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Veröffentlicht am 01.05.2024

Kummer des Meeres

Die Tage des Wals
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"Ich kannte nur den Kummer des Meeres, keine Liebe. Nur die Notwendigkeit zu retten, Boote, die in einem Sturm ausliefen, Frauen, die sich im Leuchtturm zusammendrängten."

In ihrem Debütroman beleuchtet ...

"Ich kannte nur den Kummer des Meeres, keine Liebe. Nur die Notwendigkeit zu retten, Boote, die in einem Sturm ausliefen, Frauen, die sich im Leuchtturm zusammendrängten."

In ihrem Debütroman beleuchtet Elisabeth O'Connor das äußerst karge Leben auf einer walisischen Insel in den Dreißiger Jahren des früheren Jahrhunderts. Die 18jährige Manod lebt dort mit Vater und jüngerer Schwester, als zwei Ereignisse die Ödnis unterbrechen: das Stranden eines sterbenden Wals und die Ankunft zweier englischer Wissenschaftler, Joan und Edward, die die Tradition der Inselbewohner aufzeichnen wollen. Als sie Manod als Assistentin einstellen, scheint sich für Manod unerwartet eine ganz andere Welt zu eröffnen...

Die Autorin wirft kurze Schlaglichter auf Manods Geschichte. Manche Kapitel bestehen nur aus einem einzigen Absatz. Gelegentlich werden die Aufzeichnungen der Forschenden eingestreut. Für mich hat diese Kürze keinen Lesefluss aufkommen lassen, der aber einen Roman ausmachen sollte. O'Conner hat bisher Kurzgeschichten und Gedichte verfasst. Manchmal erschien es mir, als hätte sie einen fließenden Übergang zwischen allen diesen Textformen schaffen wollen, was zweifellos viele Kritiker begeistern wird. Für mich ging das leider zu Lasten von Manods durchaus faszinierender Story. Allzuviel bleibt im Vagen und der Fantasie der Lesenden überlassen. Vor allem über die Konstellation zwischen Manod und den Wissenschaftlern hätte ich gern viel mehr erfahren. Ich habe den Roman an einem halben Nachmittag gelesen und musste die Insel kaum angekommen schon wieder verlassen. So habe ich zwar interessante Einblicke in den dortigen Alltag in äußerst passendem Stil erhalten, blieb aber auch etwas ratlos zurück.

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Veröffentlicht am 31.12.2023

All Age

Der Spurenfinder
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Es fällt mir unerwartet schwer, das Buch tatsächlich zu bewerten. Manches hat mich angesprochen, anderes nicht. Ein zusammenfassendes Fazit macht das kompliziert.

Fasziniert hat mich der Genre Mix aus ...

Es fällt mir unerwartet schwer, das Buch tatsächlich zu bewerten. Manches hat mich angesprochen, anderes nicht. Ein zusammenfassendes Fazit macht das kompliziert.

Fasziniert hat mich der Genre Mix aus Fantasy und Krimi. Den verwickelten Kriminalfall und seine Auflösung habe ich interessiert verfolgt. Manche kuriosen Einfälle wie die Stimmonade, ein Trank, der die Stimme auf unterschiedliche Weise stark verändert, fand ich gleichfalls gelungen.

Keine Beachtung hatte ich der Tatsache geschenkt, dass Marc-Uwe Kling das Buch mit seinen jungen Zwillingstöchtern geschrieben hat. Und im Gegensatz zur Meinung in anderen Rezensionen finde ich, man merkt das dem Buch sehr wohl an.

Der Autor macht hier seinen ersten Ausflug ins Fantasy-Genre. Als absoluter Fantasyfan muss ich leider sagen, dass der Roman im Vergleich zur meisten Fantasy, die ich gelesen habe, seltsam blutleer blieb. Es fehlte einfach ganz überwiegend die atmosphärische Dichte. Einzig der Zirkusbesuch konnte mich dahingehend überzeugen.

Elos von Bergen, ein bekannter Spurenfinder, genießt seinen Ruhestand mit seinen Zwillingen Ada und Naru im ereignislosen Friedhofen. Als ein Zirkus in der Nähe gastiert, geschieht ein Mord und eine alte Dame verschwindet. Elos und die Zwillinge machen sich auf, die Rätsel aufzuklären und stellen schon bald fest: Egal wohin man reist, man hat immer sich selbst im Gepäck....

Für mich persönlich hatten die Zwillinge leider ein gewisses Nervpotential. Ich könnte mir vorstellen, dass ihre ewigen Kabbeleien jüngere Leser eher ansprechen. Vermutlich kann man das Buch als All Age-Roman bezeichnen. Aber wenn man alle anspricht, läuft man Gefahr, niemanden komplett zu erreichen.
Der Epilog liefert einen raffinierten Twist, dessen Auflösung mein Interesse geweckt hat. Dennoch werde ich eine eventuelle Fortsetzung wohl nicht lesen, weil es so viel farbenprächtigere Fantasy gibt.

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Veröffentlicht am 09.12.2023

Auf der Leidlaufbahn

Deine Zeit zu sein
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Manche Bücher möchte man gern mögen, muss sich aber leider doch an ihnen reiben und bleibt nach dem Lesen etwas ratlos zurück. Dieses gehört dazu.

Die Autorin gliedert das Buch in zwei Teile, ...

Manche Bücher möchte man gern mögen, muss sich aber leider doch an ihnen reiben und bleibt nach dem Lesen etwas ratlos zurück. Dieses gehört dazu.

Die Autorin gliedert das Buch in zwei Teile, Leid und Heilung, was sich erst im Laufe des Lesens erschließt. Leider fehlt ein Inhaltsverzeichnis, das es erleichtern würde, einzelne der kurzen Kapitel noch einmal anzusteuern oder zu erkennen, worauf das Buch hinausläuft. Teilweise bin ich daher etwas ratlos den Betrachtungen gefolgt. Manches hat mich berührt und nachdenkenswerte Impulse gesetzt. Dann gab es hingegen Sätze in überraschendem, einfach unschönen Denglisch oder gar grundlos dreisprachig (Gefühle nicht verdrängen, sondern ownen; einmal mit diesem Mindset d'accord, ist es uns viel eher zugänglich). Oder vage und etwas kryptische Aussagen wie: "Am Ende ist es so leicht, wie es schwer ist." Das ist sehr schade, da der Text immer wieder gute Ansätze bietet. Demotivierend fand ich die Behauptung, Heilung sei grundsätzlich allein nicht möglich. Und das, wo es im Buch doch um "einen stinknormalen Alltag mit Job, Familie und der täglichen Portion Gestresstheit" geht und die echten Herausforderungen wie Einsamkeit, Krankheit und Tod gar nicht thematisiert werden.
Ging es um die Überwindung des Leids, hätte ich mir konkrete Tipps erhofft und weniger allgemeine Überlegungen.

Die nach jedem Kapitel eingefügten Reflexionen sind gute Anregungen. Zusätzlich gibt es in Gedichtform gestaltete Texte, die eigentlich pure Prosa sind und auch nichts Lyrisches bieten. An dieser Stelle konnte ich für mich nichts mitnehmen.

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Veröffentlicht am 27.08.2023

Traum in einem Traum

Treacle Walker
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Ich hatte mir ein ähnlich magisch-mystisches Lesevergnügen erhofft wie früher von Garners "Eulenzauber" oder "Feuerfrost". "Treacle Walker" hat mich hingegen leider etwas ratlos und auch enttäuscht zurückgelassen. ...

Ich hatte mir ein ähnlich magisch-mystisches Lesevergnügen erhofft wie früher von Garners "Eulenzauber" oder "Feuerfrost". "Treacle Walker" hat mich hingegen leider etwas ratlos und auch enttäuscht zurückgelassen. Nach einem stimmungsvollen, märchenhaften Start, in dem der junge Joseph dem Wanderheiler und Lumpensammler Treacle Walker begegnet, zerfaserte die kurze Erzählung in rätselhaften Dialogen und Begebenheiten, in denen zudem ein Comic für meinen Geschmack eine zu große Rolle spielte.

Die Story lässt sehr viel Raum für Interpretationen, was durchaus reizvoll sein kann. Hier entstand für mich aber der Eindruck einer wirren Seifenblase, die schnell zerplatze. Ich hätte mir wesentlich mehr Inhalt und atmosphärische Dichte gewünscht und bekam stattdessen den Eindruck eines bloßen Fragments. Schade!

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Veröffentlicht am 07.05.2023

23 Euro

3000 Yen fürs Glück
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Hinter dem putzigen Cover verbarg sich für mich eine Familiengeschichte um vier Japanerinnen aus drei Generationen, die leider viel zu sehr hinter dem Thema des Sparens zurücktrat. Die Erzählweise blieb ...

Hinter dem putzigen Cover verbarg sich für mich eine Familiengeschichte um vier Japanerinnen aus drei Generationen, die leider viel zu sehr hinter dem Thema des Sparens zurücktrat. Die Erzählweise blieb mir zu nüchtern, die Spartipps zu einfach und die Protagonistinnen blass.

Die titelgebenden 3000 Yen entsprechen 23 Euro. Letztendlich hat mich aber die Geschichte nicht wirklich gefesselt, so dass ich mir schon bald nicht mehr die Mühe gemacht habe, die viel zu zahlreichen Yen-Beträge in Euro umzurechnen, so dass ich oft gar keine rechte Vorstellung von den Dimensionen hatte.

Offensichtlich ist es auch in Japan ein großes Thema, Frauen dazu zu bewegen, finanziell für das Alter vorzusorgen. Nur so kann ich es mir erklären, dass der Roman dort so erfolgreich ist. Für mich war es leider eine zu dröge Lektüre und das Thema reichte nicht, um einen Roman zu tragen.

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