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Veröffentlicht am 13.10.2023

Aus dem Leben

Auf der Suche
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Nach bekannten Romanen und Erzählungen schreibt Theodor Fontane auch Kurzgeschichten, die reizend und unterhaltsam zu lesen sind. Dieses schmale Bändchen versammelt sechs dieser „short stories“ in sich ...

Nach bekannten Romanen und Erzählungen schreibt Theodor Fontane auch Kurzgeschichten, die reizend und unterhaltsam zu lesen sind. Dieses schmale Bändchen versammelt sechs dieser „short stories“ in sich und ein interessantes Nachwort von Iwan-Michelangelo D’Aprile.

Scharfsinnig wie gewohnt und meisterlich im Beobachten ist Fontane bei seinen Betrachtungen der neu eröffneten chinesischen Botschaft in Berlin, im Kurpark wird promeniert und über die Relativität des Alters parliert, bei einer Zugfahrt können rasch Bekanntschaften geschlossen werden, ein Erholungsaufenthalt verläuft ganz anders als geplant, und schlussendlich wägt der gelernte Apotheker konventionelle Medizin, Chirurgie und Kräuterkunde gegeneinander ab. Den Lauf der Zeit bildet Fontane gekonnt ab, seine präzisen Beschreibungen erfreuen den Leser, in dessen Kopf verschiedene Vorstellungen exakte Gestalt annehmen.

Auch wenn der Schreibstil aus dem 19. Jahrhundert vielleicht ungewohnt ist, so ist es phantastisch, einmal in solch einen Text eintauchen zu können ohne Modernisierung und „Adaption“. Ein wenig Humor und Selbstironie fügen sich perfekt in die kurzen oder auch längeren (Onkel Dodo) Erzählungen ein und zaubern einem durchaus einmal ein Schmunzeln ins Gesicht. Alltägliche Themen werden bei Fontane zu etwas Besonderem, das Credo „ergreife den Augenblick“ zieht sich wie ein roter Faden durch die unterhaltsamen Geschichten.

Ein gelungenes Buch mit kurzen, aber weder schnellen noch flüchtigen Episoden, die dazu anhalten, im Jetzt zu leben und zu sein. Sehr gerne empfehle ich diese Zusammenstellung allen Liebhabern alter Texte weiter.

Veröffentlicht am 10.10.2023

Lykke in Deutschland

Taubenschlag
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Im Rahmen eines länderübergreifenden Polizeiprojekts wird die Kopenhagenerin Lykke Teit nach Flensburg geholt, um Rudi Lehmann bei einem schwierigen Fall zu unterstützen: brutale Morde müssen aufgeklärt ...

Im Rahmen eines länderübergreifenden Polizeiprojekts wird die Kopenhagenerin Lykke Teit nach Flensburg geholt, um Rudi Lehmann bei einem schwierigen Fall zu unterstützen: brutale Morde müssen aufgeklärt werden, bei denen Menschen in ihrem Zuhause gefesselt und gequält werden, bevor der Täter sie erschießt und mit einer toten Taube im Schoß zurücklässt. Kurz vor dieser grausamen Serie hat man in einem alten Bunker die Überreste einer bereits vierzig Jahre zuvor verstorbenen Familie gefunden. Könnte es da Zusammenhänge geben oder ist es besser, die Nachforschungen getrennt voneinander zu betrachten?
Wie bereits in Band Eins der Reihe geht es gleich mitten ins Geschehen: ein Team von Berlin Bunker Protocol steigt hinab in die Tiefen der alten verzweigten Gänge, um Vermessungen vorzunehmen. Von Ratten, so groß wie Dackel, erzählt der ruppige Vorgesetzte, und von lockeren Eisenträgern, womit er seinem Neuen Respekt einflößen will. Etliche verwitterte Stufen und unebene Gänge weiter, nach klebrigen Spinnweben und verschiedenem Gewürm stehen plötzlich beide Arbeiter sprachlos vor einem bislang unbekannten Raum, in dem drei verweste Leichen liegen. Lykke und Rudi haben zu tun …

Wieder wechseln Krimielemente und private Informationen ab, wobei es nicht verkehrt ist, Teil Eins (Gezeitenmord) bereits gelesen zu haben, um die hartnäckige Kopenhagenerin und den humorvollen Deutschen schon besser zu kennen. Inhaltlich sind jedoch beide Bände unabhängig voneinander und in sich abgeschlossen. Auch wenn die Schauplätze detailreich geschildert werden und die Polizeiarbeit interessant ist, so ergeben sich bisweilen ein paar Längen, der Beginn mit den Bunkern wartet lange auf Einbindung ins Geschehen. Am Ende jedoch passt alles perfekt zusammen, wird die mühsame Arbeit erfolgreich abgeschlossen, die zuvor losen Fäden werden logisch verknüpft.

Das interessante Thema Ost und West in Deutschland spielt hier eine wesentliche Rolle und bietet Einblicke in die Tage der DDR. Ich bin gespannt, wo und in welchem Zusammenhang Lykke und Rudi das nächste Mal zusammenarbeiten.

Veröffentlicht am 09.10.2023

Im Wattenmeer

Gezeitenmord
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Im Wattenmeer finden der elfjährige Villads und sein Lehrer Lasse eine Leiche im Sand. Noch bevor die beiden reagieren können, taucht ein Fremder im Nebel auf und der grenzüberschreitende Fall für die ...

Im Wattenmeer finden der elfjährige Villads und sein Lehrer Lasse eine Leiche im Sand. Noch bevor die beiden reagieren können, taucht ein Fremder im Nebel auf und der grenzüberschreitende Fall für die Ermittler Lykke Teit aus Kopenhagen und Rudi Lehmann aus Flensburg ist eröffnet.

Bei diesem Krimi ist man sofort mitten im Geschehen. Herbstlicher Nebel legt sich über das Watt, die Flut kommt schneller als erwartet und schon gibt es eine Leiche. Danach lernt der Leser in eher ruhigen Kapiteln Lykke und Rudi kennen, beide haben ihre Geschichten im Gepäck, die man im Laufe der Zeit erfährt. Die Ermittlungen gestalten sich nicht ganz so einfach mit den lokalen Polizisten aus Esbjerg, schließlich will man sich den beiden Fremden nicht gerne unterordnen, schon gar nicht dem Deutschen mit seinem sonderbaren preußischen Humor. Als jedoch verschiedene Informationen gesammelt werden, kommt Schwung in die Sache, schließlich ist der Elfjährige aus dem Watt spurlos verschwunden, wie schon andere Kinder zuvor. Ist man einem Serientäter auf der Spur, handelt es sich um wiederholte Entführungen und was hat die Leiche am Strand mit all dem zu tun – oder besteht hier kein Zusammenhang? Vielen Fragen muss nachgegangen werden, wobei Dennis Jürgensen stets den Überblick bewahrt und die unterschiedlichen Ansätze sorgfältig auseinanderhält, sodass auch der Leser stets problemlos folgen kann. Eine ausgewogene Mischung aus privaten Elementen und mitunter makabren Krimi-Details lässt das Buch zu einem wahren Leseabenteuer werden, besonders am Ende wird es spannend, wenn Rudis Campingbus so rasch wie möglich ins Watt fahren muss. Die Auflösung der Fälle ist einerseits überraschend, andererseits vielleicht ein wenig zu oft mit Zufallsleichen gepflastert, der Auftakt zur ganzen Reihe dennoch gut gelungen.

Mit zwei sympathischen Kriminalisten geht es an die dänisch-deutsche Grenze, mit Hartnäckigkeit und ein wenig Humor lässt sich auch der schwierigste Fall aufklären. Ich hatte jedenfalls Spaß bei den Ermittlungen und schaue Lykke und Rudi gerne auch bei „Taubenschlag“ über die Schultern.

Veröffentlicht am 06.10.2023

Zehn kleine Kriegerlein

Und dann gab's keines mehr
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Zehn Personen werden auf eine kleine Insel vor der Küste Devons geladen, der Gastgeber ist leider verhindert und lässt die Leute allein. Als alle beim Abendessen zusammensitzen, erschallt eine höchst besorgniserregende ...

Zehn Personen werden auf eine kleine Insel vor der Küste Devons geladen, der Gastgeber ist leider verhindert und lässt die Leute allein. Als alle beim Abendessen zusammensitzen, erschallt eine höchst besorgniserregende Botschaft aus dem Grammophon – einer nach dem anderen soll sterben…

Gemächlich beginnt der Krimi mit der Vorstellung der zehn Personen, welche sich alsbald auf der Insel einfinden sollen. Sie sind mehr als verschieden, warum genau sie eingeladen worden sind, bleibt vorerst ein Rätsel. Die Spannung steigert sich von Stunde zu Stunde, die man den kleinen Kreis an Gästen begleitet. Raffiniert und fesselnd im Schreibstil beleuchtet Agatha Christie die einzelnen Szenen, sodass man als Leser tatsächlich nur staunen kann, wie alles vor sich geht. Wer hat das nötige Wissen, wer hat das passende Motiv? Flott geht die Handlung voran, die Auflösung ist dann doch ein wenig konstruiert und lässt ein klein wenig Zweifel aufkommen, ob das tatsächlich so funktionieren kann.

Nichtsdestotrotz ist diese wunderschöne Neuauflage mit dem „Geschlossener Raum“-Thema absolut lesenswert. Die Autorin besticht durch ihre klare, schnörkellose Sprache und sorgfältig gezeichnete Figuren. Ich empfehle diesen meistverkauften Krimi Agatha Christies jedenfalls gerne weiter.

Veröffentlicht am 03.10.2023

Die Privatdetektivin

Glutspur
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Liv Jensen arbeitet vorübergehend als Privatdetektivin in Kopenhagen und sucht für ihren Polizeikollegen Petter nach Anhaltspunkten zu einem drei Jahre alten Mordfall, der ungeklärt zu den Akten gelegt ...

Liv Jensen arbeitet vorübergehend als Privatdetektivin in Kopenhagen und sucht für ihren Polizeikollegen Petter nach Anhaltspunkten zu einem drei Jahre alten Mordfall, der ungeklärt zu den Akten gelegt werden soll. Verwirrende Ermittlungen in Norwegen nehmen ihren Lauf.

Ein angenehmer Schreibstil begleitet den Leser durch den komplizierten Fall, bei dem sich die Zusammenhänge erst spät und dann recht knapp erschließen. Verschiedenen Handlungssträngen in unterschiedlichen Zeitebenen gilt es zu folgen, wobei die einzelnen Abschnitte jeweils übersichtlich voneinander getrennt sind durch kursive Schrift oder Sternchen im laufenden Kapitel. Liv kämpft mit Schwierigkeiten, wobei man nicht genau erfährt, was da im Vorfeld passiert ist und warum sie zwischenzeitlich ihre Detektei eröffnet. Auch sonst trifft man auf eher schwierige Charaktere, die ihr Päckchen tragen und keine Sympathieträger im engeren Sinn sind. Aber darauf kommt es nicht an, hier gibt es einen alten Mord aufzuklären, ein Selbstmord wirft Fragen auf und eine dritte Leiche im Wald hält Petter Bohm auf Trab. Die Ermittlungen kommen eher stockend voran, wenige Anhaltspunkte und ein bisschen Zufall führen zu entscheidenden Hinweisen, welche dann doch ein zufriedenstellendes Ergebnis hervorbringen.

Interessante Hintergründe, viele Puzzlesteine, die nur langsam an ihren Platz finden und eine eher ruhig dahinfließende Handlung prägen Liv Jensens erste Ermittlungen. Gerne darf es künftig ein bisschen mehr Spannung sein, aber ich möchte Liv sehr gerne auch beim nächsten Fall wieder begleiten.