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Veröffentlicht am 11.09.2023

Eine gelungene Mischung aus Thriller und Mystery mit historischen und fantastischen Elementen, die Unterhaltung auf sehr hohem Niveau bietet.

Das falsche Testament
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Ein verfluchtes Buch, in dem eine Geschichte lebendig wird, von der Niemand etwas ahnt … versteckt … verschollen und doch wiedergefunden … Der Fluch ist frei …

Meredith Moore, kurz Mer genannt, kann es ...

Ein verfluchtes Buch, in dem eine Geschichte lebendig wird, von der Niemand etwas ahnt … versteckt … verschollen und doch wiedergefunden … Der Fluch ist frei …

Meredith Moore, kurz Mer genannt, kann es nicht glauben was sie tut. Sie steht bei Eiseskälte im nächtlichen Wald, um etwas auszugraben, was sie hier erst vor einigen Tagen vergraben hat.
Ihr Vater hatte sie nach einjähriger plötzlicher Funkstille kontaktiert und ihr ein Päckchen in die Hand gedrückt, mit der Bitte, genau dieses zu vergraben.

„Tief!“, hatte ihr Vater gemurmelt. „ Schön tief, Mer, damit es niemals jemand findet.“

Ihrer Neugierde nicht nachgebend tat sie ihrem Vater diesen Gefallen. Aber jetzt sitzen ihr nicht nur die Dringlichkeit und Verzweiflung seiner Worte im Nacken. Nein, es sind Dinge in ihrem Umfeld geschehen, von denen sie niemals geahnt beziehungsweise an die sie jemals geglaubt hätte. Und so beginnt eine Hetzjagd, die Meredith weit über ihre persönlich gesteckten Grenzen hinaus katapultiert und die nicht vor Raub und Mord zurückschreckt.
Doch was ist so wichtig an diesem Päckchen, in dem sich scheinbar ein Buch befindet. Was hat es mit diesem Buch auf sich? Und so gräbt Mer, dieses Buch wieder aus und findet darin eine unglaubliche Geschichte, die es zu enträtseln lohnt. Und doch jagen ihr die sich darin befindlichen persönlichen Notizen ihres Vaters einen gewaltigen Schauer über den Rücken und lassen sie hadern.

Manche Wege sollen nicht gegangen werden, hatte sie immer gesagt. Und manche Wege haben einfach eine andere Zeit, hatte ihr Vater erwidert und den Blick zum Himmel gehoben. Du wirst sie gehen, wenn du sie gehen sollst.

Meredith muss sich auf eine dunkle und sogleich fantastische Reise begeben, um die Wahrheit ans Licht zu holen. Auf dieser Suche nach den Geheimnissen der Menschheit, kann sie sich auf zwei treue Begleiter verlassen, die ihr auch in den brenzligsten Situationen beistehen und ihr Halt und Sicherheit geben.


Eindruck am Buch:

Dieses Buch empfängt mich mit einem wunderschönen neuen Einband, sowie einen neugierig machenden Klappentext. Und da ich bisher noch kein Buch der Autorin Annika L. Schüttler gelesen habe, ist „Das falsche Testament“ mein Kennenlernen oder auch mein Antasten.
Und sobald ich die Seiten des Buches aufgeschlagen habe, schafft die Autorin, dass dieses Buch mit mir spricht und ich sofort in die Geschichte hineingezogen werde. Es ist eine gelungene Mischung aus Thriller und Mystery mit historischen und fantastischen Elementen, die Unterhaltung auf sehr hohem Niveau bietet.

Der Anfang und das Ende sind immer gleich. Auch die Welt beginnt auf jene eine, unausweichliche Weise. In Finsternis. Und so soll auch diese Geschichte beginnen.

Mit einfachen und klaren Sätzen ohne viel Schnörkel, aber dennoch mit viel Gefühl für Wordbuilding, exzellenten Spannungsaufbau und einigen schaurigen Gruselmomenten erzählt die Autorin Annika L. Schüttler die Geschichte rund um Meredith und ihrem Freund und Arbeitskollegen Andrew. Sie beide werden aus ihrem gewohnten Alltag herausgerissen und müssen sich den schrecklichen Schatten stellen, die nach Dunkelheit und Angst gieren. Die Geschichte ist in der Gegenwart angesiedelt und greift die Menschheitsgeschichte frei nach der Bibel auf. Für alle die die Bibel, wie ich, nie gelesen haben und oder die sich nicht wirklich mit dem Sündenfall auskennen, hat die Autorin eine kurze Version der Bibelgeschichte am Ende des Buches angehangen. Den eigentlichen Kapiteln ist immer eine wundervoll gestaltete Szene aus dem Testament vorgefügt, die durch ihren ganz eigenen tragenden Sprachstil die Gänsehautmomente schürt. Diese Szenen gleichen Tagenbucheinträgen, die eine ganz andere Geschichte der Menschheit und ein dunkles Geheimnis erzählen wollen.

Vor allem Meredith und aber auch Andrew sind zur positiven Abwechslung zwei eher ruhige und introvertierte Menschen, die ihre Abenteuer sonst ganz höchstwahrscheinlich in ihren Büchern und ihrer Arbeit als Historiker finden. Gerade das macht sie so unglaublich sympathisch. Sie sind nicht vordergründig taff und haben wahrscheinlich auch nicht auf alles und jeden eine sofortige Antwort parat im Umgang mit anderen Menschen, und gerade deswegen sind sie so herrlich authentisch. Auch wird hier keine Liebesbeziehung zwischen diesen beiden Protagonisten gesponnen. Somit bleibt der Blick ganz auf die Geschichte und deren Geschehnissen und wird nicht verwässert durch aufkeimende Gefühle, sondern wird getragen durch enge Freundschaft und der Bereitschaft einander zu helfen. Das hat mir zur Abwechslung richtig gut gefallen. Zwei tolle und gut miteinander harmonisierende Charaktere, die Lust auf mehr machen. Also ja liebe Autorin, ich wäre für einen zweiten Teil bereit.

Doch nun müssen sie beide erstmal über ihre eigenen Schatten springen und sich die Frage stellen „Was wäre, … wenn es wahr wäre?!“

Andrew hob die Augenbrauen. „Ein Zufall?“, wiederholte er skeptisch. „Mein Leben war nicht jahrelang von Langeweile erfüllt, nur damit du die ersten spannenden Momente als Zufall abtun kannst.“ „ Du bist so dramatisch.“ Sie lachte. „Du magst Langeweile.“ Er nickte. „Ich liebe sie sogar. Aber das tut nichts zur Sache. Irgendetwas geht hier vor …“

Aber ob es sich hier nun um das richtige oder falsche Tagebuch handelt, ich meine natürlich Testament, das erfahrt ihr wieder nur, wenn ihr dieses wunderbar geschriebene und toll illustrierte Buch lest.
Also geht auf einen spannenden, abenteuerlichen und rasanten Trip, der euch mitfiebern und rätseln lässt, gleich eines großen Puzzles, das Stück für Stück zusammengefügt werden muss.

Fazit:

Dieses Buch bietet eine abwechslungsreiche, packende sowie bedrohliche und in weiten Teilen schaurige Reise durch die biblische Menschheitsgeschichte, die mit einigen Überraschungsmomenten und zwei sehr symphytischen Charakteren aufwartet und die eine enorme Sogwirkung entwickelt, aus der man nur schwer wieder heraus möchte.


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Veröffentlicht am 09.09.2024

Die Pignatelli Reihe geht in die zweite Runde …

Scheunenfund
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Elena kann es nicht glauben, nachdem sie den Vorschlaghammer beiseitegelegt hat und in die Öffnung der Scheune, die sie unter anderem von Ihrer Großmutter Maria zusammen mit dem alten Landhaus „Villa Pineta“ ...

Elena kann es nicht glauben, nachdem sie den Vorschlaghammer beiseitegelegt hat und in die Öffnung der Scheune, die sie unter anderem von Ihrer Großmutter Maria zusammen mit dem alten Landhaus „Villa Pineta“ geerbt hat, geklettert ist, sieht sie vor sich allerlei Gerümpel, aber es zeichnen sich auch schemenhaft die Konturen mehrerer Autos ab. Kann es sein, ist es wirklich möglich, dass der Mythos um die geheimnisvolle Automobilsammlung ihres Urgroßvaters Gabriele und Großvaters Guiseppe wahr ist. Die Hinweise im Tagebuch ihres Urgroßvaters scheinen es zu beweisen und gleichzeitig offenbaren sie Unglaubliches. Die Aufzeichnungen reichen bis zu den Anfängen des 20.zigsten Jahrhunderts zurück. Elena muss unbedingt mit ihrer Großmutter Maria sprechen, sie scheint mehr zu wissen, als sie zugeben möchte.

Marco packt seine letzten Sachen, schließt seine Wohnung ab und lässt die Schweiz endgültig hinter sich. Sein Ziel klar vor Augen. Gemeinsam mit Elena will er ein Agriturismo auf dem geerbten Land in Apulien aufbauen. Schreiben kann er von überall, aber an der Seite Elenas gelingt ihm das noch viel besser. Im Gepäck befinden sich auch seine Züricher Verlegerin Kathrin sowie die Reporterin Selina, die über weitere abenteuerliche Reisen der beiden schreiben möchte, in der leisen Hoffnung auf einen noch viel größeren Coup zu stoßen.

Umbigwe, ehemals Koch auf der Fähre „Barbarossa“, hat es nach Sizilien verschlagen, genauer nach Castellammare, seinen Traum eines eigenen Agriturismo scheint aber in weite Ferne zu rücken. Das gekaufte Haus ist eine Bruchbude und die Touristen bleiben aus. Da trifft es sich gut, dass Elena und Marco seine Hilfe benötigen und er erstmal seinen Sorgen entwischen kann. Gesagt getan. Umbigwe steigt ins Auto und fährt einem weiteren Abenteuer entgegen.

Aus den einstigen Weg- bzw. Leidensgefährten sind mittlerweile gute Freunde geworden. So setzen sie gemeinsam alles daran um den Geheimnissen Marias langsam aber sicher auf die Spur zu kommen. Und dabei wühlen sie so einiges auf, was wiederum die italienische Steuerfahndung, alte Bekannte und korrupte Sammler, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, auf den Plan ruft.

Die furchtbaren Schatten drücken schwer auf die sonst so resolute Grande Dame der Mafia. Maria muss sich entscheiden. Wird sie ihr Schweigen brechen und ihrer Enkelin Elena die nötige Unterstützung geben? Denn eins ist gewiss, Elena wird nicht aufgeben und weiter nach den verschwundenen Autos suchen.

Meine Eindrücke :

Dem Schweizer Autor Bruno Heter ist es mit diesem zweiten Teil wieder einmal gelungen, mir eine unglaublich aufregende und unterhaltsame Reise zu bieten, die mich erneut bis in den tiefsten Süden Italiens geführt hat. Unter schattigen Olivenbäumen, bei einem guten Glas Wein und herrlich köstlichen Essen hat er mich meine Umgebung vergessen lassen. Bis zum spannenden Ende habe ich mitgefiebert und war dabei als sich alles bis ins kleinste Detail klar durchdacht auflöste.

Selbst eine E-Mail Adresse für das Agriturismo wurde seitens des Autors eingerichtet. Man darf also gespannt sein, was sich daraus entwickelt. (anticapuglia.it)

Für mich war der zweite Band nochmal einen Ticken besser als der erste. Als geradezu fesselnd empfand ich die Rückblicke in Zeiten Elenas Urgroßvaters und Großvaters, als die verschollenen Oldtimer, halt noch keine verstaubten „alte Kisten“, sondern zum Teil außerordentlich schnittige Autos waren und der Autor unter anderem so bedeutende Rennfahrer mit in seine Geschichte eingebaut hat, die sich auch einen Namen im Kampf gegen die Nationalsozialisten gemacht haben. Diese dann in Nacht- und Nebelaktionen quer durch Europa fahren zu lassen um die wertvollen Autos eben vor jenen Schreckensgestalten zu verstecken, hat mir außerordentlich viel Spaß gemacht zu lesen. Genau das macht ein gutes Buch für mich aus. Es hat mich gepackt und ich war mittendrin statt nur dabei.

Aber auch die gut zusammen harmonisierenden Charaktere tragen diese Geschichte bis zum Ende. Hier setzt der Autor immer wieder auch auf starke weibliche Rollen, die selbstbewusst ihren Weg gehen. Sei es Maria, die den schweren Schicksalsschlägen trotzte, in einer Zeit, wo den Frauen wenig Gehör geschenkt wurde. Aber auch Elena, ihre Enkelin, die sich ihren Weg erst noch suchen musste oder eben in Form der Züricher Verlegerin Kathrin, die ihrerseits feststellt, dass Karriere vielleicht doch nicht alles ist. Dennoch bin ich froh, dass Bruno Heter nicht allzu sehr in die Lobhuldigungen des weiblichen Geschlechts abrutscht und auch den männlichen Charakteren auf Augenhöhe ein Mitspracherecht gibt und ihnen ihre Daseinsberechtigung einräumt. So sind diese unterschiedlichen Lebensgeschichten wunderbar harmonisch abgerundet und werden durch den Autor humorvoll oder gefühlvoll, aber immer emphatisch erzählt.

Es ist sehr erholsam, dass in diesem Thriller nicht an jeder Ecke geschossen, geballert und gemordet wird und das Blut nicht literweise von den Wänden tropft. Natürlich gibt es diese Szenen, sie halten sich aber in einem "gesunden Rahmen". Hier liegt das Augenmerk zur Abwechslung auf die Entwicklung der Geschichte. Und diese wird von Bruno Heter an jeder Stelle seines Buches gekonnt vorangetrieben.

Fazit:

Durch die gelungenen und sehr interessanten Rückblicke in die Vergangenheit, wird die Suche in der Gegenwart wirklich spannend. Es ist ein gut aufgebauter Thriller, der aber auch immer wieder zwischenmenschliche Beziehungen zulässt, und dieses Buch für mich insgesamt zu einem Wohlfühlbuch macht. Hier findet man zwischen alten Freundschaften, junger Liebe und anbahnenden Liebschaften eine packende Geschichte der Automobilindustrie, die top recherchiert Fiktion und Realität verbindet und Lust auf Teil drei der Pignatelli- Reihe macht.


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Veröffentlicht am 14.04.2023

Eine durchaus gelungene, tiefgründige und kunterbunte Mischung aus dem Leben …

Einseitige Texte - Momentaufnahmen des Lebens
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Beinahe schnörkellos erzählt der Autor, die unterschiedlichsten Anekdoten aus (s)einem Leben. Sie folgen keinem roten Faden, der sich linear an einem Zeitstrang windet, sondern er verläuft wie das Leben ...

Beinahe schnörkellos erzählt der Autor, die unterschiedlichsten Anekdoten aus (s)einem Leben. Sie folgen keinem roten Faden, der sich linear an einem Zeitstrang windet, sondern er verläuft wie das Leben selbst, mal hier hin und mal dort hin oder eben alphabetisch, der Ordnung halber.

Diese Kurzgeschichten sind oft mit einem leicht humoristischen Unterton angehaucht, aber dabei doch immer wieder nachdenklich, überlegt und tiefgreifend. Sie sollen unterhalten, Freude oder auch ganz einfach Trost spenden. Sie gleichen beinahe einem Reiseführer, quer durch die Gedankenwelt des Autors und ich als Leser darf vertrauensvoll mit auf die Fahrt.

Und was wäre, wenn ich mich auf diese Fahrt mit dem Hotel Volvo oder auch mit dem Bus einlassen würde? Würde ich auf der Autobahn des Lebens bunten Schmetterlingen, Tänzerinnen, Tangomeistern, Jerrys und kleinen Hexen begegnen? Was wäre, wenn ich in den Rückspiegel schaue? Dort würde ich womöglich das Herbstlicht golden schimmern sehen und durch die
Frontscheibe würde vielleicht mein Schicksal auf mich warten. Eventuell wären meine Träume auf der Heimfahrt wahr geworden, die Tränen getrocknet und der Liebeskummer ganz weit weg, und dann hätte ich bestenfalls eine Reise zu mir selbst gehabt.

Der Autor lässt mich an seine Erfahrungen und Erlebnisse, die er hier gedanklich und höchst persönlich beschreibt, teilhaben. Dabei werde ich an Orte geführt, die mein Fernweh und Heimweh schüren. Manche lassen mich auf meinem Spaziergang schmunzeln, andere wiederum halten mir einen Spiegel vor, aber andere lassen mich auch einfach sprachlos zurück.

„… also fügst du dich deinem Schicksal und betrittst die Wohnung, öffnest die Tür der Räume, die dein Zuhause sein könnten. … Dein scheuer Ruf vermischt sich mit dem Geschrei der Personen, die deine Eltern sein könnten. … Im Hintergrund steigert sich das Geschrei zu einem untrennbaren Gemisch aus zwei Stimmen, einer hohen schrillen und einer bedrohlich tiefen. Zwei Menschen, aus deren Liebe du einst entstanden bist. Ihre Liebe ist zerbrochen – was ist mit dir?
(Sprachlos S.147/148)

Aber auch Zwiegespräche mit Jesus und Gott werden geführt. Diese Gedankengänge zum Thema Religion bzw. Jeshua selbst haben mir, und gerade da ich überhaupt kein kirchlicher Mensch bin, trotz allem wirklich gut gefallen. Sie haben mich nicht zum Massenprodukt Kirche geführt, sondern haben mich einen Blick hinter die Kulissen werfen lassen und da steht seit tausenden Jahren nämlich ein Mann, dem eigentlich leider keiner mehr zuhört.

„Wer sich heute auf die Handlungen Jesu reduziert, wer heute die Einfachheit seiner Einstellung und seiner Art erkennt, der hat begriffen, was Menschlichkeit wirklich bedeutet.
(Der Influencer von Nazareth S. 44/45).

Und doch sind es immer lebensbejahende Geschichten, die uns die Sicht auf das Wesentliche eröffnen sollen, aber auch auf unsere heutige Gesellschaft, die den Blick auf das Wichtigste verloren zu haben scheint. Wieder mehr zusammenrücken, füreinander da sein, aufeinander zugehen, einander zuhören und jedes Individuum so zu akzeptieren, wie es in seiner Welt nun mal ist. Welch wunderschöner Traum wäre das.

Bruno Heter lässt auch seine Tätigkeit als Lehrer mit in seinen Texten einfließen. Hier erfahre ich vom Alltag aus Sicht des Lehrers und wie wichtig seine Arbeit an dem wichtigsten Gut der Menschheit ist, nämlich unserer Kinder. Es werden liebevolle, aber eben auch sehr ehrliche Worte an Schüler, Lehrer und Eltern gerichtet. Das der Autor seinen Beruf liebt und verdammt ernst nimmt, ist deutlich aus diesen Erzählungen herauszulesen. Und so geht er auch einfach mal in das Schneetreiben hinaus und lässt allen das Gefühl da, wieder sorglos, neugierig und glücklich zu sein.
Danke an den Lehrer Bruno Heter.

Für mich ist dieses Werk ein buntes Potpourri an Geschichten, Begebenheiten, Erinnerungen und Möglichkeiten, das sanft nachklingen wird und in dem ich sicherlich noch öfters blättern werde.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Märchen neu erzählt. Für Märchenliebhaber ein Muss.

Narbenkönig
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Eine nebelverhangene Burg, ein mysteriöser Todesfall und ein geheimnisvoll entstellter König trifft auf eine widerspenstige und hartnäckige Prinzessin...

Prinzessin Lilliana muss mit Entsetzen feststellen, ...

Eine nebelverhangene Burg, ein mysteriöser Todesfall und ein geheimnisvoll entstellter König trifft auf eine widerspenstige und hartnäckige Prinzessin...

Prinzessin Lilliana muss mit Entsetzen feststellen, dass ihr Vater König Jaromir von Aurenbrunn sie tatsächlich mit irgendeinem dahergelaufenen Kronprinzen oder, vielleicht schlimmer noch, einen tattergreisigen König vermählen will, sollte sie sich nicht fügen. Voller Wut über diese Anmaßung, schließlich will sie ja gar nicht heiraten, verprellt die Prinzessin ihre "Ehemänner in Spe".

Im darauffolgenden Streit mit ihrem Vater und in ihrer Not, eröffnet Lilliana ihm, lieber das narbengesichtige Ungetüm sowie Brudermörder, auch wenn es angeblich reine Notwehr war, König Amon von Grauemfall zu heiraten, als einen von diesen Gockeln, die nur hinter dem Ansehen und Geld ihres Vaters her sind. In der Hoffnung, dass ihr Vater sie niemals an dieses "Monster" verheiraten würde, wähnt sie sich in Sicherheit. Doch es kommt anders als Lilli erdacht und so wird sie von ihrem Vater, nachdem er scheinbar alles mit König Amon geklärt hat, zur Burg Grauemfall geschickt um ihren zukünftigen Ehemann kennenzulernen.

Der König ging davon aus, dass keine Prinzessin, die bei Verstand war, den entstellten König von Grauemfall heiraten würde und deshalb würde er wiederkommen und seine Tochter zurückholen.

Lilli ist fassungslos, aber ihr bleibt nichts anders übrig, als dem Befehl ihres Vaters Folge zu leisten. Insgeheim schmiedet sie aber Pläne, wie sie aus dieser misslichen Lage entkommen kann. Kaum auf der Burg des besagten Königs angekommen, scheint dieser aber keine Absicht zu haben Lilli in irgendeiner Weise zu begrüßen oder geschweige denn mit ihr sprechen zu wollen. Lilli ist erbost über diese Dreistigkeit lässt sich aber ob der Beleidigung und Zurückweisung nichts anmerken und verfolgt weiter ihren Plan so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen.

„Lilliana, ihr habt einen Streit mit Eurem Vater und es ist eindeutig, dass Ihr mit Eurem Auszug aus dem elterlichen Schloss eine Rebellion anzetteln wollt, wofür ihr mich benutzt.“

Doch umso länger sie auf dieser Burg bleibt, umso mysteriöser erscheinen die Geschehnisse. Immer mehr verliert ihr Plan zurück nach Hause zu kommen an Bedeutungslosigkeit, vielmehr will sie verstehen was hier vor sich geht.

Lilli kam einen Schritt näher. „Darf ich Euch etwas fragen?“
Amon senkte das Buch und sah auf. „Ihr gebt ja doch keine Ruhe. Dann fragt eben.“
„Schützt Ihr Euer Gesicht im Schlaf, weil Ihr Angst habt, Euer Bruder könnte zurückkommen?“

Warum erscheint ihr Amon nicht so grausam entstellt? Warum sieht sie ihn anders, als alle um ihn herum?

„Obwohl Amon sich nur gewehrt hatte, hat er es nie überwunden, seinen Bruder getötet zu haben … Man sagte Amon nach, mit bösen Geistern im Bunde zu sein, da er gegen jede Logik überlebt hatte. Manche sagten, dass er ein dunkles Herz hätte und das Schicksal ihn durch die Hand seines Bruders bestraft hätte … Aber ich, Prinzessin, ich sah etwas anderes. Ich sah einen jungen Mann, der unter der Maske eines Monsters verschwunden war.“

Aber was für Lilli immer mehr zu zentralen Bedeutung wird, kann Amon zulassen ihr Vertrauter und Freund zu werden, trotz all seiner Narben, die er mit sich herumträgt?
Letztendlich müssen beide auf grausame Weise erfahren wer Freund und wer Feind ist.

Eindrücke

Dieses durch Zufall entdeckte Buch gehört zu den „Neuen Märchen“, das heißt es ist keine wiederholte Ausgabe eines altbekannten Märchens, sondern ein eigenständiges neues Werk. Obwohl es an manchen Stellen natürlich gewisse Parallelen aufweist, die aber für mich auch einfach klassisch zu einem Märchen gehören. Und als Märchenliebhaber konnte ich selbstverständlich nicht daran vorbeigehen.

Ganz althergebracht werden hier alle charakteristischen Personen eingebaut die eine Märchenerzählung, meiner Meinung nach, haben muss. Die Autorin bedient sich an diesen klischeehaften Charakterzügen, gibt ihnen aber modernere Züge, oder entstaubt sie einfach und haucht ihnen Leben ein.

So ist die Prinzessin nicht zwangsläufig einfach nur verwöhnt, kratzbürstig und eigensinnig und schon gar nicht sieht sie ihr Heil in einer Hochzeit, sondern will einfach nur ihren eigenen Weg bestreiten und nicht als handelsübliche Ware an den meistbietenden Kunden verkauft werden. Das macht sie ja nicht weniger sympathisch, sondern eher nahbar und verständlich. Auch heute noch denken Menschen, dass eine Frau bzw. ein Mädchen anstrengend und furchtbar ist, wenn sie offen ihre Meinung kundtut.

Wir haben immer noch viel zu viele starre und engstirnige Ansichten, sicherlich eben auch bedingt durch Erzählungen und Geschichtensammlungen alter Zeiten in unseren Köpfen, die vielleicht auch mit diesen neuen Märchen etwas entstaubt werden.

Und letztendlich ist es ja überhaupt nicht schlimm, dass die stolze Prinzessin ihre Pläne umwirft und doch die Liebe findet und heiratet, wichtig ist doch, dass sie selbst entschieden hat welchen Weg und vor allem mit wem sie ihn geht. Im Laufe der Geschichte erkennt sie, auch mit Hilfe von getreuen Untergebenen, dass sie nicht immer mit dem Kopf durch die Wand muss um etwas zu erreichen. Sie entwächst nach und nach ihren „Kinderschuhen“, so, dass sie immer mehr über ihr Handeln nachdenkt, bevor sie zur Tat greift.

Aber auch der Prinz, in diesem Fall schon ein jung gekrönter König, wird von der Autorin wunderbar in seinem verletzlichen Wesen gezeichnet, er ist nicht mehr nur eine Randfigur, wie in so vielen Märchen, der die Prinzessin erretten muss. Er hat tatsächliche Gefühle und Leben in sich. Und zur Abwechslung ist es genau die liebenswert „nervige“ Art der Prinzessin die ihn aus seiner Lethargie reißt und er lernt das das Leben vielleicht doch lebenswert ist.

Beide lernen Vertrauen zu geben, aber auch anzunehmen. Aber bis es soweit ist müssen noch so einige Hindernisse und Geheimnisse gelüftet werden, die sicherlich in gewissen Maßen vorhersehbar waren, aber nichts desto trotz sehr gut und spannend verpackt waren.

Besonders gefallen haben mir, neben dem zarten Anbandeln der Protagonisten und den wunderschönen intimen und vor funkensprühenden Dialogen, die eingebauten geheimnisvollen und dadurch sehr schaurigen Momente, die dem Ganzen eine mystische Note gegeben haben.


Fazit

Kurzum wurde hier eine wunderschöne Geschichte mit zauberhaften und lebensnahen Charakteren erschaffen, welche ich mir auch gut verfilmt vorstellen kann. Einige Parallelen von “König Drosselbart“ wurden hier aufgegriffen und in neuem und frischem Gewand vereint, dazu mit einigen schaurigen Momenten verwoben, wodurch es zu einem reinen Lesevergnügen wurde.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Die mittlere Tochter der Bennets tritt aus den Schatten ihrer Schwestern ...

Miss Bennet
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Miss Bennet ist ein außergewöhnlich feinfühliger Roman über die mittlere Tochter Mary Bennet, der wohl berühmtesten fiktiven Familie Englands, frei nach Jane Austen.

Mary steht seit sie denken kann ...

Miss Bennet ist ein außergewöhnlich feinfühliger Roman über die mittlere Tochter Mary Bennet, der wohl berühmtesten fiktiven Familie Englands, frei nach Jane Austen.

Mary steht seit sie denken kann im Schatten ihrer Schwestern, sein es die beiden ältesten Jane und Elisabeth, die vor Schönheit und Sanftmut sowie Klugheit und Charme nur so strotzen oder ihren beiden jüngsten Schwestern Kitty und Lydia, die nur nach roten Mantelaufschlägen Ausschau halten und für vernünftige Konversationen nicht viel übrig haben. Mary ist hin und her gerissen zwischen den Einflüssen ihrer nervenschwachen und tumben Mutter, die nur auf Äußerlichkeiten und den Reichtum der zu heiratenden Männern achtet und ihrem Vater, der zwar belesen und einiges an Bildung inne hat, aber dennoch überhaupt keine Beziehungen zu seinen Töchtern pflegt, außer zu Lizzy, seiner zweitgeborenen.

Mary versucht sich einen Platz in dieser lauten Familie zu etablieren und merkt schnell, dass ihr dieses unmöglich ist, schon weil ihre Mutter in ihr von Anfang an einen hoffnungslosen Fall sieht, bedauernswert und hässlich. Mary beschließt nach einem Missgeschick auf dem öffentlichen Ball in Hertfordshire, nur noch ihrem Verstand zu folgen und auf jegliche Gefühlsäußerungen zu verzichten, da sie unwissentlich und naiv wie sie war, einen guten Menschen, der ihr Respekt und Aufmerksamkeit entgegengebracht hat, vor den Kopf gestoßen hat. Fortan sieht Mary ihr Heil nur noch in ihrer geistigen Bildung.

Als sich später die Möglichkeit bietet, vielleicht Mr. Collins, dem Erbe des Familiensitzes, zu ehelichen, um wie sie findet auch ihre töchterlichen Pflichten nach zu kommen und vor allem ihrem Schicksal einer alten Jungfer zu entkommen, muss sie entsetzt feststellen, dass ihr Lizzies Freundin Charlotte zuvorgekommen ist. Nun scheint das Schicksal Marys besiegelt. Ohne Hoffnung auf einen Ehemann, wird sie wohl das trostlose Dasein als alte Jungfer fristen müssen.

Nachdem ihre beiden ältesten Schwestern ihr Glück gefunden und sich sehr wohlhabend verheiratet haben, und auch die beiden jüngeren Schwestern mehr oder weniger gut situiert verheiratet wurden sind, ist Mary nun allein mit ihrer immer zeternden Mutter und ihrem stets unterkühlten Vater auf dem Familiensitz Longbourn und ihr Leben scheint als Gesellschafterin ihrer Mutter vorherbestimmt.

Doch der plötzliche Tod ihres Vaters nimmt ihr nun auch diese Sicherheit. Mary und ihre Mutter müssen ihr geliebtes Longbourn verlassen und ziehen zu ihrer Schwester Jane und ihrem Mann Mr. Bingley. Hier fühlt sich Mary nicht angenommen und leidet schrecklich unter Mr. Bingleys Schwester. Sie sieht keinen anderen Ausweg, als zu ihrer Schwester Lizzie nach Pemberley weiterzuziehen. Aber auch hier bemerkt Mary schnell, dass sie nie mehr als nur eine Zuschauerin im Leben der glücklichen Familie sein wird.

Auch ihr Aufenthalt in Longbourn, den sie für einen für sie hoffnungsvollen Zwischenstopp gewählt hat und Charlotte und Mr. Collins besucht, endet nicht glücklich für sie. Also nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und schreibt ihrer Tante nach London, dort wo auch einst ihre Schwestern Zuflucht gesucht und gefunden haben und bekommt alsbald eine schnelle und positive Antwort von ihrer Tante Gardener.

Mary ist überwältigt von der Stadt London, aber vor allem taut sie bei der herzlichen Familie des Bruders ihrer Mutter nach und nach auf. Dort entdeckt Mary Seiten an sich, die sie nie für möglich gehalten hätte. So entwickelt sie wieder Spaß an Abendeinladungen und hat das Gefühl, dass ihr hier endlich Gehör geschenkt wird, aber auch banale Dinge, wie sich für diese Abendgesellschaften schick zu machen, stößt sie nicht mehr ab. Dies scheint ganz allein dem jungen Anwalt Tom Hayward zu verdanken zu sein, der sich fest vorgenommen hat, Mary aus ihrem Scheckenhäuschen herauszuholen und dies tut er, indem er ihr die Schönheit der Poesie näher zu bringen versucht.

Als dann auch noch der junge Adlige Will Ryder ihr den Hof macht, ist Mary schneller als ihr lieb ist gefangen zwischen Vernunft und Gefühl.

Persönliche Eindrücke:

Dieser Roman ist in vier Abschnitte unterteilt. Der erste Teil ist frei nach Jane Austens Roman Stolz und Vorurteil aus der Sicht von Mary Bennet, der mittleren der 5 Töchter, erzählt. Die Autorin entsinnt im ersten Teil gekonnt zu den bekannten Situationen die Sichtweise von Mary und beleuchtet ihr Seelenleben für mich auf sehr eindrückliche Weise und gibt so einen möglichen Einblick, den vielleicht auch Jane Austen im Sinn hatte, wieso Mary so ist, wie sie ist.

Zur rechten Zeit wechselt die Autorin dann in den zweiten Teil, da ich als Leserin ungeduldig werde und natürlich Marys Weg weiterverfolgen will. Hier nimmt das Buch für mich dann an Fahrt auf und entwickelt sich zu einen gelungenen Porträt einer heranwachsenden sympathischen Frau, die lange im Schatten ihrer übergroßen Familie stand. Sie entfaltet sich und macht Fehler, ist hin und her gerissen zwischen Gedanken und Gefühlen, aber ganz im Sinne Jane Austens findet auch Mary ihren Weg und vor allem ihre Stimme als selbstbewusste Frau.

Fazit:

Mich hat das Buch spätestens ab Teil zwei richtig abgeholt und äußerst gut unterhalten. Ich bin gern der Geschichte von Mary gefolgt und habe ihr beim Wachsen zugesehen. Gleichzeitig ist sie ein würdiger Abschluss, der unbedingt noch gefehlt hat. Dieser Roman kann sich absolut nahtlos zu den anderen Romanen von Jane Austen einreihen. Eine klare Leseempfehlungen für alle die gerne in romantische und fesselnde Verwirrungen zur Zeit Jane Austens abtauchen.

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