Ein gelungener Reihenauftakt
WasserfallsturzFranziska „Franzi“ Fürst, Ermittlerin im LKA Wien, kehrt nach Jahren in der Großstadt und einer Scheidung in ihre alte Heimat nach Schöder im Murtal zurück. Mit dabei ihre Kinder, die naturgemäß ihre Freunde ...
Franziska „Franzi“ Fürst, Ermittlerin im LKA Wien, kehrt nach Jahren in der Großstadt und einer Scheidung in ihre alte Heimat nach Schöder im Murtal zurück. Mit dabei ihre Kinder, die naturgemäß ihre Freunde in Wien zurücklassen müssen und entsprechend schlecht gelaunt sind.
Doch mit der erhofften Ruhe im Job in der Polizeidienststelle von Murau wird es nichts, denn gleich am ersten Arbeitstag wird sie in einen undurchsichtigen Fall involviert. Ihre frühere Lehrerin Marion liegt nach einem Sturz am Günster Wasserfall im Koma. Nicht nur Franzi hat Zweifel an der Unfalltheorie, hat doch die Lehrkraft Höhenangst und den Wasserfall immer gemieden. Auch die Verletzungen passen nicht zu einem Unfall. Doch wer kann Interesse daran haben, der Lehrerin zu schaden? Verdächtig ist wie immer der Ehemann. Alois lässt sich kaum am Krankenbett blicken und hat sich bereits eine neue Freundin angelacht.
Daneben muss sich Franzi ihren eigenen Dämonen stellen. Dazu kommen noch eigenartige Drohungen, die mehrere Bewohner von Schöder erhalten, darunter auch ihr Vater und die Schafbäuerin, der einige Schafe getötet werden.
Meine Meinung:
Jennifer B. Wind ist eine Meisterin des Thrillers wie ihre Reihe rund um Richard Schwarz zeigen. Nun hat sie sich auf das Schreiben von Regionalkrimis verlegt. Und, das ist schon nach diesem Fall klar, mit Erfolg.
Die Autorin kennt die Gegend und den Menschenschlag, der hier lebt. Daher sind die typischen Macho-Sprüche und die Haltung Frauen gegenüber, wie es Franzis Vater an den Tag legt, authentisch. Die Arbeit als Ermittlerin ist für ihn keine Arbeit, und schon gar nichts für eine Frau. Die drei Ks (Kinder, Kirche, Küche) sollen seiner Meinung nach, noch immer der einzige Lebensinhalt einer Frau sein, na ja, Stallarbeit gehört auch noch dazu. Er ist nicht bereit, sich um seine Enkelkinder zu kümmern, oder das Frühstück zubereiten, beides unter seiner Würde, weil Frauenarbeit.
Franzi steht in diesem Spannungsfeld Beruf, Familie sowie dem Wiedersehen mit Polizisten Max, ihrem Jugendfreund und ihrem Ex-Mann, dem Ermittlerkollegen aus dem LKA, des sich zum LKA Graz versetzen hat lassen, um den Kindern näher zu sein, ihre Frau. Hier liegt viel Potenzial für weitere Fälle, denn auch wenn es mit Max nichts mehr wird, weil die Wunden der Vergangenheit nach wie vor nicht verheilt sind, steht doch mit dem Tierarzt ein sympathischer möglicher Neuanfang am Rande.
Apropos Vergangenheit! Zwischen den aktuellen Ermittlungen gibt neben den Gedanken der im Koma liegenden Marion auch Einschübe aus der Nazi-Zeit, die die Geschichte von Esther und ihrer Familie erzählen.
Die mehrfachen Perspektivenwechsel zwischen dem aktuellen Geschehen und der Vergangenheit erhöhen die Spannung und machen den Krimi abwechslungsreich.
Fazit:
Ein sehr gut gelungener Regionalkrimi, der auch zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung.