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Veröffentlicht am 18.06.2023

schwere Kost

Unwesen
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Als in dem verschlafenen Küstenstädtchen Norrtälje plötzlich ein Container am Hafen steht, dem keiner zu gehören scheint, beginnt das Rätseln raten. Spekulationen in alle Richtungen werden laut. Als er ...

Als in dem verschlafenen Küstenstädtchen Norrtälje plötzlich ein Container am Hafen steht, dem keiner zu gehören scheint, beginnt das Rätseln raten. Spekulationen in alle Richtungen werden laut. Als er endlich geöffnet wird, entlässt er nacktes Grauen. Nicht nur Unmengen an Leichen befinden sich zwischen seinen metallenen Wänden, sondern auch etwas anderes; etwas böses.

Das Cover zeigt einen Ausschnitt des kleinen Ortes Norrtälje, während eines heraufziehenden Unwetters. Dunkle Wolken bedecken den Himmel, ballen sich drohend zusammen und scheinen gemeinsame Sache mit dem Meer zu machen, um das Dorf in den Untergang zu reißen. Ich finde es wunderbar zum Inhalt gewählt, da es die bedrohliche Stimmung des Buches widerspiegelt.

Unwesen ist mein erstes Buch von John Ajvide Lindqvist. Da er oft mit Stephen King verglichen, bzw. in einem Satz genannt wird, hatte ich ihn mir als Horror-Buch Autor vorgestellt. Unwesen ist grausam, aber ich hatte wegen des Klapptextes mit einer unheimlichen Macht gerechnet, die sich wie ein Schleier über Norrälje legt. Diese Erwartung wurde nicht wirklich erfüllt. Eine wie auch immer geartete Macht des Bösen, um es mal überspitzt zu formulieren, entströmte nicht dem Container und manifestierte sich an Land. Nichts kam, was bekämpft und bezwungen werden konnte. Unwesen ist in meinen Augen eher ein gesellschaftskritischer Roman, der auf die Missstände in der Bevölkerung hinweist. Und dies recht unschön, ungefärbt und sehr direkt. Nachdem ich mich von meinen Erwartungen befreit hatte, gegen Monster oder das Böse an sich zu kämpfen, gefiel mir der individuelle Schreibstil von John Ajvide Lindqvist recht gut.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse, stehen sechs sehr unterschiedliche Menschen, die sich ihren Platz im Leben suchen. Es ist eine Geschichte um Max. Einen reichen Jungen, der sich von seinen Eltern los sagt und auf eigenen Beinen stehen will. Finanziell nicht erfolgreich, aber er reift zu einer interessanten Persönlichkeit heran.
Anna und ihre Freundin Siw. Zwei Mädchen aus der unteren Mittelschicht, die viel zahlen, um ein glückliches Leben haben zu dürfen. Mal mehr als sie schultern können, mal weniger. Aber die Freundinnen halten zusammen und stehen für sich ein.
Die ehemaligen Flüchtlingskinder Marko und Maria, die in ihrem zweiten Leben zu Ruhm und Ehre gelangen, aber immer noch auf der Suche sind.
Und schließlich Johan, der seinen Selbsthass auf andere projiziert.
Sechs völlig unterschiedliche Menschen, die nach Jahren den Weg zueinander finden, auf sich und die anderen blicken und reflektieren. Es ergeben sich neue Bindungen, neue Wege, doch sie sind nicht immer gut.

Für mich war das Buch schwer zu lesen. Ich hatte mit etwas ganz anderem gerechnet und wurde in diesem Fall nicht positiv überrascht. Der Schreibstil von John Ajvide Lindqvist ist schwer und drückend, stellenweise erdrückend. Die fiktiven Probleme anderer und das Weltgeschehen sind für mich zu schwere Kost. Trotzdem freue ich mich schon auf andere Bücher des Autors, da mich der Schreibstil irgendwie berührt hat.

Mein Fazit
Wer wie ich mit einem Horror-Roman gerechnet hat, wird enttäuscht werden. Trotzdem ist der eigenwillige Schreibstil von John Ajvide Lindqvist interessant zu lesen.

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Veröffentlicht am 20.05.2023

zwischen den Wänden

Die Verborgenen
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Sven, Franziska und ihre Tochter Tabea leben in einem wunderschönen Haus. Nur eben nicht allein. Ein heimlicher Untermieter hat sich bei ihnen breit gemacht, von dem sie nichts ahnen. Der Fernseher geht ...

Sven, Franziska und ihre Tochter Tabea leben in einem wunderschönen Haus. Nur eben nicht allein. Ein heimlicher Untermieter hat sich bei ihnen breit gemacht, von dem sie nichts ahnen. Der Fernseher geht an, Parfüm liegt in der Luft, Getränke fehlen... alles kleine Hinweise, doch wer rechnet mit einem bedrohlichen Menschen, der sich in ein Leben einschleicht? Ein Phrogger hat es sich in dem trauten Heim der Familie gemütlich gemacht.

Das Cover zeigt das Haus der Familie Hoffmann im Dunkeln. Einzig Umrisse sind mit Müh und Not zu erkennen, bis auf ein erleuchtetes Fenster. Ich finde es gut zum Inhalt des Buches gewählt, da es die Heimlichkeit der Phrogger unterstreicht und ein wenig für Unbehagen beim Betrachten sorgt.

Linus Geschke ist bekannt für seine spannenden Thriller. Doch mit seinem neusten Werk sprengt er nochmals alle Grenzen des Unheimlichen! Auf der einen Seite ist dieses wunderbare Haus, ein Zuhause, eine Zuflucht und Wohlfühloase, die Sicherheit gewährt. Auch wenn Sven nicht glücklich damit ist, weil seine ungeliebten Schwiegereltern diesen Traum verwirklicht haben. Aber für Franziska ist es ihr ein und alles und für ihre gemeinsame Tochter Tabea der Ort ihres Aufwachsens. Die eigenen vier Wände eben, die Schutz bieten.
Und dann ist es ein heimlicher Rückzugsort für einen ungebetenen Gast, der im Verborgenen lebt und diese vier Wände als ein Ort des Beobachtens und Abwartens ansieht.
Linus Geschke schildert dies so anschaulich, bewegend und mitreißend, dass ich während des Lesens eine latente Gänsehaut hatte. Zu Beginn zumindest. Denn als die Geschichte immer weiter voranschritt und die anfangs spannenden und unheimlichen Ereignisse von Linus Geschke aufgearbeitet wurden, verlor sich für mich der Nervenkitzel schnell. Die Realität hielt Einzug und es wurde klar, dass hier eine normale Familie mit normalen Problemen lebt und der ungebetene Gast - nun ja - ein ungebetener Gast ist. Die Geschichte blieb weiterhin spannend, keine Frage, aber für mich persönlich ging der Nervenkitzel leider verloren, der in meinen Augen den Reiz versprach, den der Klapptext vermittelt hatte.

Mit den Protagonisten wurde ich leider nicht warm und konnte keine rechte Beziehung zu ihnen aufbauen. Sven arbeitet als Journalist und ist in eine Berichterstattung um eine ermordete Schülerin verstrickt. Beruflich wirkt er stark und zielstrebig, wenn es in sein Privatleben geht, gescheitert. Ein Mann, der nicht weiß, was er von seinem Leben erwartet, das was er hat, erfüllt ihn allerdings nicht. Bei seiner Frau Franziska sieht es ähnlich aus. Und dass sich Tabea, als Schülerin kurz vor dem Abitur noch finden muss, steht außer Frage. Mir fehlte der Anker in der Geschichte; die starke Persönlichkeit, um die alles aufgebaut ist und an der ich mich orientieren und festhalten kann.

Mein Fazit
Sehr starker und unheimlich Beginn, der sich für meinen Geschmack leider viel zu schnell abschwächte und eine Handlung annahm, mit der ich nicht gerechnet hätte!

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Veröffentlicht am 29.09.2023

erinnern ist tödlich

Ein Fluss so rot und schwarz
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Sechs Menschen wachen auf einem ferngesteuerten Militärschiff auf der Themse Richtung London auf. Sie sind Orientierungslos, haben keine Erinnerung an das bisher Geschehene und an ihr Leben. Aber sie sind ...

Sechs Menschen wachen auf einem ferngesteuerten Militärschiff auf der Themse Richtung London auf. Sie sind Orientierungslos, haben keine Erinnerung an das bisher Geschehene und an ihr Leben. Aber sie sind nicht allein. Eine Leiche befindet sich an Bord. Einer der ihren hat Selbstmord begangen, eh die anderen erwachten. Aus dem Nebel, der das Schiff umgibt, erschallen Schreie. Was ist bloß passiert!

Der Klapptext hat mich absolut neugierig auf das Buch gemacht! Doch irgendwie konnte mich weder der Schreibstil von Anthony Ryan noch die Story fesseln. Sechs Personen treiben auf einem Schiff und sollen die Menschheit retten. Doch sie sind mehr mit sich und der geheimnisvollen Stimmen am Telefon beschäftigt, als mit dem Geschehenen. Und ich dementsprechend auch. Schnell wird klar, dass eine Seuche über den Planeten gerast ist und nur wenig Menschen übriggeblieben sind. Die Bakterien übernehmen den Körper und breiten sich aus, sobald man sich an irgendwas erinnert. Zurück bleiben Menschen, die mit Veggie-Fleisch überwuchert sind und jagt aus die restlichen Menschen machen. Um den Ursprung zu finden und auszulöschen wurden bereits Teams entsendet, die scheiterten. Ich durfte das neuste Team auf seiner Reise begleiten. Sie irrten genauso planlos durch den Nebel wie ich.

Eine Beziehung zu den Bootspassagieren konnte ich nicht aufbauen, da sie für mich ungreifbar waren; denn sie kennen sich nicht und die Vergangenheit definiert, wer du jetzt bist. Unbeschriebene Blätter quasi, die mich nicht berührten. Und irgendwann auch einfach nicht mehr interessierten.

Auf mich wirkte das gesamte Buch langatmig und verworren. Es wird zwar direkt zu Beginn erläutert, dass diese sechs Personen die Menschheit retten sollen, aber ich merkte weder Spannung noch Action. Eher ein gemütliches Dümpeln auf der Themse Richtung Erinnerung und Vernichtung.

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