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Veröffentlicht am 21.08.2023

Point Break

One Second to Love (Breaking Waves 1)
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Noch vor zehn Jahren waren Avery, Isabel, Odina, Lee und Josie unzertrennlich. Zwar trafen sie sich immer nur einmal im Jahr im Surfcamp auf Harbour Bridge, aber sie waren so gut befreundet, wie es nur ...

Noch vor zehn Jahren waren Avery, Isabel, Odina, Lee und Josie unzertrennlich. Zwar trafen sie sich immer nur einmal im Jahr im Surfcamp auf Harbour Bridge, aber sie waren so gut befreundet, wie es nur gehen kann. Doch seitdem hat Avery sie nicht mehr gesehen. Sie ist ein gefeierter Rockstar und braucht nach der letzten Tour eine Pause, die sie am Ort ihrer Kindheit und Jugend einlegen möchte. Da erhält sie eine seltsame Nachricht, in der es um Josie geht: Josie, die schon damals ein Kinderstar war und spurlos verschwand. Josie, mit der sich Avery am letzten Abend, als sie gesehen wurde, gestritten hat, wegen Jake, der nicht nur ihr Bandkollege, sondern in ihrem Herzen schon so lange viel mehr ist. Avery will wissen, was mit Josy passiert ist - und mit Jake, der ausgerechnet jetzt um sie kämpfen will.

Zuerst das Positive: Ich habe diese Gegend mit dem Meer, das Surfen, die Insel-Vibes wirklich gefühlt. Und ich mochte die Idee mit den Freundinnen, die sich alle was verschweigen, und natürlich wollte ich wissen, was mit Josy passiert ist. Es ist auch nicht so, dass die Autorin nicht schreiben kann - denn das kann sie. Leider nur hat sie ein schlechtes Korrektorat und Lektorat gehabt.

Es gab so viel Längen und Wiederholungen derselben Gedanken oder Gefühle, dass es einfach nur anstrengend wurde. Und es hat mich extrem geärgert, dass ausgerechnet die eine wichtige Sache - nämlich die Nachricht, die in Bezug auf Josy alles ins Rollen gebracht hat - falsch geschrieben war. Und das alle beiden Male, die sie vorkam. Dadurch ergab das beabsichtigte Wortspiel natürlich keinen Sinn. Anstatt also vielleicht viel Geld in einen völlig sinnlosen Farbschnitt und ein überflüssiges Bildchen, Verzeihung, das heißt natürlich ganz edel "Page Overlay" zu investieren, hätte man vielleicht denjenigen mehr zahlen sollen, die aus einem Manuskript ein Buch machen sollen. Dann wäre vielleicht aufgefallen, dass man Fragen/Antworten/Dialoge nicht "lachen" kann und manche seltsamen Formulierungen wären rausgefallen.

Aber am schlimmsten fand ich, was hier als männlicher Counterpart präsentiert wurde. Ich habe Jake von Minute eins an gehasst. Er ist ein egoistischer, unsensibler Typ von Mann, den ich an Averys Stelle keine zehn Minuten lang ausgehalten hätte. Wahrscheinlich sollen sein Saufen, seine Frauengeschichten auf das Rockstarleben verweisen, aber gesund ist die Beziehung so einem Typen nicht. Und dieser Typ hier war dazu übergriffig und manipulierend. Er zwingt Avery gegen ihren Willen gleich zu Beginn des Buches auf eine Party, auf die sie nicht gehen will, indem er droht, ihren Eltern von ihrem ONS zu erzählen. (Mal davon abgesehen, was das für eine Drohung sein soll, Avery ist erwachsen und ER ist der Ar..., der eine Ehefrau zuhause sitzen hat.)

Er nistet sich ohne zu fragen auf ihrem Grundstück ein, benutzt ihren Strom, taucht trotz der Tatsache, dass sie mehrmals gesagt hat, sie möchte Abstand von ihm, bei ihr auf. Er wirft ihr vor, dass sie ihm nie zuhört, was eine blanke Lüge ist. Es gab nichts zum Zuhören bei ihm, er hat nie etwas von Belang gesagt. Und wenn, dann ging es immer nur um das, was Jake will: Er will sie. Oder auch nicht. Oder doch. Aber eigentlich nicht. Dass Avery diesem Typen nie dahin getreten hat, wo es richtig wehtut, kann man natürlich nur ihr vorwerfen. Ebenso die Tatsache, dass sie die Hälfte ihres Lebens in diesen Egotripper verknallt ist. Ich hatte so gehofft, dass sie einen anderen findet, aber als jemand Interesse an ihr zeigt, muss der natürlich so mies charakterisiert werden, dass fast (aber nur fast!) Jake noch eine Alternative darstellt.

So gab es leider bei Avery so viele Heiß-kalt-Momente, dass es nur noch anstrengend war. Dabei hätte man sie als wirklich starke, unabhängige Frau zeigen können, es waren alle Anlagen vorhanden, manchmal schaffte sie es sogar, Jake zu kontern. Aber ihre ungesunde Abhängigkeit zu diesem Mann war abtörnend und hat mir den Spaß am Lesen verdorben.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Fiebertraum

Treacle Walker
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Erst hinterher habe ich gesehen, dass dieses Buch von Denis Scheck angepriesen wurde - hätte ich das vorher gesehen, hätte ich die Finger davon gelassen, denn Denis Scheck ist das menschliche Rezensentenäquivalent ...

Erst hinterher habe ich gesehen, dass dieses Buch von Denis Scheck angepriesen wurde - hätte ich das vorher gesehen, hätte ich die Finger davon gelassen, denn Denis Scheck ist das menschliche Rezensentenäquivalent zu diesem Werk. Mit anderen Worten: viel lauwarme Luft, wenig Substanz. Was wir hier haben, ist das Produkt eines wirren Traums, Ansätze eines Märchens mit dem Hauch von - ja, was eigentlich? Es gibt einen magischen Lumpensammler, der wie ein Vampir die Erlaubnis braucht, ein Haus zu betreten. Ein Haus, in dem ein Junge allein wohnt. Der Junge hat ein "schwachsichtiges" Auge, keine Gesellschaft außer Comics und Murmeln und Visionen oder auch nicht. Das Haus verändert sich manchmal wie bei Alice, es gibt einen weiteren alten Mann im Sumpf, einen oder Millionen Kuckucke und ein Ende, das keines ist.

Natürlich könnte man behaupten, es sei ein Meisterwerk und die Masse der Rezensenten - natürlich abgesehen von Scheck und Co. - sei einfach nicht in der Lage, die deepen unterschwelligen Töne zu verstehen. Ich schließe diese Möglichkeit auch nicht gänzlich aus, trotz der LSD-ähnlichen Begebenheiten und dem cringewürdigen Aufeinandertreffen eines alten, nackten Mannes mit einem kleinen Jungen, der sich gefangen fühlt. Und ich möchte auch nicht verhehlen, dass ich den Schreibstil des Autors auch nicht wirklich cringewürdig hielt, lediglich einige der beschriebenen Ereignisse. Dennoch bin ich auch eher Ockhams Meinung: Wenn etwas läuft wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Ente. Oder besser ausgedrückt: Wir haben hier den gedruckten Fiebertraum eines alten Mannes vorliegen, der aus irgendwelchen Gründen als einer der besten Fantasyautoren Englands gilt und keine renommierten KritikerInnen wagen es, den Finger auszustrecken, auf den nackten Kaiser zu zeigen und zu rufen: Aber er hat ja gar nichts an!

Veröffentlicht am 27.07.2023

Kane & Eden

Die Legende des Phönix, Band 1 - Dunkelaura
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Eden arbeitet in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche und lebt allein mit ihrem etwas verwirrten Künstlervater. Schon immer konnte sie bei Menschen einen besonderen "Schein" sehen - und bei manchen ...

Eden arbeitet in einem Zentrum für benachteiligte Jugendliche und lebt allein mit ihrem etwas verwirrten Künstlervater. Schon immer konnte sie bei Menschen einen besonderen "Schein" sehen - und bei manchen Menschen fiel ihr auf, dass der fehlte. Als sie eines Abends auf der Straße von zwei solchen "scheinlosen" Menschen überfallen wird, retten sie ein paar Jugendliche. Sie erzählen ihr, dass sie die Phönixkrieger sind, die die Menschheit vor diesen Dunklen beschützen. Sie, Eden, sei auch eine, denn sie könnte das Licht der Menschen sehen. Eden versucht, ihre besondere Phönixgabe zu finden, schon weil man ihr anbietet, dass ihrem verwirrten Vater geholfen wird. Außerdem ist da noch Kane, der Bad Boy vom Dienst, in den sie sich gnadenlos verliebt.

Die Legende des Phönix: Ehrlich gesagt hätte ich da gern etwas mehr Ausarbeitung erfahren außer "Na ja, da war halt mal ein Böser mit Zombies, dann kam ein Phönix vorbei, hat die Zombies nicht allein besiegen können und hat daher irgendwelchen Hergelaufenen besondere Kräfte verpasst". Mich würde auch interessieren, wer dieses Phönixquartier aufgebaut hat. Und vor allem, wie das finanziert wird. Oder warum die Jugendlichen dem Polizisten was vorspielen, wenn die Phönixkrieger doch eh mit Polizei und Geheimdiensten zusammenarbeiten. Unglaublich ermüdend war auch die Beziehung von Kane und Eden: Oh, er ist so mies - aber oh, er ist auch so heiß! Gibt es echt keine andere Möglichkeit für Jugendliche, sich zu verlieben? Kane, der große Held, weigert sich nach einem Trauma, seine Kräfte zu benutzen, nicht mal dann, wenn seine Freunde in größter Gefahr schweben. Aber sobald die Special Snowflake angegriffen wird: Doing! Kräfte eingesetzt! gähn Es gab noch so einiges, was typisch und klischeehaft war, aber bevor ich hier eine Doktorarbeit über diese geistig hohlen PhönixkriegerInnen schreibe, erwähne ich, was mir gefallen hat: Edens Moralvorstellungen. Das fand ich echt gut. Immerhin was.

Veröffentlicht am 21.07.2023

Eingeschneit

Das Sanatorium
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Elin Warners Leben besteht aus Problemen: mit ihrem Job als Detective Inspector, ihrer Vergangenheit, ihrer Familie. Dennoch reist sie zur Verlobung ihres Bruders in die Schweizer Berge, in ein erst kürzlich ...

Elin Warners Leben besteht aus Problemen: mit ihrem Job als Detective Inspector, ihrer Vergangenheit, ihrer Familie. Dennoch reist sie zur Verlobung ihres Bruders in die Schweizer Berge, in ein erst kürzlich eröffnetes Luxushotel. Früher war dieses Gebäude ein Sanatorium für Lungenkranke, heute ist es für die zahlende Kundschaft. Elins Ankunft steht unter keinem guten Stern: ein heftiger Schneesturm schneidet das Hotel von der Außenwelt ab. Dann verschwindet die Verlobte ihres Bruders. Und als eine Tote gefunden wird, ist Elin auf sich allein gestellt, denn die Schweizer Polizei hat nach einem Lawinenabgang keine Chance, zu ihnen durchzukommen.

Allein dieses Setting hätte doch ausreichen müssen, um einen spannenden Thriller zu schreiben, sollte man meinen. Was will man mehr? Bar jeder Hilfe, Wetterextreme, Serienkiller. Da kann man doch eigentlich nichts falsch machen, oder? Nun, es fällt schwer, zugegeben. Aber Sarah Pearse hat ihr Bestes gegeben, um diesen Thriller in den Sand ... Verzeihung: den Schnee zu setzen. Es fängt mit der unglaublich unsympathischen, nervigen, weinerlichen, anstrengenden und manchmal regelrecht dummen Elin Warner an, geht mit den seltsamen Reaktionen der Opfer weiter (Niemand denkt in kritischen Situationen "Denk nach! Denk nach!" - aber hier denken das einfach mal alle und verschwenden damit sinnlos Zeit - ihre und die der LeserInnen) und endet mit den völlig absurden Motiven sämtlicher Beteiligter, irgendwelche Dinge zu tun. Nein, im Ernst. Das war mal nix.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Basgiath

Fourth Wing – Flammengeküsst
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Violet Sorrengail ist die jüngste Tochter einer Generalin, klein, zierlich und leidet unter einer chronischen Krankheit, weshalb sie schwach und untrainiert ist. Dennoch wird sie von ihrer Mutter gezwungen, ...

Violet Sorrengail ist die jüngste Tochter einer Generalin, klein, zierlich und leidet unter einer chronischen Krankheit, weshalb sie schwach und untrainiert ist. Dennoch wird sie von ihrer Mutter gezwungen, am Auswahlverfahren zum Drachenreiter teilzunehmen, bei dem schon bei der ersten Prüfung viele Prüflinge sterben. Auch später noch ist die Verlustrate unter den zukünftigen Drachenreitern enorm hoch, denn nicht nur die Drachen sind tödlich, auch die anderen Anwärter bringen gern mal ihre Konkurrenten um. Doch am allerallerallergefährlichsten ist Xaden Riordan, der zwar Staffelführer ist, aber auch der Sohn eines hingerichteten Rebellen und der mit der Familie Sorrengail eine Rechnung offen hat. Violet versucht zu überleben, dabei wünscht sie sich so sehr den petite mort, seit sie Xaden das erste Mal gesehen hat ...

Mich hat die Leseprobe total angesprochen, denn schon da konnte man extrem mitfiebern, gerade der Lauf über den Viadukt war heftig, auch wenn da schon die ersten Fragen auftauchten. Und rein vom Schreibstil her hätte mich das Buch genauso hypen können, wie es anscheinend alle anderen hyped - nur dass ich irgendwann so viele unbeantwortete Fragen in Sachen Logik hatte, dass es mich einfach nur gestört hat. Es fängt schon mal damit an, dass man kein vernünftiges Worldbuilding erhält. Hier unser Königreich, da die anderen (die mit den Greifenfliegern statt Drachenreitern), seit 600 Jahren Krieg, so reicht. Okay? Mir reicht das nicht. Außerdem gab es mal eine Rebellion in diesem Königreich, die mal niedergeschlagen wurde und man richtete die Rebellen hin. Die Kinder der Rebellen wurden jedoch dazu gezwungen, Drachenreiter zu werden, weil ...? Ja, einige werden draufgehen und nichts mehr anzetteln. Aber die anderen? Die kriegen gleich mal eine mörderische Macht in die Hand, um sich zu rächen, wenn sie Bock haben? Wer bitte macht so was?

Weiter: Es herrscht seit vielen Jahren Krieg. Man braucht also jede Menge Soldaten, ob die jetzt auf Drachen sitzen oder zur Infanterie gehören. (Hier wird übrigens nie geschrieben, mit was die kämpfen: Die Drachenreiter besitzen Schwerter, Dolche, Magie und natürlich Drachenfeuer, aber wie weit sind die Infanteristen überhaupt? Haben die schon Musketen oder sonst was?) Trotz also der vielen Leute, die man für den Krieg braucht, werden hier am War College permanent die Besten der Besten niedergemetzelt: durch Drachen, durch Abstürze, durch andere Kadetten. Die Erklärung: Es gibt nicht genügend Drachen. Okay. Warum lässt man diejenigen, die nicht von Drachen gebunden werden, einfach zur Infanterie? Weniger Verluste, mehr Leute, die kämpfen können. Aber hey, warum sollten wir uns mit Logik aufhalten?

Violet ist eigentlich als Charakter sehr cool angelegt. Sie ist clever, weiß sich zu helfen, hat Mut und Moral. Eigentlich. Denn sobald sie Xaden erblickt, vergisst sie alles, außer "wie schöööööööööön" er ist. Sie sabbert, sobald er die Bühne betritt. Um ehrlich zu sein, von Xadens Eigenschaften habe ich nicht viel mitbekommen, weil Violet ihn nahezu aufs Äußere reduziert. Sie ist so geil auf ihn, dass er auch den Ententanz machen könnte und sie würde ihn immer noch bespringen wollen. Ich war auch mal 20 und bin mir sicher, dass ich im Falle von Lebensgefahr - egal wie heiß mein Gegenüber gewesen wäre - andere Probleme als meine Libido gehabt hätte. Aber so oder so: Nachdem beide endlich mal gemerkt haben, dass der/die andere das Nonplusultra der Weltgeschichte ist, wurde nur noch geschnulzt. Man hätte locker zweihundert Seiten kürzen können, ohne Informationsverlust zu erleiden.

Nachdem ich mich über 700 Seiten lang über mangelnde Logik, mega Rumgeschnulze und Violets Auserwähltenstatus (mit einem Drachen fängt sie gar nicht erst an) rumgeärgert habe und all diese wunderbaren Möglichkeiten, die hier liegengelassen wurden, ärgerte, verzichte ich wohl auf die weiteren Bände dieser Reihe.