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Veröffentlicht am 21.07.2023

Ohlsson begeistert wieder

Das Feuer im Bootshaus
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Bereits mit dem Auftakt ihrer neuen Krimireihe hatte sich Kristina Ohlsson bei mir im vergangenen Jahr 5 Sterne verdient. Nachdem mich die Autorin zwischenzeitlich verloren hatte, konnte sie mich mit ihrer ...

Bereits mit dem Auftakt ihrer neuen Krimireihe hatte sich Kristina Ohlsson bei mir im vergangenen Jahr 5 Sterne verdient. Nachdem mich die Autorin zwischenzeitlich verloren hatte, konnte sie mich mit ihrer Rückkehr zum klassischen Krimi wieder einfangen. Band 1 hatte mich bereits gut unterhalten. Die Fortsetzung hat mir sogar noch einen Tick besser gefallen. Mit den Protagonisten gab es gleich ein vertrautes Wiedersehen. Der Plot, sein Aufbau und die Ausarbeitung haben mich überzeugt. Und auch Ohlssons Schreibstil hat bei mir wieder gezündet.
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August Strindberg ist zurück. Der Gebrauchtwarenhändler stolpert unmittelbar in einen neuen Fall hinein. Es brennt in einer kalten Januarnacht in Hovenäset. Das Feuer zerstört Augusts sowie ein weiteres Bootshaus. Und plötzlich taucht eine Leiche auf…
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Kristina Ohlsson bestätigt meinen positiven Eindruck aus dem Reihenauftakt. Sie hat für meinen Geschmack tatsächlich zu ihrer alten Krimi-Stärke zurückgefunden. Schon mit den ersten Wort war ich wieder im schwedischen Küstenort und bei seinen Bewohnern angekommen. Atmosphärisch lief es direkt rund. Und auch zwischenmenschlich waren mir August Strindberg und Kommissarin Maria Martinsson gleich wieder vertraut. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Privatleben der Protagonisten. Aber auch anderen Figuren haucht Ohlsson so viel Leben ein, dass sie für mich Gestalt angenommen haben. Ich konnte mich herrlich in die Geschichte und die Charaktere einfühlen. Dabei ist der Krimi insgesamt ruhig aufgebaut, gewinnt aber zunehmend an Intensität. Infos bezieht man als Leser*in aus zwei Quellen. Zum einen findet August Strindberg privat einiges heraus. Zum anderen ermittelt natürlich die Polizei. Die jeweiligen Erkenntnisse laufen immer mehr zusammen, bis alles einen Sinn ergibt. Ohlsson setzt aber auch auf Nebenschauplätze, die der Handlung zusätzlich noch eine gewisse Würze verleihen. Das Zusammenspiel war für mich auf allen Ebenen perfekt. Da brauchte es noch nicht mal einen großen Knalleffekt, um mich zu begeistern. Es hat vollkommen ausgereicht, dass ich von Anfang bis Ende einfach richtig drin war in der Geschichte.
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Fazit: Der 2. Strindberg-Fall hat mir großes Krimi-Lesevergnügen beschert. Bei dem ruhigen Krimi mit Tiefgang und intensiv ausgearbeiteten Charakteren bin ich voll und ganz auf meine Kosten gekommen. Ohlsson hat super auf dem Fundament des ersten Bandes aufgebaut. Damit hat sie ihre neue Reihe bei mir bereits etabliert. Wenn es den nächsten Fall in Hovenäset zu lösen gibt, bin ich definitiv wieder zur Stelle.



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Veröffentlicht am 17.07.2023

Drei Zitronenbonbons für Lolly

Dreimal du und ich
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Glaubt ihr an Schicksal? Selbiges hat eindeutig dieses Buch und mich zueinander geführt. Der Klappentext hatte mich schon sehr neugierig auf die Geschichte gemacht. Als ich das Buch dann bekommen habe, ...

Glaubt ihr an Schicksal? Selbiges hat eindeutig dieses Buch und mich zueinander geführt. Der Klappentext hatte mich schon sehr neugierig auf die Geschichte gemacht. Als ich das Buch dann bekommen habe, war ich sofort in die wunderschöne Gestaltung verliebt. Jetzt musste nur noch der Inhalt stimmen. Und was soll ich sagen? Auch der hat gepasst. Die Geschichte hat mich verzaubert.

Darum geht’s: Lolly hadert mit dem Leben. Ein alter Zettel führt ihr allzu deutlich vor Augen, dass sie nicht einen ihrer Jugendträume verwirklicht hat. Ständig fragt sie sich: Was wäre, wenn…? Wenn sie z.B.ins Ausland gegangen wäre, ihr eigenes Lokal eröffnet oder ihre große Liebe nicht aufgegeben hätte? Plötzlich hat sie die Chance, das herauszufinden…

Lolly ist eine lebensnahe und sympathische Protagonistin. Eine Identifikationsfigur. Sie lebt ein normales und alltägliches Leben, inklusive Selbstzweifeln und Schicksalsschlägen, wie sie so oder so ähnlich wohl jeder kennt. Lolly grübelt über existenzielle Fragen. Was wäre, wenn dieses oder jenes anders gelaufen wäre? Von ihrer Tante bekommt Lolly drei Zitronenbonbons, mit denen sie in alternative Versionen ihres Lebens schlüpfen kann. Das erinnert an "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und verleiht der Story etwas Magisches und Märchenhaftes. Die Handlung umweht ein Hauch von Mystik und Traum. Allerdings werden diese Effekte so wohldosiert eingesetzt, dass die Handlung nie "unwirklich" erscheint. Einziges Manko idt für mich der Epilog, den ich in seiner abschließenden "Perfektion" nicht gebraucht hätte, um mit der Story glücklich zu sein.

Fazit: Ein romantisches Buch über das Leben, Chancen, Entscheidungen, Schicksal und Liebe. Die Geschichte hat etwas Beruhigendes und Tröstliches. Ich liebe diese "Alles wird gut"-Atmosphäre und konnte mich hier einfach fallen lassen und genießen.



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Veröffentlicht am 22.06.2023

Schwedisches Thriller-Debüt nach meinem Geschmack

Apfelmädchen
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Die Skandinavier haben es einfach drauf. So viele Krimis und Thriller ich schon gelesen habe - aus dem Norden gibt es immer wieder neue und interessante Autoren zu entdecken. In diesem Fall Tina N. Martin, ...

Die Skandinavier haben es einfach drauf. So viele Krimis und Thriller ich schon gelesen habe - aus dem Norden gibt es immer wieder neue und interessante Autoren zu entdecken. In diesem Fall Tina N. Martin, die mit "Apfelmädchen" ein, wie ich finde, sehr gelungenes Debüt hinlegt.
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Darum geht’s: Eine Lehrerin wird grausam ermordet. Das Verbrechen ruft Ermittlerin Idun Lind auf den Plan. Zusammen mit ihrem Partner Calle Brandt kommt sie schockierenden Hintergründen auf die Spur - und bringt sich dabei selbst in Lebensgefahr.
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Der Thriller ist Ermittler-zentriert, packend geschrieben und als Leser*in hat man die reelle Chance mit zu ermitteln. Dass ich dem Täter tatsächlich mal auf die Spur gekommen bin, hat der Sache keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte das 500 Seiten starke Werk recht schnell beendet. Tina N. Martin schreibt zwar überwiegend ruhig und unaufgeregt, trotzdem ist es ihr gelungen, mich tief in die Story hineinzuziehen. Als Stilmittel verwendet die Autorin den beliebten Switch zwischen Gegenwart und Vergangenheit, den ich ja ohnehin mag. Auch hier war der Zeitwechsel samt Annäherung unterschiedlicher Handlungsstränge ein Spannungsgarant. Insgesamt ist das Buch wieder mal ein Beweis dafür, dass ein Thriller nicht reißerisch sein muss, um zu fesseln.
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Fazit: Tina N. Martin ist eine starke neue Stimme aus Schweden. Vergleichbar mit Camilla Läckberg würde ich sagen. Wer deren Fjällbacka-Reihe mag, sollte sich den Reihenauftakt um Idun Lind auf jeden Fall mal näher anschauen. Ich habe den zweiten Band "Gewittermann" jedenfalls direkt auf meine WuLi gepackt.

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Veröffentlicht am 12.06.2023

Herrlich unterhaltsamer Roadtrip

Morgen mach ich bessere Fehler
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Sommer, Sonne, Hitze… Dazu empfehle ich lesetechnisch das neue Buch von Petra Hülsmann. "Morgen mach ich bessere Fehler" ist ein spritziger und humorvoller Roman, der einfach gute Laune macht.
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Die Protagonisten ...

Sommer, Sonne, Hitze… Dazu empfehle ich lesetechnisch das neue Buch von Petra Hülsmann. "Morgen mach ich bessere Fehler" ist ein spritziger und humorvoller Roman, der einfach gute Laune macht.
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Die Protagonisten sind Umweltaktivistin Elli, ihre Tochter Paula, Nörgel-Onkel Heinz und Schnösel-Anwalt Cano. Dieses zusammengewürfelte Quartett macht sich wider Willen gemeinsam auf einen Roadtrip von Nord- nach Süddeutschland.
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Die Reise ist herrlich. Nicht überraschend. Aber mega unterhaltsam. Die Charaktere kann man nur mögen. Klar, sie sind den Erwartungen entsprechend gezeichnet. Aber das muss genau so und nicht anders sein. Elli ist die verpeilte Sympathieträgerin. Paula ist ein zuckersüßer Fratz. Und bei den beiden Herren der Schöpfung peilt man natürlich sofort, dass sie auch nicht so verkehrt sind.
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Auf ihrer Tour geraten die Vier in witzige aber auch brisante Situationen. Das Schöne daran ist, dass sie im entscheidenden Moment füreinander einstehen. Und so wird aus der Zweckgemeinschaft schließlich doch noch eine Reisegesellschaft, die sich letztendlich ungern wieder trennen will.
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Love-Interest. Humor. Aber auch die ein oder andere tiefergehende Message. Petra Hülsmann findet den richtigen Mix, trifft den richtigen Ton und sorgt einfach für Good Vibes. Nach ihrer längeren Schreibpause knüpft die Autorin nahtlos an, wo sie aufgehört hat. Herausgekommen ist ein weiterer Hülsmann-typischer Wohlfühlroman.
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Fazit: Wenn eine Chaos-Queen auf einen Paragrafenreiter trifft, sind Vorurteile und Missverständnisse vorprogrammiert. Aber mit der Kraft der Menschlichkeit kommt alles ins Lot. "Morgen mach ich bessere Fehler" passt gerade zum Lebensgefühl. Dieses Hülsmann-Comeback solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

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Veröffentlicht am 08.06.2023

Drama in fünf Akten

If We Were Villains. Wenn aus Freunden Feinde werden
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Ich bin Shakespeare-Fan. Ob in der Schule oder an der Uni … Die Dramen, Tragödien, Komödien und Sonette von William Shakespeare waren für mich nie Pflichtlektüre, sondern immer schon große Liebe. Der Debütroman ...

Ich bin Shakespeare-Fan. Ob in der Schule oder an der Uni … Die Dramen, Tragödien, Komödien und Sonette von William Shakespeare waren für mich nie Pflichtlektüre, sondern immer schon große Liebe. Der Debütroman von M. L. Rio schlägt in diese Kerbe. Er ist eine Hommage an Shakespeare und sein Werk. Für mich ein Highlight!
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Es geht um sieben Shakespeare-besessene Schauspiel-Studenten am Dellecher-College. Wo sie gehen und stehen, wird der Meister zitiert. Ihre Rollen, die sie in aufwendigen Inszenierungen spielen, leben sie auch abseits der Bühne weiter. Eines Tages treibt einer der Freunde tot im See …
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Was für eine großartige Inszenierung. Der Roman ist dramentypisch eingeteilt in Akte und Szenen. Exposition, ansteigende Handlung, Höhepunkt, fallende Handlung und Auflösung. Grandios und virtuos, sprach- und bildgewaltig entfaltet sich die Story. Von gespannter Erwartung, als sich der Vorhang hebt über viel Szenenapplaus strebt der Plot stehenden Ovationen am Ende entgegen. Der Text ist gespickt mit Shakespeare-Zitaten und Anspielungen. Teilweise gibt es Dialoge in Skript-Form. Die Protagonisten verkörpern Mitläufer, Verführerin, Held und Tyrann. Zehn Jahre nach den schicksalhaften Ereignissen am College offenbart sich die Wahrheit. Das alles im typischen Gewand der Shakespeare-Klassiker. Dabei wird deutlich, dass es sich hier nicht um olle Kamellen handelt. Von wegen verstaubt und überholt. M. L. Rio inszeniert Shakespeare aktuell, modern und spritz und transportiert ihn damit souverän in die Gegenwart. Ich lieb’s!
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Fazit: Applaus, Applaus, Applaus! Und natürlich: Zugabe, Zugabe! „If we were villains“ hat mich als Shakespeare-Fan abgeholt und begeistert. Ich hoffe, dass M. L. Rio in diesem Stil nachlegt. Ich kann das Buch nur wärmstens und von Herzen weiterempfehlen.

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