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Veröffentlicht am 18.10.2023

spannungsgeladenes Kingsbridge Finale mit einigen Schwächen

Die Waffen des Lichts
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Zurück in Kingsbridge, dem mittlerweile 5.und finalen Teil, werden wir auf eine spannende Reise in die Anfänge der Industrialisierung mitgenommen. Besonders hart trifft es dort die Garn- und Tuchmanufakturen, ...

Zurück in Kingsbridge, dem mittlerweile 5.und finalen Teil, werden wir auf eine spannende Reise in die Anfänge der Industrialisierung mitgenommen. Besonders hart trifft es dort die Garn- und Tuchmanufakturen, wodurch ihre Existenz extrem gefährdet ist. Neue Maschinen halten Einzug, die die Arbeitskräfte ersetzen und das Leben der Familien in Gefahr bringen.

Zugleich wird auch das Recht auf Meinungs- und Bildungsfreiheit durch einige machthungrige Adelige stark beschnitten, was die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer werden lässt und extreme Konflikte auslöst.
Währenddessen erlebt man die Auswirkungen der französischen Revolution und den Krieg zwischen Napoleon und Europa.

Wieder mal schafft es der Autor, durch Figuren wie die tapfere Spinnerin Sal, ihren erfinderischen Sohn Kit, den sanften Tuchhändler Amos, den klugen Weber David und auch den machthungrigen, niederträchtigen Alderman Hornbeam und viele weitere, eine persönliche Note in die Geschichte zu bringen, die wirklich ein Emotionskarussell auslöst, wie in den anderen Teilen auch schon. So fliegt man durch die Seiten, ist empört, entsetzt, den Tränen nahe, freut sich, atmet auf, um im nächsten Moment wieder den Schock des Lebens und Wut im Bauch zu verspüren, über all die Aufs und Abs, die Kingsbridge in eine neue Ära bringt.

Das Buch ist in 7 Abschnitte aufgeteilt, die Stück für Stück den Werdegang von Kingsbridge, aber auch die politischen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen verbindet. Neue Reformen und Gesetze, private Entwicklungen, Schicksalsschläge, Intrigen, Hass, Liebe, Rückschläge und Fortschritte – alles läuft irgendwann zusammen und überrascht mit ständig neuen Wendungen. Natürlich waren das Leben und der Umgangston zur damaligen Zeit sehr rau und teilweise auch derb gewesen, auf manche Passagen und Details hätte ich durchaus verzichten können, weil die Handlung auch ohne sie spannend gewesen wäre.

Historisch gut recherchiert erwartet einen ein bildgewaltiger, spannungsgeladener Roman, der nach gewohnter Follett-Marnier einige Bösewichter präsentiert, mit ihrer machthungrigen Gier und versessenen Art, Gegenspieler und Konkurrenz auf die mieseste Art ruinieren zu wollen, was leider auch oft genug der Fall ist. Genau das mag ich, weil eben so gut wie nichts nach Plan und Vorstellung verläuft und mich so einige Male ordentlich überrascht und geschockt hat. Diese Kombination aus Faszination, Frust, Empörung und unterschwellig auch einigem Humor hat hervorragend geklappt.

Die geschichtlichen Details und die Fortschritte der Technik und Maschinen waren gut dosiert und verständlich.

Dennoch empfand ich persönlich manche Passagen, besonders im letzten Drittel um den Krieg und die Schlacht von Waterloo, etwas langatmig. Es gab auch einige etwas unrealistische Zufälle, teils zu einfach gelöst, was man oft auch schon erahnt hat. An manchen Stellen hätte ich mir noch ein kleines bisschen mehr Gefühl gewünscht, da es zeitweise sehr plump, trocken, wie eine Aneinanderreihung von Abläufen und Geschehnissen wirkte. Insgesamt ein würdiger Abschluss und lesenswert, wenn auch nicht der stärkste Kingsbridge.

Das edle, farblich schön gestaltete Cover samt der Karte und den Illustrationen innen in der gebundenen Ausgabe sind einladend und wirken als schöner Eyecatcher.

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Veröffentlicht am 30.09.2023

eine Enthüllungsstory mit Folgen - ein neuer Fall für Sarah und Jack

Cherringham - Folge 44
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So viele Fälle, die man mit Jack und Sarah bereits erlebt hat und immer wieder ein Genuss. Kurzweilig, spannend und einfach herrlich, wie sie beide miteinander agieren und gemeinsam einen nach dem anderen ...

So viele Fälle, die man mit Jack und Sarah bereits erlebt hat und immer wieder ein Genuss. Kurzweilig, spannend und einfach herrlich, wie sie beide miteinander agieren und gemeinsam einen nach dem anderen Fall knacken.
Auch in diesem Fall wirft die Leiche des Kriminalreporters Tom Pinder Fragen auf, war es Mord oder einfach nur ein unglücklicher Unfall. Schließlich hat Tom ordentlich Alkohol im Blut gehabt. Doch seine Kollegin glaubt nicht an einen Unfall und bittet neben ihren eigenen etwas eigenwilligen Recherchen auch Jack und Sarah um Hilfe.

Die Enthüllungsstory, an der Tom saß, zieht allerdings weitere Kreise als gedacht und geben dunkle Geheimnisse preis, die letztendlich sogar Jack schockieren, weil er mit diesem Ausgang und der Auflösung absolut nicht gerechnet hat.

Interessantes Ende, zumal Jack und Sarah den Täter und den Hintergrund niemals vermutet hätten.

Wieder mal ist die Recherche nicht nur spannend, unterhaltsam sondern auch in altbekannter Manier der beiden sehr eigen und lustig, was eine gelungene Abwechslung bietet. Zudem taucht tatsächlich eine gewisse hartnäckige, schlagfertige Konkurrentin als Ermittlerin auf, was ebenfalls sehr amüsant war.

Als Hörbuch auch sehr kurzweilig, diese Reihe genießt man mit der angenehmen Stimme von Sabina Godec und man taucht gleich ein in die Schattenseiten der sonst landschaftlich schönen Gegend der Cotswolds.

Ich hatte schon einen Schrecken bekommen, dass nach den momentan angegebenen 45 Folgen Schluss ist, aber aus sicherer Quelle von Neil Richards weiß ich, dass sie schon eifrig weiter schreiben und darüber freue ich mich riesig.

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Veröffentlicht am 30.09.2023

Karlsbads neues Zimmermädchen - unterhaltsamer historischer Roman

Das Zimmermädchen
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1895 kann die junge Eva, Tochter einer Bauernfamilie, vor dem zudringlichen Sohn des Dorfobersten dank des beherzten Einsatzes des Pfarrers fliehen und in dem berühmten Kurort Karlsbad eine Stellung als ...

1895 kann die junge Eva, Tochter einer Bauernfamilie, vor dem zudringlichen Sohn des Dorfobersten dank des beherzten Einsatzes des Pfarrers fliehen und in dem berühmten Kurort Karlsbad eine Stellung als Zimmermädchen antreten.

Mit einem der damaligen Zeit und dem örtlichen Dialekt angepassten Sprachstil begleitet man die fleißige, rücksichtsvolle und aufrichtige Eva in das glamouröse Hotel Adonis, das in großer Konkurrenz zu den anderen örtlichen Luxushotels steht.

Hier sind die Anforderungen hoch, die Arbeitszeiten lang und es gibt zahlreiche Verbote, die die Saisonarbeiterinnen einzuhalten haben.

So erlebt sie schnell, was es bedeutet, mit ihrem Team zusammenzuarbeiten und die schwere Arbeit gemeinsam zu schaffen, muss sich aber gleichzeitig vor der Eifersucht und den Intrigen anderer Mädchen hüten, die nichts unversucht lassen, ihr zu schaden.

Zusammen mit den Erlebnissen der vielen verschiedenen Gäste, ob Adel oder nicht, erlebt man eine nette unterhaltsame Geschichte, in der es so einige Vorkommnisse gibt, die Eva so manches Mal an den Rand ihrer Kraft und Geduld bringen, gleichzeitig aber auch zeigen, was Einsatz, Fleiß und Freundschaft bedeuten.

An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Spannung und Überraschungseffekt gewünscht, einiges hat sich für meine Erwartung etwas zu schnell und unspektakulär aufgelöst. Es gab aber auch so einiges, was sehr berührend und herrlich lustig war und den Alltag in einem Hotel interessant erklärt,, ebenso wie die landschaftlichen Beschreibungen und die Wirkung der Heilquellen. Auch ein Hauch von beginnender Romanze ist richtig schön eingefügt worden.

Alles in allem ein schöner, ruhiger Roman, dem ein wenig Tempo und Spannung fehlte, dennoch lesenswert ist und da dies ja der Auftaktband ist, bin ich schon sehr gespannt, wie es im 2.Teil mit Eva und ihrer beruflichen Weiterbildung im Hotel Adonis weitergeht.

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Veröffentlicht am 23.09.2023

ein neuer musikalischer Fall mit dem sympathischen Ermittlerduo Jack und Sarah

Cherringham - Folge 43
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Ein weiterer, diesmal musikalischer Fall bereitet Jack und Sarah Kopfzerbrechen. Während sie mitten in den Proben für einen Auftritt mit anderen Chören in der Royal Albert Hall in London stecken, wird ...

Ein weiterer, diesmal musikalischer Fall bereitet Jack und Sarah Kopfzerbrechen. Während sie mitten in den Proben für einen Auftritt mit anderen Chören in der Royal Albert Hall in London stecken, wird bei dem Musiklehrer Arthur Chisholm eingebrochen und dieser schwer verletzt.

In kurzer Zeit erfolgen weitere Einbrüche und alle haben mit einem verschwundenen Musikstück zu tun. Die Lage spitzt sich zu, denn damit scheint auch der Auftritt gefährdet zu sein und sie zerbrechen sich den Kopf, ob es Angriffe der Konkurrenz sein könnten oder andere Gründe dahinterstecken.

Mal wieder sehr interessant, wie Jack und Sarah agieren, in alle Richtungen ermitteln und dabei auch wieder tolle Unterstützung erhalten. Was mir auch wieder gut gefällt, wie in dem kleinen Örtchen Cherringham zusammengearbeitet und einander geholfen wird.

Obwohl Klatsch und Tratsch natürlich auch dazu gehören und mal wieder herrlich sind, um den Fall ein wenig aufzulockern und typisch britischen Humor reinzubringen.

Und erstaunlich, dass ein Krimi nicht immer nur mit Mord und Totschlag unterhaltsam und spannend sein kann, sondern es Entwicklungen gibt, die zugleich raffiniert, spannend und sehr amüsant sein können. Auf jeden Fall habe ich nicht mit diesem Verlauf gerechnet und es hat wieder richtig viel Spaß gemacht, das sympathische Ermittlerduo begleiten zu dürfen.

Mit Sabina Godec als Sprecherin auch wieder absolut gelungen mit gewohnter und angenehmer Erzählstimme, die die Charaktere in der so typischen Art richtig gut rüberbringt und damit einen weiteren Krimi sehr unterhaltsam präsentiert.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

historisch gut recherchierter Roman mit einer sanften Liebesgeschichte

Novembernächte
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Sylvia Barron Roman nimmt einen in eine historisch aufgewühlte Epoche um November 1918 in Deutschland mit, in der politische Umschwünge stattfinden und die Unzufriedenheit von Arbeitern immer weiter brodelt.

Während ...

Sylvia Barron Roman nimmt einen in eine historisch aufgewühlte Epoche um November 1918 in Deutschland mit, in der politische Umschwünge stattfinden und die Unzufriedenheit von Arbeitern immer weiter brodelt.

Während der atheistische, schüchterne Physikstudent Nathanael als Matrose seinen Kriegsdienst ableisten muss, begegnet er bei einem Landgang der forschen, aufgeweckten und idealistischen Judenchristin Ella.
Als die Aufstände auch auf seinem Schiff zunehmen, gerät er unfreiwillig immer mehr in den Strudel der Revolution. Gerechtigkeitsliebend, aber auch weil sein Beschützerinstinkt geweckt ist, versucht er einen Weg zu finden, Ella vor Augen zu führen, was eigentlich hinter den Aufständen und den politischen Entwicklungen steckt.

Dabei ist die Entwicklung der beiden so toll mit eingebunden, beide sind auf ihre Weise speziell und ihre Gefühle, Erlebnisse und Zukunftspläne passen eigentlich so gar nicht zusammen und doch nimmt Nathanael die Demos, den Gegenwind und die Gefahr in Kauf, um Ella irgendwie vor Schaden zu bewahren.

Dabei fließen auch viele Gespräche über Gott mit ein, was mir persönlich am meisten gefallen hat. Denn auch Ella hat durch schwere Schicksalsschläge die Freude an den Gesprächen mit Gott verloren, doch durch Nathanaels Zweifel und Beweisforderungen wird sie gefordert, diese zu bringen und das macht sie auf logische, interessante und abwechslungsreiche Weise, baut hier und da Schlussfolgerungen von Wissenschaftlern mit ein, gewisse Bibelpassagen, arbeitet mit Fragen, die ihn zum Nachdenken bringen. Und merkt nach und nach, auch sie muss dabei ein gutes Vorbild sein.

Dank der Symbole an den Seitenrändern zu Persönlichkeiten, die eine historisch belegte Rolle gespielt haben und dem interessanten Anhang, in dem man eine Menge Zusatzmaterial findet, war es politisch nicht ganz so verworren, auch wenn der Verlauf der Konflikte zwischen den aufkeimenden Parteien einen Großteil der Geschichte einnimmt.

Es ist ein sehr ausführlich beschriebener Roman über diese Revolution und deren Auswirkungen auf die Bürger, Arbeiter, Parteimitglieder, die immer mehr eskalieren, was besonders Nathanael und auch Ella vor die Frage stellt, wo fängt der Kampf für Gerechtigkeit an und in welchem Ausmaß bringt man sich dafür ein, für wen ergreift man Partei und ist es der Weg, den man nach biblischer Überzeugung gehen will. Diese Überlegungen haben mir gut gefallen, denn wie oft gibt es auch heute Situationen, wo man sich für eine gute Sache einsetzen will, bis man einen Blick hinter die Kulissen werfen kann und merkt, was eigentlich dahintersteckt.

Dieses Buch stimmt nachdenklich, weil hier ein breites Spektrum an Ideologien, persönlicher Überzeugung und zugleich biblischer Belege präsentiert wird, die in einer spannenden, teils emotionalen Art aufeinanderprallen und sich Stück für Stück zu etwas plausiblem entwickeln, die am Ende genau zeigen, wozu es führt, wenn Menschen ihre Machtbefugnisse überschreiten und Gewalt niemals eine Lösung für gerechte und friedliche Verhältnisse ist.

Ich fand es sehr interessant, auch wenn ich mich zeitweise von den Entwicklungen etwas überrollt gefühlt habe, weil eben eine Menge Namen auftauchen und man die politischen Verhältnisse erstmal zuordnen und verstehen musste, gerade wenn man sich mit so etwas noch nie beschäftigt hat. Zum Glück war es durch die zarte Liebesgeschichte nicht ganz so trocken, obwohl ich auch hier etwas Schwierigkeiten hatte, mit den beiden warm zu werden, es wirkte vieles etwas unterkühlt.

Das Cover gefällt mir, auch wenn im Roman Ella als schwarzhaarig dargestellt wird, doch vor passender Hintergrundkulisse kann man bei beiden die Charakterzüge gut erkennen.

Alles in allem eine lesenswerte, gut recherchierte Geschichte, mit viel Dramatik, einem ernsten Thema, die aber gleichzeitig auch zeigt, welche Auswirkung echte Freundschaft, Hilfsbereitschaft, und der wachsende Glaube an Gott haben können, wenn man sein Herz dafür öffnet.

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