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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2025

Neuauflage klassischer Aspekte

Die dunkle Spur
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Im Wesentlichen geht es hier um einen Vermisstenfall. Claires Schwester Holly übernahm einen Ferienjob in Martha’s Vineyard und hat sich seit ein paar Tagen nicht mehr gemeldet, woraufhin Claire ihrer ...

Im Wesentlichen geht es hier um einen Vermisstenfall. Claires Schwester Holly übernahm einen Ferienjob in Martha’s Vineyard und hat sich seit ein paar Tagen nicht mehr gemeldet, woraufhin Claire ihrer Schwester nachreist, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist.

Martha’s Vineyard bietet eine nette Umgebung für die Handlung zwischen einer schönen Landschaft, naiven Inselbewohnern und reichen Schnöseln; auch wenn das ein eher stereotypisches Setting ähnlich vielen anderen Geschichten bietet. Es ist nicht das erste Mal, dass ein junges Mädchen in den Sommermonaten auf der Insel verschwindet, dennoch unternimmt die Polizei nichts. Also ermittelt Claire selbst im Fall ihrer Schwester und mischt sich unter das Volk der Insel, um Hollys letzte Tage vor ihrem Verschwinden zu rekonstruieren. Dabei finden sich immer mehr verdächtige Bewohner - vom Arbeitgeber und dessen Frau über ein paar reiche Jungs bis hin zu einer leicht verrückten Freundin eines früheren mysteriösen Todesfalls auf der Insel.

Das Buch liest sich entsprechend locker und zum Großteil wie ein Kriminalfall im Urlaubsparadies. Es handelt sich um einen leichten Thriller, ohne wirklich gruselige, blutige oder psychologisch tiefe Elemente, vor allem da die Schwester spurlos verschwunden ist und bis kurz vor Schluss nicht klar ist, was mit ihr geschehen ist und ob / wie sie aufgefunden wird. Entsprechend ist die Spannungskurve bis zum ende verhältnismäßig flach. Das Ende war dennoch nicht zu vorhersehbar und klärt den Fall hinreichend auf. Zusammenfassend eine gute Geschichte, jedoch nicht allzu innovativ, da doch alle Komponenten recht typisch sind für das Setting.

Veröffentlicht am 12.02.2025

Nicht überragend, aber eine interessante Grundidee

Dungeon Planet
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Eine spannende Idee: In der Zukunft hat sich die Menschheit im Weltall ausgebreitet, neue Kulturen gebildet und außerirdisches Leben entdeckt. Dennoch können Milliarden Menschen jedes Jahr zusammen, um ...

Eine spannende Idee: In der Zukunft hat sich die Menschheit im Weltall ausgebreitet, neue Kulturen gebildet und außerirdisches Leben entdeckt. Dennoch können Milliarden Menschen jedes Jahr zusammen, um an einer primitiven Spielshow teilzuhaben.

Die Spielshow Dungeoncrawler dreht sich um den Planeten Laurel, dessen Inneres größtenteils ausgehöhlt ist und aus einem riesigen Labyrinth besteht und jedes Jahr mit neuen außerirdischen Wesen bestückt, gegen die 50 freiwillige Teilnehmer 10 Tage lang auf Leben und Tod kämpfen. Diese Teilnehmer partizipieren aus verschiedenen Gründen: Mut (oder Leichtsinn, wer weiß), Ruhm, Reichtum, oder in Jephrons Fall moralischer Zwang.

Jephron Girant ist einer der Survivors von Dungeoncrawler, hat also bereits einen Crawl überlebt. Er weiß also, worauf sich die Teilnehmer, meist unwissender-, oder unterschätzenderweise einlassen. Dennoch kehrt er ein weiteres Mal in den Kampf zurück, als die Schwestern Bjanje und Syonje Cillings ihn kurz vor knapp als bezahlten Wächter bzw. Partner für Bjanjes Crawl anheuern.

Zu Beginn braucht die Geschichte etwas, bis Jephron und Bjanje in die Dungeons einkehren und die Handlung Fahrt und Spannung aufnimmt. Dabei ist der Schreibstil anfangs etwas gewöhnungsbedürftig; Sätze haben eine unübliche Struktur und erfundene „futuristische“, oder „außerirdische“ Namen sind bei der Aussprache reine Interpretationssache. Auch die klare Aufteilung in zwei Teile mit einem längeren Zeitsprung ist ungewöhnlich, gerade weil nicht behandelt wird, was in der Zwischenzeit passiert. Alles in allem aber eine gute SciFi-Geschichte, die Spaß beim Lesen bereitet hat.

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Ich (weiblich - schade, dass man das hierfür explizit erwähnen muss) habe das Buch gemeinsam mit meinem Freund gelesen.
Im Gegensatz zu MISSFOXYREADS sind uns keine »sexistische Gedanken«, oder gar »das wiederholte Ansprechen auf “typisch männliche Gedanken”« aufgefallen, geschweige denn Passagen, die an »Erotikromane und Pornos« erinnern würden. Wenn man aber solche Gedanken in einem Buch sucht selbst hineininterpretiert … Im Gegenteil versucht Jephron die Schwestern zu schützen. Wenn dabei die Rede von ihren körperlichen Fähigkeiten die Rede ist, geht es nicht um sexistische Kommentare.

»Und Jephron, der einzige Charakter, bei dem man von ausgearbeitet reden kann, wäre mir etwas blasser lieber gewesen. Er ist schwarz. Obwohl ich für mehr Diversity bin, verstehe ich immer noch nicht, weshalb man als weißer deutscher Mann unbedingt meint, aus der Sicht eines Schwarzen schreiben zu müssen.« Tatsächlich ist Jephrons Hautfarbe für die Handlung des Buches natürlich völlig irrelevant. Ja, es gibt die Erwähnung von Rassismus und Unterdrückung. Da es sich aber um eine SciFi-Erzählung handelt, die weit in der Zukunft spielt, kann es sich demnach genauso gut um Fiktion handeln. Zumal hier nicht nur von Hautfarben die Rede, sonder auch von außerirdischen Spezies.
Wen das dennoch noch stört, kann hinten im Buch das Schlusswort des Autors Tobias O. Meißner lesen, in dem er erklärt, dass ihn Kultur schon immer faszinierte und begeisterte und er damit absichtlich mehr Aufmerksamkeit auf solche Thematiken lenken wollte (daher übrigens auch die ganzen Referenzen auf Songs in Jephrons Playlist).

»Die fehlende Tiefe zeigt sich für mich auch im Umgang mit den sogenannten Monstern dieses Dungeons. […] Bin ich nur zu empathisch oder bricht der Gedanke, dass Lebewesen dort auf engstem Raum gehalten werden auch euer Herz? Diese Tiere werden getötet, ohne dass seitens der Charaktere nur einmal die Frage aufkommt, ob man hier tatsächlich von “bösen Monstern” sprechen kann?«
Das entspricht nicht den Entwicklungen im Buch. Natürlich ist im allgemeinen Verständnis von »Monstern« die Rede - das ist schlicht dem Konzept der Sendung »Mensch gegen Monster« geschuldet, schließlich sollen die Lebewesen die Teilnehmer ja (möglichst brutal) umbringen und da ist Mitleid mit den »Monstern« seitens der Teilnehmer und Zuschauer natürlich von Nachteil. Syonje dagegen ist sehr emphatisch gegenüber den eingesperrten Wesen. Dadurch vermeiden sie und Jephron jeden Kampf und Tod, soweit möglich. Noch dazu wird über die Schönheit der Tiere geredet und wie sehr es Syonje Leid tut sie töten zu müssen.

Veröffentlicht am 03.09.2023

Ein guter Thriller mit viel Sexy dazwischen

Countdown to Kill
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Von Mord und Totschlag, über Stripclubs, Erotik und Drama ist alles zu finden. Dazu durch den Countdown noch mehr Spannung, aber auch Struktur.

Obwohl der Klappentext an den Film Mr. and Mrs. Smith denken ...

Von Mord und Totschlag, über Stripclubs, Erotik und Drama ist alles zu finden. Dazu durch den Countdown noch mehr Spannung, aber auch Struktur.

Obwohl der Klappentext an den Film Mr. and Mrs. Smith denken lässt (zwei miteinander verheiratete Geheimagenten und Auftragskiller, die aufeinander angesetzt werden), ähnelt der Roman dem kein Bisschen. Eigentlich geht es um eine junge Frau, die ihren Ehemann Kurtis in der Zukunft umbringen will - deswegen der Countdown. Nach ihrer harten und tragischen Kindheit im Trailerpark und im Kinderheim zieht sie nach Hollywood um ihre Bestimmung als Star-Schauspielerin zu leben.

Wenn man das Buch vorliest, kann man sich garantiert zusammen amüsieren. Manche Stellen sind einfach urkomisch, manchmal weil die Beschreibungen normalerweise super unangenehm wären oder Charlene sich wieder mal total bescheuert verhält. Ich denke aber, je nachdem womit man bei dem Buch rechnet, kann es sein, dass man sich schlapp lacht oder aber das Lesen auch einfach echt unangenehm wird und man sich stellenweise fremdschämt.

Das Buch empfiehlt sich für Leser, die nach einer Mischung aus (Psycho)Thriller, gepaart mit aufpeppender Erotik suchen.

Veröffentlicht am 28.05.2023

Großartig gelesen, toootal kranke Geschichte

Tiere
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Voyeur, Tiere, Flammenbrut und Obsession sind anders als die übrigen Simon Beckett-Bücher. Sie fallen unter die Psychothriller, wobei sie keine klassischen Thriller sind. Die Geschichten beginnen nicht ...

Voyeur, Tiere, Flammenbrut und Obsession sind anders als die übrigen Simon Beckett-Bücher. Sie fallen unter die Psychothriller, wobei sie keine klassischen Thriller sind. Die Geschichten beginnen nicht mit einer Leiche und einer darauf folgenden Ermittlung. Außerdem bekommt man viele überzeugende Einblicke in das kranke Gehirn der Protagonisten.

Es geht um einen erwachsenen Mann, der sich in seinem Keller unter der längst geschlossenen Bar Abteile zusammengestellt hat, in denen er menschliche Tiere hält. Verwahrloste Individuen, die Nigel als nichts geringeres als Tiere ansieht. Dabei traut niemand Nigel seine Bösartigkeit zu, er denkt und verhält sich wie ein Kind, was die meisten als Dummheit fehlinterpretieren. Nigel lebt mit seinen „Mitbewohnern“ alleine; als sich dann doch Besuch ankündigt wird alles erst richtig spannend.

Der Schreibstil ist wirklich gut. Es wirkt wirklich so, als ob Nigels kindlich-kranke Gedanken genau so aufs Papier gebracht wurden. Angefangen bei der Bezeichnung „es“ für die Menschen, die er im Keller hält, wodurch man sich am Anfang nicht sicher ist, ob es sich wirklich um Menschen handelt und später lange nicht weiß, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Es zieht sich bis zum häufigen Gebrauch Nigels von einzelnen Wörtern, am auffälligsten wohl toootal, durch.

Johannes Steck ist dabei der perfekte Leser für das kranke Gehirn. Man hört seine Freude beim lesen. Die Illusion muss wohl durch viel Zeit und Mühe zur Perfektion getrieben worden sein.

Veröffentlicht am 28.05.2023

Schwach - leider vorhersehbar

Die Verlorenen
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Was ist mit Theo geschehen? Warum haben sich Jonah und sein bester Freund auseinandergelebt? Warum eilt Jonah ihm dennoch zu Hilfe? Und wer sind die Opfer am Slaughter Quay?

Das sind die großen Rätsel ...

Was ist mit Theo geschehen? Warum haben sich Jonah und sein bester Freund auseinandergelebt? Warum eilt Jonah ihm dennoch zu Hilfe? Und wer sind die Opfer am Slaughter Quay?

Das sind die großen Rätsel dieses Buches. Im Gegensatz zu den Büchern der David Hunter-Reihe wird hier viel mit Rückblicken in längst vergangene Zeiten vor 10 Jahren gespielt. Als Leser muss man die Details zusammensetzen, während das Resultat eigentlich bekannt ist.

Wer von anderen Simon Beckett-Büchern wie der Dr. David Hunter-Reihe begeistert war/ist, dem wird hier vermutlich die unerwartete Wendung am Ende fehlen. Natürlich bekommt man die gesamte Hintergrundgeschichte, dennoch lassen sich häufige Simon Beckett-Leser sicher nicht in die irre führen.

Es geht hier mehr um das Zusammensetzen des großen Gesamtbildes als um die Suche oder gar die Jagd nach dem Mörder.

Das Buch ist dennoch gut geschrieben und gelesen. Viele offene Fragen am Ende lassen auf eine Klärung in einem weiteren Teil hoffen.