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Veröffentlicht am 30.06.2023

Interessanter Inhalt in mangelhafter Ausführung

Wo sind sie alle?
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Angesichts der Tatsache, dass es allein in unserer Galaxie eine Milliarde erdähnlicher Planten gibt und sich im sichtbaren Universum 200 Milliarden Galaxien befinden, sollte man allein aufgrund der großen ...

Angesichts der Tatsache, dass es allein in unserer Galaxie eine Milliarde erdähnlicher Planten gibt und sich im sichtbaren Universum 200 Milliarden Galaxien befinden, sollte man allein aufgrund der großen Zahlen und der langen seit der Entstehung des Universums vergangenen Zeit davon ausgehen können, dass es mannigfaltige extraterrestrische Zivilisationen gibt, von denen uns viele technisch weit überlegen sind. Warum haben wir dann noch keine Belege für ihre Existenz?
Dieses (nach einem italienischen Physiker benannte) Fermi-Paradoxon bewegt Wissenschaftler und Laien schon seit Jahrzehnten und wird immer mysteriöser, je besser unsere Methoden zur Beobachtung des Weltraums werden und je eher wir daher in der Lage wären, fremde Zivilisationen aufzuspüren.

Der renommierte Physiker Stephen Webb hat hier 50 Lösungsvorschläge zusammengestellt, denen jeweils einer der Denkansätze “Sie sind (oder waren) schon hier“, „Es gibt sie, wir haben sie bloß noch nicht gesehen (oder gehört)“ oder „Es gibt sie nicht“ zugrunde liegt. Dabei wird eine Vielzahl interessanter Themen angesprochen. Einige Lösungen sind einander jedoch so ähnlich, dass sie eigentlich auch unter derselben Überschrift abgehandelt hätten werden können. Es wirkt bisweilen so, als wären von der Grundidee gleichartige Überlegungen auf mehrere Punkte aufgespalten worden, um auf 50 zu kommen.
Im letzten Kapitel wird enthüllt, welcher Lösung der Autor zuneigt, und es gibt außerdem spannende Überlegungen dazu, wie man überhaupt wissen kann, was eine wirklich große Zahl ist.

Rein vom Inhalt her hätte das Buch trotz ein paar kleiner Schwächen fünf Sterne verdient gehabt.
Die Gestaltung, zumindest der deutschen Ausgabe, lässt allerdings sehr zu wünschen übrig: Nicht nur, dass sich in den Text zahlreiche Fehler (vor allem fehlende Abstände zwischen Wörtern) eingeschlichen haben. Es ist auch nicht möglich, Literaturangaben nachzuvollziehen, da diese in den Anmerkungen nur als Nummern angeführt sind, es aber nirgends eine Liste gibt, die diesen Nummern konkrete Werke zuordnet. Außerdem hat es der Übersetzer mit seinen Anmerkungen übertrieben. Es handelt sich gefühlt bei jeder zweiten um eine „Anm. d. Ü.“, die häufig überflüssig sind und öfters dem Autor (und gelegentlich auch sich selbst) widersprechen.
Gerade vom Springer-Verlag hätte ich eine sorgfältigere Bearbeitung erwartet.

Veröffentlicht am 29.06.2023

(Großteils bekannte) Geschichten zur Geschichte

Warum in Wien das Römische Reich unterging und Vorarlberg nicht hinterm Arlberg liegt
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Der ORF-Journalist und Historiker Fritz Dittlbacher hat für dieses Buch zahlreiche spannende Episoden aus der österreichischen und internationalen Geschichte zusammengetragen. Er erzählt beispielsweise ...

Der ORF-Journalist und Historiker Fritz Dittlbacher hat für dieses Buch zahlreiche spannende Episoden aus der österreichischen und internationalen Geschichte zusammengetragen. Er erzählt beispielsweise vom Umgang der österreichischen Politik und Bevölkerung mit innen-oder weltpolitischen Ereignissen, von der Herkunft mancher Feiertage, der Faszination, die von Monarchien ausgeht, den Gründen, warum so viele unterschiedliche Einheiten für Maße und Währungen existier(t)en, den Hintergründen des Ukraine-Krieges oder den Auswirkungen früherer und aktueller Pandemien.
Es wird also ein breites Spektrum an Themen abgedeckt, was vielleicht etwas zu viel des Guten ist. Die einzelnen Kapitel sind nämlich sehr kurz, ziemlich oberflächlich und oft zu stark vereinfacht. Es wäre wohl besser gewesen, sich auf weniger Bereiche zu beschränken, diese aber ausführlicher darzustellen.
Fazit: Geschichtsinteressierte werden hier wenig Neues erfahren. Die Lektüre gestaltet sich aber immerhin kurzweilig und kann den Einstieg in die Materie erleichtern.

Veröffentlicht am 29.06.2023

Es geht mehr um Menschen als um Wissenschaft

Das Zeitalter der Unschärfe
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Dieses Buch erzählt die Geschichte der Physik, vor allem aber jene der Physiker, von 1900, als Max Planck in einem „Akt der Verzweiflung“ zu dem Schluss kommt, „dass die Energie von vornherein gezwungen ...

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Physik, vor allem aber jene der Physiker, von 1900, als Max Planck in einem „Akt der Verzweiflung“ zu dem Schluss kommt, „dass die Energie von vornherein gezwungen ist, in gewissen Quanten beieinander zu bleiben“ bis 1945, als die erste Atombombe explodierte.
Dazwischen lagen Jahre, in denen um die korrekte Deutung von Quantenphänomenen gerungen wurde, in denen zahlreiche Geistesgrößen wie Albert Einstein, Niels Bohr oder Erwin Schrödinger in teilweise erbitterte Diskussionen darüber verstrickt waren, welche Bedeutung Grundpfeiler der Physik wie Kausalität oder die Trennung von Beobachter und Beobachtungsobjekt in der Quantenwelt haben.

Es ist durchaus spannend, diese Auseinandersetzungen mitzuverfolgen. Die dahinterstehende Physik wird dabei jedoch nur sehr oberflächlich beschrieben. Im Vordergrund der Darstellung stehen die Physiker als Menschen, ihre Persönlichkeiten und Beziehungen zueinander. Auch dies ist aber nicht uninteressant. Man hat hier den Eindruck, hautnah dabei zu sein, wenn physikalische Theorien entwickelt und verworfen werden. Außerdem wird deutlich, dass man – wie der Autor im Epilog konstatiert – „die Welt nicht beobachten kann, ohne sie zu verändern“.

Veröffentlicht am 29.05.2023

Wer hat es auf Maria abgesehen

Talberg 1977
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Dieser zweite Teil der Trilogie um das abgeschieden gelegene Dörfchen Talberg spielt im Jahr 1977. Allerdings merkt man wenig von der Stimmung der 1970er Jahre. Der Ort wirkt generell irgendwie aus der ...

Dieser zweite Teil der Trilogie um das abgeschieden gelegene Dörfchen Talberg spielt im Jahr 1977. Allerdings merkt man wenig von der Stimmung der 1970er Jahre. Der Ort wirkt generell irgendwie aus der Zeit gefallen.
Im Zentrum der Handlung steht die über-70-jährige Maria Steiner, die seit Jahrzehnten in einem kleinen Häuschen im Wald wohnt. Im Dorf wird sie gemieden und teilweise gefürchtet, weil sie als Hexe gilt. Nun hat sie das Gefühl, von einem Fremden beobachtet zu werden, und denkt außerdem über ihren Tod nach.
Als ein Inspektor bei Maria vorstellig wird, der einen verschwundenen Mann sucht, und ihr kurz danach vorgeworfen wird, ein junges Mädchen vergiftet zu haben, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen.

Man begegnet hier einigen Angehörigen der schon aus dem ersten Teil bekannten Familien. Es kommen aber auch ganz neue Personengruppen vor. Die meisten Charaktere sind interessant gezeichnet, es scheint in dieser Gegend wenige wirklich „normale“ Menschen zu geben. Was aber natürlich auch den Reiz dieser Geschichte ausmacht.
Außerdem wird einige Spannung aufgebaut und es gibt überraschende Wendungen. Dass aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird (neben Maria und dem Inspektor ist auch jemand darunter, dessen Verbindung zu dem Geschehen zunächst nicht klar ist), sorgt für unterschiedliche und bisweilen unerwartete Einblicke. Es animiert auch zum Miträtseln. Als Leser weiß man meist mehr als die jeweiligen Protagonisten.
Es gibt aber doch einige Ungereimtheiten (beispielsweise nicht zusammenpassende Jahreszahlen) und das Ende erschien mir teilweise unlogisch.
Dennoch ein lesenswerter Roman. Ich freue mich schon auf den letzten Band, in dem dann vielleicht ein paar offene Fragen geklärt werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2023

Leben und (Aus)sterben am Beginn des Paläozäns

Die letzten Tage der Dinosaurier
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Dinosaurier faszinieren die Menschen schon seit langem und gerade auch die Tatsache, dass alle nicht avischen Dinosaurier (also alle Nichtvogeldinosaurier) zum Ende der Kreidezeit plötzlich ausstarben, ...

Dinosaurier faszinieren die Menschen schon seit langem und gerade auch die Tatsache, dass alle nicht avischen Dinosaurier (also alle Nichtvogeldinosaurier) zum Ende der Kreidezeit plötzlich ausstarben, hat schon zu einiger Mythenbildung und zahlreichen teilweise weit hergeholten Theorien geführt.
Die US-amerikanische Wissenschaftsredakteurin Riley Black zeichnet hier ein auf dem aktuellen Forschungsstand beruhendes Bild der damaligen Ereignisse. Sie beschreibt, was vor und während des Einschlags des Asteroiden passierte, der den „schlimmsten Tag in der Geschichte des Lebens auf der Erde“ einläuten sollte, und verfolgt die weitere Entwicklung dessen, was eine Stunde, einen Tag, einen Monat, ein Jahr, einhundert Jahre, eintausend Jahre, einhunderttausend Jahre und eine Million Jahre danach geschah. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf das Geschehen im Hell Creek im urzeitlichen Montana, wirft aber immer wieder auch kurze Blicke auf andere Teile der Welt. Natürlich stehen meist größere und „interessantere“ Tiere im Vordergrund, in den ersten Kapiteln eben Lebewesen wie Tyrannosaurus rex und Triceratops horridus, danach vor allem Säugetiere (einschließlich der ersten Primaten). Aber auch die Schicksale von Amphibien, Krokodilen, verschiedenen Pflanzenarten oder Ammoniten werden betrachtet.
Man kann dabei ganz gut nachverfolgen, wovon Leben und (Aus)sterben abhingen und dass auch Gruppen, die oft als „Gewinner“ des Massensterbens dargestellt werden, hohe Verluste erlitten. Auch wird deutlich, wie sehr wir (und natürlich auch alle anderen Lebensformen) unsere Existenz diversen Zufällen zu verdanken haben.

Es gibt allerdings auch einige Kritikpunkte: Zunächst ist der Titel des Buches irreführend. Obwohl die Dinosaurier immer wieder erwähnt werden, geht es in Wirklichkeit nicht um ihre „letzten Tage“, sondern darum, was nach ihrem Aussterben passierte.
Außerdem ist der Inhalt doch häufig ziemlich spekulativ und manche Sätze zu reißerisch. Zumindest wird in Anhang dann klargestellt, welche Beschreibungen tatsächlich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und woher die Autorin die Inspiration für manche Handlungselemente hat.
Dazu kommt, dass der Text bisweilen holprig ist und ein paar eindeutig falsche oder zumindest unklare Aussagen enthält. Dies könnte aber auch an der Übersetzung liegen.

Fazit: Die Grundidee, den Ablauf eines Massenaussterbens und dessen Konsequenzen im Zeitverlauf zu verfolgen, ist jedenfalls interessant und ich konnte hier einiges Neues erfahren. Beispielsweise, dass die meisten großen Dinosaurier bereits in den ersten Stunden nach dem Einschlag ausstarben. Teilweise war ich aber nicht ganz sicher, wie verlässlich die eine oder andere Darstellung ist.
Deswegen kann ich dieses Buch nur eingeschränkt weiterempfehlen. Als Ergänzung zu anderen Büchern über diese Materie ist es aber doch lesenswert.