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Veröffentlicht am 28.06.2023

Der Hüter

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Schuldig
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Nun ist Harry Dresden Hüter des Weißen Rates, eine Aufgabe, die zwar herausgehoben, aber nicht immer angenehm ist. Schließlich muss er die ausfindig machen, die die Gesetze der Magie gebrochen haben. Zur ...

Nun ist Harry Dresden Hüter des Weißen Rates, eine Aufgabe, die zwar herausgehoben, aber nicht immer angenehm ist. Schließlich muss er die ausfindig machen, die die Gesetze der Magie gebrochen haben. Zur Zeit sieht es so aus als würden seine Fähigkeiten schneller gebraucht als ihm lieb sein kann, denn in Chicago häufen sich die Anzeichen, dass schwarze Magie betrieben wird. Alles scheint auf eine Horrorfilm Convention hinzudeuten, bei der die Monster förmlich von der Leinwand tropfen. So richtig passt es dann nicht, dass Harry das Gefühl hat, sich um Molly, die siebzehnjährige Tochter seines Freundes Michael Carpenter kümmern zu müssen.

Im achten seiner dunklen Fälle muss Harry Dresden lernen, mit seiner neuen Aufgabe als Hüter des Weißen Rates umzugehen. Die Härte, die ihm abverlangt wird, erweist sich als echte Bürde. Seiner Meinung nach, sollte eingehend geprüft werden, ob ein Delinquent nicht doch eine Chance bekommen kann. Doch wenn auf dieser Convention schwarze Magie gewirkt wurde und damit die Monster angelockt wurden, die sich von Angst und Schrecken nähren, muss der Täter nicht so bestraft werden, dass derartiges nie wieder geschehen kann? Zunächst mal muss Harry den Auslöser finden, über den Rest kann er dann noch nachdenken.

Bei diesem kniffligen Fall bekommt es Harry nicht nur mit fiesen Monstern aus Horrorfilmen zu tun, die man kennt oder auch nicht, sondern auch mit ganz banalen Alltagsproblemen. Das gibt eine richtig tolle Mischung, wenn man auf der einen Seite irgendeine Figur aus einem Horrorfilm in Schach halten muss und sich auf der anderen Seite um sein eigenes Liebesleben kümmern muss und dazu noch die pubertierende aufmüpfige Tochter seines besten Freundes vor jedweder Gefahr beschützen möchte. Da muss Harry mal wieder die Quadratur des Kreises hinkriegen. Das liest sich ausgesprochen amüsant und kurzweilig trotz der knapp siebenhundert Seiten. Sehr gefällt auch, wie sich hier das Große und Ganze weiterentwickelt und es ist durchaus vorteilhaft, dass die einzelnen Bände der Neuveröffentlichung in relativ kurzem Abstand erscheinen, so hat man doch etliches noch im Kopf. Cover und Titel passen sehr gut zur Handlung.

Veröffentlicht am 24.05.2023

Teaterdonner

Maulwurf. Lorenz Lovis ermittelt
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Lorenz Lovix hat einen neuen Fall: Beim Theater-Verein wurden schon mehrfach Requesiten und Kulissen zerstört. Die Obfrau Marianne hat Lorenz engagiert, damit er sich bei den Proben einschleust und undercover ...

Lorenz Lovix hat einen neuen Fall: Beim Theater-Verein wurden schon mehrfach Requesiten und Kulissen zerstört. Die Obfrau Marianne hat Lorenz engagiert, damit er sich bei den Proben einschleust und undercover ermittelt. Doch auch sein bester Freund und ehemaliger Kollege bei der Polizei in Brixen hat große Probleme. Scatolin steht unter dem Verdacht, Informationen an einen Drogenring weitergegeben zu haben und er wurde vom Dienst suspendiert. Eine Katestrophe. Eigentlich will Scatolin nicht, dass Lorenz sich einmischt, aber, hallo, wozu sind Freunde da. Das nebenbei auch noch die Apfelernte begonnen hat, trägt zum Schlafdefizit des Neubauern bei.

Auch in seinem vierten Fall hat Lorenz Lovis einiges zu tun. Noch immer vermisst er seinen verstorbenen Onkel Sebastian, von dem er den Hof leider mit einigen Schulden geerbt hat. Das mit der Apfelernte ist ihm eigentlich zu viel, aber Geld muss reinkommen und dann muss die Arbeit getan werden. Zum Glück hat er ein paar gute Helfer, so dass er auch für seine Nachforschungen noch Zeit bleibt. Nur, womit er nicht gerechnet hat: Im Theaterverein darf er, um nicht aufzufallen, auf die Bühne. Und seine kleine stumme Rolle bekommt im Laufe der Proben immer mehr Gewicht. Auch die jungen Assistenten von Lorenz sind wieder mit am Start.

Mit den Fällen von Lorenz Lovis kann man einfach nichts falsch machen. Beim Lesen kommt man in Urlaubsstimmung. Und spannende Unterhaltung gibt es obendrein. Das Leben als Landwirt und Privatdetektiv ist nicht so einfach für Lorenz. Vor allem zeitraubend sind die verschiedenen Aufgaben, was Lorenz merkt, wenn er wieder mal zu spät kommt. Sorgen macht er sich um seinen Freund Scatolin. Undenkbar, dass der ein Maulwurf sein soll. Aber wer könnte der Übeltäter sein? Genau genommen ist jeder auf dem Revier verdächtig. Und in der Theatergruppe sieht es ähnlich aus, viele könnten Schaden anrichten wollen. Und so folgt man Lovis, der seiner Intuition folgt und manchmal auch nachdenkt. Immer wieder entdeckt man etwas Neues an Lorenz und seiner Crew und sie bleiben schrullig, menschlich sympathisch. Eine Reihe, die man jedem Liebhaber von Kriminalromanen wärmstens ans Herz legen kann.

Veröffentlicht am 20.05.2023

Thin Penny

Der Mordclub von Shaftesbury – Ein Herz und eine tote Seele
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Penelope St. James hätte nie gedacht, dass sie sich in Shaftesbury mal so wohl fühlen würde. Auch wenn ihr immer wieder neue Berufe unterstellt werden, sie betreibt nur eine Partnervermittlung für gehobene ...

Penelope St. James hätte nie gedacht, dass sie sich in Shaftesbury mal so wohl fühlen würde. Auch wenn ihr immer wieder neue Berufe unterstellt werden, sie betreibt nur eine Partnervermittlung für gehobene Ansprüche. Nebenbei klärt sie auch mal einen Mord auf. Doch im Moment gilt es zum Glück eine Hochzeit vorzubereiten. Dazu müsste sie mit dem neuen Pfarrer sprechen, der jedoch den Leuten im Ort und besonders Penelope die zehn Gebote beibringen will. So richtig gut kommt er damit nicht an. Etwas schweren Herzens macht sie Penelope trotzdem auf den Weg zur Kirche. Dort findet sie den Pfarrer tot vor dem Altar.

Auch in ihrem zweiten Fall stolpert Penelope St. James in einen Mordfall. Und, nein, sie war es nicht. Aber natürlich will sie herausfinden, was geschehen ist. Ein Motiv hätte irgendwie das ganze Dorf. Hinzu kommt noch, dass die abergläubischen Einwohner von Shaftesbury Angst vor einem Raben haben. Raben bringen Unglück. Außerdem wurden etliche Dorfbewohner bestohlen. Und, da die Menschen in Shaftesbury langsam Vertrauen zu Penelope gefasst haben, laufen sogar ein paar Kunden in ihrer Agentur auf. Wenn Penelope mal nicht ermittelt oder vermittelt, verbringt sie ihre Zeit gerne mit ihrem Nachbarn dem Tierarzt Sam und seiner Tochter Lilly.

Schon beim Lesen der ersten paar Seiten hat man ein Lächeln im Gesicht. Gerade in schwierigen Zeiten tun derartige Cozy Crimes richtig gut. Humor und Wortwitz gepaart mit liebenswerten Mitwirkenden, so mag man das. Penelope, die ihre Scheu vor Tieren langsam überwindet, und Sam, der alles tut, um ihr dabei zu helfen. Die neugierigen Dorfbewohner, die eine Gemeinschaft bilden. Und die etwas vorlaute Lilly ist eine Tochter, die man sich wünschen würde. So ein Krimipersonal wünscht man sich. Locker und leicht fliegen die Seiten dahin. Für ein paar vergnügliche Stunden kann man am Dorfleben teilnehmen und hat man die letzte Seite umgeschlagen, freut man sich schon auf das nächste Abenteuer von Penelope St. James und ihren Freunden.

Veröffentlicht am 29.04.2023

Novemberrau

Der Taucher
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Kupfer für eine Millionen Euro, das klingt doch verlockend. Zwei niederländische Bergetaucher wollen den Schatz, der auf einem lange versunkenen Frachtschiff lagern soll, heben. Sie finden allerdings eine ...

Kupfer für eine Millionen Euro, das klingt doch verlockend. Zwei niederländische Bergetaucher wollen den Schatz, der auf einem lange versunkenen Frachtschiff lagern soll, heben. Sie finden allerdings eine Leiche, die an dem Wrack festgekettet ist. Der BKA-Mitarbeiter Liewe Cupido, wird zu dem Fundort geschickt, um sich die Situation anzuschauen. Cupido, dessen Vater selbst Fischer war, hat Erfahrungen mit dem Tauchen und er stellt schnell fest, dass es sich bei dem Toten nicht um ein Unfallopfer handelt. Jan Matz, geschieden, zwei Söhne, war ein passionierter Taucher, der immer wieder Fundstücke von versunkenen Schiffen geborgen hat. Doch wem ist er nun zu nahe getreten?

Beim zweiten Auftritt von Liewe Cupido stellt man mit Freude fest, dass die Hündin Vos noch an seiner Seite ist. Das Ermitteln wird ihm dadurch nicht leichter, denn zum Beispiel bei einem Tauchgang kann sie wirklich nur bis aufs Schiff mitkommen. Der verstorbene Taucher stellt Cupido und seine Kollegen und Kolleginnen erstmal vor ein Rätsel. Seine geschiedene Frau will eigentlich nichts mehr von ihm wissen, sein älterer Sohn scheint auf die schiefe Bahn geraten zu sein und der Jüngere ist noch zu jung. Eine Familie, die nicht gut funktioniert, aber ein Mordmotiv erschließt sich nicht.

Wie schon im ersten Teil dieser Reihe, von der man gerne noch mehr lesen möchte, versteht es der Autor die Stimmung auf See perfekt wiederzugeben. Man spürt die schwanken Schiffsbohlen, die silbrig trübe Weite, die feuchte Kälte, die verschwiegenen Menschen, die mit wenigen Worten eine Menge ausdrücken können. Das Leid in Familien, die jemanden verloren haben. Auch Liewe gehört zu ihnen. Nein, er ist kein Vater, aber er ist ein Sohn, der einen Vater vermisst. Und wieder trifft Cupido auf fähige Kolleginnen und Kollegen, die die Ermittlungen voranbringen. Die Hündin Vos sorgt für etwas Leichtigkeit und viel Sympathie für Liewe, der sich des Tieres angenommen hat. Obwohl, eigentlich hat Vos ihn adoptiert. Der Fall entwickelt Fallstricke, mit denen nicht zu rechnen war. Dieser stimmungsvolle Kriminalroman fesselt bis zum Schluss und erscheint zu Recht auf der Krimi-Bestenliste April 2023.

Veröffentlicht am 14.04.2023

Die Wette

30 Tage Dunkelheit
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Genervt geht die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix zu einer Buchveranstaltung und muss feststellen, dass noch nicht einmal die Mitarbeiterin am Stand sie kennt. Als dann noch der verachtete Krimiautor ...

Genervt geht die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix zu einer Buchveranstaltung und muss feststellen, dass noch nicht einmal die Mitarbeiterin am Stand sie kennt. Als dann noch der verachtete Krimiautor Jørn viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als sie, rastet sie etwas aus und behauptet, jeder könne innerhalb von vier Wochen einen Krimi schreiben. Eine Steilvorlage für ihren Lektor, der Hannah in die Einsamkeit nach Island schickt, damit sie sich in Ruhe an die Arbeit machen kann. Mit der Ruhe ist es jedoch schnell vorbei bzw. sie fängt garnicht erst an. Schon kurz nach Hannahs Ankunft wird ein Toter gefunden.

Wo bekommt sie nur eine Inspiration her? Ihre literarischen Romane sind bei der Kritik gut weg gekommen, lassen die Kasse jedoch nicht übermäßig klingeln. Und in letzter Zeit fällt es Hannah schwer, überhaupt etwas zu Papier zu bringen. Und jetzt einen Krimi, hm. Und wenn die den echten Todesfall als Inspiration nimmt? Ist das nicht respektlos dem Opfer gegenüber? Aber andererseits, wenn sie etwas herausfindet, wenn sie sogar herausfindet, wieso der junge Mann sterben musste? Irgendeine Ausrede braucht man schließlich. Hannah beginnt, Fragen zu stellen und sie beginnt, die ersten Sätze ihres Kriminalromans zu formulieren.

Herrlich, der Literaturbetrieb kombiniert mit einem Krimi. Die Autorin beschreibt Hannahs Versuch, einen schlechten Krimi zu schreiben und das formuliert sie wie einen schlechten Krimi, mit Wendungen aus dem Nichts, neuen Personen und exzentrischen Nebencharakteren. Als Leser amüsiert man sich köstlich dabei, dieses Entstehen eines Kriminalromans zu beobachten. Der Autorin im wirklichen Leben gelingt es auch, Respekt für den Schreiber des Kriminalromans zu wecken, denn im Buch merkt Hannah durchaus, dass sie auch beim Krimi um manche Formulierung ringt und sich um eine logisch nachvollziehbare Handlung bemühen muss. Hier wird auf witzige und humorvolle Weise eine Lanze für den Krimi, seine Autoren und Autorinnen und für die begeisterten Krimileser zu brechen. Sehr gelungen.