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Veröffentlicht am 21.09.2023

Wenn du ein Geheimnis bewahren willst, musst du es auch vor dir verstecken.

Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller
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Norbert Heinlein ist Inhaber des „Heinleins Delicatessen- und Spirituosengeschäft“ und führt den Laden bereits in der dritten Generation weiter. Darauf ist er mächtig stolz, denn er legt großen Wert auf ...

Norbert Heinlein ist Inhaber des „Heinleins Delicatessen- und Spirituosengeschäft“ und führt den Laden bereits in der dritten Generation weiter. Darauf ist er mächtig stolz, denn er legt großen Wert auf Tradition und Qualität. Ebenso wichtig sind ihm die Unterstützung von sozialen Projekten, denn sein einziger Mitarbeiter Marvin stammt aus einem Förderzentrum für Menschen mit Behinderung und hilft Heinlein bei all seinen Unternehmungen. Als jedoch einer von Heinleins Stammkunden plötzlich durch den Genuss einer Fleischpastete verstirbt, weiß sich auch Marvin keinen Rat mehr. Es bleibt ihnen wohl nur, die Leiche im alten Kühlhaus zu verstecken, bis ihnen eine gute Idee kommt.

Jedes Mal freue ich mich, wenn ich ein Buch entdecke, dass sich von dem sonstigen Mainstream abhebt. Mit dem Buch „der nette Herr Heinlein“ ist Stephan Ludwig dies mehr als gelungen. Zwar habe ich die Zorn-Reihe des Autors nie gelesen und wusste dementsprechend auch nichts über den Autor, aber dem „netten Herr Heinlein“ musste ich einfach eine Chance geben, denn schwarzer Humor in Büchern ist eine Seltenheit geworden.

Aus diesem Grund wird das Buch auch für viele wahrscheinlich nicht in die engere Auswahl kommen, denn man muss zwingend schwarzen Humor mögen, um das Buch auch wirklich genießen zu können. Denn sobald Herr Heinlein seine Leichen im Keller sammelt, wird das Buch schon sehr makaber, denn irgendwie muss man diese Leichen ja auch wieder loswerden, wenn man nicht im Gefängnis landen möchte. Nur leider wird dies an einem gewissen Punkt immer schwieriger und Herr Heinlein muss über einige Leichen gehen, um sein Geheimnis zu bewahren.

Dabei fand ich es interessant, dass Herr Heinlein eigentlich objektiv ein mehrfacher Mörder ist, aber ich ihn subjektiv nicht wirklich unsympathisch fand. Es ist einfach seine schrullige Art, die ihn in gewisser Weise sympathisch macht, obwohl er es aufgrund seiner Taten nicht sein sollte. Auch, dass er soziale Projekte unterstützt und Marvin eine Chance in seinem Unternehmen gibt oder dass er ein afrikanisches Patenkind namens Lupita unterstützt, zeigen eigentlich, dass Herr Heinlein ein gutes Herz hat. Zudem kümmert er sich auch um seinen dementen Vater.

Gerade die Beziehung zwischen Herr Heinlein und seinem Vater kann auch nochmal ein Grund sein, dass viele das Buch vielleicht geschmacklos finden, da Heinleins Vater keine Gelegenheit verstreichen lässt, um sich umzubringen. Dadurch, dass Heinleins Vater dement ist und täglich mehr von seiner Persönlichkeit einbüßt, empfindet er sein Leben nicht mehr als lebenswert und möchte es so schnell wie möglich beenden. Leider vergisst er dies auch relativ schnell wieder, sodass seine Pläne fast nie in die Tat umgesetzt werden können.

Da ich schwarzen Humor sehr mag, war es für mich kein Problem dieses Buch zu lesen und ich hatte meine helle Freude damit, Herr Heinlein dabei zuzusehen, wie er sein Leben versucht wieder auf die Reihe zu kriegen. Von daher, kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der ebenso schwarzen Humor mag und gerne wissen möchte, ob Heinlein es schafft, seine Leichen im Keller wieder loszuwerden.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Gutes kann niemals aus Lüge und Gewalt entstehen.

Der Knochensplitterpalast
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Lin trägt eine große Verantwortung auf ihren Schultern, denn sie ist die Tochter des Kaisers und Erbin des Phönixreiches. Damit nicht genug, ist ihr Vater der Auffassung, dass sie kaputt ist, denn aufgrund ...

Lin trägt eine große Verantwortung auf ihren Schultern, denn sie ist die Tochter des Kaisers und Erbin des Phönixreiches. Damit nicht genug, ist ihr Vater der Auffassung, dass sie kaputt ist, denn aufgrund einer Krankheit, kann sie sich nur an die letzten Jahre ihres Lebens erinnern. Alle anderen Erinnerungen sind in einem dichten Nebel verschwunden. Statt ihr dabei zu helfen, ihre Erinnerungen wiederzuerlangen, knüpft er ihren Fortschritt an einen Wettkampf mit seinem Ziehsohn Bayan. Wer von beiden sich schneller erinnert, wird der nächste Kaiser des Phönixreiches. Lin versucht alles, um ihr Erbe antreten zu können, doch schon bald merkt sie, dass ihr Vater ein perfides Spiel mit ihr treibt und ihm garnicht daran gelegen ist, dass sie gewinnt.

Eine Sache, die mir direkt über dem Lesen positiv aufgefallen ist, dass ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, dass ich die Geschichte schon einmal gelesen habe. Leider ist in letzter Zeit oftmals so gewesen, dass manchen Fantasy-Büchern einfach das Alleinstellungsmerkmal gefehlt hat und man sehr oft sehr ähnliche Geschichten gelesen hat. Das Buch „der Knochensplitterpalast“ beginnt von Anfang an düster und verfolgt auch eine neuartige Idee, die mir im Laufe der Handlung immer besser gefallen hat.

Denn im Fokus der Handlung stehen die sogenannten Konstrukte, die vom Kaiser des Phönixreiches erschaffen worden sind, um verschiedene alltägliche Aufgaben den Menschen abzunehmen. Die Besonderheit dieser Konstrukte liegt allerdings in ihrer Erschaffung, denn es sind organische Lebewesen, die aus verschiedenen Körperteilen von Tieren zusammengesetzt werden, ähnlich einer Chimäre. Das Leben wird ihnen durch Knochensplitter eingehaucht, die von den Schädelknochen von Menschen stammen. Dabei wird den Menschen nach der Aktivierung dieser Konstrukte Lebenskraft entzogen, was dazu führt, dass die Menschen früher sterben.

Allein dieser Umstand hat das Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht, denn durch diese Konstrukte bekommt das Buch leichte „Frankenstein“-Vibes und ähnliche Fragestellungen wie auch bei Frankenstein stehen im Raum wie z.B. „was passiert, wenn die Konstrukte ein Eigenleben entwickeln?“, „Haben sie so etwas wie Gefühle?“. Zwar wirkt das Buch mit diesem Hintergrund auch ziemlich düster, aber umso spannender ist die Enthüllung, wer Lin eigentlich wirklich ist.

Darüber hinaus wird das Buch nicht nur aus der Perspektive von Lin erzählt, sondern auch aus der Perspektive von Jovis, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau ist oder Phalue, die sich ausgerechnet als Gouverneurstochter in eine Rebellin verlieben musste. Dadurch bekommt man einen besseren Einblick in die Welt des Phönixreiches und merkt selbst, dass einiges im Argen liegt. Dies liegt zum einen am tyrannischen Kaiser des Phönixreiches, aber nicht nur, denn durch Umweltkatastrophen verschwinden immer mehr Inseln von der Bildfläche.

Auch nach diesem ersten Band bleiben noch einige Rätsel ungelöst, sodass ich sehr gespannt bin, wie es im zweiten Band weitergehen wird. Vor allem das Schicksal von Jovis und seinem treuen Gefährten Mephis fand ich interessant, da man über Jovis Vergangenheit noch am wenigsten erfahren hat.

Alles in allem bietet das Buch einen vielversprechenden Auftakt und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der die Erbin des Kaiserreiches dabei begleiten möchte herauszufinden, was sich wirklich hinter ihrem Gedächtnisverlust verbirgt und einen kaiserlichen Navigator dabei begleiten möchte, herausfinden, was wirklich in ihm verborgen ist.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Die Ruhe vor dem Sturm zieht auf

Mondklinge (Band 6 der Feywind-Saga)
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Feywind hätte nach allem, was ihm mittlerweile passiert ist, wahrscheinlich mit allem gerechnet, aber nicht damit: Sein Held aus Jugendtagen Dabenas Mondklinge steht leibhaftig vor ihm. Doch irgendwas ...

Feywind hätte nach allem, was ihm mittlerweile passiert ist, wahrscheinlich mit allem gerechnet, aber nicht damit: Sein Held aus Jugendtagen Dabenas Mondklinge steht leibhaftig vor ihm. Doch irgendwas scheint mit ihm passiert zu sein, denn er kann sich an seine Heldentaten nicht mehr erinnern. Mehr noch greift er Feywind und seine Gefährten an und setzt sie unter Druck, seine Geliebte im Tempel der Auferstehung wiederzuerwecken. Währenddessen schmiedet Valdor Parimar im Dienste des Emirs Pläne, um das Westreich endgültig zu unterjochen, aber wird zwischenzeitlich davon abgelenkt, denn die Dämonen seiner Vergangenheit haben ihn eingeholt.

Mittlerweile habe ich wahrscheinlich schon alles gesagt, was man zur Feywind-Reihe sagen kann, denn jedes Buch ist für mich eine absolute Herzensempfehlung. Ich mag die Bücher und begleite Feywind und seine Gefährten gerne auf ihren Abenteuern. Dies birgt natürlich nach jedem Band die Gefahr, dass ich mit bestimmten Entwicklungen oder Charakteren nicht zufrieden bin, denn mittlerweile sind mir Charaktere wie Shnurk, Cass oder Valdor Parimar sehr ans Herz gewachsen und ich möchte nicht, dass ihnen etwas passiert.

In diesem Band musste ich weniger Angst, um sie haben, wenn es auch wieder Situationen gab, in denen es eng wurde, allerdings habe ich etwas Angst vor dem nächsten und damit letzten Band der Reihe. Denn dieser nun sechste Band hat sich wie ein Auftakt zu einer bevorstehenden Schlacht angefühlt und in mir damit ein ungutes Gefühl geweckt. Der Krieg zwischen dem Ost- und Westreich findet bald statt und auch die Dämonenfürsten in der Hölle werden sich bald einig, wer den ewigen Konflikt für sich entscheiden wird.

Aber zuvor gibt es auch noch einige Entwicklungen, die ich ziemlich cool fand. Allem voran der Umstand, dass Valdor Parimar endlich einen Weg findet, mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Wenn auch anders, als ich vermutet hätte. Schon in den früheren Bänden wurde immer mal wieder deutlich, dass Valdor Parimar eine düstere Vergangenheit hat, in der seine kleine Schwester eine entscheidende Rolle spielt. Er selbst scheint wahrscheinlich die ganze Zeit davon ausgegangen zu sein, dass er darüber hinweggekommen ist und dann taucht in diesem Band die kleine Elhara auf, die ihn sehr an seine kleine Schwester erinnert. Obwohl er gänzlich andere Sorgen hat, z.B. dem Emir treu zu Diensten zu sein, muss er sich nun mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, was ihm alles andere als behagt. Ich fand es dagegen großartig, denn so sieht man Valdor Parimar von einer gänzlich anderen Seite als immer nur als Griesgram.

Aus diesem Grund kann ich auch diesen Band wieder nur empfehlen für diejenigen, die so wie ich einfach nicht genug von Feywind und seinen Gefährten bekommen können.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so muss, wie andere Menschen.

Dreizehnfurcht
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Moritz Bang (Momme) hat ein Problem, und zwar hat er Angst vor der Zahl 13. Dadurch ist ihm ein normales Leben nicht möglich und auch Briefe, die z.B. mit einem Poststempel versehen sind, der die Zahl ...

Moritz Bang (Momme) hat ein Problem, und zwar hat er Angst vor der Zahl 13. Dadurch ist ihm ein normales Leben nicht möglich und auch Briefe, die z.B. mit einem Poststempel versehen sind, der die Zahl 13 enthält, werden von ihm ignoriert. Doch als er einen Brief mit der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommt, das an einem 13. September um 13 Uhr stattfinden soll, versucht er seine Angst zu überwinden und die Schwanenstein GmbH, um einen erneuten Termin zu bitten. Dies ist kein Problem und so zieht Momme als Haushüter für eine Villa an den Stadtrand ohne zu wissen, dass er damit die Schwelle in ein anderes Leben überschreitet.

Ich selbst leide zwar nicht unter der Angst vor der Zahl 13, aber jedes Mal, wenn „Freitag, der 13.“ bevorsteht, werde ich darauf hingewiesen, dass ich an diesem Tag auf mich aufpassen soll, da die Menschen diesen Tag scheinbar mit einem nahenden Unheil verbinden, ähnlich dem Aberglauben, dass es Unglück bringt, wenn man eine schwarze Katze sieht. Dadurch gibt es z.B. auch keine 13. Sitzreihe im Flugzeug oder einen 13. Stock in einem Gebäude. Deswegen fand ich das Buch „Dreizehnfurcht“ auch direkt interessant, als ich gelesen habe, dass der Protagonist Angst vor der Zahl 13 hat, da ich gehofft habe, nun endlich auch Antworten darauf zu erhalten, warum die Zahl 13 ein so schlechtes Image hat.

Dabei gehört Momme wohl zu denjenigen, die wirklich eine extreme Angst vor der Zahl 13 entwickelt haben. Denn er kann keinen Job annehmen, da die Zahl 13 ihn überallhin verfolgt. Auch ins Jobcenter, in der er eine Nummer ziehen muss, um überhaupt mit einem Mitarbeiter sprechen zu können. Sein einziger bisheriger Job im Call-Center war von wenig Erfolg gekrönt, da er nicht den Anruf von Telefonnummern entgegennehmen konnte, die die Zahl 13 enthalten hatten. Ebenso versucht er so gut es geht „13. Dinge“ zu überspringen, wie Treppenstufen oder Zimmertüren und trotzdem wird er immer wieder mit der Zahl 13 konfrontiert.

Dagegen hilft nur bis 120 zu zählen, da dies die stärkere Drei ist oder er macht sich einen „Neunkräutertee“ zur Beruhigung oder er klopft gegen die Angst an. Alle Dinge erscheinen ungewollt komisch, sodass ich automatisch schmunzeln musste, dabei kämpft Momme gegen eine reale Angst an und leidet darunter.

Deswegen ist es gut, dass Momme den Job als Haushüter annimmt, denn so erhält er Kenntnis von einem geheimen Stadtteil von Berlin „Dreizehneichen“, der das Gegenteil zur modernen Metropole bietet. Elektrizität ist dort verboten und statt Fortschritt wird die Rückkehr zur ewigen Wahrheit gepredigt. Frauen tragen, wie früher graue oder braune Gewänder mit Hauben und Hüten und auch generell wirkt der Stadtteil, wie aus der Zeit gefallen. Ebenso ist auch Medizin verboten.

Gerade letzteres verursacht bei vielen Bewohnern Verdruss, denn Krankheiten können so nicht geheilt werden und sie müssen mitansehen, wie Menschen sterben, obwohl ihnen nach dem derzeitigen medizinischen Wissensstand hätte geholfen werden können. Aus diesem Grund entsteht eine Widerstandsorganisation „die Schwestern“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Medizin nach Dreizehneichen zu schmuggeln. Auch Momme wird in diese Organisation mithineingezogen, als die kleine Minna krank wird, die Tochter des Paares, das Momme in Dreizehneichen aufgenommen hat. Es entsteht ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, denn Momme wird auch schon von Oberst Falke in Dreizehneichen gesucht, da kein Mensch einfach so die Tore nach Dreizehneichen nutzen darf.

Ich fand dieses Katz-und-Maus-Spiel sehr interessant, denn alles ist miteinander verbunden und man sieht auch gleichzeitig, die Entwicklung von Momme, der sich von einem angsterfüllten Mann in einen Mann verwandelt, der für diejenigen in den Kampf zieht, die ihm etwas bedeuten. Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der wissen möchte, warum man sich vor der Zahl 13 fürchten sollte.

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Veröffentlicht am 18.03.2023

Üble Nachrede verlöscht das Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele.

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Zeus, der ein zügelloses Leben führt, um mit zahlreichen Frauen viele Götterkinder zu erschaffen, hat nach einem Stelldichein mit einer Frau besonders Angst. Metis prophezeit ihm, dass sie eine Tochter ...

Zeus, der ein zügelloses Leben führt, um mit zahlreichen Frauen viele Götterkinder zu erschaffen, hat nach einem Stelldichein mit einer Frau besonders Angst. Metis prophezeit ihm, dass sie eine Tochter gebären wird, die alle außer ihrem Vater an Weisheit übertreffen wird und nach ihr einen Sohn, der König über die Götter und Sterblichen sein wird. Zeus versucht daraufhin alles in seiner Macht Stehende zu tun, um diesem Schicksal zu entgehen und entledigt sich Metis. Doch sie hat vorgesorgt und Medusa zu ihren Gorgonen Schwestern Euryale und Stheno gebracht, die sich nun der Aufgabe annehmen, einen menschlichen Säugling großzuziehen.

Im Laufe meines Lebens sind mir die griechischen Götter schon oftmals begegnet. Ob in Büchern, Filmen oder Spielen immer wieder tauchten sie als Referenz auf. Und obwohl ich kein spezifisches Detailwissen darüber habe, welche Geschichten über welchen Gott kursieren, so sind die Götter mir ein Begriff und ich kann grob ein kategorisieren, warum sie gerade erwähnt werden. Auch über Medusa habe ich schon einige Geschichte gehört, wenn sie auch immer als die „Böse“ darin dargestellt wurde. Im Fall von „Stone Blind“ hat mich deshalb der Klappentext sofort angesprochen, in dem es heißt „sie werden ein Monster aus dir machen“. Dadurch musste ich mich unweigerlich fragen, ob die bisherige Darstellung von Medusa ihrer eigentlichen Figur Unrecht getan hat und sie vielleicht nicht die „Böse“ ist.

In „Stone Blind“ begleitet man am Anfang Medusa, die von ihren Schwestern Euryale und Stheno aufgezogen wird und nicht ganz verstehen kann, warum sie nicht wie ihre Schwestern aussieht. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wer sie eigentlich ist und muss sich als Laune der Natur verstehen, denn sie ist weder ein richtiger Mensch noch eine Gorgone. Sie wird im Laufe der Zeit auch immer hübscher, was vor den Göttern nicht unbemerkt bleibt. Poseidon nähert sich ihr und will sich ihrer habhaft werden, doch sie weist ihn zurück und tritt damit in der Folge einige nicht besonders schöne Ereignisse los. Dabei bleibt es zu jeder Zeit spannend, da man nicht absehen kann, was wohl als Nächstes passieren wird.

Denn das Verhalten der Götter ist oftmals unvorhersehbar und sehr grausam. Sowieso werden die Götter in diesem Buch in keinem guten Licht dargestellt. Sie sind rachsüchtig, brutal, egoistisch und zügellos. Vor allem Zeus scheint nur damit beschäftigt zu sein, Frauen zu vergewaltigen, um viele Götterkinder zu zeugen. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Hera, die aber auch ihrerseits Intrigen spinnt und versucht, die Entgleisungen ihres Ehemanns wieder abzumildern.

So wundert es nicht, dass auch das Schicksal von Medusa unter keinem guten Stern steht und sie aus Eifersucht von Athene in ein Monster verwandelt wird, das in der Folge von einem Helden gejagt wird. Ich hatte unweigerlich Mitleid mit Medusa, denn eigentlich kann sie doch zu keiner Zeit etwas dafür, wie sie in diese Welt geboren wurde. Immer bestimmen andere über ihr Schicksal und sie kann nie entscheiden, was sie eigentlich vom Leben möchte. Allerdings gehört wohl die Tragik zur griechischen Mythologie dazu.
Darüber hinaus fand ich es auch spannend, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und in 5 Akten unterteilt wurde, ähnlich dem 5-Akt Schema eines Dramas.

Alles in allem hat mir das Buch in seiner gänzlichen Darstellung sehr gut gefallen und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der die Geschichte von Medusa aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten möchte.

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