Profilbild von girasole

girasole

Lesejury Star
offline

girasole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit girasole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2023

Spannende Ermittlungen

Solothurn hüllt sich in Schweigen
0

Vanessa Kurth, eine Polizeiinformantin, war mit ihrer Kontaktperson Maja Hartmann verabredet und ist nicht zum Treffen erschienen. Stattdessen wird sie durch Stiche verwundet gefunden und stirbt in der ...

Vanessa Kurth, eine Polizeiinformantin, war mit ihrer Kontaktperson Maja Hartmann verabredet und ist nicht zum Treffen erschienen. Stattdessen wird sie durch Stiche verwundet gefunden und stirbt in der Notaufnahme ohne ihre wichtigen Infos weitergeben zu können. Sie war Jurastudentin, hatte einen Job in einer Bar von Borna Baddour. Zur Informantin wurde sie wegen des Drogentodes ihres Bruders, quasi aus Rachegründen. Bis die Polizei in ihre Wohnung kommt, wurde diese schon durchwühlt.

Dr. Dominik Dornach ist als Ermittler im Einsatz und von der Staatsanwaltschaft Hannah Wirz.

Im Folgenden bereist der Leser Solothurn, Apulien sowie Berlin und lernt dabei die Mitglieder einiger Mafia-Familien kennen. Ebenso fließt am Rande der Ukraine-Krieg mit ein und einige Details aus der Sicht der Schweiz.

Bis es zum großen Showdown im Finale kommt, gibt es einige Irrwege, um es für den Leser spannend zu machen. Ich möchte kein Detail nennen und auch nicht spoilern, nur so viel, die eine Wendung funktioniert einmal, wird sie zweimal angewandt, dann finde ich es einfallslos und es nervt. Die Figur des Dominik Dornach war mir nicht sehr sympathisch, vor allem auch wegen seiner zahlreichen Liebschaften innerhalb des Polizeiapparates. In diesem Krimi tauchen sehr viele Figuren auf, von denen nur wenige detaillierter charakterisiert werden. Der Thriller ist ohne Zweifel spannend geschrieben, mir persönlich war er etwas zu konstruiert, der Autor hat etwas viel hineingepackt und für mich wäre weniger mehr gewesen. Als Neueinsteiger war das Lesen für mich kein Problem, auch wenn einige Male alte Fälle erwähnt wurden.

Die Dialekteinschübe gefielen mir ausgesprochen gut, sie haben Authentizität vermittelt, dazu passend das Glossar am Ende. Ebenso gut gewählt und stimmig fand ich das Cover.

Ich hatte zwar unterhaltsame Lesestunden, werde aber die früheren Bände nicht lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2023

Eine Familie der karibischen Community

Mr. Loverman
0

Hauptfigur ist der 74jährige Barrington Jedidiah Walker. Er ist aufgewachsen in Antigua und zusammen mit seiner religiösen Ehefrau Carmel vor 50 Jahren nach England ausgewandert. Er liebt seine Retro-Anzüge ...

Hauptfigur ist der 74jährige Barrington Jedidiah Walker. Er ist aufgewachsen in Antigua und zusammen mit seiner religiösen Ehefrau Carmel vor 50 Jahren nach England ausgewandert. Er liebt seine Retro-Anzüge und zieht gerne mit Morris, seinem Freund aus Kindertagen, nachts durch Bars. Carmel allerdings vermutet eine andere Frau hinter diesen nächtlichen Ausflügen und ahnt in keinster Weise, daß Barry und Morris schon sehr lange ein Verhältnis haben und ihr Ehemann quasi ein Doppelleben führt. Aber nun, da seine Frau zum kranken Vater nach Antigua reist, entschließt sich Barry, sein Leben zu ändern, sich offen zu seinem Geliebten zu bekennen und gemeinsam mit ihm zu leben. Morris ist frei, denn seine Frau hatte sich schon vor Jahren von ihm getrennt und war zurück in die Heimat gegangen. Aber schafft es Barry, diese Trennung zu vollziehen und wirklich gemeinsam mit Morris in einer Wohnung zu leben?



Ich hatte angefangen zu lesen und war sofort begeistert von diesem ungewöhnlich lockeren, teils witzigen Schreibstil, in welchem die Autorin ihre Leser mitnimmt in die karibische Community. Die Figuren sind alle sehr facettenreich und authentisch angelegt, sie wurden sehr detailliert beschrieben und man hatte ein genaues Bild vor Augen. Die Perspektiven und die Zeitebenen des Romans wechseln, wodurch man als Leser immer wissen möchte, wie es denn weiter geht.

Ihr Buch Mädchen, Frau etc. habe ich noch ungelesen hier liegen, das wird sich in Kürze ändern. Mr. Loverman hat mir viele schöne Lesestunden beschert und ich empfehle es sehr gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2023

Spannender französischer Regionalkrimi

Die Marseille-Morde - Das tote Mädchen
0

Lucy Bernier sieht sich einem Albtraum gegenüber. Als sie nach Hause kommt, findet sie im Zimmer ihrer 15jährigen Tochter Emeline eine Zeichnung mit einem Mädchen aufgehängt an einem Baum. Als sie daraufhin ...

Lucy Bernier sieht sich einem Albtraum gegenüber. Als sie nach Hause kommt, findet sie im Zimmer ihrer 15jährigen Tochter Emeline eine Zeichnung mit einem Mädchen aufgehängt an einem Baum. Als sie daraufhin aus dem Fenster sieht, muß sie das Unfassbare entdecken - ihre Emeline in der Magnolie erhängt. Weshalb hat dieses sensible, intelligente und künstlerisch begabte Mädchen Suizid begangen? Was war vorgefallen? Hatte es damit zu tun, daß sie in der Schule gemobbt wurde und kann ihre Freundin Christine weiterhelfen?

Staatsanwalt Pierre Frigeri bittet seine Freundin, Madame le Lieutenant Nadia Aubertin der Sache nachzugehen. Brisant an der Geschichte ist, daß der Sohn seines Vorgesetzten womöglich darin verwickelt war. Er gehört zu einer Clique von Jungen und Mädchen, die andere Schüler und auch Lehrer an der katholischen Privatschule terrorisierten. Sie alle haben einflußreiche Eltern, deshalb sollen diese Vorkommnisse quasi unter den Tisch gekehrt werden. Nadia und ihr Kollege Florian ermitteln deshalb ohne Auftrag ihrer Dienststelle und im Geheimen.

Der normale Dienstalltag wird durch den Beginn der Corona-Pandemie beeinflußt. Es werden Straftäter aus dem Gefängnis entlassen - was durchaus zu Problemen führt. Es erfolgt der komplette Lockdown und die Beamten müssen statt der normalen Arbeit Ausgangskontrollen durchführen, dies natürlich auch in konfliktgeladenen Ghetto-Stadteilen.

Die Situation spitzt sich zu, als das Leben eines Lehrers, des beauftragten Rechtsanwalts und auch Christines bedroht sind. Aber gegen alle Widerstände lassen sich Frigeri und Aubertin in ihren Nachforschungen nicht aufhalten. Wird und kann die Gerechtigkeiten siegen?



Die Autorin hat auf jeden Fall einen packenden und temporeichen Krimi geschrieben. Für mich war es das erste Buch, das Corona als Thema mit einbezieht und so konnte man als Leser erfahren, was es für Polizeibeamte (in Frankreich) bei ihrer Arbeit zu bedeuten hatte. Die Figuren waren gut beschrieben, leider waren sie ganz klar in GUT und BÖSE Schubladen gesteckt worden, ohne jegliche Nuancen. Vor allem Piere und Nadia sowie ihr enges Umfeld sind sympathisch und auf jeden Fall engagiert. Fiona, die Neue, wird gleich ins Vertrauen gezogen und wird zu einer Bereicherung der Abteilung. Allerdings wurden im Buch für mich zu viele Klischees bedient. Sehr gut hingegen gefiel mir, wie beharrlich die Beamten die Angelegenheit verfolgten und sich durch Einwände und Hindernisse nicht abbringen ließen. Für diesen Krimi gilt auch, daß man nicht zu zart besaitet sein sollte, denn es wird vor Gewalt und damit verbundenen Filmchen nicht Halt gemacht. Das Privatleben fließt wohl dosiert mit ein. Das Ende, naja - hier muß jeder selbst entscheiden, ob es gefällt.

Trotz aller Kritik hatte ich spannende und unterhaltsame Lesestunden und kann diesen französischen Regionalkrimi empfehlen. Ich werde die Reihe weiter verfolgen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2023

Gut konstruierter Plot

Rot. Blut. Tot.
0

Schauplatz Dänemark
Auf der Halbinsel Refshaleoen wird eine übel zugerichtete männlich Leiche gefunden. Der kahl geschorene Kopf ist deformiert, der Kiefer wurde auseinandergerissen, der Körper ist wie ...

Schauplatz Dänemark
Auf der Halbinsel Refshaleoen wird eine übel zugerichtete männlich Leiche gefunden. Der kahl geschorene Kopf ist deformiert, der Kiefer wurde auseinandergerissen, der Körper ist wie ein Gekreuzigter drapiert, die Augen wurden durch Möwen ausgekratzt. Handelt es sich um eine Hinrichtung und weshalb dieser Ort? Das Handy und die Brieftasche weisen den Toten als Asger Dahl, 63 Jahre und Frührentner aus. Er war schon im Gefängnis, tätowiert mit einem Wotansknoten, hatte einen Portkatheder für eine Chemo. Wer und warum bringt einen Sterbenskranken um? Erste Vermutungen gehen in Richtung Rocker oder eventuell die rechte Szene. Diesen Fragen müssen die Ermittler um das Team von Kirsten Vinther nachgehen. An ihrer Seite ist auch in diesem Fall ihr Vize Jesper Baek, der Neuling in Kopenhagen, sowie Marit Rauch Iversen als Superrecognizerin. Sie berät die Sonderermittlungsgruppe „ulv“ (Wolf). Aber es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Auf der Insel Møn wird Martin Piil in seinem Haus umgebracht und auch er wurde wie ein Gekreuzigter aufgebahrt und ihm wurde ebenfalls der Kiefer auseinandergerissen, seine Zunge wurde ihm auf den Bauch gelegt. Es wird sofort ein Zusammenhang der Taten erkennbar und so werden die Ermittlungen zusammengelegt. Aber es soll nicht bei diesen Todesfällen bleiben.

In einem zweiten Strang lernt der Leser Häftling Nr. 25 Hans Erik Rask kennen, der nach 30 Jahren im Gefängnis wieder frei ist. Er wurde als der Wolf von Møn betitelt. Seine Gedanken kreisen auch ständig um den Wolf in ihm und die Edda ist seine Bibel. Grund für seine Strafe war, daß er 1990 die kleine Line und ihren Hund Basse getötet hat. Die Bewohner halten ihn deshalb sofort für den Täter, denn es gibt sehr viele Ähnlichkeiten und so beginnt eine regelrechte Jagd auf Hans Erik.

Es ist ein langer Weg bis die Fälle aufgeklärt werden können und die Ermittlungen werden in einem filmreifen Showdown abgeschlossen.


Ich hatte bereits Band 1 um Marit Rauch Iversen gelesen und wußte deshalb was mich erwarten wird. Sie schreibt spannend und temporeich, aber auch für diesen Band gilt, zartbesaitet sollte man nicht sein. Es werden Brutalitäten genau geschildert, das ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Den Plot fand ich sehr gut ausgearbeitet und man konnte sehr gut miträtseln. Die Figuren waren realistisch geschildert, auch das Privatleben der Ermittler fließt mit allen Problemen wohl dosiert in die Geschichte ein. Allerdings hätte ich Marit - als Titelgeberin der Reihe - mehr Raum gewünscht, um ihre besonderen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Ermittlungstruppe harmoniert noch nicht ganz, immer wieder kommt es zu Animositäten, so wird z.B. der Kollege Baek gerne als „Landei“ bezeichnet. Wobei in diesem Band wird Baek von seiner Vorgesetzten Vinther gefördert und gefordert. Die Inselbewohner waren eine ganz spezielle Gemeinschaft, der Glaube der Asen spielte hier eine große Rolle. Die Atmosphäre und die Schauplätze konnte man sich bildhaft sehr gut vorstellen. Es wurde auch die nordische Mythologie, Virenforschung und die dänische Ghettopolitik thematisiert. Das Motiv wurde erst spät erkennbar. Auch die kurzen Kapitel und die Zitate am Kapitelbeginn gefielen mir gut.

Wer Thriller mag, für den gibt es eine Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2023

Ein Krimi aus der Flower Power Zeit

Die Kriminalistinnen. Der Tod des Blumenmädchens
0

Den Auftakt macht eine Stern-Reportage über sechs junge Frauen. Sie haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung, kommen jetzt als Quereinsteiger zur Polizei, um hier eine Ausbildung zu Kriminalistinnen ...

Den Auftakt macht eine Stern-Reportage über sechs junge Frauen. Sie haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung, kommen jetzt als Quereinsteiger zur Polizei, um hier eine Ausbildung zu Kriminalistinnen zu absolvieren. Unter ihnen befindet sich auch die 22jährige Lucia Specht. Sie erzählt die Geschichte in der Ich-Form. Ihr erster Fall betrifft den Tod bzw. Mord an der Studentin Lena Malberg. Hier kann sie ihre ersten Erfahrungen sammeln, wobei ein Teil ihrer Energie muß sie darauf verwenden, den Vorurteilen der männlichen Kollegen gegenüber zu treten.



Ich kenne die beiden früheren Krimis des Autors zu Otto Hagedorn nicht, dies war aber kein Problem, denn er findet nur nebenbei Erwähnung. Interessant fand ich den Einstieg mit dem Stern-Bericht, bei dem die jungen Damen Perücken aufsetzen mußten, um ihr Aussehen zu verfremden. Dann ging es für mich lange Zeit nicht um den eigentlichen Fall, der gelöst werden mußte, sondern rein um die Äußerlichkeiten der jungen Damen. Da der Autor selbst noch jung ist, hat er für mich hier gut recherchiert was die Authentizität bezüglich des Feelings während der Hippiezeit, der Musik und der Kleidung anging. Aber das hat für mich etwas zuviel Platz in der ersten Hälfte des Buches eingenommen, das Krimigeschehen bleibt noch im Hintergrund. Er beschreibt sehr gelungen, was die Stellung der Frauen, der Vorurteile, dem Machogehabe der Kollegen bzw. des Chefs, damit verbunden auch der Demütigungen (z.B. das Ausleeren der Handtasche vor den Augen des Chefs), Rauchen, Telefonieren in Telefonzellen etc. betrifft. Manche Vorkommnisse und Details sind in der heutigen Zeit undenkbar – Gott sei Dank! Gut gefallen hat mir das Netzwerk, das sich die jungen Damen geschaffen haben, sowie ihr Zusammenhalt, und zwar sowohl beruflich als auch in der Folge privat. Ebenfalls positiv fand ich, daß es unter den jungen, selbstbewußten Damen zu keinem Zickenkrieg kam. Auch den Grund für die Berufswahl – Kein Verbrechen soll ungestraft bleiben und kein Verbrecher ungeschoren davonkommen, fand ich sehr gut. Lucia hat für meine Begriffe etwas zuviel eigenmächtig ermittelt. Der Fall selbst wurde in der zweiten Hälfte für mich spannend, das Tempo zog an und der Schluß läßt auf weitere Bände schließen. Das Cover fand ich passend gewählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere