall ist – wie alle anderen – in sich abgeschlossen. Er hat mich, wie nicht anders erwartet, von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ich kann ihn jedem Thriller-Fan wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.05.2023

Sehr spannend und wendungsreich

Dunkle Wolken über Cannes
2

Bei den Filmfestspielen in Cannes treffen sie sich, die Reichen und die Schönen dieser Welt. Auch die Reisejournalistin Conny von Klarg genießt es, wieder hier zu sein und ist schon ganz aufgeregt, wird ...

Bei den Filmfestspielen in Cannes treffen sie sich, die Reichen und die Schönen dieser Welt. Auch die Reisejournalistin Conny von Klarg genießt es, wieder hier zu sein und ist schon ganz aufgeregt, wird sie doch die berühmte Schauspielerin Margaux Calimard und ihre ebenso erfolgreiche Tochter Juliette interviewen. Daraus wird leider nichts, Margaux liegt erschlagen in ihrer Villa und nicht genug damit, Juliette ist verschwunden.

Die Côte d’Azur mit allen Sinnen genießen inmitten all der Stars und Sternchen, das wär schon was. Da passen dunkle Wolken so gar nicht ins schillernde Ambiente und doch muss dieser Mord, der sich als Raubmord darstellt, aufgeklärt werden. Schon früher, in Saint-Tropez, wird Conny in einen Fall hineingezogen und auch hier stehen die Vorzeichen auf „ermitteln“.

Der Fall gestaltet sich vielschichtig. Je weiter ich lese, je mehr ich weiß, desto mehr Fragen tauchen auf. Und wenn man meint, jetzt aber – jetzt dreht sich die Geschichte, die einzelnen Puzzleteile fügen sich zusammen, kommt ein unerwarteter Aspekt dazu und schon steht man wieder ratlos da. Die einzelnen Charaktere sind schwer bis gar nicht zu durchschauen, sie alle sind nicht sehr nahbar. Und doch meine ich, den Täter ausgemacht zu haben, auch wenn er sich windet und schwer fassbar ist, so deutet vieles auf ihn. Und doch bleiben Zweifel, mehr als genug. Denn es kommen immer mehr Details ans Licht, auch spielt die Vergangenheit eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Es ist das zweite Buch mit Conny, der so liebenswert wie zupackenden Journalistin. Sie ist mit Felix verbandelt, ihre privaten Momente sind eher nicht vorhanden und wenn, dann rar gesät. In ihrer Suite in Nizza wartet sie auf Felix, mit dem sie zu den Festspielen fahren will. Als Fallanalytiker wird er jedoch in Margaux Villa gerufen, die Zweisamkeit wird wieder mal hintangestellt.

Der Mordfall und das Private, dazu das herrliche Ambiente an der Côte d’Azur haben in mir die Reiselust geweckt und durch die eingestreuten französischen Wörter und Sätze wähnt man sich direkt vor Ort. Auch wer kein Wort französisch spricht, wird hier nicht allein gelassen, diese Einwürfe werden gleich danach übersetzt oder umschrieben, der Lesefluss wird keineswegs gestört. Eher im Gegenteil, das französische Flair wird dadurch charmant und reizvoll wiedergegeben. Alle hier agierenden Darsteller kommen authentisch rüber, sowohl die eher zwielichtigen, undurchschaubaren Gestalten als auch die anderen, die nichts zu verbergen haben.

Sabine Vöhringer hat mir mit ihren „Dunklen Wolken über Cannes“ unterhaltsame Lesestunden geschenkt. Sie hat mich lange rätseln lassen, ihr einnehmender Schreibstil hat mich nicht mehr losgelassen. Es war ein verzwickter Fall mit nicht vorhersehbaren Wendungen, das Ende hat mich dann kalt erwischt. Ein anregendes Lesevergnügen mit einer Protagonistin, die sich – so hoffe ich – noch in so manch anderen Fall einmischen wird.

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Veröffentlicht am 19.05.2023

Spannend, unterhaltsam, lesenswert

Provenzalische Täuschung
2

Pierre Durand ermittelt wieder – eigentlich. Denn als Gilbert Langlois tot in einem Bach gefunden wird, fällt der Verdacht auf Pierre. Er wird von dem Fall abgezogen, was ihn jedoch nicht daran hindert, ...

Pierre Durand ermittelt wieder – eigentlich. Denn als Gilbert Langlois tot in einem Bach gefunden wird, fällt der Verdacht auf Pierre. Er wird von dem Fall abgezogen, was ihn jedoch nicht daran hindert, seine eigenen Recherchen anzustellen. Diese führen ihn auch nach Mazan auf die Trüffelfarm der Marechals.

Die „Provenzalische Täuschung“ ist mein erster Fall der Pierre-Durand-Reihe. In dem fiktiven Dörfchen Sainte-Valérie habe ich mich bald zurechtgefunden, der Plan des beschaulichen Ortes auf der Cover-Innenseite ist eine gute Orientierungshilfe.

Pierre war mir gleich sympathisch, er ist ein liebenswerter Polizist mit Leib und Seele, der mit seiner Charlotte inmitten der Hochzeitsvorbereitungen steckt. Neben dem vielschichtigen Fall gehören auch diese privaten Momente dazu, gewürzt mit all den Köstlichkeiten, die die provenzalische Küche zu bieten hat. Spätestens dann, als Charlotte mit ihrer Seezunge und dem getrüffelten Kartoffel-Sellerie-Stampf aufwartet, wäre ich am liebsten mit ihnen am Tisch gesessen. Aber siehe da – als kulinarische Zugabe sind einige Rezepte abgedruckt, ich bin begeistert. Aber nicht nur wegen all dieser Leckerbissen habe ich das Buch mit allen Sinnen genossen, es hat so viel mehr zu bieten.

Der komplexe Fall gestaltet sich schwierig, die Ermittler kommen nicht recht voran. Verdächtige gibt es so einige, jeder hätte ein Motiv. Auch scheinen die Ereignisse rund um den Algerienkrieg eine Rolle zu spielen. Die unrühmliche Vergangenheit Frankreichs und den damit einhergehenden Konflikt um die Unabhängigkeit Algeriens hat die Autorin gekonnt mit einbezogen. Ich finde es immer sehr inspirierend, wenn neben der Unterhaltung auch geschichtliches mit einfließt.

Neben Pierre, meinem absoluten Lieblingsakteur, sind auch alle anderen Figuren lebensnah und gut nachvollziehbar dargeboten, jeder einzelne hat seine Eigenheiten und seine Macken wie etwa die junge, übereifrige Polizistin, die nicht nur einmal übers Ziel hinausschießt. Carbonne möchte ich noch kurz herauspicken - ein liebenswerter, aber auch schlitzohriger Charakter, der auch Pierres Ziege mitversorgt. Über ihn und seine Schrulligkeit habe ich des Öfteren geschmunzelt. Es sind diese kleinen, feinen Häppchen, die zwischendurch den kriminalistischen Teil auflockern, garniert mit allerlei Gaumenfreuden. Und – die Handlung schreitet trotz etlicher Wendungen voran, sie bleibt spannend bis zum Schluss, das Ende ist dann nochmal so ganz anders als erwartet.

Sophie Bonnet hat mich mit ihrer „Provenzalischen Täuschung“ bestens unterhalten und in mir den unbedingten Wunsch nach mehr erweckt. Beim nächsten Fall für Pierre Durand, seinem zehnten, werde ich wieder dabei sein und bis dahin die Vorgängerbände nachlesen.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Die stillen Helden von Dieulefit

Die Kinder von Beauvallon - Der Spiegel-Bestseller nach wahren Begebenheiten
2

Ein ganzes Dorf im Widerstand – wie war das möglich? In den 1940er Jahren, als die Juden aller Rechte beraubt und in den Vernichtungslagern ein schreckliches Ende fanden, gab es auch Menschen, die selbstlos ...

Ein ganzes Dorf im Widerstand – wie war das möglich? In den 1940er Jahren, als die Juden aller Rechte beraubt und in den Vernichtungslagern ein schreckliches Ende fanden, gab es auch Menschen, die selbstlos waren. Bettina Storks erzählt in ihrem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, die Geschichte der „Kinder von Beauvallon“ und ihren Rettern.

Im Oktober 1940 haben Lily Blum und ihre Eltern gerade mal zwei Stunden Zeit, um einen Koffer zu packen, mehr ist nicht erlaubt. Schweren Herzens muss Agnes ihre Freundin Lily ziehen lassen, beide sind sie neun Jahre alt. Im letzten Augenblick zerreißt Lily ein Bild von ihnen beiden, jede bekommt die Hälfte und sie geben sich das Versprechen, eines Tages das Foto wieder zusammenzukleben.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1965, Agnes ist die weibliche Stimme des Südwestfunks Freiburg. Fortschrittliche Themen sind tabu, die Prüderie dieser Zeit ist deutlich spürbar. Wolfgang Schober, ihr Förderer im Funk, erzählt ihr von einem kleinen Dorf in Frankreich, von Dieulefit, einem Zufluchtsort für die Verfolgten während des Zweiten Weltkrieges und deren Helfer. Agnes Interesse ist geweckt, auch weil sie hofft, hier eine Spur ihrer Freundin Lily zu finden.

Lilys Weg verfolge ich ab dem Zeitpunkt, als sie 1940 abgeholt wird. Sie wird mit ihren Eltern in das Internierungslager Gurs verfrachtet. Julie, eine Fluchthelferin, holt sie hier heraus und bringt sie nach Dieulefit. Aber bis sie und die anderen Kinder in Sicherheit sind, müssen sie immer bangen, entdeckt zu werden.

Diese beiden Erzählstränge lese ich im Wechsel und bald bin ich mittendrin in der ausgezeichnet recherchierten Geschichte, die von der Résistance, dem Kinderhilfswerk OSE, von den mutigen Fluchthelfern, aber auch von den Grausamkeiten der Nationalsozialisten oder der Vichy-Anhängern erzählt, um nur einiges zu nennen.

Immer wieder greife ich zu Büchern, in denen die stillen Helden und ihr selbstloses Handeln eine herausragende Rolle spielen und doch weiß ich wenig, zu wenig. Dies wird mir umso klarer, je mehr ich davon lese. Auch Dieulefit und die Schule Beauvallon waren mir kein Begriff. Ich bin der Autorin dankbar, dass sie mir einen Einblick in diese für viele so lebensgefährliche Zeit gewährt hat. Ja, Lily und Agnes sind fiktiv, sie stehen stellvertretend für die Kinder von damals und deren Schicksal. Und es gab sie, die stillen Helden und auch die Gründerinnen der Schule, die Guten Feen von Beauvallon und viele, die im Geheimen geholfen haben. Ein ist eindringlicher Roman, der es wert ist, gelesen zu werden, der innerlich aufwühlt und doch aufzeigt, dass es sowas wie Menschlichkeit, ein Füreinander-da-sein immer gegeben hat, immer geben wird.

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