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Veröffentlicht am 01.01.2024

Schneckenreich und wundervoll

Skyward Flight
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Wenn ihr bisher mit Schnecken (ja, ich rede von den langsam kriechenden Weichtieren) wenig am Hut hattet, wird sich das wohl ändern, sobald ihr die drei Kurzgeschichten aus dem Skyward-Universum gelesen ...

Wenn ihr bisher mit Schnecken (ja, ich rede von den langsam kriechenden Weichtieren) wenig am Hut hattet, wird sich das wohl ändern, sobald ihr die drei Kurzgeschichten aus dem Skyward-Universum gelesen habt. Ich möchte jedenfalls eine leise flötende, anschmiegsame Taynix zuhause haben, und das ab sofort.

Skyward Flight beinhaltet drei Kurzromane, die Brandon Sanderson und Janci Patterson geschrieben haben, und einige gestrichene Szenen aus dem ersten Band. Wir folgen in den drei Novellen nicht unserer kratzbürstigen Protagonistin Spin, die ihr persönliches Abenteuer im 3. Hauptband erlebt, sondern begleiten die zurückgebliebenen Staffelmitglieder. Na, wer hat Jorgen, FM, Rig und all die anderen nicht vermisst? Ich brannte förmlich darauf, mit ihnen in ihre Jäger zu steigen und mir actionreiche Schlachten mit der Superiority zu liefern.

In der ersten Kurzgeschichte folgen wir FM, die unverhofft zur Schneckenbeauftragten wird. Denn um zu Überleben ist eines klar. Die Crew muss die Schnecken und ihre besonderen Fähigkeiten besser verstehen lernen. Dabei geht einiges schief - ich musste so oft lachen, da die Mensch-Schnecken-Kommunikation anfangs oft in die falsche Richtung läuft. Herrlich! Und so verrückt es sich auch anhört, die Schnecken mit den übersinnlichen Fähigkeiten passen einfach nur so gut in das SciFi-Action-Universum, das Brandon erdacht hat. Für mich hat die erste Geschichte einen besonderen Platz in meinem Herzen.

In ReDawn folgen wir Alanik, suchen neue Verbündete und Jorgen baut seine cytonischen Fähigkeiten weiter aus. Alanik, diejenige, dessen Platz Spin im zweiten Band einnimmt, ist eine spannende Persönlichkeit - und wir erleben die Sichtweise einer anderen Spezies. In der Geschichte werden uns wilde Weltraumschlachten, gepaart mit ungewöhnlicher Schneckenpower geboten. Trotzdem hat sich mich nicht ganz so sehr abgeholt wie die erste.

In der letzten Geschichte - Evershore - spielt Jorgen die Hauptrolle und wir erhalten Einblick in sein Seelenleben - was emotional ziemlich spannend ist. Er will immer alles richtig machen - das zermürbt den jungen Staffelführer zusehends. Zudem ist der Umgang mit den Verlusten der jüngsten Zeit nicht leicht für ihn. Das gepaart mit der Suche nach neuen Verbündeten und mit blitzschnellen Weltraumschlachten, haben mich diese Geschichte verschlingen lassen.

Über alle drei Geschichten spannt sich ein gemeinsamer Handlungs- und Figurenentwicklungsbogen, dem ich gespannt gefolgt bin. Da wird an einigen Stellschrauben für das große Finale gedreht, die ich so nicht erwartet hatte. Ich fühle mich auf jeden Fall bestens gerüstet für das große Finale - und habe dementsprechend Angst.

Für alle, die die Skywardreihe lesen und lieben, ist auch die Kurzgeschichtensammlung ein Muss. Kurzweilig, actionreich und schneckensüß - es ist für jeden etwas dabei.

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Veröffentlicht am 12.11.2023

„Keiner lebt für sich allein.“

Murtagh - Eine dunkle Bedrohung
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„Seht, das Land Alagaesia, weit und grün. Voller Geheimnisse.“

So muss High-Fantasy für mich sein. So muss sie sich für mich anfühlen. Atemraubend, figurenbezogen, actionreich, düster und absolut magisch, ...

„Seht, das Land Alagaesia, weit und grün. Voller Geheimnisse.“

So muss High-Fantasy für mich sein. So muss sie sich für mich anfühlen. Atemraubend, figurenbezogen, actionreich, düster und absolut magisch, aber mit Magie von der klugen Sorte.

Ich habe meine Reise vor 20 Jahren mit Eragon, einem mutigen Jungen im Palancartal begonnen und sitze nun hier, ein Buch über Murtagh und seinen Drachen Dorn auf dem Schoß, um mir bewusst zu werden, dass ich gerade Paolinis bestes Buch beendet habe.

Ihr merkt, ich bin begeistert. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass Murtagh von Band eins mein Lieblingscharakter war, düster, mit einer Vergangenheit und irgendwo gebrochen. Die ersten vier Bände handelten jedoch von Eragon und erzählten die klassische Heldengeschichte. Ein Junge wird durch viele Erlebnisse und Schicksalsschläge und Kämpfe zum Helden. Mit Murtaghs Geschichte verhält es sich anders. Murtaghs Geschichte ist eine Geschichte, die nach dem Krieg um Alagaesia spielt, sie ist eine Geschichte um Ungerechtigkeit, widerstreitender Gefühle und multiplen Traumata, die auch ein Jahr nach den Ereignissen um den Sturz des tyrannischen Galbatorix noch in Murtagh gären. Murtagh und Dorn, sein Drache, ziehen durch das Reich, halten sich versteckt - und haben so ein starkes Band geknüpft, das ich oftmals schlucken musste. Das Band zwischen einem Reiter kann viele Spielarten haben. Zart, ruppig, streitbar, witzig, verschmust, ängstlich, zurückhaltend, vertrauensvoll. Paolini ist es gelungen, die Beziehung zwischen Dorn und Murtagh so zu schreiben, dass sie den Leser direkt ins Herz trifft. Sie ist die Basis dieses Buches. Die beiden Figuren unterstützen sich gegenseitig so sehr, wissen um ihre mentalen und körperlichen Wunden und suchen immer wieder Trost in der Nähe des anderen. Mein Herz hat es auf jeden Fall gebrochen und wieder zusammen gesetzt. Vor allen Dingen Dorns Witz in manchen Situationen war einfach nur grandios und hat selbst seinen grüblerischen Menschen ein Lachen entlockt. Die Beziehung zwischen ihnen beleuchtet wie ein strahlend heller Strang den Weg in die Dunkelheit, dem die beiden hoch in den Norden folgen. Murtagh ist kein heller Charakter, und darüber war ich unglaublich froh. Er strauchelt, hat seine Fehler und ist mit dem Schwert schnell bei der Hand, wenn es notwendig wird. Er hatte ein hartes Leben und das spiegelt sich in seinem Charakter wieder. Und doch ist ihnen beiden eines bewusst:

„Keiner lebt für sich allein. Wir sind alle verbunden.“

Drache und Reiter folgen zunächst einer wagen Spur, dünn, wie ein Angelfaden und müssen dabei viele Gefahren bestehen. Diese questartigen Aufgaben haben mich aber nie gestört, da ich den Mörtel sah, in dendie Fundamente für spätere Abschnitte oder Bücher (ja, er will noch mehr schreiben!) gelegt werden und sie zusätzlich für Action gesorgt haben. Wenn Murtagh mit Zarroc durch die Reihen der Feinde fährt, fiebert man automatisch mit.

Ich konnte mich zurücklehnen, in einen weichen Sessel, und mich einfach von Paolinis Art Dinge und Situationen zu beschreiben, davon tragen lassen. Sein Stil, den ich nun schon über viele Jahre kenne, hat sich zu einem großartigen Blockbusterformat weiterentwickelt, das mich einfach zwischen die Seiten hat schlüpfen lassen. Ich war bei Murtagh und Dorn, habe die kargen Flächen, hohen Berge und schmalen Täler von weit oben gesehen, während ich Murtaghs Grübeleien gelauscht habe.

Im Gegensatz zu den Eragonbüchern haben wir hier ein vielschichtigeres Buch vor uns, mit Figuren die sich erst (neu) finden, sich ihren Ängsten und Schwächen stellen müssen und entweder daran wachsen oder zugrunde gehen. Gerade diese Frage hat mich förmlich durch dieses Buch getrieben, atemlos, den Tränen nahe und mit aufgestellten Nackenhaaren.

Murtagh ist ein großes Highlight in diesem Jahr für mich und genau so, wie epische High-Fantasy für mich sein soll. Ich will ein Drachenreiter sein!

Sattelt euren Drachen. Das ist eine große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 05.10.2023

Wie eine perfekte Tasse Kaffee

Royal Blue
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Es gibt Geschichten, die sich für mich wie die perfekte Tasse Kaffee anfühlen, die ich in beiden Händen halte. Heiß, voller Aroma und Glückshormone, einfach nur süchtig machend. Ich will so schnell wie ...

Es gibt Geschichten, die sich für mich wie die perfekte Tasse Kaffee anfühlen, die ich in beiden Händen halte. Heiß, voller Aroma und Glückshormone, einfach nur süchtig machend. Ich will so schnell wie möglich das vollmundige Aroma wieder im Mund schmecken, das schwer beschreibbare Gefühl möglichst schnell wieder spüren, wenn man die letzte Seite umgeschlagen hat oder den Boden der Tasse einem traurig entgegen blickt.

So war für mich auch das Wiedersehen mit Alex und Henry in Royal Blue, dem charmanten Präsidentinnensohn, der seiner Mum sicher ein paar gut verborgene graue Haare beschert hat, und dem britischen Prinzen. Ich hatte das Buch vor Jahren schon einmal gelesen, und es wuchs von einem Roman, an den ich keinerlei Erwartungen hatte, damals zu einem Highlight heran. Spoiler Alert - es hat sich beim ReRead zu einem Herzensbuch gemausert, gespickt mit PostIt‘s und ganz viel Liebe, Lachern, Flüchen und Gackern.

Ihr wollt Eckdaten? Könnt ihr haben - ein Tortenfiassko auf der royalen Hochzeitsparty von Henrys Bruder führt zu einigen gefakten PR-Besuchen zwischen Alex und Henry, um die Öffentlichkeit von ihrer tiefen Freundschaft zu überzeugen. Perfekt geplant - doch aus der Freundschaft wird mehr - und irgendwann ist es ein Versteck- und Liebesspiel, das irgendwann auffliegen muss. Eigentlich hat das Buch alles um eine nette Lektüre für zwischendurch zu werden. Eigentlich.

Ihr wollt wissen was mich so weggebombt hat?

Punkt eins: Alex und Henry. Die aus Alex‘ Perspektive erzählte Geschichte fühlt sich einfach so echt an. Alex fühlt sich echt an. Ich will Henry pausenlos knuddeln. Ich konnte langsam hinter ihren ersten Schein blicken. Jeder hat düstere Eckken, auch die zwei. Und doch wirkte es kein einziges Mal melodramatisch oder schmachtend, die beiden haben keine schockierenden Enthüllungen im Gepäck. Die beiden waren so echt, dass man die Seiten anstechen hätte können und Blut herausgelaufen wäre.

Punkt zwei: die Freunde und Familie - oh mein Gott, ohne die zwischen den Seiten würde mir das Buch nur halb so viel Spaß machen! June und Nora und Ellen und all die anderen machen die Geschichte lebendig und bunt und versorgen die Liebenden mit Wein, Musik, einer Schulter und unglaublich viel Unterstützung. Ich liebe sie. Und ein dicker fetter Applaus geht an Zarah, die Stabscheffin des Weißen Haus für ihren unglaublichen trockenen Humor (ob sie manche Dinge wohl ernst meinte? Ich habe auf jeden Fall gelegen vor Lachen!). Ich kann gar keinen Liebling küren, weil alle so fantastisch sind.

Punkt drei: Die Geschichte, in der die Lovestory ihr kuschliges Zuhause gefunden hat. Ellen, Alex‘ Mutter stellt sich zur Wiederwahl um das Präsidentenamt, und ehe man es sich versieht, schwenkt man blaue Wimpel, flucht über die Steine, die den Demokraten in den Weg geworfen werden, und kämpft um jede Stimme in Texas. Ich stehe wahrlich nicht tief in der US-Amerikanischen Politik drin, aber die Autorin gibt einem das Gefühl, dass Alex weiß, was er tun kann für seine Mum. Und das imponiert mir.

Punkt vier: einige Szenen, einige Dialoge werden auf Ewig in meinem Herzen bleiben. Ihr wollt, dass ich euch sage, welche ich meine? Dann habt ihr Pech gehabt - ich lasse euch die Buchempfehlung und PostIts da - findet selbst eure liebsten Szenen, liebsten Dialoge und Momente in Royal Blue.

PS: Die Zusatzszene in der neuen Ausgabe ist einfach nur Zucker!

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Veröffentlicht am 17.09.2023

Ein Sittenporträt aus dem römischen Reich

Ich, Sperling
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„Ich bin ein Sperling. Eines Tages werde ich auch davon fliegen.“

Uns geschätzten Lesern wird schon auf den ersten paar Seiten bewusst gemacht, dass diese Geschichte keine Heldenreise ist, keine Geschichte, ...

„Ich bin ein Sperling. Eines Tages werde ich auch davon fliegen.“

Uns geschätzten Lesern wird schon auf den ersten paar Seiten bewusst gemacht, dass diese Geschichte keine Heldenreise ist, keine Geschichte, in der sich der junge Protagonist von seinen Ketten befreit und aufsteigt (oder doch?) - nun der Ich-Erzähler, der kleine Junge, der in einem Hurenhaus in den letzten Tagen des Römischen Reiches aufwächst und sein Alter an „alt genug, um Wasser zu holen“ oder „alt genug um Brot zu kaufen“ abzählt und seinen eigenen richtigen Namen nicht kennt, hat mich gefangen genommen mit seinen Worten und seinem Leben. Es ist die Geschichte eines Sklavenjungen.

Die Geschichte des Jungen wird uns von seinem greisen Ich erzählt, der in einer Bibliothek seine Geschichte niederschreibt, angefangen mit seiner ersten Erinnerung an eine zornige Frau und blutige Fischgräten. Der Greis spricht einen immer wieder an, lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf bestimmte Aspekte der Geschichte oder stellt die eigenen Erinnerungen in Frage. Ich mochte ihn, ich mochte den kleinen unschuldigen Jungen und ich mochte die Art und Weise, wie er die Welt - den Garten des Hurenhauses - entdeckte und wie sich seine Welt immer weiter ausdehnte, ungleichmäßig und lückenhaft. Es faszinierte mich, wie er durch Geschichten unterrichtet wurde - und die Frauen zu seiner Familie wurden. Und ihm Attribute wie Freiheit, Gefangenschaft, Liebe durch Parabeln näher gebracht wurden.

Manche Szenen stellten sich so liebevoll und zart, und manche so schonungslos und brutal dar, das ich zusammengezuckt bin. Leid und Liebe liegen oft nahe beieinander. Die Geschichte von Pusus, dem Jungen, ist weder eine Heldenreise noch eine Romanze. Die sucht man hier vergeblich. Ich habe den Jungen beim erwachsen werden zugesehen, und meine Stimmung wurde von Seite zu Seite beklommener, da sein Schicksal sich ihm einfach unausweichlich eröffnete.

Im gesamten Buch wurde der Ton jedoch in keiner einzigen Passage melodramatisch, obwohl der Autor viele Male die Abzweigung hätte wählen können. Stattdessen erzählt James Hynes schonungslos und ehrlich die Gegebenheiten, ohne zu verklären. Das fesselt an diesem Buch wohl am meisten, genauso wie der Umgang des Jungen mit seinem Schicksal, mit seinen Traumata, die er unweigerlich erleiden musste. Ich bin ihm und seinem Schicksal gerne gefolgt, obwohl ja schon angekündigt wurde, dass ich ihn nur auf einem Abschnitt seines Lebens begleiten werde können.

Die Geschichte spielt vor der Kulisse des sterbenden Römischen Reiches, in Gassen mit ausgetretenem Pflaster, in der Therme und im Amphietheater, in dem sowohl die Sklaven als auch die Flüche verschachert werden. Die Geschichte spielt ebenso in der rauchigen Taverne, in stinkenden Latrinen und in kleinen gekalkten Räumen, und manchmal auch die Sperlingswelt - und dass alles ist an einem Punkt der Geschichte der Mittelpunkt von Pusus’ Welt.

Die Geschichte berührte mich, schaffte es mich, über viele Stunden an die Couch zu fesseln und mitzunehmen, obwohl die Welt des Jungen weder einfach noch sanft war. Ich empfehle dieses Buch jedem, ob Histo-Fan oder nicht, der eine ungewöhnliche Lebensgeschichte sucht.

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Veröffentlicht am 25.08.2023

Actiongeladener Abschluss

Imperator III. Messalinas Feuer
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Rom in den Swinging Sixties - mit Paparazzi, Stars und Sternchen und gefährlichen Imperatoren, die die Geschicke der Jahrhunderte aus dem verborgenen lenken. Aufstände toben in Rom und die Imperatoren ...

Rom in den Swinging Sixties - mit Paparazzi, Stars und Sternchen und gefährlichen Imperatoren, die die Geschicke der Jahrhunderte aus dem verborgenen lenken. Aufstände toben in Rom und die Imperatoren werden unterwandert. Das furiose Finale der Imperator Trilogie hat mich in seinen Bann gezogen, so viel vorweg.

Anne, Spartaco und Gennaro sind mir ans Herz gewachsen in den ersten Teilen, sodass ich mit den drei Protagonisten mitgefiebert habe, und das von der ersten Seite an. Anna, die junge Fotografin, Spartaco, der Kommunist und der Detektiv Gennaro passen gut in ihre Rollen, so gut, dass ich nicht von den Seiten lassen konnte, solange bis ich wusste, wie sich ihre Fäden am Ende verschlingen und schließlich auflösen. Ich habe sie so lieb gewonnen, auch wenn Gennaro das gar nicht gerne hören würde.

Der gesamte Roman war rasant geschrieben, beinahe fiebrig, ohne überhastet zu wirken. Seite um Seite wollte ich wissen, wie es weitergeht und welche Wendung welche alten Wunden aufreißt und wer auf welcher Seite steht. Wer als nächstes in eine enge Telefonzelle schlüpft und die Nummer des anderen wählt, um sie auf den neusten Stand zu bringen, Pistolenschüsse pfiffen an den Protagonisten, an mir, vorbei und die Schachfiguren mussten hastig gezogen werden. Ich fand mich immer mittendrin in der pulsierenden Stadt, die kurz vorm Siedepunkt stand und konnte einfach nicht aufhören, dem Weg der Figuren zu folgen.

War das Finale actionreich? Ja, auf jeden Fall. War es blutig? Natürlich. Lisanne Surborg und Kai Meyer zeichnen ein düsteres Bild der Ewigen Stadt nach fernab von den Touristenströmen, dem Kolosseum und der Via Appia. Glamourös, ausschweifend und dunkel wie die römischen Katakomben. Ich mochte die Stimmung sehr, in den ersten zwei Bänden hat man viel vom Filmgeschäft in den 60ern und vom Pressewesen gesehen, was weichen musste, zugunsten von Actionszenen und Fokussierung auf die Hauptfiguren. Ich habe aber immer noch dieses Getriebene gespürt, das sich immer weiter aufbaut.

Der fantastische Anteil war genau richtig bemessen für diese Geschichte, diese Mischung zwischen Realismus und Imperatoren-Mystik, Kultismus und Pistolenrauch. Die Grenze verschwimmt und das ist genau das, was die Geschichte braucht. Mir tut es leid, der Truppe lebe Wohl sagen zu müssen. Ich wäre gern noch länger in Rom geblieben. Und das sagt wohl alles. Die Geschichte rund um Anna Savarese und die Imperatoren, blutig und voller Leben wie sie wahr, ging mir zu Herzen.

Eines noch - ich finde es unglaublich schade, dass die von Kai Meyer als Hörspiel konzipierte Reihe nicht auch noch eine letzte Staffel bekommen hat, sondern von Audible abgesetzt wurde. Die ersten zwei Staffeln wurden aufgenommen, die Dritte fehlt - und das stimmt mich traurig.

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