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Veröffentlicht am 05.09.2023

Feine Anspielungen, aber zu ausufernd

Die schwarze Lilie
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1348, Zeit der großen Pest. Florenz ist eine der größten Handelsmetropolen der Welt, die Kaufleute bestimmen die Geschicke der Stadt, die Bankiere agieren weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der Deutsche ...

1348, Zeit der großen Pest. Florenz ist eine der größten Handelsmetropolen der Welt, die Kaufleute bestimmen die Geschicke der Stadt, die Bankiere agieren weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der Deutsche Wittekind Tentronk, der bisher ziellos durch die Welt streifte, findet Arbeit als Agent bei dem superreichen Bankier Pacino Peruzzi, ein Zuhause, Freunde und sogar die Liebe zu der Witwe Cioccia. Als die Söhne des Padrino einer nach dem anderen ermordet werden und der Vater seltsam emotionslos bleibt, sucht Wittekind nach Motiv und Mörder und gerät selbst in größte Gefahr....

"Die schwarze LIlie" ist die Fortsetzung von dem historischen Roman "Die schwarze Rose" des deutschen Autors Dirk Schümer, die jedoch völlig problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.

Die Geschichte wird erzählt aus der Ich-Perspektive der Figur Wittekind in flüssiger und angenehm zu lesender Schreibweise. Gewöhnungsbedürftig ist jedoch, dass wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt ist! Und auch die zahlreichen fremdsprachigen und historischen Bezeichnungen sowie die alten Bezeichnungen von Orten und Gebieten hatten ein häufiges Googeln meinerseits zur Folge - hier wäre eine Glossar hilfreich gewesen. Sicher habe ich einige der teilweise auch ironischen Anspielungen überlesen; als Beispiel sei der Name von Wittekinds Lieblingsschänke genannt, die mit dem Namen "Purgatorium" (dem "Fegefeuer") auch auf Dates Kreise der Hölle anspielt.

Dirk Schümer ist Fachmann für mittelalterliche Geschichte; sein Wissen und seine umfassenden historischen Recherchen finden sich in Hülle und Fülle in dem Buch. Nicht nur in den ausufernden Beschreibungen von Figuren, Florenz und weiterem verliert sich der Autor in teils überflüssigen Details. So droht dem Leser der Verlust des roten Fadens; viele Beschreibungen und Informationen bringen nicht die Geschichte voran und gehen deutlich zu Lasten der Spannung. Wenngleich die zahlreichen Morde und ihre Aufklärung einen historischen Krimi vermuten lassen, geht dieser fast unter; die Handlung nimmt eigentlich erst im letzten Drittel Fahrt auf. Doch hier gab es dann für mich ein anderes Manko: Wie durch ein Wunder wurden die in Lebensgefahr Schwebenden immer im letzten Moment zufällig gerettet; Ungereimtheiten und Übertreibungen führten zu einer gewissen Unglaubwürdigkeit. Dass zu guter Letzt das Ende mich frustriert zurückgelassen hat, passte da fast schon ins Bild.

Großartig sind dagegen die zahlreichen mehr oder weniger versteckten Anspielungen:
Zum einen finden sich etliche Größen aus der Literatur wieder; Dante Alighieri bzw. sein Sohn deklamieren die Göttliche Komödie, der Schankwirt Meo ist der Sohn des italienischen Dichters Cecco Angiolieri, Giovanni Boccaccio, noch erfolglos, erlebt zusammen mit der Hauptfigur sein echtes Decamerone, William von Baskerville (bekannt aus "Der Name der Rose") ist ein Freund von Wittekind...
Und auch die Handlung zeigt einige Parallelen zur Welt der Gegenwart: in Florenz tobt mit der Pest eine verheerende Pandemie,- der Bankier Peruzzi ist - wenig moralisch - aus dem Bankencrash wieder emporgestiegen und auch der Krieg auf der Krim spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

Die Figuren sind gut beschrieben und vor allem Wittekind und Cioccia, die das Element der "LIebe" in den Roman einbringen, waren mir durchaus sympathisch. Schön, dass sie auch nicht die üblichen jungen Helden sind, sondern sich bereits im fortgeschrittenen Alter befinden! Cioccia weist darüber hinaus noch eine Besonderheit auf: An ihr zeigt der Autor das Frauenbild der Zeit auf und zeichnet mit ihr eine starke Frau, die sich der Haltung der Frau als besondere "Sklavin" nicht unterwerfen will; sie widersetzt sich Wittekinds Heiratsplänen und bleibt lieber eine selbstbestimmte Witwe.
Eine kleine Nebengeschichte in der Handlung zeigt den special interest des Autors, der auch berufenes Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur ist: er zeigt den jüngsten Sohn der Familie Peruzzi als begeisterten "Calcio"-Spieler, einem Ballspiel, das als Vorläufer des Fußballs gilt.

Ein Personenverzeichnis und eine Stadtkarte von Florenz 1348 runden das Werk ab, dessen gut 600 Seiten durchaus gestrafft werden könnten.

Trotz guter Ideen und raffinierten Anspielungen konnte Dirk Schümer nicht vollends überzeugen; die Opulenz zeigte sich einfach zu weitschweifig.


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Veröffentlicht am 16.08.2023

Zwischen Fakten und Fiktion

Die Erfindung des Lächelns
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1911 wird eines der wohl berühmtesten Gemälde der Welt, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci - genannt "La Jaconde" -aus dem Pariser Louvre gestohlen. Ganz Paris ist in Aufruhr und stellt die Frage, wie ...

1911 wird eines der wohl berühmtesten Gemälde der Welt, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci - genannt "La Jaconde" -aus dem Pariser Louvre gestohlen. Ganz Paris ist in Aufruhr und stellt die Frage, wie so etwas passieren konnte. Die Polizei ermverbindet ittelt fieberhaft und befragt Hunderte von Beschäftigten des Museums und sogar der Maler Pablo Picasso gerät unter Verdacht. Hauptkommissar Lenoir Juhel von Sûreté Générale erhält einen besonderen Ermittlungsauftrag....

Der deutsche Schriftsteller Tom Hillenbrand hat viel recherchiert und verbindet im vorliegenden Roman zahlreiche historische Fakten nicht nur um den Diebstahl der "Joconde", sondern allgemein aus der Zeit der Belle Èpoque, und überlässt es auch seinen Lesern laut Nachwort zu unterscheiden, was hierbei frei erfunden, interpretiert oder wahr ist.

Gemäß der amerikanischen Schriftstellerin, Verlegerin und Kunstsammlerin war Paris "der Ort, wo sich das zwanzigste Jahrhundert befand" und so schreibt Hillenbrand ausführlich vom Louvre und seinen Kunstwerken, aber vor allem von zahlreichen historischen Personen, die das Leben vor Ort so bunt machten. Wir lesen von dem Maler Pablo Picasso, seinem Freund, dem Kunstkritiker Guillaume Apollinaire, der Ausdruckstänzerin Isadora Duncan und ihrem Guru, dem Satanisten Aleister Crowley, den Musikern Igor Strawinsky und Claude Debussy, dem Couturier Paul Poiret, den brutalen Anarchisten der Bonnot-Bande und Frankreichs größtem Detektiv, Alphonse Bertillon, dem Italiener Vincenzo Peruggia und vielen mehr, wir reisen mit zu Künstlercafés, Spelunken, in den Bois de Boulogne, die Oper und zu privaten Festen. Dabei springt der Autor von Figur zu Figur, von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit und es erfordert höchste Konzentration, alles richtig einzuordnen.

Der Raub von da Vincis Meisterwerk und seine Entdeckung erst zwei Jahre später bilden dabei den Rahmen für eine Vielzahl von Episoden und Einschüben, die eine mögliche (!) Aufklärung bieten; eine Verfolgung und Aufklärung durch die Polizei bzw. Juhel findet eigentlich nicht statt. Wer (wie im Klappentext angegeben) einen historischen Kriminalroman erwartet, sieht diesen unter einer Pracht an Intrigen, Kunst und Kultur verschwinden.

Der zumeist in kurzen Sätzen geschriebene Roman enthält eine Vielzahl an Fremd- und Fachwörtern, von denen ich zugeben muss, dass mir nicht alle bekannt waren und ich zwischenzeitlich googeln musste, und zitiert einige Originalquellen.

Wenn ich auch bisher ein großer Fan von Tom Hillenbrand bin und alle seine Bücher gelesen habe, konnte mich dieses Buch nicht wie gewohnt abholen und fesseln und ich brauchte ungewöhnlich lange für die Lektüre, was ich auf die unglaubliche Vielzahl an Puzzleteilchen zurückführe und dass sehr lange im Unklaren blieb, wie diese zusammenhingen und kein echter Spannungsbogen zustande kam. Auch gelang es mir nicht, eine Beziehung zu einer der Figuren aufzubauen, die zwar interessant mehrdimensional beschrieben wurden, doch nicht besonders sympathisch waren.

Sicher ist "DIe Erfindung des Lächelns" kein Buch, das sich zur Entspannung einfach nebenbei lesen lässt, das aber für Kunst- und Geschichtsinteressierte eine Fülle an Informationen ausbreitet und seine Leser anregt, sich eigene Gedanken über einen der größten Kunstraube aller Zeiten zu machen.

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Veröffentlicht am 04.07.2023

Eine starke Frau in der Mitte des letzten Jahrhunderts

Das Mädchen im Zitronenhain
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Viktoria ist schon in ihrer Kindheit ein selbstbewusstes Mädchen, das gerne mit den Jungs konkurriert und gerade in Kriegstagen viel Stärke und Durchhaltewillen zeigt. Sie betrachtet sich als Künstlerin ...

Viktoria ist schon in ihrer Kindheit ein selbstbewusstes Mädchen, das gerne mit den Jungs konkurriert und gerade in Kriegstagen viel Stärke und Durchhaltewillen zeigt. Sie betrachtet sich als Künstlerin und Designerin, studiert - gegen den eigentlichen Willen ihres Vaters - Kunst und kämpft dafür, sich auch als Frau in diesem Feld durchzusetzen. Als sie gemeinsam mit ihrer Freundin Traudl einen Kostümwettbewerb und damit eine Reise an den Gardasee gewinnt, verliebt sie sich in ein heruntergekommenes Hotel und den Sohn des Hoteldirektors. Tatsächlich heiraten beide Jahre später und Vicky, wie sie sich nun nennt, setzt ihre ehrgeizigen Pläne gegen alle Widerstände in die Tat um.

Basierend auf dem echten Grand Hotel Fasano am Gardasee und der Geschichte seiner ungewöhnlichen Besitzerin hat Antonia Brauer einen schönen Roman geschaffen um das Leben und Lieben von Viktoria und Antonia. Leicht und bestens für den Sommerurlaub geeignet, erzählt die Autorin ihre Geschichte, die durchaus Dramen enthält, aber - dem Genre entsprechend - keine große Spannungskurve aufweist.

Die Figuren sind durchaus klischeehaft; Viktoria wunderschön und niemals um eine gute Idee verlegen, ihr gelingt scheinbar alles, Antonio ist der sprichwörtliche italienische Gigolo, Viktorias Vater voller Vorurteile , die Schwiegermutter ein Schwiegermonster, das Viktoria als Feindbild sieht. Trotzdem oder gerade deswegen lässt Antonia Brauer ihre Leserinnen träumen und entführt an einen Sehnsuchtsort. Denn nicht nur in den 50er Jahren war der Gardasee eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen; auch heute noch ist vielen der See bekannt. Die Handlungen der Figuren waren gut nachvollziehbar und authentisch.

Gerade im ersten Teil des Buches musste ich mich sehr konzentrieren, denn die Geschichte springt in der Zeit hin und her und es gibt keine gerade Zeitlinie. In diesem Fall fand ich dieses Stilmittel entbehrlich und machte das Lesen unnötig schwer.

Schön fand ich, Viktorias Entwicklung mitzuerleben und sie von Anfang an gut kennenzulernen. Allerdings dauert es so auch sehr lange (genaugenommen bis zur Seite 258 von 424), bis wir tatsächlich zur eigentlichen Geschichte um "das Grandhotel am Gardasee" kommen, das uns der Buchtitel verspricht und vielleicht falsche Erwartungen hervorruft.

Positiv hervorzuheben ist, dass es der Autorin sehr gut gelingt, ein Stück Geschichte bildhaft dazulegen. Ob die Rolle der Frau in der Mitte des letzten Jahrhunderts, die Not im Zweiten Weltkrieg und danach, die ersten Züge des Tourismus nach Italien, Neckermann und den ADAC - es gibt quasi nebenbei auch durchaus etwas zu lernen oder aufzuarbeiten.

Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten und empfehle das Buch als leichte Sommerlektüre.

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Veröffentlicht am 07.05.2023

Kulinarik vor Spannung

Minestrone um Mitternacht
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Clara ist engagierte Sous Chefin in einem Restaurant; ihr Job, ihre Beziehung zu Franklin und ihre Freundschaften sind eingefahren und sie sehnt sich nach Aufregung und Abwechslung, als sie zufällig nachts ...

Clara ist engagierte Sous Chefin in einem Restaurant; ihr Job, ihre Beziehung zu Franklin und ihre Freundschaften sind eingefahren und sie sehnt sich nach Aufregung und Abwechslung, als sie zufällig nachts Viktor kennenlernt. Bereits als regelmäßigen Gast hatte sie ihn Mr. Dreamy getauft, und obwohl er sich Kunstdieb und -fälscher herausstellt, bricht sie alle Brücken hinter sich ab und unterstützt ihn in seinen kriminellen Machenschaften. Viktor ist genial, doch einer ist besser: Sein Bruder Gabriel, der für Interpol nach Künstdieben sucht .....

Simone Hausladen hat mit "Minestrone um Mitternacht" einen durch und durch kulinarischen Krimi erschaffen , bei dessen Lektüre den Leser*Innen das Wasser im Munde zusammenläuft, wenn Clara in der Küche ihre ambitionierten Gerichte erschafft. Jedes Kapitel ist mit dem Namen eines (italienischen) Gerichts überschrieben, und hierfür finden sich alle Rezepte im Anhang des Buches. Passend dazu ist das Titelbild wunderschön gestaltet und fällt sofort ins Auge.

Die Autorin schreibt flüssig, erzählend und leicht und der recht kurze Krimi mit 207 Seiten ist schnell gelesen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den psychosozialen Verstrickungen der Figuren und Claras Kochkunst, weniger auf Kriminalfällen, die Spannungskurve bleiebt flach.

Die Figuren, auch neben Clara und Viktor, erscheinen mir allerdings ein wenig künstlich und sehr klischeehaft, und lange haderte ich mit den Handlungen der oft naiv bis planlos und unvernünftig wirkenden Hauptperson. Erst auf den zweiten Blick erschließen sich die emotionalen Sehnsüchte und die darauf folgenden, für Außenstehende schwer nachvollziehbaren, Handlungen. Hier gefällt mir auch, wie Simone Hausladen den (uns allen grundsätzlich bekannten?) Mr. Dreamy schonungslos entlarvt und am Ende eher als AlbtraumMann dastehen lässt. Und ist es nicht begreiflich, dass jemand einmal dem langweiligen und sich gehen lassenden Lebenspartner, dem ständig abwesenden, sich selbstüberschätzenden Chef oder den nervigen, um sich selbst kreisenden Freunden die Meinung sagen möchte?

Insgesamt hat mich der Kulinarische Krimi gut unterhalten und es machte Spaß, etwas neben dem Mainstream zu lesen.

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Veröffentlicht am 05.03.2023

Komplexe Themenvielfald

Der Kelch der Wiederkehr
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Als ein vermeintlich Selbstmord begangen habende Rettungssanitäter in seinem Malteser-RTW aufgefunden wird, deutet doch bald alles auf Mord mit einem Drogen-Hintergrund hin. Der Privatermittler Jupp Koslowski ...

Als ein vermeintlich Selbstmord begangen habende Rettungssanitäter in seinem Malteser-RTW aufgefunden wird, deutet doch bald alles auf Mord mit einem Drogen-Hintergrund hin. Der Privatermittler Jupp Koslowski beginnt aus Neugier nachzufragen, doch je mehr HInweise er findet, desto unerklärlicher wird alles. Libanesische Clanangehörige verfolgen Jupp, der russische Geheimdienst ist involviert, neben der örtlichen Polizei schaltet sich das LKA ein, im 'Vereins zur Erforschung des Erbes der Katharer' finden sich militantte Nazis, ein Professor für Humangenetik will Jupp kalt stellen und ein Student verschweigt Forschungsergebnisse über die Templer. Und ein historisches Trinkgefäss spielt eine geheimnisvolle Rolle.....

Mit "Der Kelch der Wiederkehr" legt der Autor Matthias Bieling seinen ersten Krimi um den Dortmunder Privatdetektiv Josef „Jupp“ Koslowski vor. Und während der Krimi ausnahmslos aus der Ich-Perspektive des Ermittlers geschrieben ist und der Leser teilhat an den Überlegungen und Gedankenspielen von Kosloswki, ist nur kaum etwas über die Figur selbst, ihre Vergangenheit, auf die des öfteren anspielt wird und ihr Umfeld zu erfahren. So hatte ich teilweise das Gefühl, mitten in eine Serie eingestiegen zu sein, deren Vorgänger-Bände ich nicht kenne. Vielleicht wächst mir Jupp im weiteren Verlauf noch mehr ans Herz; der zweite Krimi mit Jupp Koslowski „Das Kapital der Gesellschaft“ erscheint ja bereits im Frühjahr 2023.

Als Setting hat der Autor den Ruhrpott gewählt; und wenn auch immer einmal wieder Regionales zu erkennen ist, lässt sich die Koslowski-Reihe sicher nicht in das Genre der "Regionalkrimis" einreihen; dazu ist der Fall viel zu komplex und anspruchsvoll. Allerdings ist der Schreibstil locker-leicht und über die lakonischen Bemerkungen Koslowskis und einige beschriebene Details - wie eine allenlange Visitenkarte, Besucherstühle, die an Folterinstrumente erinnern usw - musste ich herzhaft lachen.

Eine Vielzahl an (teilweise ähnlichen) Namen und Organisationen mit den unterschiedlichsten Themen, mannigfaltigen Interessen und Zielen und eine - lange Zeit scheinbar willkürliche - Aneinanderreihung von Sujets erfordern die höchste Aufmerksamkeit des Lesers. Jede einzelne Information, die der Autor gibt, so zusammenhanglos sie anfangs auch erscheint, ist ein Hinweis zur Lösung des Falles, bei dem das Miträtseln Spaß macht und schließlich zu einer einigermaßen überraschenden, schlüssigen Aufklärung führt.

Während Matthias Bieling seinen Protagonisten durch die Geschichte treiben lässt, der eher zufällig auf die Hinweise trifft und diese in seinen Überlegungen bewertet, darf man sich beim Lesen nicht davon einlullen lassen und muss hochkonzentriert am Ball bleiben. Das Buch ist sicher nichts für eine "Nebenbei-Lektüre". Dafür wird der Leser belohnt mit gut recherchierten Informationen aus verschiedenen Wissensgebieten, die anregen, hier weiter nachzuforschen; wie beispielsweise dem Malteserorden, der Genforschung, der Templer, dem sagenumwobenen heiligen Gral und weiteren.

Empfehlen kann ich das Buch allen Lesern, die Spaß an einer komplexen Geschichte haben und sich konzentriert auf Spurensuche begeben möchten und vergebe vier Sterne. Wer sich einfach nur berieseln lassen möchte, ist allerdings nicht gut mit einem Kauf beraten.

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