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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2023

Hidden Memories

Ein Fluss so rot und schwarz
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Desorientiert und ohne Erinnerung an sich selbst wacht ein Mann auf einem Militärboot auf. Seine Haare sind rasiert, er hat OP-Narben und auf seinem Handgelenk steht ein Name: Huxley. Zusammen mit ihm ...

Desorientiert und ohne Erinnerung an sich selbst wacht ein Mann auf einem Militärboot auf. Seine Haare sind rasiert, er hat OP-Narben und auf seinem Handgelenk steht ein Name: Huxley. Zusammen mit ihm befinden sich fünf weitere Personen auf dem Schiff, alle in derselben Situation, sowie ein toter Mann, der offensichtlich Selbstmord begangen hat. Nach und nach finden die Frauen und Männer heraus, dass sie sich auf einer Selbstmordmission ins zerstörte London befinden, auf einer Themse, in und an der es vor tödlichen Wesen wimmelt, die einmal Menschen waren. Nur ein Satellitentelefon begleitet sie und gibt automatische Anweisungen. Was ist passiert? Warum können sie sich nicht erinnern? Doch Erinnerungen sind tödlich ...

Ich bin ein großer Fan von Anthony Ryans Fantasyepen und so war klar, dass mich auch seine erste Dystopie/sein erster Mysteryhorror interessieren würde. Es ist ein typischer Vertreter des Genres, nicht wirklich etwas Neues, aber gut erzählt und mit einigen Monstern und Hintergründen, wie man es für eine Mischung aus den Glorreichen Sieben meets Walking Dead erwartet. Die Stimmung ist düster - nicht wirklich gruselig oder gar echter Horror, aber mit einer unterschwelligen Erwartung ständiger Gefahr trotzdem fesselnd und gut zu lesen. Von mir aus darf sich der Autor gern öfter in dieses Genre wagen.

Veröffentlicht am 26.09.2023

Höllenpflanze

Der Wald
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In aller Welt treffen sie ein: die kleinen Päckchen ohne Absender und nur mit ein paar seltsamen Samen. Wer sie einpflanzt, bereut es schon bald, denn sie wuchern, vermehren sich, verdrängen nicht nur ...

In aller Welt treffen sie ein: die kleinen Päckchen ohne Absender und nur mit ein paar seltsamen Samen. Wer sie einpflanzt, bereut es schon bald, denn sie wuchern, vermehren sich, verdrängen nicht nur die anderen Pflanzen, sondern verbreiten Krankheiten. Dann gibt es die erste Tote und sie wird nicht die Einzige bleiben. Als der Pflanzenneurologe und Autor Marcus Holland auf einer Leserese in den USA ist, passiert etwas Schreckliches: Zuerst versucht eine Frau, ihn umzubringen, dann wird er von den Behörden gebeten, ihnen bei der Bekämpfung der "Höllenpflanze" zu helfen. Bald findet sich Holland nicht nur auf einer fieberhaften Suche nach einem Gegenspieler wieder, die ihn nicht nur nach China und in historische Geheimnisse führt, sondern auch sein Leben und das der gesamten Menschheit bedroht.

Hier haben wir einen ökologischen Thriller vorliegen, der mit What-ifs spielt, deren Eintreffen gar nicht mal so unwahrscheinlich ist. Pflanzen, die miteinander kommunizieren (kennt man schon), Pilze, die eine Art unterirdisches Wood Wide Web bilden (kennt man auch schon), megaschlaue Ki (bestimmt nicht mehr so fern): Das wird in rasante Szenen mit einer Jagd um den Erdball verpackt, in viele kurze Kapitel, mit sehr guter Recherche und dem Verknüpfen verschiedener Erkenntnisse, die man bereits hat. Nicht ganz glücklich war ich mit einigen Actionszenen, die entweder James-Bond-like abliefen oder bei denen sehr unwahrscheinliche Zufälle aus der Patsche halfen. Gut hingegen hat mir der offene Schluss gefallen, in den man dann doch wieder selbst hineininterpretieren konnte, was man wollte. Alles in allem eine kurzweilige, spannende Lektüre.

Veröffentlicht am 03.09.2023

Der Pfandleiher

The Red-headed League / Die Liga der Rothaarigen (mit kostenlosem Audio-Download-Link) (Sherlock Holmes Collection)
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Das Geschäft des rothaarigen Pfandleihers Jezeb Wilson läuft nicht sonderlich gut, weshalb er sich auch nur einen Assistenten leisten kann, weil der für die Hälfte des üblichen Lohns arbeitet. Ein Glücksfall, ...

Das Geschäft des rothaarigen Pfandleihers Jezeb Wilson läuft nicht sonderlich gut, weshalb er sich auch nur einen Assistenten leisten kann, weil der für die Hälfte des üblichen Lohns arbeitet. Ein Glücksfall, zumal ihn dieser Assistent auch auf eine Anzeige in der Zeitung aufmerksam macht: Die Liga der rothaarigen Männer bezahlt viel Geld für jemanden mit roten Haaren, nur damit er seine Vormittage damit verbringt, die Enzyklopädia Brittanica abzuschreiben. Wilson ist hocherfreut, als er den Job erhält, und tieftraurig, als nach ein paar Wochen plötzlich sein Büro geschlossen ist und niemand weiß, wer die Liga der rothaarigen Männer ist. Mit diesem Problem sucht er Sherlock Holmes und dessen Freund Dr. Watson auf. Der Detektiv ahnt schnell, dass ein Verbrechen hinter dieser scheinbaren Banalität steckt ...

Wieder eine amüsante und kurzweilige Folge bester detektivischer Unterhaltung, in der Holmes wieder mit messerscharfen Schlüssen glänzen kann. Die Sprecher sind routiniert und machen einen guten Job, und auch wenn die ganze Geschichte ein bisschen an den (roten) Haaren herangezogen wirkt, so macht sie doch wirklich Spaß, sie zu hören und ins Viktorianische London einzutauchen.

Veröffentlicht am 03.09.2023

DIE Frau

Ein Skandal in Böhmen
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Es ist ein seltsamer Besucher, der sich eines Abends in der Baker Street 221b einfindet und den Rat von Sherlock Holmes sucht. Der Mann, ein wahrer Riese von Gestalt, erscheint mit einer Gesichtsmaske ...

Es ist ein seltsamer Besucher, der sich eines Abends in der Baker Street 221b einfindet und den Rat von Sherlock Holmes sucht. Der Mann, ein wahrer Riese von Gestalt, erscheint mit einer Gesichtsmaske und stellt sich als böhmischer Adliger vor, der eine delikate Angelegenheit erledigt haben möchte. Holmes erkennt in ihm natürlich sofort den König von Böhmen und erfährt, dass dieser als junger Mann eine leidenschaftliche Affäre mit der berühmten Abenteuerin und Schauspielerin Irene Adler gehabt hatte und diese noch immer eine belastende Fotografie von ihnen beiden besitzt, mit deren Hilfe sie seine Heirat mit einer dänischen Prinzessin verhindern kann. Holmes verspricht Abhilfe für das Problem - doch er merkt bald, dass Miss Adler niemand ist, den er hinters Licht führen kann ...

Ich mag diese Geschichte ganz gern, zeigt sie doch, dass auch ein Holmes nicht immer Erfolg hat und dass ausgerechnet eine Frau, auf deren Intelligenz er nicht immer allzu sehr viel gibt, ihm ebenbürtig sein kann. Und auch, wenn ich noch immer finde, dass der Sprecher von Watson eindeutig ein bisschen zu alt für die Rolle klingt, so haben doch alle Sprecher einen guten Job gemacht. Allerdings hat mir die Hörspielumsetzung nicht in allen Belangen immer gut gefallen und ich könnte mir vorstellen, dass manche HörerInnen, die die Geschichte nicht kennen, von der Auflösung irritiert sein könnten. Trotzdem nette und angenehme Unterhaltung.

Veröffentlicht am 29.08.2023

Der erste gemeinsame Fall

Eine Studie in Scharlachrot
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Diese Rezension bezieht sich auf das Hörspiel, das in diesem Archiv nicht zu finden ist.
Erst vor kurzem ist Doktor Watson aus Afghanistan zurückgekommen, wo er als Militärarzt gedient hat. Außer einer ...

Diese Rezension bezieht sich auf das Hörspiel, das in diesem Archiv nicht zu finden ist.
Erst vor kurzem ist Doktor Watson aus Afghanistan zurückgekommen, wo er als Militärarzt gedient hat. Außer einer Schulterverletzung und mangelnden finanziellen Mitteln hat er nichts mitgebracht, sodass er jetzt im teuren London nach jemandem sucht, mit dem er zusammenziehen und sich eine Wohnung teilen kann. Ein Bekannter bringt ihn mit einem Gentleman namens Sherlock Holmes zusammen - ein seltsamer Mann mit vielen Interessen, der sich selbst als beratenden Detektiv bezeichnet. Eines Tages wird er von Scotland Yard um Hilfe bei einem Mord gerufen und zum ersten Mal kann Watson seinen neuen Freund in Action erleben.

Zugegeben, das ist nicht Conan Doyles bestes Werk, aber man sollte es trotzdem kennen, weil es ein schönes Licht auf den Beginn einer wunderbaren Freundschaft wirft. Die Sprecher machten einen guten Job, auch wenn der Watson eindeutig zu alt klang. Man muss bedenken, dass die beiden Männer zu dem Zeitpunkt noch keine dreißig waren und so gut er agierte, hört sich der Watson hier eindeutig nach einem Mann in den Fünfzigern oder älter an. Ein bisschen anstrengend sind auch die zu langen Musiksequenzen zwischen den einzelnen Szenen und mir gefiel nicht, wie das Wort "Rache" umgesetzt wurde, das eine große Rolle spielt. Insgesamt gesehen ist es jedoch ein schönes Hörspiel mit entschleunigender Wirkung.