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Veröffentlicht am 10.09.2017

Angst in London

Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper
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Die finsteren, verkommenen Gassen White Chappels waren schon in den guten Zeiten der Schrecken von ganz London. Doch neuerdings bergen sie für die heruntergekommenen Bewohner einen namenloses Entsetzen: ...

Die finsteren, verkommenen Gassen White Chappels waren schon in den guten Zeiten der Schrecken von ganz London. Doch neuerdings bergen sie für die heruntergekommenen Bewohner einen namenloses Entsetzen: Prostituierte sterben in den Gassen eines grauenhaften Todes und der Mörder ist nicht zu fassen.

Scotland Yards Chief Inspector Donald Swanson und sein Team stehen vor einem großen Rätsel. Alle Spuren führen ins Leere. Kommt der Mörder vielleicht aus den eigenen Reihen? Warum sonst scheinen gewisse Leute die Ermittlungen behindern zu wollen? Dann geraten sogar Oscar Wilde und Lewis Carroll unter Verdacht.

Augenblicklich wird der Leser ins viktorianische London versetzt. Die dunklen Gassen, die verkommenen Häuser, die kalte Hoffnungslosigkeit schleicht sich sofort ins Blut. Man meint den Nebel zu spüren und Jack the Ripper hinter jeder Figur vermuten zu können. Marley schafft es die Atmosphäre des viktorianischen Londons perfekt zu spinnen. Die Charaktere sind großartig aufgebaut. Glaubhaft konstruiert er die bekannte Geschichte um einen der brutalsten Verbrecher. Man spürt in jeder Zeile die große Sachkenntnis des Autors. 25 Jahre hat er zu diesem Roman recherchiert und das merkt man. Er hat es geschafft aus seinem Faktenwissen und seiner Begeisterung eine Geschichte zu spinnen, die sich nicht in Einzelheiten verliert, sondern alles zu einem spannenden, glaubhaften und unvergesslichen Kriminalroman verdichtet.

Eine besondere Überraschung findet der Leser im Nachwort. Persönlich verfasst vom Urenkel des Inspector Swanson!

Marley hat mich auch mit seinem zweiten Roman um Chief Inspector Swanson, der chronologisch vor dem ersten spielt, restlos begeistert! Das fast alle Charaktere historisch belegt sind, ist eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen. Jede Zeile atmet die viktorianische Zeit. Man ist als Leser versucht, sich umzuschauen. Lauert nicht doch was hinter der dunklen Mauer?

Leider hat meine Lieblingsfigur, Oscar Wilde, hier keinen großen Auftritt gehabt, aber das ist auch alles, was ich zu bemängeln habe. Da hoffe ich auf das nächste Buch. Titelfigur ist aber nun mal Inspector Swanson. Ich kann den dritten Band nicht erwarten!

Veröffentlicht am 10.09.2017

Gefährliches Gold

Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten
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Ein brutaler Mord an einem Goldschmied ruft Inspector Swanson auf den Plan. Gestohlen wurde nichts, warum also musste der Schmied sterben? Steckt der reiche Teilhaber Sir Greenland dahinter? Oder die geheimnisvolle ...

Ein brutaler Mord an einem Goldschmied ruft Inspector Swanson auf den Plan. Gestohlen wurde nichts, warum also musste der Schmied sterben? Steckt der reiche Teilhaber Sir Greenland dahinter? Oder die geheimnisvolle Frau, die vor dem Angestellten des Goldschmieds geflohen war? Dann geschieht ein zweiter, noch brutalerer, Mord. Swanson gerät unter Druck.

Ein sorgfältig konstruierter Kriminalroman mit viel Hintergrundwissen über die Anfänge der Forensik, der Goldschmiedkunst und Zeitgeschichte. Es bleibt viel Spielraum für Spekulationen. Interessante, vielschichtige Charaktere und Witz lassen einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Als Höhepunkt treten Gaststars wie Oscar Wilde und Arthur Conan Doyle auf. Sprachlich ist die Geschichte ausgefeilt und historisch fundiert. Dass das Buch außerdem äußerlich wirklich phantastisch aufgemacht ist, mit blau gefärbten Schnitt, macht es auch optisch zu einem tollen Erlebnis.

Ein wirklich großartiger Kriminalroman, den ich in einem Zug durchgelesen habe. Kreative Morde, sehr sympathische Figuren und überraschende Wendungen, dazu Oscar Wilde – damit hat dieses Buch 5 Sterne verdient. Ich fieber dem zweiten Band entgegen!

Veröffentlicht am 03.09.2017

Ein interessantes Sammelsurium

Schacht und Hütte
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Der vorliegende 72. Band von Karl Mays Gesammelten Werken stellt das bunte Frühwerk aus Mays Redaktionszeiten zusammen. Ein kurzes Vorwort gibt einen Überblick über die Sammlung und klärt ein paar Hintergründe. ...

Der vorliegende 72. Band von Karl Mays Gesammelten Werken stellt das bunte Frühwerk aus Mays Redaktionszeiten zusammen. Ein kurzes Vorwort gibt einen Überblick über die Sammlung und klärt ein paar Hintergründe. Jedem Teil des Buches sind weitere kurze Einführungen dieser Art vorangestellt. Sie sind kurz genug, um den Leser nicht zu langweilen und geben trotzdem ein paar Anhaltspunkte für den Interessierten zu weiterer Recherche.
Der Band umfasst eine Kurzgeschichte „Das Gewissen“ mit den typischen May-Elementen, von Tugend und Armut, Reichtum und Bosheit, Schuld und Glauben. Unterhaltsam und doch sind viele seiner späteren Motive bereits vorgezeichnet.
Darauf folgt die Kriminalerzählung „Wanda“. Sie ist umfangreicher und spannend. Fragwürdig bleibt hier, dass sie von Verlagsseite „im Sinne Karl Mays“ geglättet wurde. Mir bis heute unverständlich, warum der Karl-May-Verlag den Lesern diese Bearbeitungen zumutet, statt im Original zu bleiben und mit einem Kommentar zu versehen, in dem Varianten, Hintergründe, Vermutungen und ähnliches dem Interessierten zur Verfügung stehen. In diesem Fall ist es nicht so relevant, bei anderen Werken werden Inhalte und damit der Lesespaß extrem beeinträchtigt.
Mit „Die Fastnachtsnarren“ liegt eine hübsche, unterhaltsame Humoreske vor. Auch wenn sie nicht lang ist, sind die Charaktere lebendig und die ganze Szenerie steht dem Leser sofort vor Augen.
Der umfangreiche zweite Teil des Buches beinhaltet Mays „Gesammelte Aufsätze“ und „Geographische Predigten“. Erstere waren Bestandteil der Zeitschrift „Schacht und Hütte“ die May als ernsthaftes Blatt zur Unterhaltung und Belehrung von Bergarbeitern herausgeben wollte und die von seinem Verleger zu einem durchschnittlichen Unterhaltungsblatt runterreduziert wurde. Die Aufsätze sind aber ganz Mays erstem Ansatz verpflichtet, sehr gut recherchiert, ernsthaft und sachlich. Sie sind nicht in Abenteuergeschichten verpackt wie später seine Erzählungen für die Jugend, sondern als reine Information gedacht, dabei durchaus umfangreich und für den Laien geschrieben ohne anspruchslos zu werden.
Die „Geographischen Predigten“ haben einen eher philosophischen Ton. Das Gedankengut findet man in der einen oder anderen Form auch in seinen Romanen und Erzählungen wieder. Hier ist es gebündelt als ernsthafte Betrachtung und gibt einen guten Einblick in Mays Denken und Fühlen.
Mein Fazit: Eine hochinteressante Zusammenstellung, wobei man sich bewusst sein sollte hier keinen zusammenhängenden Abenteuerroman vorzufinden. Wer May ausschließlich für seine Abenteuer schätzt, wird nach den „Fastnachtsnarren“ keinen weiteren Spaß an diesem Buch haben. Mir gefielen die Predigten und Aufsätze allerdings genauso gut. Ein wunderbarer Einblick in Mays Denken und Fühlen, seine Zeit und die Vorstufen seines Werks. Je mehr ich von ihm und über ihn lese desto mehr finde ich in seinen Werken und entdecke immer wieder neue Seiten an bekannten Abenteuern. Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Fans!

Veröffentlicht am 03.09.2017

Mystery and Crime

Die Frau in Weiß
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Als Walter Hartright die Stelle als Zeichenlehrer antritt, die ihm ein Freund verschaffte, ist er sofort von der Tochter des Hauses, Laura Fairlie, verzaubert. Zutiefst getroffen, dass sie bereits verlobt ...

Als Walter Hartright die Stelle als Zeichenlehrer antritt, die ihm ein Freund verschaffte, ist er sofort von der Tochter des Hauses, Laura Fairlie, verzaubert. Zutiefst getroffen, dass sie bereits verlobt ist, verlässt er England und sucht auf Reisen das Mädchen zu vergessen. Laura indessen reicht ihre Hand dem ihr bestimmten Mann und ein Albtraum beginnt.
Die Geschichte, mit der Collins Ruhm begann, vermag es auch heute noch den Leser zu fesseln. Subtile Andeutungen bauen eine düstere, bedrückende Atmosphäre auf, die ohne viel Action den Leser fesselt. Die Erwartung des unausweichlichen Grauens hält einen in Atem. Stets auf dem Sprung, hinter jedem Wort, jedem sich bewegenden Vorhang das Verhängnis vermutend erlebt man die stilvolle Unterhaltung des 19. Jahrhunderts. Wilkie Collins hat eine intelligente und ausfeilte Geschichte vorgelegt, die sehr viel mehr als ein Krimi ist. Aus unterschiedlichen Perspektiven lässt er den Leser erleben, was geschieht und bei allen Details, allen umfassenden Berichten bleibt er doch völlig im Dunkeln, was der Kern der Sache ist bis es Collins gefällt den Schleier zu lüften. Ein außergewöhnliches Buch, das großartige Unterhaltung bietet. Mystery und Krimi, Romantik und Gesellschaftskritik – lebendige Charaktere führen durch ein Kaleidoskop von Zufällen und Plänen, Schicksal und handfester Befreiung. Ein zeitloses Meisterwerk, dem man den etwas überraschenden Schluss gerne verzeiht.
Eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 03.09.2017

Willkommen in der Zauberschneiderei!

Die Zauberschneiderei (1). Leni und der Wunderfaden
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Leni ist von ihrem Umzug in die große Stadt nicht begeistert. Anders als ihre groß Schwester, die sich auf den neuen Trubel freut, lässt sie viel in dem kleinen Dorf zurück. Doch gleich am ersten Tag fällt ...

Leni ist von ihrem Umzug in die große Stadt nicht begeistert. Anders als ihre groß Schwester, die sich auf den neuen Trubel freut, lässt sie viel in dem kleinen Dorf zurück. Doch gleich am ersten Tag fällt ihr der Flyer für die Eröffnung der Zauberschneiderei in die Hände und als begeisterte Näherin schaut sie gleich vorbei. Die Besitzerin Ariane bietet sogar Kindernähkurse an, aber irgendjemand will die Eröffnung verhindern. Steckt hinter der Zauberschneiderei mehr Magie als Leni sich vorstellen kann?
Ein zauberhaftes Kinderbuch, das hinter dem traumhaften Cover eine wirklich magische Geschichte verbirgt. Reich illustriert und auch im Innenteil wunderbar gelayoutet findet sich das perfekte Zusammenspiel aus Fantasy, Neuanfang, Toleranz, neuen Freundschaften und Handarbeiten. Die originelle Idee wird mit ein paar bekannten Motiven und ganz realen, oft nicht so einfachen Alltagssituationen kombiniert. Der schwierige Neuanfang in einer völlig anderen Umgebung, das Gefühl anders zu sein und außerhalb zu stehen, doch ohne dabei die Rolle des einzelgängerischen Sonderlings einzunehmen. Leni ist einfach die Neue, die ihren Platz in einer ihr unbekannten Gemeinschaft einnehmen muss. Die Geschichte kombiniert viele Motive, die zusammen mit den lebendigen Charakteren eine farbenprächtige Geschichte erzählen, die Lust auf mehr macht.
Ein toller Auftakt zur Kinderbuchreihe „Die Zauberschneiderei“. Die beigefügte kleine Nähanleitung macht Lust sofort selbst Nadel und Faden in die Hand zu nehmen und sich auszuprobieren.