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Veröffentlicht am 16.09.2023

Neues aus Down Under

Die Suche
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Ich liebe die Australien-Krimis von Jane Harper, genauso wie Stephen King. „Die Suche“ ist nach „The Dry“ (Hitze) und „Ins Dunkel“ der dritte und letzte Band einer Krimi-Reihe um Bundesermittler Aaron ...

Ich liebe die Australien-Krimis von Jane Harper, genauso wie Stephen King. „Die Suche“ ist nach „The Dry“ (Hitze) und „Ins Dunkel“ der dritte und letzte Band einer Krimi-Reihe um Bundesermittler Aaron Falk. Worum geht es?
Falk ist auf dem Weg ins südaustralische Weinland, um an der Taufe des kleinen Henry, Sohn seines guten Freundes Greg Raco, teilzunehmen. Falk soll sein Patenonkel werden.
Genau vor einem Jahr ist dort Kim Gillespie spurlos verschwunden. Sie hatte offenbar ihre kleine Tochter Zoe auf dem Marralee Valley Food and Wine Festival im Kinderwagen zurückgelassen.
Anlässlich des Jahrestages ihres Verschwindens, wird die Suche von der Familie, unter Federführung der siebzehnjährigen Tochter Zara neu aufgerollt. Was war damals wirklich geschehen?
Im Mittelpunkt steht das grandiose Buschland mit einem Stausee und die üppigen Weinberge des fiktiven Marralee Valley. Es ist einfach unglaublich, wie viel Flair die Autorin in diese australische Landschaft und seine Menschen einbringt.
Im Marralee Valley ist man seit Generationen eng miteinander verstrickt. Eine eingeschworene Gemeinschaft. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite. Aber auch Liebe liegt in der Luft.
„Die Suche“ ist ein ruhiger Krimi, der erst in der Mitte Fahrt aufnimmt. Manch falsche Fährte und Sackgasse wird begangen, überraschende Nebenwege tun sich auf. Am Ende ist nicht nur Kims Verschwinden stimmig aufgelöst.

Fazit: Atmosphärisch mit viel Lokalkolorit, aber nicht so spannend wie die beiden Vorgänger.

Veröffentlicht am 09.09.2023

Wer Böses sät, wird Böses ernten

Der Wald
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Tibor Rode aka Tom Roth ist für Ökothriller mit mystischen Touch bekannt. Tödlicher Samen, der aus China kommt? Invasive Pflanzen, die Menschen ermorden?
Leider verrät der Klappentext zu viel. Denn es ...

Tibor Rode aka Tom Roth ist für Ökothriller mit mystischen Touch bekannt. Tödlicher Samen, der aus China kommt? Invasive Pflanzen, die Menschen ermorden?
Leider verrät der Klappentext zu viel. Denn es geht eben nicht nur um Pflanzen. Es geht auch um Technik. Eine Künstliche Intelligenz (KI), ein Supercomputer.
Tausende Menschen erhalten Päckchen mit Saatgut, einer bisher unbekannten, dennoch gefährlichen Pflanze. Förster und Botaniker Marcus Holland, Archäobotanikerin Waverly Park und ihre Freundin Ava Nahanee begeben sich auf eine gefährliche Suche von Kanada über China zurück nach Deutschland.
Woher stammen die Pakete? Warum wurden sie versendet? Existiert ein Gegenmittel, bevor noch mehr Menschen den Tod finden?
„Der Wald“ ist inspiriert von wahren Ereignissen. Dem starken Anfang folgt ein schwächerer Mittelteil. Goethe, China und die Urpflanze, das hätte ich jetzt nicht so detailliert gebraucht. Erst als die KI ins Spiel kommt, geht die Post ab.
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen, 2016 und heute - und aus mehreren Perspektiven: Holland, Waverly, Ava etc. Erst ganz am Ende schließt sich der Kreis. Der wissenschaftliche Teil des Thrillers war gut durchdacht und sehr interessant.

Fazit: Ein Ökothriller, der aktueller nicht sein könnte. Eine schier unglaubliche Geschichte.

Veröffentlicht am 07.09.2023

Was für eine Tragödie

Taubenschlag
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„Taubenschlag“ von Dennis Jürgensen ist bereits der zweite Fall für den Flensburger Kommissar Rudi Lehmann und Lykke Teit aus Kopenhagen. Zitat: »Das famose dänisch-deutsche Gespann und gute Beispiel für ...

„Taubenschlag“ von Dennis Jürgensen ist bereits der zweite Fall für den Flensburger Kommissar Rudi Lehmann und Lykke Teit aus Kopenhagen. Zitat: »Das famose dänisch-deutsche Gespann und gute Beispiel für grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit.«. Worum geht es?
In Berlin werden in einem alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg die Leichen einer Familie gefunden. Vater, Mutter, Tochter. Eine Tragödie. Parallel dazu werden ältere Menschen in ihren Wohnungen in Flensburg, Kiel und Lübeck umgebracht. Im Schoß der Leichen liegt der Kadaver einer blutverschmierten toten Taube. Details, die auf einen Serienmörder hinweisen? Ein Racheakt? Wo ist die Verbindung?
Den Einstieg fand ich etwas zäh, aber dann wird es irgendwann besser. In „Taubenschlag“ geht es um die Vergangenheit. Die DDR. Der Sicherheitsapparat. Die Stasi. Ein Thema, das mich nicht zu fesseln vermochte. Den Wattenmeer-Fall, „Gezeitenmord“, fand ich da spannender. Nichtsdestotrotz sind mir Lykke und Rudi ans Herz gewachsen. Lykke leidet immer noch unter dem Verlust ihrer Tochter Gry. Auch Rudi muss sich seiner Vergangenheit stellen.
Am Ende ist alles schlüssig aufgelöst. Und so freue ich mich schon heute auf die Fortsetzung.

Fazit: Gern gelesen, auch wenn Band 2 nicht ganz an das Niveau des Vorgängers heranreicht.

Veröffentlicht am 23.08.2023

Erfrischend anders

Eingewiesen
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Mark Billinghams neuester Roman „Eingewiesen“ ist kein Thriller. Er ist anders, voller schwarzem Humor und Empathie. Nichtsdestotrotz ein echter Krimi. Im Mittelpunkt steht Alice, die versucht, einen Mord ...

Mark Billinghams neuester Roman „Eingewiesen“ ist kein Thriller. Er ist anders, voller schwarzem Humor und Empathie. Nichtsdestotrotz ein echter Krimi. Im Mittelpunkt steht Alice, die versucht, einen Mord in einer psychiatrischen Klinik aufzuklären. Das Problem ist, dass sie selbst Patientin ist.
Alice Frances Armitage, genannt Al, war bis vor Kurzem Detective Constable bei einer Mordkommission der Metropolitan Police in Nordlondon. Seit ihr Kollege Johnno bei einem Routineeinsatz erstochen wurde, leidet sie an einer PTBS. Alkohol und Drogen haben sicher auch nicht geholfen, und nachdem Alice ihrem Freund Andy eine Weinflasche über den Kopf gezogen hat, wurde sie zwangseingewiesen.
Als einer ihrer Mitpatienten ermordet wird, übernimmt sie den Fall - mit Medikamenten gedopt. Als Al der Polizei den mutmaßlichen Mörder präsentiert, wird dieser ebenfalls ermordet. Und Alice wird von Todesangst gepackt…
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Alice. Bei einem Ich-Erzähler bin ich immer ein bisschen skeptisch. Können wir Al trauen? Einer ehemaligen Polizistin, mit Aussetzern und Erinnerungslücken?
„Eingewiesen“ ähnelt den großen Whodunits einer Agatha Christie: Ein geschlossener Kreis von Verdächtigen und jeder mit einem Motiv für den Mord. Schließlich sind Billinghams potenzielle Mörder und Opfer in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt.
„Eingewiesen“ ist aber auch ein witziges Buch über ein wichtiges Thema, wie psychische Gesundheit behandelt wird. Mit Pillen, mehrmals täglich. Das Ende überrascht.

Fazit: Kein Thriller. Nichtsdestotrotz fesselnd.

Veröffentlicht am 20.08.2023

Toller Thriller

Oracle
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Julian hat seit seiner Kindheit mit beängstigenden Trugbildern zu kämpfen. An manchen Menschen sieht er ungewöhnliche "Marker", mal haben die Personen einen schwarzen Balken am Körper oder Körperteile ...

Julian hat seit seiner Kindheit mit beängstigenden Trugbildern zu kämpfen. An manchen Menschen sieht er ungewöhnliche "Marker", mal haben die Personen einen schwarzen Balken am Körper oder Körperteile sind von einem wolkenartigen Gebilde verdeckt. Wieder andere haben "Nebelaugen".
Seit er die richtigen Medikamente erhält und eine Therapeutin besucht, sind die Marker verschwunden. Inzwischen ist Julian 18 und geht mit gemischten Gefühlen zum ersten Klassentreffen. Seine ehemaligen Mitschüler hat er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, er wurde damals gemobbt. Jetzt ist er schockiert, denn seine Trugbilder scheinen sich bewahrheitet zu haben. Waren seine Marker Vorahnungen und wenn ja, hätte er etwas am Schicksal seiner Mitschüler ändern können?
Ursula Poznanski hat mich mit "Oracle" voll mitgerissen. Ihr lockerer Schreibstil lässt die Seiten dahinfliegen.
Mit Julian hat sie einen sympathischen Protagonisten geschaffen. Er wirkt authentisch, seine Gefühle und Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Auch wie sehr er unter seinen Trugbildern als Kind litt. Das Mobbing und die Ängste haben ihn zu einem unsicheren Teenager heranwachsen lassen, für den jede Interaktion mit Gleichaltrigen eine Herausforderung ist. Sehr gut dargestellt ist seine Entwicklung, die er im Verlauf erlebt. Auch die anderen Figuren sind sehr gut charakterisiert.
Die Idee zur Story ist faszinierend, am Ende bleibt aber noch die ein oder andere Frage offen.

Fazit: Fesselnder All-Age-Thriller mit sympathischen Protagonisten.