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Veröffentlicht am 23.09.2023

Der Wunsch nach Selbstbestimmung

Marschlande
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"Marschlande" erzählt von zwei Frauen: Britta Stoever, die mit ihrer Familie ein Haus in den Marschlanden gekauft hat und nun versucht, sich in ihrer neuen Heimat einzugewöhnen. Fasziniert von den Marschlanden, ...


"Marschlande" erzählt von zwei Frauen: Britta Stoever, die mit ihrer Familie ein Haus in den Marschlanden gekauft hat und nun versucht, sich in ihrer neuen Heimat einzugewöhnen. Fasziniert von den Marschlanden, spaziert sie durch das geschichtsträchtige Gebiet nahe Hamburg und wird auf ein Straßenschild aufmerksam. Britta ist unglücklich, denn sie hat ihre Karriere als Geografin zugunsten der Kinder aufgegeben und wird von ihrem Mann kaum unterstützt, der beruflich aufsteigen konnte und meistens abwesend ist. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Marschlande so einiges anstoßen würden? Die andere Frau, um die es geht, ist Abelke Bleken, die 1580 in den Marschlanden lebte. Nach dem Tod ihres Vater hat sie den Hof allein geführt, bis ein Unwetter die Gegend heimsuchte und nur Abelke entsprechende Schutzmaßnahmen ergriff, weil ihr niemand glauben wollte. Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich kapitelweise ab und Jarka Kubsova erzählt sehr atmosphärisch von den Marschlanden und zieht Parallelen zwischen zwei Frauen, die völlig unterschiedliche Leben im Marschland führen, aber unter sozialer Degradierung und Unrecht leiden, die ihren Ursprung vor fünfhundert Jahren nahm. Jarka Kubsova setzt Abelke Bleken ein Denkmal, eine besondere Hamburgerinnen, der unglaubliches Unrecht widerfahren ist. Sehr berührend geschrieben, macht der vergebliche Kampf, die Hexenverfolgung und das Klima der Angst fassungslos, während Abelke bis zuletzt große Stärke zeigt und ich am liebsten mehr von ihr gelesen hätte. Hexenforschung ist eine spannendes Gebiet, wie das ausführliche Nachwort noch einmal zeigt. Der Versuch, die Folgen aufzuzeigen, die Frauen heute noch immer ereilen, konnte mich nicht ganz überzeugen, aber es wurden viele Punkte angesprochen, die zum Nachdenken anregen und wichtige Impulse setzten, wie finanzielle Unabhängigkeit.

Veröffentlicht am 23.09.2023

Teenagersein und Weltenwechsel

Askendor – Spiel mit der Wirklichkeit
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Die fünfzehnjährige Florentine wird durch den Bruder ihrer besten Freundin Paula auf ein Online-Rollenspiel in der virtuellen Welt Askendor aufmerksam und stellt beim Spiel etwas Merkwürdiges fest: Thosse ...


Die fünfzehnjährige Florentine wird durch den Bruder ihrer besten Freundin Paula auf ein Online-Rollenspiel in der virtuellen Welt Askendor aufmerksam und stellt beim Spiel etwas Merkwürdiges fest: Thosse von Baar, Thronfolger von König Alasdair, scheint sie sehen zu können, obwohl sie vor dem Bildschirm sitzt. Kurz darauf reist Florentine selbst in die virtuelle Welt, in der sie bisher nur mit ihrem Avatar Lanrina war und lernt Thosse persönlich kennen.

Der Klappentext verrät schon eine Menge, denn bevor Thosse von Baar in die reale Welt wechselt, nimmt sich Silke Schellhammer Zeit für die Einführung. Mir war nicht klar, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt, aber das erklärt, dass vergleichsweise ruhige Erzähltempo. Durch die Ich-Perspektive von Florentine, zu denen auch sarkastische Gedankeneinschübe gehören, erfährt man von ihr am meisten. Dazu gehören Einblicke in ihr Familienleben, mit ihrer kontrollierenden Mutter, und unterhaltsame Zweisamkeit mit ihrer Freundin Paula. Florentines Persönlichkeit und ihr Humor passen gut zum Genre und lockern alles etwas auf. Sie ist authentisch, schlagfertig und handelt überlegt, während Thosse sehr tapfer, großmütig und erhaben wirkt. Der Schreibstil ist flüssig und einnehmend. Es ist eine anbahnende Liebesromanze, ein Fantasy-Abenteuer und eine Geschichte über Freundschaft, eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung und dem Erwachsenwerden. Trotzdem fühlte sich der Roman für mich nicht ganz stimmig an. Ich konnte die Handlung manchmal nicht nachvollziehen und einige Fragen bleiben offen, die aber möglicherweise in den Fortsetzungen geklärt werden. Es fehlte mir bei den Figuren und angeschnittenen Themen auch an Tiefe, trotz der Länge und die Vorhersehbarkeit hat mir etwas den Lesespaß genommen. Auch, wenn mich "Askendor - Spiel mit der Wirklichkeit" nicht so mitreißen konnte, ist es einen Blick wert.

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Mitreißend, erschütternd und unvorhersehbar

Cleopatra und Frankenstein
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"Cleopatra und Frankenstein“ ist ein mitreißender Roman, der von Liebe erzählt, von Vielfalt, Selbstfindung, Erwachsenwerden und Schuld. Cleopatra, der Inbegriff der Schönheit und Verführungskunst, begabte ...

"Cleopatra und Frankenstein“ ist ein mitreißender Roman, der von Liebe erzählt, von Vielfalt, Selbstfindung, Erwachsenwerden und Schuld. Cleopatra, der Inbegriff der Schönheit und Verführungskunst, begabte Künstlerin aus England, zarte fünfundzwanzig Jahre alt, sensibel und klug. Frankenstein, der Erschaffer von Monstern ist in der Werbebrache tätig und ein wohlhabender Amerikaner Mitte Vierzig. Im ersten Kapitel lernen sie sich kennen. Man spürt sofort die Funken sprühen. Coco Mellors kreiert eine berauschende Stimmung, die den Zauber des Anfangs erhascht und durch aufgeschlossene, originelle und humorvolle Dialoge überzeugt, während man ahnungslos bleibt, wo die Reise hingehen soll. Dann verliert sich die anfänglich Leichtigkeit, das gewohnte Leseverhalten wird herausgefordert und Coco Mellors überrascht mit Unvorhersehbarkeit in Schreibstil und Handlung, mit unterschiedlichsten Nebencharakteren aus dem Umfeld des Paares, die näher beleuchtet werden. Mich hat besonders begeistert, dass die Figuren stets authentisch ist ihrer Skurrilität bleiben. Sie alle haben ihre Probleme, die näher beleuchtet werden, womit eine breite Themenpalette aufgegriffen wird.

Dabei ist der Erzählstil angenehm locker, die Dialoge mitunter oberflächlich und etwas reflektierend. Aber vor allem unterhaltsam. Man möchte einfach weiterlesen, fühlt sich gut unterhalten. Lässt sich von jedem Kapitel aufs neue überraschen. Wieviel Zeit ist vergangen? Wenn lernt man nun kennen? Wie geht es mit Cleo und Frank weiter? Es ist eine emotionale Achterbahn der Gefühle, aufbauend auf verschiedenen Episoden, des Paares und ihrem Umfelds.

Coco Mellors hat viele Jahre an diesem Debüt gearbeitet und ich mag ihren Mut und ihre Experimentierfreude. Dies ist keine klassische Romanze zum Dahinschmelzen, kein tiefgründiger Roman, aber in vielen Aspekten originell, wenn man sich darauf einlässt, erschütternd und vielleicht viel realistischer als es gut wäre, mit Blick auf die Figuren und ihre Dialoge, die in einer wichtigen Botschaft gipfeln.

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Veröffentlicht am 29.08.2023

Außergewöhnliche Leseerfahrung

Weil da war etwas im Wasser
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Der Roman "Weil da war etwas im Wasser" ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sei es die ungewöhnliche Erzählweise, der Romanaufbau oder die unterschiedlichsten Protagonisten und Erzählungen. Es geht ...

Der Roman "Weil da war etwas im Wasser" ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sei es die ungewöhnliche Erzählweise, der Romanaufbau oder die unterschiedlichsten Protagonisten und Erzählungen. Es geht um einen Riesenkalmar, der von einem Krillfänger gefangen wird und Sanja, die auf dem Schiff als Praktikantin arbeitet und sich um sie kümmert.

Gern hätte ich mehr aus der einzigartigen Sichtweise eines Tintenfisches gelesen, dessen acht benannte Arme, um die Aufmerksamkeit des Lesers konkurrieren. Die Erzählweise ist nicht nur faszinierend, sondern auch (heraus)fordernd und abschweifend bis unangenehm überraschend. Die Erzählungen verlieren sich, landen in Rückblenden, Mythen, vom „Weißen Hai“ bis Walt Disney und ergründen, woher die Angst kommt. Hier schließt sich der Kreis zum Buchtitel, hier wird die sprachliche Kraft deutlich, die sich in vielen Ansätzen präsentiert. Ganz vielfältig ist der Versuch einer Erklärung, das Vermitteln ganz unterschiedlicher Botschaften: Aufgeschlossenheit, Schamgefühle und eine neue Betrachtungsweise. Sehr gut hat mir auch die aktive Möglichkeit des Lesens gefallen und die einnehmende Erzählweise, die Tagebucheinträge, eine Familienstammbaum, Anmerkungen und Verweise. Lediglich mehr Tiefe hätte ich mir gewünscht, statt zahlreicher Andeutungen. Wenn man sich darauf einlassen kann, ist "Weil da war etwas im Wasser“ unheimlich gut und lädt zum erneuten lesen ein.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

Für fortgeschrittene Leseratten

Das Buch der gestohlenen Träume (Das Buch der gestohlenen Träume 1)
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Der Geschichte beginnt mitten im Geschehen, auf dem Unterdeck eines Luftschiffes, und schwenkt dann zurück, um zu erzählen, was zuvor geschah. Die 12-jährige Rachel Klein und ihr großer Bruder Robert sind ...

Der Geschichte beginnt mitten im Geschehen, auf dem Unterdeck eines Luftschiffes, und schwenkt dann zurück, um zu erzählen, was zuvor geschah. Die 12-jährige Rachel Klein und ihr großer Bruder Robert sind die Helden dieser abenteuerlichen Geschichte, die von einem machthungrigen Diktator erzählt, von politischem Widerstand, und von einem magischem Buch, das Unsterblichkeit verleiht.

Es herrschen ungewöhnliche düstere Zeiten in Krasnia und die Menschen fürchten sich vor dem grausamen Präsident Charles Malstain, der über das Land herrscht. „Man kann ihm nicht widersprechen. (…) Mann kann nur bleiben und leiden - oder fliehen.“ Der Präsident mag keine Kinder und keine Bücher, die er als gefährlich ansieht. Deshalb wurden Gesetzte erlassen, die die Freiheit der Kinder einschränkt und Bücher als unerwünscht einstuft. Nachdem Rachels und Roberts Vater gefangen genommen wird, weil er ein Buch gestohlen hat, verändert sich für die Familie Klein alles. Die Kinder müssen das Buch um jeden Preis beschützen und das Geheimnis des Buchs der gestohlenen Träume entschlüsseln. Der böse Präsident ist auf der Suche nach dem Buch und darf es nicht in die Hände bekommen, sonst könnte für immer Angst und Hass regieren.

Geschrieben ist der Roman in der dritten Person und wechselt kapitelweise zwischen dem, was Rachel erlebt und dem, was ihr Bruder erlebt, bis die Handlungsstränge wieder zusammen laufen. Überrascht haben mich die poetischen Traum-Ausschnitte aus dem Buch der gestohlenen Träume. Sie sind schön gestaltet, ebenso wie zwei doppelseitige Illustrationen. Dennoch war die Geschichte nicht so phantastisch, wie erhofft. Zwar geht es um das titelgebende Buch und deren Magie, wirklich magisch wird es aber in gerade einmal 5% der Geschichte. In erster Linie ist es eine packende Abenteuergeschichte mit handlungsreicher Spannung und unvorhergesehen Wendungen, die von sehr mutigen Geschwistern erzählt und einer gefährlichen Mission, angetrieben von dem Traum nach Freiheit. Der Anfang hat mit einigen Längen, die der gebührenden Einführungen geschuldet sind, zu kämpfen, aber mit der Zeit liest es sich flüssiger und spannender.

David Farr Schreibweise hat mich sehr an Phillip Pullmann erinnert, was auch dafür steht, dass dieser Roman ebenso Erwachsene anspricht. Aber möglicherweise etwas anspruchsvoll für Kinder mit 11 Jahren. Trotz der tollen Aktion, könnte es schwerfallen, dranzubleiben und alles zu verstehen. Manches ist sehr abstrakt beschrieben. Erwachsenen werden eher die politischen und geschichtlichen Verbindungen zu unserer Realität herstellen, was das Buch sehr reizvoll macht. Ich würde als Lesealter daher 12 Jahren empfehlen (für fortgeschrittene Leseratten), weil man nicht alle Verbindungen herstellen muss, um Spaß an der Geschichte zu haben.

Ich habe dieses aufwühlende Buch jedenfalls verschlungen und hätte mir lediglich mehr fantastische Elemente und Magie gewünscht.