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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2023

Die Spionin, die in die Kälte ging

Wie Sterben geht
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Andreas Pflügers Stil ist gewöhnungsbedürftig – rasant, fast schon abgehackt, mit schnellen Szenenwechseln wie im Actionfilm. Vieles wird nur angedeutet, die Dialoge sind äußerst knapp gehalten, sodass ...

Andreas Pflügers Stil ist gewöhnungsbedürftig – rasant, fast schon abgehackt, mit schnellen Szenenwechseln wie im Actionfilm. Vieles wird nur angedeutet, die Dialoge sind äußerst knapp gehalten, sodass die Lektüre kein erholsamer Spaziergang ist, was das Thema an sich schon verbietet.
Nina Winter arbeitet zu Beginn der 80er Jahre beim BND und wertet Spionage-Informationen aus. Doch dann wird sie vom Schreibtisch weggeholt. Pilger, ein mysteriöser Agent des BND in Moskau, fordert explizit sie als seine neue Führungsoffizierin an. Obwohl Nina für diesen Posten eigentlich gar nicht ausgebildet ist, sieht sie, dass dies die Chance ihres Lebens ist. Dank ihrer sehr guten Russisch-Kenntnisse gibt es für sie keine sprachlichen Hürden, zudem reizt sie offensichtlich das Abenteuer. Auch hält sie nichts in München, da sie mit ihren Eltern nur wenig Kontakt hat.
In Moskau trifft sie Rem Kukura, den Pilger, von dem sie alle Raffinessen der Spionage erlernt. Doch so wie Kukura seit Jahren eine Doppelexistenz führt, muss auch Nina Winter eine andere werden, um in dem gefährlichen Netz des KGB, der Stasi und auch BND-Leuten, die für alle möglichen Seiten arbeiten, nicht unterzugehen.
Ich gestehe, dass ich das Buch gleich zweimal hintereinander gelesen habe, da mir beim ersten Lesen nicht alle Zusammenhänge und Verbindungen zwischen den Personen klar wurden. Zwar weiß man dann beim zweiten Durchgang, wie es ausgeht. Dennoch war es immer noch spannend und zudem erschlossen sich einige Aspekte erst dann so richtig. Nina Winter ist jedoch eine schwierige Protagonistin. Ihre Emotionen werden oft nur angerissen, ihr Kampfgeist, ihr Mut und ihre Selbstdisziplin dagegen sind extrem ausgeprägt, sodass man kaum mit ihr mitfühlen kann, sondern sie eher als Super-Heldin wahrnimmt. Hier hätte mir eine ,,menschlichere“ Version besser gefallen.

Veröffentlicht am 25.10.2023

Deutsch-dänische Kooperation

Taubenschlag
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Die dänische Ermittlerin Lykke Teit wird nach Flensburg geholt, um das Team ihres deutschen Kollegen Rudi Lehmann bei einem rätselhaften Fall zu unterstützen. Da die beiden schon in ihrem ersten Fall ...


Die dänische Ermittlerin Lykke Teit wird nach Flensburg geholt, um das Team ihres deutschen Kollegen Rudi Lehmann bei einem rätselhaften Fall zu unterstützen. Da die beiden schon in ihrem ersten Fall ,,Gezeitenmord“ sehr gut zusammengearbeitet haben und sich freundschaftlich verbunden sind, ist für beide die Freude groß, dass sie wieder zusammen ermitteln dürfen.
Während in Berlin in einem alten Bunker die Leichen einer Familie gefunden wird, die offenbar auf der Flucht war, werden zur gleichen Zeit in Norddeutschland alte Menschen brutal ermordet. An einen Stuhl gefesselt, mit einer blutenden toten Taube auf dem Schoß, werden sie aufgefunden. Offenbar wurden die Opfer vor ihrem Tod gefoltert. Bald verdichten sich die Hinweise, dass die Toten mit der Stasi zu tun hatten. Geht es dem Mörder um Rache? Doch weshalb erst jetzt, nach so vielen Jahren? Für Rudi Lehmann wird der Fall plötzlich persönlich, da er mit seiner familiären Vergangenheit konfrontiert wird.
Der Fall ist spannend und schlüssig. Angenehm ist auch, dass es zwischen Rudi und Lykke keine Konkurrenz oder konfliktreiche Spannungen gibt, sondern die beiden sich sehr gut ergänzen und harmonisch zusammenarbeiten. Allerdings fehlt dadurch auch etwas Reibungsfläche und Witz bei den Dialogen. Dennoch kann ,,Taubenschlag“ gut unterhalten und da schaut man auch über die etwas dünne Begründung für die länderübergreifende Zusammenarbeit gerne hinweg.

Veröffentlicht am 14.08.2023

Kampf gegen das Böse

Skorpion
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Kurz nachdem er brisante Dokumente an die Polizei übergeben hat, wird in Palermo ein Priester erschossen. Zeitgleich stellen in Antwerpen Ermittler drei Tonnen Kokain, versteckt in Bananenkisten, sicher. ...


Kurz nachdem er brisante Dokumente an die Polizei übergeben hat, wird in Palermo ein Priester erschossen. Zeitgleich stellen in Antwerpen Ermittler drei Tonnen Kokain, versteckt in Bananenkisten, sicher. In Zürich begeht ein Pilot einer Privatfluglinie Selbstmord. Zunächst erscheinen die drei Vorfälle im Sommer 2002 ohne Zusammenhang.
Doch dann verdichten sich bei der Schweizer Bundeskriminalpolizei die Hinweise, dass alle mit dem Ex-Banker Baumann zu tun haben, der in Diensten südamerikanischer Drogenbarone steht. Der Schweizer Bundesermittler und Mafiaexperte David Keller wird mit dem Fall betraut. Schnell wird David Keller klar, dass er es mit einer globalen Verschwörung zu tun hat und er nicht nur gegen ,,die Bösen“ kämpfen muss, sondern auch gegen diejenigen, die er bisher für ,,die Guten“ hielt.
David Keller ist eine sympathische und authentische Ermittlerfigur, der man den Kampf gegen das Böse und für die Gerechtigkeit unbedingt abnimmt.
Man merkt, dass sich der Stoff an der Wirklichkeit orientiert. Immer wieder stößt man auf, leider, allzu bekannte Namen, wie z.B. Silvio Berlusconi. Manche Passagen wirken fast dokumentarisch. Insofern ist die Handlung realistisch, allerdings auch ziemlich komplex und für einen Krimi zu überladen, da sehr viele Schauplätze und zahllose Figuren in die kriminellen Machenschaften involviert sind. Dies geht, meiner Ansicht nach, etwas auf Kosten der Spannung.

Veröffentlicht am 13.08.2023

Spannende Urlaubslektüre

Nordwestschuld
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Als in St. Peter-Ording die 55-jährige Buchhändlerin Karla Hensel vermisst gemeldet wird, ergeben die Befragungen ihres Umfeldes, dass sie wohl vor Kurzem über Facebook einen sehr interessanten Mann kennengelernt ...


Als in St. Peter-Ording die 55-jährige Buchhändlerin Karla Hensel vermisst gemeldet wird, ergeben die Befragungen ihres Umfeldes, dass sie wohl vor Kurzem über Facebook einen sehr interessanten Mann kennengelernt habe. Karla Hensels Mitarbeiterin berichtet zudem von Geldüberweisungen an diesen Mann, den Karla Hensel allerdings noch nie gesehen hat, dem sie nun aber mit ihren Geldüberweisungen aus diversen Problemen helfen sollte. Die Soko St. Peter-Ording übernimmt den Fall und schon bald weist so einiges darauf hin, dass Karla Hensel Opfer eines Love-Scammers wurde, der ihr mit einem gefälschten Profil und unter Vorspiegelung falscher Zuneigung das Geld aus der Tasche zieht. Doch das erklärt noch nicht Karla Hensels Verschwinden.
Dann werden Skelettteile am Strand gefunden, die Elke Färber zugeordnet werden können. Die sehr wohlhabende Frau war unter ähnlichen Umständen vor zwei Jahren spurlos verschwunden. Auch sie hatte offenbar kurz davor eine interessante Männerbekanntschaft übers Internet gemacht.
Bei den Ermittlungen verdichten sich die Hinweise auf die nigerianische Mafia, die Love-Scamming als einträgliche Betrugsmasche nutzen. Warum sollten die Betrüger aber ihre Geldquelle verschwinden lassen oder sogar töten?
Doch es gibt auch andere Verdächtige im privaten Umfeld der Opfer, die von deren Tod profitieren könnten. Kommissarin Anna Wagner und ihr Kollege Hendrik Norberg haben also alle Hände voll zu tun. Ihr Privatleben wird immer wieder thematisiert, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund.
Eine unterhaltsame und spannende Urlaubslektüre.

Veröffentlicht am 15.07.2023

Überraschend

Die Lago Maggiore-Morde
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In einer Physiotherapiepraxis in Locarno am Lago Maggiore wird ein Patient erwürgt auf der Behandlungsliege aufgefunden. Der Tote, Jacques Leutenegger, war ein Wichtigtuer und Tyrann und wurde nur ,,der ...

In einer Physiotherapiepraxis in Locarno am Lago Maggiore wird ein Patient erwürgt auf der Behandlungsliege aufgefunden. Der Tote, Jacques Leutenegger, war ein Wichtigtuer und Tyrann und wurde nur ,,der Großkotz“ genannt. Nicht nur die Mitarbeiter, auch die anderen Kunden der Praxis und des angeschlossenen Sportstudios hassten ihn. Dementsprechend lang ist nun die Liste der Verdächtigen, die Commissaria Roberta Casanova und ihre Kollegen abarbeiten müssen. Besonders verdächtig ist zunächst der Physiotherapeut Davide Lombardi, bei dem ,,der Großkotz“ seinen letzten Termin hatte. Doch auch Leuteneggers direkte Nachbarn hatten so einige Gründe, ihn aus der Welt zu wünschen.
Immer wieder werden Passagen des anonymen Täters eingeblendet, de sich sicher zu sein scheint, dass seine Tat nie aufgeklärt werden wird, da dies nur möglich ist, wenn eine Beziehung zwischen Täter und Opfer erkennbar ist. Und doch reizt den Täter das Spiel mit der Polizei und er/sie beginnt, Verwirrung zu stiften.
Interessant und unterhaltsam mit einem überraschenden Ende.