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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2023

Sehr interessant

Achtung, Hormone
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Der niederländische Endokrinologe Prof. Max Nieuwdorp beschreibt in "Achtung, Hormone" den Einfluss verschiedenster Hormone auf unser Leben, beginnend bei Schwangerschaft und Geburt über Kindheit und Pubertät ...

Der niederländische Endokrinologe Prof. Max Nieuwdorp beschreibt in "Achtung, Hormone" den Einfluss verschiedenster Hormone auf unser Leben, beginnend bei Schwangerschaft und Geburt über Kindheit und Pubertät bis ins Erwachsenen- und Seniorenalter. Hierbei greift er auch Themen wie Sexualität und sexuelle Identität, Wechseljahre, Essverhalten und Körpergewicht und Darmgesundheit auf.

Immer wieder baut er Fallbeispiele aus seiner medizinischen Praxis und interessante historische Hintergrundinformationen ein. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und gut zu lesen. Medizinisch richtet sich das Buch klar an die breite Masse ohne Vorkenntnisse, so dass Nieuwdorp oft sehr an der Oberfläche bleibt. So hätte ich mir bei vielen Themen wie etwa Darmgesundheit mehr Tiefgang gewünscht. Auch die Wechseljahresthematik hatte für mich keine neuen Erkenntnisse, und ich hätte mir auch einen noch kritischeren Blick auf den Einfluss hormoneller Verhütungsmittel auf den weiblichen Körper gewünscht. Er benennt zwar grob die Risiken der Pille der früheren Generationen, beschäftigt sich aber sonst nicht näher damit, auch nicht mit möglichen Langzeitfolgen einer jahrzehntelangen Einnahme.

Besonders überraschend und interessant hingegen fand ich das Kapitel 2 über pubertierende Kleinkinder.

Insgesamt ein spannendes Buch über die Bedeutung der Hormone auf unser Leben, und eine sehr unterhaltsame einführende Lektüre in diese Thematik. Ich vergebe 4 von 5 Sternen, da mir das Buch an einigen Stellen etwas zu allgemein gehalten war.












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Veröffentlicht am 01.10.2023

Spannend und informativ

Operation Doppeltes Spiel
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Doppelagent im Zweiten Weltkrieg - wie war das Agentenleben damals tatsächlich, jenseits aller Fiktion, was trieb diese Menschen an, und was waren das eigentlich für Typen? Diese Fragen haben mich interessiert, ...

Doppelagent im Zweiten Weltkrieg - wie war das Agentenleben damals tatsächlich, jenseits aller Fiktion, was trieb diese Menschen an, und was waren das eigentlich für Typen? Diese Fragen haben mich interessiert, als ich zum Buch "Operation Doppeltes Spiel" griff. Darin beschreibt Arne Molfenter das Leben von Dusko Popov und Johnny Jebsen, die beide als Agenten für die Abwehr des Dritten Reiches und den britischen MI5 spionierten. Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht, insbesondere da die Beweggründe für die Agententätigkeit zunächst nicht in politischer Überzeugung oder in moralischen Überlegungen bzw. Gewissensgründen zugunsten der Alliierten lagen. Tatsächlich waren die Hauptgründe für viele  wohl eher persönliche Vorteile wie Geld, ein lockeres Leben, kein Dienst an der Front, Reisefreiheit und ähnliches. Auch wenn mir die beiden Agenten alles andere als sympathisch waren, habe ich deren Geschichte, die eng mit der Landung der Alliierten in der Normandie verknüpft ist, verschlungen und vieles über die damalige Arbeit der Geheimdienste erfahren. Molfenter schreibt sachlich, aber nie trocken, und das Buch liest sich flüssig und lebendig. Am einigen Stellen hätte ich gerne noch mehr erfahren, vor allem über Johnny Jebsen und seine zwielichtigen Devisengeschäfte, aber hier ist die Quellenlage wohl etwas dünn. Generell scheint das Leben von Popov besser bekannt zu sein als das von Jebsen, so dass Popov auch zur Hauptfigur wird, während Jebsen eher im Hintergrund bleibt. Molfenter greift auf zahlreiche, genau zitierte Quellen zurück, unter anderem das britische Nationalarchiv, so dass etwa sämtliche Dialoge im Buch belegt sind.

Ich habe durch den Einblick in die damalige Agentenwelt viel Neues und Überraschendes erfahren, und war so gefesselt,  dass ich das Buch tatsächlich an einem Tag ausgelesen habe. Ich kann es rundum weiterempfehlen!



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Veröffentlicht am 01.10.2023

Perfekt für alle Vogelfreunde

Das NABU-Vogelbuch
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Das NABU-Vogelbuch ist rundum gelungen und äußerst informativ. Für 315 einheimische Vogelarten gibt es wunderschöne Bilder und detaillierte Beschreibungen, die bei der Bestimmung helfen. So sind etwa unterschiedliche ...

Das NABU-Vogelbuch ist rundum gelungen und äußerst informativ. Für 315 einheimische Vogelarten gibt es wunderschöne Bilder und detaillierte Beschreibungen, die bei der Bestimmung helfen. So sind etwa unterschiedliche Federkleider je nach Geschlecht oder Alter beschrieben und abgebildet, auch Unterscheidungsmerkmale zu ähnlichen Arten werden aufgeführt. Natürlich dürfen auch Informationen zu Brut- und Zugverhalten, Größe, Vorkommen, Gefährdung usw. nicht fehlen. Die gesamte Gestaltung ist sehr übersichtlich und strukturiert. Sehr gut gefällt mir auch, dass die Stimmen der einzelnen Vögel via Nummerncode über die kostenlose KOSMOS PLUS-App angehört werden können. Informationen zu vogelfreundlichen Gärten, Fütterung und Vogelbeobachrung runden das Buch ab.

Etwas erstaunt war ich allerdings, dass mir das Buch als Kinder- und Jugendbuch angeboten wurde. Aufgrund der Wortwahl und der  sachlich-nüchternen Aufmachung richtet sich das Buch ganz eindeutig an Erwachsene und ältere Kinder ab ca. 12 Jahren.

FAZIT: Dieses Buch ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle Vogelfreunde!

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Spannender und düsterer dritter Teil

Tintenwelt 3. Tintentod
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"Tintentod" ist der dritte Band der Tintenwelt-Reihe, und es geht von Anfang an hochspannend weiter. Seit "Tintenherz" begeistert mich Cornelia Funkes lebendiger und phantasievoller Schreibstil, und auch ...

"Tintentod" ist der dritte Band der Tintenwelt-Reihe, und es geht von Anfang an hochspannend weiter. Seit "Tintenherz" begeistert mich Cornelia Funkes lebendiger und phantasievoller Schreibstil, und auch der dritte Band hält wieder viele überraschende Wendungen, Magie und kreative Einfälle parat. Besonders gut gefällt mir, dass die Figuren nun teilweise komplexer und ambivalenter werden und mehr Tiefe bekommen. In "Tintentod" spielt Meggies geliebter Vater Mo eine zentrale Rolle, die auch zu familiären Spannungen führt, da Mo hin- und hergerissen ist zwischen seiner besonderen Verantwortung gegenüber der Tintenwelt einerseits und seiner Familie andererseits, die wieder in die reale Welt zurückkehren möchte.


Nachdem Tintenblut schon deutlich heftiger als Tintenherz war, setzt sich diese Entwicklung in Tintentod fort, und ich hatte den Eindruck, dass die Reihe, die mit einem Kinder- und Jugendbuch startete, nun erwachsen wird. Die Handlung ist deutlich gewalttätiger, es gibt grausame Todesfälle, und die Grundstimmung ist generell sehr düster. Ich würde daher das Buch erst ab dem Teenager-Alter empfehlen.
Jeder Band hat mich auf seine Weise gepackt. Während im ersten der Zauber der Bücher und das Herauslesen von Charakteren im Vordergrund stand, habe ich im zweiten Teil die Tintenwelt näher kennenlernen dürfen, in die sich Meggie und Co. hineingelesen haben. Der dritte Teil war für mich der abenteuerlichste, komplexeste und spannendste. Ich bin nun sehr gespannt, wie Cornelia Funke die Reihe mit "Die Farbe der Rache" fortsetzen wird und freue mich schon sehr auf den neuen Band im Oktober!

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Veröffentlicht am 18.09.2023

Tiefgründig und berührend

Kein guter Mann
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Der Klappentext ließ mich an "Ein Mann namens Ove" oder an "Frankie" (von Gutsch/Leo) denken - ein alter, mürrischer einsamer Mann begegnet einem liebenswerten Menschen oder Tier, findet hierdurch seine ...

Der Klappentext ließ mich an "Ein Mann namens Ove" oder an "Frankie" (von Gutsch/Leo) denken - ein alter, mürrischer einsamer Mann begegnet einem liebenswerten Menschen oder Tier, findet hierdurch seine Lebensfreude wieder und befreit sich aus seiner sozialen Isolation. In gewissem Sinne trifft das auch auf "Kein guter Mann" zu, und doch geht dieser Roman insbesondere in der zweiten Hälfte weit darüber hinaus.

Die Geschichte um den Postboten Walter beginnt zunächst eher leicht und mit wunderbar pointiertem, trockenem und hintergründigem Humor. Einige Stellen sind wirklich grandios! Alexander Izquierdo hat mit Walter eine sehr vielschichtige, fein gezeichnete Figur erfunden, die niemals platt wirkt. So ist Walter zwar eigenbrötlerisch, zurückgezogen und eckt durch seine schroffe Art überall an, er ist aber dennoch in der Lage, Empathie zu empfinden, wie an der Beziehung zu seiner Tochter deutlich wird. Auch seine Unbeholfenheit im Umgang mit Bens Briefen und seine Versuche, ihm zu helfen, sind glaubhaft geschildert.

Je weiter das Buch fortschreitet, und je mehr man über die Lebensgeschichte von Walter erfährt, desto mehr Tiefe erhält es, und umso nachdenklicher und auch trauriger stimmte es mich als Leserin, da Walter eine äußerst tragische Figur ist, die immer mit besten Absichten handelt, und dennoch missverstanden wird und ins Unglück rennt. Je mehr ich über Walter erfahren habe, desto mehr habe ich mit ihm mitgefühlt und gelitten, und mich über seine Familie geärgert, die Walter mangelndes Einfühlungsvermögen vorwirft, im Gegenzug aber selbst oberflächlich und empathielos wirkt (mit Ausnahme der Tochter).

Eine kleine Randbemerkung/Trivia:
Ältere Leser*innen dürfte die Wendung "Mein Gott, Walter", die als Überschrift des 2. Buchteils und in Walters Mailadresse auftaucht, an Mike Krügers gleichnamiges Lied erinnern, in dem es heißt "Und wenn er mal was machte, machte er's meist verkehrt", was in gewissem Sinne auch auf Walter im Buch zutrifft. Ob es Zufall ist, dass Walter aus dem Song bei Rauch sofort an Feuer denkt und mit dem Feuerlöscher losrennt, und der letzte Buchteil "Wo Rauch ist, ist auch Feuer" heißt? Wie auch immer, in jedem Fall hat das Buch deutlich mehr Tiefgang, sprachliche Größe und Niveau als Mike Krügers Blödelsong.

Fazit: Dieses Buch ist alles andere als eine locker-leichte sentimentale vorweihnachtliche Geschichte, sondern ein wunderbar geschriebener, sehr tiefgründiger und zum Nachdenken anregender Roman über das Leben, der mich sehr berührt hat. Unbedingt lesenswert!​

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