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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2023

Sehr berührend und mit feinsinnigem Humor erzählt

Nur ein einziger Tanz
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Inhalt:
Nach dem Tod ihrer Mutter und an einem schwierigen Punkt in ihrer Beziehung sorgt ein Brief aus den Niederlanden dafür, dass Rike Kehrmann auf den Spuren einer tragischen Liebesgeschichte nach ...

Inhalt:
Nach dem Tod ihrer Mutter und an einem schwierigen Punkt in ihrer Beziehung sorgt ein Brief aus den Niederlanden dafür, dass Rike Kehrmann auf den Spuren einer tragischen Liebesgeschichte nach Amsterdam reist. Dort trifft sie Hendrik Rhee, die ehemalige grosse Liebe ihrer Mutter und bemerkt, dass sie erst einige Dinge in ihrem Leben ordnen muss, bevor sie nach vorne schauen und mit ihrer Vergangenheit Frieden schliessen kann.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch von Hermien Stellmacher habe ich mich schon lange gefreut, weil ich ihre Erzählsprache sehr, sehr gerne mag und weil die Entstehungsgeschichte dieses Romans so spannend ist. Stellmacher hat nämlich ganz etwas ähnliches erlebt, wie ihre Protagonistin Rike Kehrmann: nach dem Tod ihrer Mutter hat sie einen Brief einer damaligen Freundin ihrer Mutter bekommen und sich daraufhin auf eine spannende und emotionale Spurensuche gemacht. Davon hat sie bei Instagram berichtet und mich mit diesem Erlebnisbericht sofort neugierig gemacht.
Es hat mir sehr gefallen, wie gekonnt sie ihre persönliche Erfahrung mit ganz viel Zartheit, Humor und natürlich Fantasie zu einer ruhigen, bewegenden und lange nachhallenden Geschichte gesponnen hat. Vor allem die sehr realistische und selbstbestimmte Entwicklung ihrer Protagonistin hat mir sehr gut gefallen.

Schreibstil und Aufbau:
Stellmacher beschreibt ihre Figuren äusserst vielschichtig und mitten aus dem Leben gegriffen. Hendriks WG würde ich zu gerne besuchen und mit der fröhlichen Runde einen Kaffee trinken oder das Tanzbein schwingen und auch Rike würde ich gerne kennenlernen. Besonders beeindruckt hat mich, dass dieses Buch äusserst ruhig und poetisch erzählt ist und über einen feinsinnigen Humor verfügt. Freundschaft, Liebe und das Vermissen aber auch Vergebung und Neuanfänge spielen eine grosse Rolle in der Geschichte.
Einige überraschende Wendungen sorgen für eine ganz spannende Entwicklung der Protagonistin, die mich tief beeindruckt haben. Ausserdem haben die Beschreibungen von Amsterdam den Wunsch in mir geweckt, wieder einmal in diese spannende Stadt zu reisen und die Beschreibungen der kulinarischen Genüsse haben mich immer wieder hungrig gemacht, wie ich mir das von Hermien Stellmachers Geschichten gewohnt bin.

Meine Empfehlung:
Einmal mehr hat Hermien Stellmacher mich mit einem Roman begeistert, der ganz ohne Schnickschnack und mit um so mehr Gefühl und Klugheit auskommt. Die berührende, poetisch erzählte Geschichte mit den liebevoll skizzierten Figuren lege ich euch sehr ans Herz und wünsche dem Buch viele weitere Leser*innen.

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Veröffentlicht am 27.05.2023

Ein wichtiges, erschütterndes Buch

Secondhand-Zeit
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Inhalt:
Dieses Buch ist eine tiefschürfende Reportage und beinhaltet Interwiews - Monologe - und einen ausführlichen Anhang. Es kommen Menschen zu Wort, welche die Sowjetunion und den Zerfall der Sowjetunion ...

Inhalt:
Dieses Buch ist eine tiefschürfende Reportage und beinhaltet Interwiews - Monologe - und einen ausführlichen Anhang. Es kommen Menschen zu Wort, welche die Sowjetunion und den Zerfall der Sowjetunion miterlebt haben und welche teilweise durch die Hölle gehen mussten, aber überlebt haben und nun erzählen können, was ihnen widerfahren ist.

Meine Meinung:
Vor allem während meines Bachelorstudiums (2011-2014) habe ich mich intensivst mit Komponist*innen der damaligen Sowjetunion (wenn auch zwar vor allem Georgiens) beschäftigt und das Thema hat mich nie wieder losgelassen. HIER habe ich dazu auch etwas geschrieben. Deshalb hat mir eine damalige Kommilitonin 2014 "Secondhand-Zeit" geschenkt. Ich habe sofort mit dem Lesen begonnen, das Buch aber dann wieder zur Seite gelegt. Der Reportageband hat es nämlich definitiv in sich. Nicht nur wirken die Texte oft schwerfällig und sogar teilweise wirr, sondern sind vor allem die Inhalte nichts für leichte Nerven. Die Nobelpreisträgerin Alexijewitsch hat nämlich mit zahlreichen Menschen Interviews geführt, respektive bei gemeinsamen Gesprächen ein Band mitlaufen lassen. Wir lesen also teilweise sehr lange, abgehackte, von der Autorin unkommentierte Monologe von Menschen, die in der Sowjetunion geboren worden sind und Revolutionen, Unterdrückung, Krieg und Folter erlebt haben. Die erlebt haben, wie Widerstände niedergeknüppelt, Verwandte in nassen Särgen zurückgebracht, Kinder an die Front gegangen und gefestigte Überzeugungen sowie der Glauben an das Gute im Menschen in den Grundfesten erschüttert worden sind.
Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine habe ich das Buch wieder hervorgeholt und nun vor wenigen Tagen beendet. Es hat mich immer wieder zutiefst bewegt und ich musste zahlreiche Lesepausen einlegen. Teilweise, um den Inhalt sacken zu lassen, teilweise auch, um ein paar Ereignisse zu recherchieren. Das Buch fordert, da es wenige Informationen, sondern fast ausschliesslich Erfahrungsberichte beinhaltet. Es ist aber genau deshalb ein enorm wichtiges und starkes Buch, weil es betroffene Menschen zu Wort kommen lässt und lange nachhallt.

Meine Empfehlung:
"Secondhand-Zeit" ist ein enorm wichtiges Buch, ein Buch, das warnt, hinsieht, zu Wort kommen lässt. Aber auch ein Buch, das schmerzt und aufwühlt und für das ich sämtliche mögliche Triggerwarnungen aussprechen muss.

Veröffentlicht am 30.03.2023

Ein Herzensbuch

Kummer aller Art
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Inhalt:
Liebeskummer, Schlaflosigkeit, grosse Träume, leise Wünsche, laute Schritte, Hundespaziergänge, Nachbarschaftsliebe, Zwänge, Ängste, Fürsorge, Sehnsucht, Abschied, Glück... In 39 herzerwärmenden ...

Inhalt:
Liebeskummer, Schlaflosigkeit, grosse Träume, leise Wünsche, laute Schritte, Hundespaziergänge, Nachbarschaftsliebe, Zwänge, Ängste, Fürsorge, Sehnsucht, Abschied, Glück... In 39 herzerwärmenden Texten - ursprünglich für die "Psychologie heute" geschriebene Kolumnen, die Leky eigens für dieses Buch überarbeitet hat - nähert sich Leky in humorvoller, tröstlicher und genau beobachtender Art allen grossen und kleinen Gefühlen und Alltäglichkeiten der Menschheit hat. Wiederkehrende und liebevoll skizzierte Figuren wie die Nachbarin Frau Wiese, der Nachbar Herr Pohl mit seinem Hund Lori oder auch der Onkel Ulrich sorgen dafür, dass man sich beim Lesen immer willkommener und umsorgter fühlt.

Meine Meinung:
Von Mariana Leky habe ich bereits "Was man von hier aus sehen kann" (der Film lohnt sich übrigens auch sehr) sowie "Liebesperlen" gelesen und geliebt. In "Kummer aller Art" zeigt die Autorin, dass sie auch in den kürzesten Texten ganz grosse Geschichten und Gefühle erzählen kann. Obwohl die meisten ihrer Figuren grossen und kleinen Kummer mit sich herumtragen, ist da doch so viel Platz für Liebe, Freundschaft und Trost. Genauestens beobachtend und gewohnt poetisch erzählend nähert sich Leky dem Kummer ihrer Figuren an und zeigt auf kluge und kurzweilige Art, dass es in Ordnung ist, stets Kummer mit sich herumzutragen oder dass man dem Kummer manchmal ein Schnippchen schlagen kann oder dass er manchmal kleiner wird, wenn man ihn teilt oder einfach lange genug wartet. Diese Buch ist eine literarische Umarmung, ein buchiges "Kopf hoch" und eine Erinnerung an die schönen zwischenmenschlichen Begegnungen in unserem Leben.
Mariana Leky ist eine begnadete Erzählerin, die unglaublisch schöne literarische Bilder zeichnet und deren besondere Spezialität die Beschreibungen von Menschen sind. Egal, wie sonderlich eine Figur scheint, Leky nähert sich ihr stets auf wohlwollende, achtsame, respektvolle Weise und dies berührt mich stets bis ins Innerste.

Meine Empfehlung:
Ich möchte dieses Buch am liebsten allen Menschen in meinem Umfeld schenken, die es gerade nicht so leicht haben oder einfach generell allen Menschen. Ich hätte gerne noch sehr viele weitere Kummer-Erzählungen gelesen und empfehle euch dieses Herzensbuch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Spannend, eindringlich und trotzdem sehr humorvoll erzählt

Laienspiel
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Inhalt:
Kommissar Kluftiger kann sich vor Herausforderungen kaum retten. Er steckt mitten in den Endproben für die grosse Freilichtspiel-Inszenierung des "Wilhelm Tell", Erika Kluftinger hat ihn und das ...

Inhalt:
Kommissar Kluftiger kann sich vor Herausforderungen kaum retten. Er steckt mitten in den Endproben für die grosse Freilichtspiel-Inszenierung des "Wilhelm Tell", Erika Kluftinger hat ihn und das Ehepaar Langhammer zu einem Tanzkurs angemeldet, bei dem Klufti Doktor Langhammer ungewollt nahe kommt, der Umzug in neue Büroräumlichkeiten steht unmittelbar bevor und österreichische Ermittler bringen einen brisanten Fall ins Allgäu, der das BKA auf den Plan ruft, mit Terroristen ist schliesslich nicht zu spassen...

Meine Meinung:
Kommissar Kluftinger und das Autorenduo Klüpfel-Kobr laufen in diesem Krimi definitiv zu Höchstleistungen auf. Nicht nur ist dieser Kluftinger der in meinen Augen bisher unterhaltsamste Teil der Reihe, der Fall ist auch äusserst klug und spannend erzählt. Nicht selten ist es unser grummeliger Liebslingskommissar, der entscheidende Hinweise liefert und die richtigen Fragen stellt, der aber auch immer wieder für grosse Erheiterung sorgt. Kluftinger wird Teil einer Sonderermittlungstruppe, die von Faruk Yildrim, Terrorexperte des BKA, geleitet wird. Nicht nur wird die diffuse Bedrohung durch einen Terroranschlag im Allgäu äusserst realistisch thematisiert, auch unterschiedliche Vorurteile gegenüber Religionen und spannende Diskussionen zwischen Klufti und Yildrim sorgen für Tiefgang. Spannend finde ich, dass Kluftinger einerseits kein Fettnäpfchen auslässt und dass vor allem durch sein Unverständnis gegenüber der moderndsten Technik auch einiges an Situationskomik entsteht, dass aber andererseits auch immer Platz für leise, nachdenkliche Töne ist. Was geschieht, wenn plötzlich unschuldige Bürgerinnen und Bürger durch anonyme Drohungen gefährdet sind, was es mit den Menschen macht, wenn plötzlich alles und alle ein potenzielles Ziel darstellen, wird dabei eindringlich gezeigt. Vor allem das Ende des Krimis hat es mir diesbezüglich angetan und ich bin schon sehr neugierig auf weitere spannende Fälle aus dem Allgäu.

Meine Empfehlung:
Ganz ehrlich: dieser vierte Teil der Kluftinger-Reihe hat mich bis jetzt am besten unterhalten. So lustig (und trotzdem nicht plump) war Klufti noch nie und der Fall hat es ebenfalls in sich und ist klug und packend aufgebaut. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.02.2023

Spannend und gesellschafts- und kirchenkritisch

Sanft entschlafen
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Inhalt:
Es wird erst so langsam Frühling in der noch trägen Stadt Venedig und Commissario Brunetti wird von einer ehemaligen Ordensschwester kontaktiert, die seltsame Todesfälle im Zusammenhang mit Geldspenden ...

Inhalt:
Es wird erst so langsam Frühling in der noch trägen Stadt Venedig und Commissario Brunetti wird von einer ehemaligen Ordensschwester kontaktiert, die seltsame Todesfälle im Zusammenhang mit Geldspenden in einem Pflegeheim beobachtet haben will. Brunetti wird hellhörig, weilt doch seine Mutter in ebendiesem Pflegeheim. Die Spuren aber verlaufen im Sand und erst ein dramatischer Tötungsversuch sorgt für weitere Ermittlungen, welche Brunetti tief in die Abgründe kirchlicher Organisationen und menschlicher Seelen führen.

Meine Meinung:
Dieses Buch passte nicht nur perfekt in die Jahreszeit, es überrascht auch einfach einmal mehr mit der Aktualität und der spannenden Handlung. Die Reihe nimmt mich immer mehr für sich ein und auch wenn ich nicht ganz chronologisch lese - einige der Bücher habe ich vor vielen Jahren bereits gelesen und werde sie nicht erneut lesen (es kann aber sein, dass ich trotzdem Bücher rereade, weil ich mir nicht bei allen sicher bin, ob ich sie bereits gelesen habe...) - ist die Entwicklung der Figuren sehr gelungen erzählt. Auch Brunettis Fälle sind mitten aus dem Leben gegriffen und äusserst gesellschafts- und in diesem Fall auch kirchenkritisch. Er klärt diese zwar in der Regel auf, es gibt aber ganz oft (Mit-)Täter:innen, die einer Strafe entgehen, weil die Mühlen der Justiz zu langsam mahlen oder weil die entscheidenden Beweise fehlen, um sie hinter Gitter zu bringen. Mir gefallen diese vielen Grauzonen, die Einblicke in Brunettis Familienleben und die liebevoll mahnende Sicht auf Venedig sehr gut, weshalb ich mich mirklich freue, die weiteren Bände der Reihe zu lesen.

Schreibstil und Aufbau:
Brunetti muss nicht nur am Familientisch Diskussionen über die Kirche und einzelne Kirchenvertreter führen, er wird auch in seinem Beruf brutal mit den Machenschaften von religiösen Organisationen konfrontiert. Geschickt, einfühlsam und klug schafft er es, sich Zutritt zu wichtigen Hintergrundinformationen zu verschaffen und das kurrupte System Venedigs sowie seine Kontakte für die Gerechtigkeit zu nutzen und nicht lockerzulassen, bis er eine Lösung für seinen Fall gefunden hat.
Die Sprache führt leicht und mit viel Spannung durch diese vielschichtige Geschichte und lässt viel Platz für moralische Fragen und Überlegungen.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist mein bisher liebster Brunetti-Krimi und ich kann es kaum erwarten, die weiteren Bände zu lesen. Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung.

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