Platzhalter für Profilbild

Christina19

Lesejury Star
offline

Christina19 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Christina19 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2023

Eine Reise in die Stadt der Liebe

Sommertage im Quartier Latin
0

Der Roman verführt den Leser nach Paris, wo Lola ihre vermisste Großmutter sucht. In der Stadt der Liebe trifft sie Fabien, einen alten Schulfreund, wieder. Ganz zart bahnt sich zwischen den beiden eine ...

Der Roman verführt den Leser nach Paris, wo Lola ihre vermisste Großmutter sucht. In der Stadt der Liebe trifft sie Fabien, einen alten Schulfreund, wieder. Ganz zart bahnt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung an, während Lola auf der Suche nach ihrer Großmutter gleichzeitig ein Familiengeheimnis aufdeckt.

Das Buch hat mich wirklich berührt und mich für einige Stunden nach Paris entführt. Lily Martin beschreibt die Handlung in einer solchen Art, dass man ihr gut folgen und sich das Quartier Latin mit seinen Bewohnern problemlos vor seinem inneren Auge vorstellen kann. Immer wieder lässt die Autorin dazu Straßennamen einfließen und nutzt französische Wörter in der direkten Rede. In ihre Geschichte bringt Lily Martin viele Figuren ein, von denen jede einen ganz eigenen Charakter hat und die alle sehr charmant sind.
Das Cover mochte ich zuerst weniger, da es doch etwas klischeehaft und kitschig ist. Als das Buch bei mir eingetroffen ist, habe ich aber gesehen, dass der Einband vorne und hinten aufklappbar ist. Im vorderen Teil ist eine grobe Karte von Paris abgebildet, die wahnsinnig schön illustriert ist. Diese Idee gefällt mir wirklich gut!
Alles in allem kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der eine toll erzählte, romantische Geschichte zum Träumen sucht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

„Kein Mensch kennt jemals einen anderen völlig.“

Löwen wecken
0

Etan arbeitet als Neurochirurg in einer Klinik in Beer Scheva. Eines Nachts beschließt er, nach seiner Schicht nicht den direkten Heimweg anzutreten, sondern sich noch eine kleine Auszeit zu nehmen. Er ...

Etan arbeitet als Neurochirurg in einer Klinik in Beer Scheva. Eines Nachts beschließt er, nach seiner Schicht nicht den direkten Heimweg anzutreten, sondern sich noch eine kleine Auszeit zu nehmen. Er schlägt von der Stadt aus den Weg in Richtung Süden ein, wo er mit seinem Jeep eine kleine Tour durch die Dünen plant. Etan ist ausgelassen, hat endlich mal wieder so richtig Spaß – bis er im Dunkeln einen illegal eingewanderten Eritreer überfährt. Schnell steht fest, dass der Mann seine schweren Verletzungen nicht überleben wird. Etan ist hin- und hergerissen: Der Unfall kann seine Karriere gefährden. Soll er sich wirklich stellen, wo es doch augenscheinlich keine Zeugen gibt?

Mit „Löwen wecken“ hat Ayelet Gundar-Goshen einen fesselnden Roman über Moral und Anstand, über Schuld und das Gewissen eines Menschen verfasst. Sie zeichnet darin die Geschichte eines erfolgreichen Arztes, der verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Seine Frau Liat arbeitet bei der Polizei und wird schon früh im Buch mit dem Fall eines überfahrenen Eritreers vertraut gemacht, bei dem der Täter Unfallflucht begangen hat. Während sie ermittelt, leistet Etan ohne ihr Wissen Buße bei der Witwe des Verstorbenen. …
Die Figuren des Romans sind facettenreich gestaltet. Die Autorin versteht es, sowohl deren liebenswerte Seiten als auch die Abgründe menschlichen Handelns aufzuzeigen. Das führte dazu, dass ich mich in einige Figuren teilweise sehr gut einfühlen konnte, ihr Verhalten an anderen Stellen wiederum sehr befremdlich fand. Genau das mochte ich aber sehr gerne, da es die Personen überaus authentisch wirken lässt.
Hinsichtlich der Themen setzt der Roman in erster Linie bei unserem Verständnis von Moral an. Ist es wirklich immer ratsam, nach unseren Überzeugungen zu handeln? Können wir mit den Schuldgefühlen leben, wenn wir es nicht tun? Neben der Moralfrage rückt die Autorin aber auch den Rassismus in der Gesellschaft ins Blickfeld. Sie fragt nach dem Wert eines Menschenlebens in Abhängigkeit von der Nationalität (sowie vom Geschlecht) und zeigt, wie tief Vorbehalte gegenüber anderen Menschengruppen in uns verankert sind.
Bis zum Schluss war es für mich nicht ersichtlich, wie die Geschichte ausgehen wird und auch mit dem Ende regt Gundar-Goshen stark zum Nachdenken an, sodass der Roman noch lange in mir nachhallte.
Was für mich bleibt, ist die Erkenntnis, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann, denn: „Kein Mensch kennt jemals einen anderen völlig.“ (S. 195)

Veröffentlicht am 31.03.2025

Ernste Themen überspitzt und mit Sarkasmus verpackt

Geht so
2

Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid. Obwohl sie sich einst glücklich schätzen konnte, nach ihrem Studium eine Anstellung gefunden zu haben, hasst sie ihren Job. Die täglichen Aufgaben, die ...

Marisa arbeitet in einer Werbeagentur in Madrid. Obwohl sie sich einst glücklich schätzen konnte, nach ihrem Studium eine Anstellung gefunden zu haben, hasst sie ihren Job. Die täglichen Aufgaben, die Kollegen und Kolleginnen, all das erträgt sie nur dank stundenlanger YouTube-Sitzungen und zu vieler Beruhigungsmittel. Die Aussicht auf ein Teambuilding-Wochenende sorgt bei Marisa daher absolut nicht für Freude, dennoch versucht sie die so mühsam aufgebaute Fassade aufrechtzuerhalten.

Mit „Geht so“ bringt uns Beatriz Serrano mitten in die Arbeitswelt einer Werbeagentur. Dort findet man jeden erdenklichen Charakter, den man wohl auch aus dem Alltag kennt: die strebsame Mitarbeiterin, die alle ihr gestellten Aufgaben immer ein bisschen zu genau nimmt, die garstige Kollegin, die nicht gut mit ihren Mitmenschen umgeht, und den Vorgesetzten, der seine Schäfchen fast ein wenig väterlich behandelt. Außerdem ist da Marisa, die nach mehreren Jahren in der Werbebranche so gar keine Lust mehr auf ihren Job hat. Die Ablehnung, die sie für all ihre Aufgaben verspürt, sorgt für absolute Demotivation und wirkt sich zunehmend auf ihre psychische Gesundheit aus. Marisa zieht sich zurück, entwickelt Angstzustände und Panikattacken und flüchtet sich in Tabletten, Alkohol und Drogen.
Beatriz Serrano stellt ihre Figuren überspitzt dar, ohne dass diese dabei eindimensional wirken. Stattdessen schafft es die Autorin, die unterschiedlichen Charaktere, die in der Arbeitswelt anzutreffen sind, genau auf den Punkt zu bringen. In ihrem Debütroman verpackt sie ernste gesellschaftliche Probleme mit einer Menge Ironie und Sarkasmus so geschickt, dass sie den Anschein einer leichten, unterhaltsamen Geschichte bekommen. Doch die Kritik, die mitschwingt, ist unübersehbar. So kritisiert sie den Kapitalismus, der uns ständig glauben lassen will, dass uns der nächste Lippenstift attraktiver und ein neues Parfum unwiderstehlicher macht. Sie zeigt, mit welchen Erwartungen und Problemen Mütter nach ihrer Elternzeit im Job konfrontiert werden. Und sie verdeutlicht, dass ein „Bullshit-Job“ ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann, von Boreout oder Burnout bis hin zu Depressionen.
Mit ihren tollen Figuren und ihrem besonderen Schreibstil konnte mich die Autorin vor allem in der ersten Hälfte des Romans einnehmen. Die zweite Hälfte habe ich als etwas schwächer empfunden. Den Verlauf der Geschichte an dem gemeinsamen Teambuilding-Wochenende und vor allem den Ausgang des Buches hätte ich mir anders gewünscht. Andererseits hat es Serrano genau dadurch geschafft, dass das Erzählte noch lange in mir nachhallte und mich mit einem Kopfschütteln zurückließ.
„Geht so“ ist ein Roman, der den Finger in mancherlei Hinsicht in die Wunde legt und dabei bis zum Schluss kurzweilig und unterhaltsam ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 22.09.2024

Eine berührende Geschichte aus Japan über das Abschiednehmen

Die Glückslieferanten
0

Nanahoshi arbeitet als Lieferantin bei den Himmelsboten. Ihre Auftraggeber sind Menschen, die angesichts ihres nahenden Todes Angehörigen, Freunden oder Bekannten noch eine letzte Botschaft hinterlassen ...

Nanahoshi arbeitet als Lieferantin bei den Himmelsboten. Ihre Auftraggeber sind Menschen, die angesichts ihres nahenden Todes Angehörigen, Freunden oder Bekannten noch eine letzte Botschaft hinterlassen möchten. Nach dem Ableben ihrer Kunden sucht Nanahoshi nacheinander die Empfänger dieser besonderen Lieferungen auf und überbringt ihnen Nachrichten, die deren Leben verändern werden.

Nach „Die Erinnerungsfotografen“ ist „Die Glückslieferanten“ nun das zweite Buch von Sanaka Hiiragi, das ich gelesen habe. Abermals befasst sie sich darin mit dem Sterben, Tod und Abschiednehmen. Diese ernsten wie auch traurigen Themen arbeitet die Autorin auf berührende Art auf: Mit Nanahoshi gibt sie Verstorbenen die Möglichkeit, ein letztes Mal Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die ihnen besonders am Herzen liegen und die sie zu ihrem Bedauern teils vor Langem aus den Augen verloren haben.
Das Buch ist in vier Kapitel plus Epilog eingeteilt. Man liest somit fünf kurze Geschichten. Verbindendes Element in diesen ist jeweils Nanahoshi, die Himmelsbotin. Zwischen den einzelnen Erzählabschnitten gibt es ansonsten keine weiteren Zusammenhänge. Sanaka Hiiragi hat es an dieser Stelle meiner Auffassung nach verpasst, ihrer Geschichte dadurch den letzten Schliff zu geben. In „Die Erinnerungsfotografen“ nämlich waren gerade die zarten Berührungspunkte zwischen den Figuren und Kapiteln besonders gelungen, was mir gut gefallen hatte.
Sprachlich dagegen konnte mich die Autorin auch in diesem Roman wieder abholen. Mit ihrer sanften Erzählweise schafft Sanaka Hiiragi eine ruhige Stimmung, die gut zum Inhalt passt.
Trotz kleiner Schwächen habe ich „Die Glückslieferanten“ sehr gerne gelesen!

Veröffentlicht am 06.06.2023

Ein Liebesroman voller Leidenschaft

True North - Wo auch immer du bist
0

„True North – Wo auch immer du bist“ hat mich sehr überrascht. Der Roman erzählt von Audrey, die sich, nachdem ihr die Unterstützung ihrer machthungrigen Mutter gestrichen wurde, als Praktikantin eines ...

„True North – Wo auch immer du bist“ hat mich sehr überrascht. Der Roman erzählt von Audrey, die sich, nachdem ihr die Unterstützung ihrer machthungrigen Mutter gestrichen wurde, als Praktikantin eines großen Gastronomieunternehmens in Boston durchschlägt. Sie ist gelernte Köchin, darf zu ihrer eigenen Unzufriedenheit jedoch nur Hilfstätigkeiten ausüben. Als sie als Einkäuferin nach Vermont geschickt wird, trifft sie Griff. Sie hatte ihn bereits auf dem College kennengelernt und entdeckt nun ihre Gefühle für ihn wieder.
Während ich bei der Geschichte einen seichten Liebesroman erwartet hatte, ging es an vielen Stellen im Buch deutlich heißer her. Die Leidenschaft, die die beiden Protagonisten füreinander empfinden, endet regelmäßig in Sexszenen, die von der Autorin bildhaft beschrieben werden. Dennoch kommt die Handlung nicht zu kurz: Eindrücklich beschreibt Sarina Bowen das Leben von Griff und seiner Familie auf dem Hof, auf dem Bioäpfel angebaut und Cider hergestellt werden. Im Gegensatz dazu steht Audreys Leben, die für einen ausbeutenden Konzern arbeitet und nicht besonders glücklich ist. Die Autorin schafft es durch ihren Erzählstil, jeder Figur ihren ganz eigenen Charakter zuzuschreiben, sodass man sich diese beim Lesen gut vorstellen kann. Besonders gefallen hat mir, dass der Roman aus zwei Blickwinkeln geschrieben ist: In jedem Kapitel wechselnd wird die Handlung einmal aus Sicht von Audrey und einmal aus Sicht von Griff geschildert. Dadurch kann man tief in die Gedanken und die Gefühlswelt der beiden eintauchen.
Wenn ich eine Kleinigkeit bemängeln müsste, wäre es das Ende: Dieses kam für meinen Geschmack dann doch recht schnell und hätte gerne noch etwas ausführlicher beschrieben werden können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere