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Veröffentlicht am 26.06.2023

Die Masse überwindet Grenzen

Der letzte Auftrag
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Die Kinderkrankenschwester Annie liebt ihre winzigen Patienten. Doch sie hat Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten, denn es ist ihr wichtiger ein kostbares Menschenleben zu retten, als die Anweisungen ...

Die Kinderkrankenschwester Annie liebt ihre winzigen Patienten. Doch sie hat Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten, denn es ist ihr wichtiger ein kostbares Menschenleben zu retten, als die Anweisungen ihres Arbeitgebers zu befolgen.

Als sie zufällig ihre Jugendliebe sieht, will sie unbedingt mehr Zeit mit ihm verbringen, die Freundschaft wieder aufleben lassen. Darum begleitet sie ihn zu einem Treffen von jungen Menschen, die sich nach Freiheit sehnen. Dieser sogenannte Friedenskreis trifft sich in einer evangelischen Kirche. Die Teilnehmer beratschlagen sich und planen Protestaktionen. Dabei ist ihnen bewusst, dass ihre Vorhaben gefährlich sind. Es muss unter ihnen verborgene Stasi-Mitarbeiter geben, die sie verraten könnten.

Nach den Kommunalwahlen können Annie und ihre neuen Freunde beweisen, dass das Wahlergebnis gefälscht ist. Das ist der Anfang einer neuen, monatlich wiederkehrenden Protestaktion. Doch Annie will mehr erreichen. Vielleicht vor allem deshalb, weil sie durch diese Aktivitäten Zeit mit ihrem Jugendfreund verbringen kann. Auf jeden Fall hat sie eine erfolgsversprechende Idee. Für diese gefährliche Tätigkeit braucht sie allerdings die Hilfe ihrer Mutter, die mittlerweile im Westen lebt.

Dieses Buch bietet einen Einblick in die letzten Monate der ehemaligen DDR. Dabei berichtet die Erzählung sowohl von Protestierenden als auch von Stasi- und KGB-Mitarbeitern. Besonders interessant in der heutigen Zeit ist die Rolle, die Putin in dieser Zeit spielt. Was macht der junge KGB-Offizier in Dresden?

Im Vergleich zu den beiden Vorgängerbänden erfährt der Leser in diesem Buch weniger über die persönlichen Sorgen von Annie und ihrer Mutter. Das ist schade, liegt aber vermutlich daran, dass die Geschichte von der Befreiung der DDR-Bürger bereits so viel interessanten Erzählstoff bietet. Schade ist auch, dass die kirchlichen Proteste in Leipzig nur am Rande erwähnt werden, doch es ist verständlich, dass der Autor aus der Fülle der spannenden Ereignisse rund um die Wiedervereinigung eine Auswahl treffen musste.

Wichtige Charaktere der anderen Bände treten auch hier auf, was schön ist. Daneben spielen mehrere historische Persönlichkeiten eine Rolle, zum Beispiel Honecker, Krenz oder Gauck. Am faszinierendsten ist die Schilderung von der Nacht, in der ein Grenzbeamter dem Druck der Masse nachgibt, und die Grenze öffnet.

Fazit: Diese Erzählung beruht auf wahre Tatsachen und erzählt wie ein ganzes Land, das gefangen gehalten wurde, durch friedliche Protestaktionen frei wird. Historische Hintergründe werden auf gelungene Weise mit einer spannenden Spionagegeschichte kombiniert. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 08.06.2023

Auswege aus der Spirale von Verletzungen und Gewalt

Heilsam mit traumatischen Erlebnissen umgehen
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Es gibt so vieles, dass unser Glück, unsere Zufriedenheit bedroht. Krieg und Naturkatastrophen, Diskriminierung und Gewalttaten, aber auch Verletzungen durch Menschen, die uns nahestehen. Dieses Buch hilft ...

Es gibt so vieles, dass unser Glück, unsere Zufriedenheit bedroht. Krieg und Naturkatastrophen, Diskriminierung und Gewalttaten, aber auch Verletzungen durch Menschen, die uns nahestehen. Dieses Buch hilft zu verstehen, was solche Erlebnisse in uns auslösen, und wie wir lernen können so zu reagieren, dass Verletzung nicht zu neuer Verletzung führt, Gewalt nicht neue Gewalt erzeugt.

Der Anlass für diese Überlegungen über Trauma Wahrnehmung und Resilienz waren die Terroranschläge am 11. September 2001. Die Pädagogin und Psychotherapeuten Carolyn Yoder wurde gebeten eine Initiative zu leiten, die Opfern helfen würde mit den seelischen Folgen dieser Anschläge zurechtzukommen. Daraus entstand eine Schulung, die mittlerweile in vielen Ländern der Erde durchgeführt wird, mit dem Ergebnis, dass vielerorts Täter und Opfer wieder in Frieden beieinander leben können.

Dieses Buch erklärt zunächst was Trauma ist und wie Menschen auf traumatische Erlebnisse reagieren. Dabei sind vor allem die körperlichen Auswirkungen und die Erkenntnisse aus der Neurologie interessant. Als nächstes zeigt die Autorin, wie Menschen normalerweise auf Trauma reagieren und warum. Im Versuch Sicherheit und Gerechtigkeit zu schaffen, wird dem Täter Gewalt angetan, der wiederum mit neuer Gewalt antwortet.

Anschließend wird ein alternativer Weg aufgezeigt. Anhand eines hilfreichen Diagramms, beschreibt die Autorin mehrere Schritte, die schließlich zu Vergebung und Versöhnung führen. Dabei wird die Verletzung ernstgenommen, doch die Autorin zeigt auf, dass Bitterkeit und Rachewünsche keinen Frieden bringen, auch nicht inneren Frieden, Vergebung dagegen heilsam ist. Zum Schluss träumt die Autorin von einer anderen Reaktion nach den Terroranschlägen im Jahr 2001 und fragt den Leser: Wie möchten wir leben? Mit Rache und Gewalt oder mit Frieden und Versöhnung?

Dieses Buch ist in unserer heutigen Zeit sehr wichtig. Die Sprache mit vielen Fachbegriffen ist eher anspruchsvoll, doch es ist mit seinen vielen Beispielen und nachvollziehbaren Erklärungen auch für Laien gut lesbar. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig, zum Beispiel beim Durchdenken von politischen Konflikten und Initiativen, bei der Flüchtlingshilfe, in Schulen, und natürlich auch im persönlichen Leben.

Fazit: Ein Plädoyer für eine friedliche Welt, das gleichzeitig Bewusstsein weckt und das Handwerkzeug mitliefert. Sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2023

Hoffnungsschimmer im Alltag einer Schmerzpatientin

Halt finden
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Nach einem Bandscheibenvorfall und einer Operation verändert sich Deborah Sommers Leben grundlegend. Es gibt keinen Augenblick ohne Schmerzen. Lange Zeit kann sie kaum sitzen. Ihr ganzes Leben ist eingeschränkt. ...

Nach einem Bandscheibenvorfall und einer Operation verändert sich Deborah Sommers Leben grundlegend. Es gibt keinen Augenblick ohne Schmerzen. Lange Zeit kann sie kaum sitzen. Ihr ganzes Leben ist eingeschränkt. Sie kann nur schwer ihre Aufgaben als Mutter wahrnehmen. Dazu kommen immer wieder depressive Zeiten.

Deborah ist gläubige Christin, und ihr Glaube gibt ihr in diesen schweren Zeiten Halt. Doch trotz ihres festen Vertrauens in Gott, erlebt sie vieles, das sie verletzt und traurig macht. Es gibt Christen, die behaupten, Gott müsse sie heilen, und wenn nicht, dann liege das an ihr. Andere bezweifeln, dass sie wirklich so starke Schmerzen hat. Die meisten können nicht gut mit einem Leiden umgehen, das nach außen kaum sichtbar ist.

Dennoch.

Trotz aller Schwierigkeiten hält Deborah an den guten Hirten fest, der in Psalm 23 beschrieben wird. In diesem Buch teilt sie mit ihren Lesern viele Gedankensplitter, Impulse und Weisheiten, die ihr in schmerzvollen Zeiten helfen. Sie spricht offen und ehrlich über Verletzungen, eigenes Versagen, Scham und Konflikte. Doch sie betont noch viel mehr das, was Hoffnung gibt. Dafür findet sie viele Beispiele und Bilder, sodass das Gelesene anschaulich ist und leicht auf das eigene Leben übertragen werden kann.

In drei Abschnitten unterteilt, enthält dieses Buch 52 kurze Texte, die jeweils in wenigen Minuten gelesen werden können. Am Ende jedes Kapitels findet sich ein Bibelvers und ein Gebet. Im ersten Teil geht es vor allem um das Schwere der Krankheit, doch auch hier schimmert in jedem Beitrag Hoffnung durch. Im zweiten Teil wird der Halt des Glaubens näher beschrieben, und im dritten Teil geht es um den Schmerz im Zusammenhang mit anderen Menschen.

„Du bist gehalten! Auch dann, wenn alles um dich dunkel ist und du nicht mehr weißt, wo unten und oben ist, darfst du wissen: Du bist gehalten. Selbst wenn du dies im Moment weder spürst noch glauben kannst. … Gehalten vom Allmächtigen. Umfangen von seiner Liebe. Mit seiner Hilfe und Gnade wird der Tag kommen, an dem wir das auch wieder fühlen werden.“

Fazit: Ein hilfreiches Buch für Menschen, die unter körperlichen und seelischen Schmerzen leiden – und auch für ihre Angehörigen und Freunden. Die Autorin schreibt ehrlich über Zweifel und Schwierigkeiten, weist aber immer wieder auf den guten Hirten hin, der uns sieht, uns liebt, uns tröstet und uns stärkt.

Veröffentlicht am 04.06.2023

Hass darf nicht das letzte Wort haben

»Ich habe Wut und Hass besiegt«
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An ihrem fünfzehnten Geburtstag steigt Rachel Hanan zusammen mit ihrer großen Familie aus einem Viehwaggon aus. Ausschwitz. An diesem Tag sieht sie ihre Eltern und zwei jüngsten Brüder zum letzten Mal.

Rachel ...

An ihrem fünfzehnten Geburtstag steigt Rachel Hanan zusammen mit ihrer großen Familie aus einem Viehwaggon aus. Ausschwitz. An diesem Tag sieht sie ihre Eltern und zwei jüngsten Brüder zum letzten Mal.

Rachel wird 1929 in Rumänien geboren. Zusammen mit ihren vielen Geschwistern, verlebt sie eine glückliche Kindheit. Als 1940 Nordrumänien teil von Ungarn wird, verändert sich langsam die Stimmung in dem beschaulichen Dorf ihrer Kindheit. Schleichend setzt die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein.

Rachel bekommt nicht viel von den großen Sorgen ihrer Eltern mit; ihr Vater ist geistlicher Vater der anderen Juden der Umgebung, und die Verantwortung für all diese Menschen lastet schwer auf ihm. April 1944 müssen alle jüdischen Bewohner ihre Heimat verlassen. Eine endlos lange Zugfahrt bringt sie nach Ausschwitz. Am Eingang wird selektiert, Rachel und ihre Schwestern dürfen leben, ihre Eltern und Brüder nicht.

Nach einem Jahr in vier verschiedenen Anstalten erfolgt die Befreiung. Doch von der äußerlichen Freiheit zur inneren Freiheit ist es ein weiter Weg. Die Schrecken dieses einen Jahres lassen Rachel nie mehr los. Bis ins Alter leidet sie unter Albträumen und Ängsten. Doch ihr wird bewusst, von Hass darf sie sich nicht beherrschen lassen. „Ich hasse nicht, weil ich verstanden habe, dass Rache und Hass niemals satt machen. Hass ist wie ein gefräßiges Ungeheuer, er hat immer Hunger, das macht ihn so gefährlich und omnipräsent in der Welt.“

Dieses wichtige Buch ist sehr gut geschrieben. Es ist stellenweise erschütternd, dann wieder berührend, und immer regen Rachels weise Worte zum Nachdenken an.

In der ersten Hälfte des Buchs geht es zunächst um Rachels Kindheit und Jugend, danach beschreibt sie das Unbeschreibliche. Gleichzeitig reflektiert sie das Erlebte. Was geschieht beispielsweise mit dem Geruchssinn im Elend des KZs? Warum kann sie nicht sagen, dass sie bei der Befreiung glücklich war? Wie kann man nach einem schweren Schicksalsschlag wieder glücklich und zufrieden leben?

In der zweiten Hälfte erzählt Rachel von ihrem Neuanfang in Israel und ihrer langjährigen Arbeit als Sozialarbeiterin. Dabei gibt sie auf gute Weise Einblick in die Situation der Überlebenden, die sich in Israel eine neue Heimat aufgebaut haben.

Fazit: Dieses beeindruckende Buch schildet die Gefühle und Gedanken einer Frau, das als junges Mädchen aus ihrer Jugend herausgerissen und in ein Vernichtungslager gesteckt wird. Sehr empfehlenswert und eine wichtige Lektüre!

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Ein jüdisches Erbe

Solange wir leben
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Der Drehbuchautor David Safier ist für seine humoristische Romane bekannt. Dieses Buch ist eher ernst. Obwohl er nicht viel mit seinen bereits verstorbenen Eltern über ihre Vergangenheit gesprochen hat, ...

Der Drehbuchautor David Safier ist für seine humoristische Romane bekannt. Dieses Buch ist eher ernst. Obwohl er nicht viel mit seinen bereits verstorbenen Eltern über ihre Vergangenheit gesprochen hat, zeichnet er hier ein gelungenes Bild ihres Lebens.

Joschi ist zu Beginn des Krieges ein junger Mann, der mit seiner Familie in Wien lebt. Er genießt Frauenbekanntschaften, ist mitten im Studium und liebt seine Heimat. Doch dort wird es für seine jüdische Familie immer unangenehmer – und zum Schluss gar bedrohlich. Seinen Vater kann er nicht retten, und um sein eigenes Leben zu bewahren, muss er alles, was ihm lieb ist, zurücklassen.

In Palästina gelingt ihm ein Neuanfang, auch wenn ihn Schuldgefühle plagen. Warum hat er überlebt und so viele andere nicht? Seine innere Unruhe kann er selbst mit Alkohol nicht ertränken.

Zu Beginn des Krieges ist Waltraud noch ein kleines Mädchen. Sie erleidet schreckliche Bombennächte, die Angst um Bruder und Vater, die Zerstörung ihres Zuhauses. Als ihr Glück mit einem wunderbaren Ehemann und einer Schwangerschaft perfekt scheint, bricht alles auseinander.

Jahre später begegnen sich Joschi und Waltraud. Sie erleben zusammen die Nachkriegsjahre in Deutschland, bemühen sich um ein Einkommen für ihre wachsende Familie, ringen um eine gemeinsame Identität. Was bedeutet es in Deutschland Jude zu sein? Wie lebt man mit dem Schmerz und den Schuldgefühlen der Vergangenheit? Welches Erbe gibt man seinen Kindern weiter?

Es macht Spaß dieses Buch zu lesen. Auch wenn die Geschichte von Joschi und Waltraud nicht besonders außergewöhnlich ist, werden beide so gut beschrieben, dass man beim Lesen einfach wissen muss, wie es weitergeht. Ganz nebenbei erfährt der Leser dabei, wie ein kleines Kind die Schrecken des Krieges erlebt, was es bedeutet fast jeden in der Familie zu verlieren, und wie tragische Entscheidungen unser Leben erschweren können.

Persönlich stimme ich den Glaubensvorstellungen des Autors nicht zu. Die Frage wird gestellt: Wie kann Gott gleichzeitig gut und allmächtig sein, angesichts des unermesslichen Leides im Zweiten Weltkrieg? Warum hat er nicht eingegriffen? Das weiß ich auch nicht, und ich verstehe Gott nicht. Aber mir ist klar, dass der Schöpfer des Universums so unerklärlich für mich sein muss, so weit jenseits all meiner Vorstellungen, dass ich ihn nicht verstehen muss, um an ihn zu glauben und ihn zu lieben. Wie ein Kind, dass die großen Rätsel des Lebens dem liebevollen Vater überlässt, glaube ich fest daran, dass Gott gut und allmächtig ist, auch wenn ich sein Tun nicht begreife.

Fazit: Ich stimme dem Autor nicht bei allem zu, und doch finde ich dieses Buch so gut geschrieben und lesenswert, das ich es gerne weiterempfehle!