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Veröffentlicht am 26.10.2023

Mensch und Monster

Frankenstein
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Gibt es jemanden, der diesen Klassiker von Mary Shelley nicht kennt? Nun, falls jemand nur die meist wirklich schauerlichen Filme gesehen hat: Es handelt sich hier um eine Erzählung innerhalb einer Erzählung ...

Gibt es jemanden, der diesen Klassiker von Mary Shelley nicht kennt? Nun, falls jemand nur die meist wirklich schauerlichen Filme gesehen hat: Es handelt sich hier um eine Erzählung innerhalb einer Erzählung innerhalb einer Erzählung. Im Jahre 17** schreibt Walton, ein reicher Privatier, der ein Schiff ausgerüstet hat und mit ihm auf dem Weg in die Arktis ist, seiner Schwester einen Brief. Er berichtet von seltsamen Ereignissen und von einem Mann, den er halbtot an Bord genommen hat. Dieser Mann heißt Viktor Frankenstein und er hat eine eigene Geschichte zu erzählen: die eines Mannes, der voll fiebrigen Wahns eine Kreatur erschuf und sich dann vor ihr zu fürchten begann. Der Rest ist - wie man so schön sagt - Geschichte.

Das Besondere an dem Buch ist natürlich nicht der extreme Horror, den es verbreitet, denn das tut es nicht. Es ist eine klassische Schauergeschichte, ruhig erzählt, wie es zu der Zeit üblich war. Außergewöhnlich ist eher, dass die Autorin zum Zeitpunkt des Schreibens erst 18 Jahre alt und für ihre Zeit eine unglaublich moderne Frau war. Bei ihrer routinierten Art des Schreibens ist es unmöglich zu erkennen, dass hier ein Debüt vorliegt. Und kann man sich vorstellen, dass es über 200 Jahre alt ist? Es greift so viele zeitgenössische Themen auf: die Frage nach der Ethik. Wer ist hier Mensch? Wer ist das Monster? Ist Frankenstein wirklich der edle gequälte Geist, als der er von Walton bezeichnet wird? Wahrscheinlich wagten bereits die LeserInnen zu Beginn des 19. Jahrhunderts an dieser Aussage zu zweifeln. Doch bevor ich mich hier in weiteren philosophischen Fragen, die das Buch aufwirft, verliere, noch ein paar Worte zur Gestaltung.

Als Schmuckausgabe liegt es angenehm schwer in der Hand und das Cover lässt sich griffig anfassen. Die Seiten haben einen durchgehenden schwarzen Farbschnitt, die sich mit einem angenehmen Geräusch auseinanderziehen lassen. Unheimliche Illustrationen in Schwarz, Weiß und Rot sowie gelegentliche schwarze Seiten mit weißer Schrift und rote Seiten mit weißer Schrift verstärken das Gefühl des Schauerlichen. Ich habe jedenfalls die (wiederholte) Lektüre dieses Klassikers genossen.

Veröffentlicht am 14.10.2023

Hundesteuer für Werwölfe

Darf man eigentlich Zombies töten?
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Darf man Zombies töten? Sind Posteulen erlaubt? Gibt es Strafzettel, wenn ich meinen DeLorean oder das Batmobil öffentlich parke? Und wie ist das eigentlich rechtlich geregelt, wenn ich in meiner Freizeit ...

Darf man Zombies töten? Sind Posteulen erlaubt? Gibt es Strafzettel, wenn ich meinen DeLorean oder das Batmobil öffentlich parke? Und wie ist das eigentlich rechtlich geregelt, wenn ich in meiner Freizeit einer geheimen Superman/womanidentität nachgehe, muss ich das meinem Arbeitgeber melden? Diesen und anderen interessanten Fragen nimmt sich der Richter und Jurist Thorsten Schleif an. Und er findet tatsächlich viele rechtliche und juristische Auslegungen, was diese enorm wichtigen Dinge betrifft. Und auch, wenn ich nicht immer damit einverstanden bin, wie das BGB gewisse Dinge regelt, muss ich mich doch den Gegebenheiten fügen.

Ja, mich ärgert, dass Blitzdingsen strafrechtlich nicht verfolgt wird, genauso wie der Einsatz von Magie. Genau da muss die Justiz in nächster Zeit wirklich ansetzen und neue Gesetze schaffen, genauso was die Zerstörungen betrifft, die von Godzilla oder Zombies angerichtet werden. Und falls sich jemand fragt: Nein, Werwölfe selbst müssen keine Hundesteuer zahlen. Dafür ihre EhepartnerInnen. Recht hat halt nicht immer etwas mit Gerechtigkeit zu tun.

knurr

Der Autor plaudert hier amüsant und kurzweilig aus dem Näh... Filmkästchen. Es macht wirklich Spaß, ihm zuzuhören und interessante neue Sichtweisen auf gewisse Filmklassiker zu erhalten.

Veröffentlicht am 14.09.2023

Familienfehde

Insel der wandernden Flüche - Skys Gabe
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Sky Lamar hat die Nase voll davon, ihrer in der Welt herumreisenden Mutter zu folgen. Sie beschließt, auf der Insel Sidh bei ihrem Großvater sesshaft zu werden. Doch kaum angekommen, erfährt sie endlich, ...

Sky Lamar hat die Nase voll davon, ihrer in der Welt herumreisenden Mutter zu folgen. Sie beschließt, auf der Insel Sidh bei ihrem Großvater sesshaft zu werden. Doch kaum angekommen, erfährt sie endlich, warum ihre Mutter nie mehr dahin zurückkehren will: Ausgelöst durch eine Familienfehde zwischen den Lamars und den MacLeods hat entfesselte Magie dafür gesorgt, dass unkontrollierbare Flüche die Insel beherrschen. Alle Bewohner unterwerfen sich daher strengen Regeln, doch Sky will sich nicht damit abfinden. Als sie bemerkt, dass sie eine bestimmte Gabe besitzt, versucht sie, etwas gegen die Flüche zu unternehmen.

Ich mochte die Idee und das Buch sehr. Mir gefällt, dass Sky - obwohl noch recht jung mit vierzehn - frischen Wind auf diese Insel voller verknöcherter Personen und Meinungen bringt. Und noch mehr gefällt mir, dass sie sich vom hiesigen Badboy Rory MacLeod nicht zu einer glibbrigen sabbernden Amöbe reduzieren lässt, sondern den Kopf behält, obwohl sie ihn (manchmal) gut findet. Sein Benehmen wird von ihr nicht anhimmelnd angenommen und sie lässt sich nicht durch ein hübsches Gesicht dazu verleiten, alles zu vergessen und verzeihen. Hingegen erkennt sie glasklar, dass eine andere Person, die ihr Schaden zugefügt hat, von diesen verknöcherten Personen dazu getrieben wurde und sie behält ein gewisses Geheimnis in dieser Hinsicht für sich. So sollten Jugendbücher sein: mit starken Protagonistinnen, die selbstbewusst und selbstreflektiert die Geschehnisse bewerten und an ihnen wachsen können, verzeihen, wo es angebracht ist und ihren eigenen Weg gehen, ohne einen männlichen Helden an ihrer Seite zu brauchen. Jedenfalls keinen, der sie bei erstbester Gelegenheit hängen lässt. Hoffentlich lässt der zweite Band nicht zu lange auf sich warten.

Veröffentlicht am 13.09.2023

Spione für England

Spionieren ist (k)ein Kinderspiel
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May Wong ist die jüngere Schwester von Hazel und sie hasst, hasst, hasst es auf der Deepdean-Mädchenschule - oder ganz allgemein in England. Und dann befindet sich England im Jahre 1940 auch noch im Krieg ...

May Wong ist die jüngere Schwester von Hazel und sie hasst, hasst, hasst es auf der Deepdean-Mädchenschule - oder ganz allgemein in England. Und dann befindet sich England im Jahre 1940 auch noch im Krieg und sie kann nicht einfach nach Hongkong zurückkehren. May, die immerhin fast elf Jahre alt ist (also so in einem halben Jahr oder so) beschließt, etwas gegen den Krieg zu unternehmen. Sie büxt aus der Deepdean aus und begibt sich nach London, um Spionin zu werden. Natürlich ist sie viel zu jung und wird abgelehnt, doch sie lernt einen wertvollen Verbündeten kennen: den gleichaltrigen Eric. Zusammen mit ihm lässt sie sich zum Schutz vor den Bomben aufs Land bringen, nach Elysium Hall, wo sie Spione der Nazis vermuten. Wenn sie die entlarven, steht ihrer Karriere als Agenten für England nichts mehr im Wege! Doch dann geschieht ein Mord ... und ein zweiter.

Ich liebe ja schon die Reihe um Wells und Wong, Mays ältere Schwester Hazel und deren beste Freudin Daisy. Mit May haben wir eine wunderbare eigene Persönlichkeit vorliegen, die gleichzeitig völlig natürlich kindlich naiv, stur und anstrengend ist, aber auch extrem clever und mutig sein kann. Zusammen mit ihren neuen Freunden - dem Schwarzen Eric, der aus Deutschland fliehen musste - und Nuala, der Enkelin des Herrenhauses, bildet sie ein perfektes Team, um nicht nur ihre Ziele zu erreichen, sondern auch Freundschaft, Missgunst, Hass, Angst und all die anderen Gefühle rüberzubringen, die mitten in einem furchtbaren Weltkrieg auftauchen. Dabei ist die Bedrohung des Krieges keine subtile; man bekommt den permanenten Druck selbst dort auf dem Land gut zu spüren. Verdunkelung, Gasmaskentaschen, mögliche Spione und Agenten der Gegenseite, dazu die Morde, die Intrigen, die falschen Fährten: Robin Stevens webt wieder ein unglaublich spannendes Netz, in welchem sich nicht nur die jungen Protagonisten schnell verheddern können. Her mit dem zweiten Fall!

Veröffentlicht am 05.09.2023

Schnüffler, Katzen und Cold Cases

Hals- und Pfeilbruch
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Mit diesem Buch haben wir den zweiten Band der Niederbayernkrimireihe um Ronja, Veit und Kitten vorliegen. Gleich vorneweg: Auch der hat mich wieder kurzweilig unterhalten und amüsieren können.

Ronja ...

Mit diesem Buch haben wir den zweiten Band der Niederbayernkrimireihe um Ronja, Veit und Kitten vorliegen. Gleich vorneweg: Auch der hat mich wieder kurzweilig unterhalten und amüsieren können.

Ronja und Veit, ihr Kriminalkommissar, mit dem sie seit Band 1 zusammen ist und den sie mit ihrer Vorliebe fürs Bogenschießen angesteckt hat, sind zusammen auf einem Bogenparcours, als ihnen plötzlich eine tote Frau vor die Füße fällt. Unfall? Selbstmord? Ronja ist sich sicher, dass sie kurz vorher jemanden mit der Frau hat sprechen hören. Als sie erfährt, dass die Tote die Vorsitzende einer Autorenvereinigung ist, kommt sie unverhofft in Kontakt mit seltsamen Menschen der schreibenden Zunft. Doch dann gibt es einen zweiten Todesfall unter den AutorInnen und irgendwie möchte sie auch noch herausfinden, was es mit dem vierzig Jahre alten Mord auf sich hat, der sich in ihrer Gegend ereignete ...

Ich habe schon den ersten Band richtig abgefeiert. Man merkt, dass die Autorin weder sich noch ihre Charaktere allzu ernst nimmt und alles mit einem Augenzwinkern erzählt. Was die Katze von Ronja jedes Mal abzieht, ist so extrem aus dem Leben gegriffen - Katzenbesitzer wissen, was ich meine. Richtig gut finde ich, dass hier der männliche Part nicht als supercool, sondern als einfach feiner, netter Kerl dargestellt wird und Ronja keine Zicke ist. Und wenn sie doch Zickenanwandlungen hat, das selbst merkt und blöd findet. Das Buch ist nicht lang, punktet aber mit viel Sympathie, Charme und Humor. Wo bleibt Teil 3?