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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2017

Unterhaltsamer Ratgeber

Die Entdeckung des Glücks
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Wie kann man im Job glücklich werden? Mit ihrem Buch "Die Entdeckung des Glücks" will Isabell Prophet zeigen, wie das jedem gelingen kann. Sie erklärt neue Forschungsergebnisse und schildert unter anderem, ...

Wie kann man im Job glücklich werden? Mit ihrem Buch "Die Entdeckung des Glücks" will Isabell Prophet zeigen, wie das jedem gelingen kann. Sie erklärt neue Forschungsergebnisse und schildert unter anderem, wie Philosophen über das Thema gedacht haben. Die Autorin will darlegen, welche Fehler wir bei der Suche nach dem Glück machen und was wir stattdessen tun können.

Meine Meinung:
Ich war sehr gespannt auf das Buch, weil ich die Autorin von Twitter und Co. kannte und sie als sehr sympathisch erlebt habe. Ihren Ansatz, die Themen Glück und Job zu verbinden, fand ich außerdem interessant.

Der Anfang des Buches konnte mich begeistern, er klang sehr vielversprechend. Die Gliederung des Buch hat mich ebenfalls überzeugt. Einige sinnvolle Tipps sind auf dem Seiten enthalten, etliche wahre Sätze stecken darin, die zum Nachregen anregen. Auch die Botschaft des Sachbuches fand ich richtig. Leider ist jedoch darin vieles enthalten, das man schon einmal gehört hat. Deshalb konnte ich nicht so viele Erkenntnisse daraus ziehen, wie ich anfangs erwartet hatte.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt: Ich habe das Buch als broschierte Printausgabe gelesen, dessen Cover sich beim Lesen für mich persönlich etwas ungenehm anfühlte. Abgesehen von diesem haptischen Aspekt hat mir die Gestaltung gefallen.

Insgesamt empfand ich das Buch als unterhaltsam - dank des Plaudertons, mit dem sie unterschiedliche Themenbereiche unter anderem durch anschauliche Beispiele verständlich rüberbringen konnte. Die Schreibe von Isabell Prophet war sehr angenehm. Der Ratgeber ließ sich sehr flüssig lesen. Ich hatte das Buch schnell durch.

Mein Fazit:
Meiner Meinung nach ist "Die Entdeckung des Glücks" kein Muss, aber ein Sachbuch, das Unterhaltung bietet und die Leser zum Nachdenken bringen kann. Ob man mit den Tipps von Isabell Prophet wirklich glücklich werden kann, weiß ich nicht. Zu viel darf man nicht erwarten. Hilfreiche Anregungen, die den Alltag verbessern können, kann es allerdings schon bieten.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Der Großvater, den sie nie kennenlernte

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Er war ein überzeugter Nationalsozialist. Geboren im Jahr 1904 in Berlin, gestorben 1964. Was hat er als Mitglied der Waffen-SS getan? Was ist darüber hinaus in seinem Leben passiert? Welche Art von Mensch ...

Er war ein überzeugter Nationalsozialist. Geboren im Jahr 1904 in Berlin, gestorben 1964. Was hat er als Mitglied der Waffen-SS getan? Was ist darüber hinaus in seinem Leben passiert? Welche Art von Mensch war ihr Großvater? Diesen Fragen will eine Schriftstellerin kurz vor ihrem 50. Geburtstag nachgehen. Sie macht sich auf eine Reise, eine Spurensuche.

„Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist ein autofiktionales Buch von Judith Hermann.

Darin geht es um eine Suche nach Antworten und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Familie, in der es eine Leerstelle gibt: den seit 60 Jahren verstorbenen Großvater, den die Autorin nie persönlich kennengelernt hat. Erzählt wird in deren Ich-Perspektive. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es zwar viele Parallelen zu Judith Hermann und ihrer Familie gibt, das Buch allerdings auch fiktive, literarische Elemente enthält.

Bei ihrer Mutter beißt die Erzählerin auf Granit. Sie will sich nur an wenig erinnern können, gibt auch auf das penetrante Bedrängen der Tochter hin kaum etwas preis. Somit ist die Erzählerin auf andere Quellen angewiesen. Mit einem Foto vom Juli 1941 im Gepäck, setzt sie sich in den Zug.

Erste Station und der erste Teil des Buches - nach einem kurzen Prolog - ist Radom, eine Kleinstadt in Polen, in der die Autorin im Februar 2024 ankommt. Dort, wo sich von Frühjahr 1941 bis August 1942 ein Ghetto für Juden befand, will sie mehr über ihren Vorfahren erfahren, der damals an diesem Ort gewesen ist. Doch ihr Großvater hat keine dokumentierten oder sichtbaren Spuren in der Stadt hinterlassen.

Deshalb setzt sie ihre Recherche, nach einem kurzen Lesungsstopp in Krakau, in Richtung Italien fort. „Napoli“ heißt daher der zweite Teil des Buches. In der Stadt Neapel und auf dem Land besucht die Erzählerin ihre jüngere Schwester, die als Archäologin zwar von Berufs wegen oft in der Vergangenheit herumstochert und gräbt, gegenüber ihrer eigenen Familiengeschichte aber - wie ihre Mutter - erstaunlich gleichgültig ist.

Überschrieben mit „Tidslomme“, dem dänischen Wort für „Zeittäschen“, folgt ein dritter Teil, der sich nicht direkt mit der Recherche befasst, aber dennoch einen Bezug zum Thema aufweist. Er weitet den Fokus auf interfamiliäres Schweigen aus.

Dass sich das Buch mutig einem Tabu nähert, hat mich an der Lektüre gereizt. Die problematische familiäre Vergangenheit aufzugreifen, ist begrüßenswert und liefert ein interessantes Thema. Doch letztlich ist es vor allem ein Tappen im Dunkeln, ist das Gewicht des Erbes nicht zu beziffern. So dreht sich das Buch mehr um Verdrängung, das Vermeiden von Gedenken und Schuldgefühlen sowie das Misslingen von Aufarbeitung als um neue Erkenntnisse. Zugleich ist es als Kritik an der Erinnerungskultur zu verstehen.

Dass die Recherche der Erzählerin ohne weitere Hinweise bleibt, ist dem Buch nicht anzukreiden. Die Suche ist nach 60 Jahren schließlich ein schwieriges Unterfangen. Dass Leerstellen und offene Fragen bleiben, ist nicht überraschend, sondern glaubwürdig. Dennoch lässt mich die Lektüre enttäuscht zurück. Insbesondere angesichts des Umstands, dass sich das Buch auf seinen knapp 160 Seiten zu viel mit Nebensächlichkeiten, Abschweifungen und belanglosen Details befasst.

In sprachlicher Hinsicht empfinde ich das Buch hingegen als sehr gelungen. Es enthält schöne Metaphern und andere bemerkenswerte Bilder. In den knappen Sätzen schwingt oftmals eine poetische Note mit.

Das stimmungsvolle Covermotiv lässt sich auch im übertragenen Sinne deuten und passt daher auf mehreren Ebenen gut. Auch der Titel ist nachvollziehbar.

Mein Fazit:
„Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ von Judith Hermann hat meine Erwartungen leider nicht in Gänze erfüllt. Ihr sprachliches Können stellt die Autorin in ihrem autofiktionalen Buch jedoch eindrucksvoll unter Beweis.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Das Licht in allen Dingen

Tage des Lichts
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Ostersonntag im Jahr 1938 auf dem Landsitz Cressingdon in der englischen Grafschaft Sussex: Ivy, jüngstes Mitglied einer angesehenen Familie von Künstlern, ist 19 Jahre alt und unschlüssig, was sie mit ...

Ostersonntag im Jahr 1938 auf dem Landsitz Cressingdon in der englischen Grafschaft Sussex: Ivy, jüngstes Mitglied einer angesehenen Familie von Künstlern, ist 19 Jahre alt und unschlüssig, was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll, als ein dramatisches Erlebnis passiert. Ihr älterer Bruder Joseph, der der Familie gerade erst seine Freundin Frances vorgestellt hat, ertrinkt beim gemeinsamen Baden mit Ivy in einem Fluss. Ein Vorfall, der sie ihr ganzes Leben beschäftigen wird…

„Tage des Lichts“ ist ein Roman von Megan Hunter.

Die ungewöhnliche Struktur des Romans ist sehr durchdacht: Erzählt wird die Geschichte in sechs Teilen, die jeweils an einem Tag im April in den Jahren 1938, 1944, 1956, 1965 und 1999 spielen. Dabei zeigt sich, dass die symbolträchtige Zeit um Ostern immer wieder zu Wendepunkten und einschneidenden Veränderungen für Ivy geführt hat. Die Handlung umfasst somit ihr Leben von 19 bis 80 Jahren. Erzählt wird die Geschichte in chronologischer Reihenfolge und durchgängig in personaler Perspektive aus Ivys Sicht.

Die Protagonistin ist eine sehr spezielle Figur. Sie wird mit psychologischer Tiefe dargestellt. Ihr Charakter wirkt in sich schlüssig, obgleich ich nicht alle ihre Entscheidungen komplett nachvollziehen und ihre Gefühle oftmals nicht nachempfinden konnte.

Das fiktive Personal um Ivy ist an die britische Bloomsbury-Gruppe angelehnt, wie die Autorin in ihrer kurzen Nachbemerkung dokumentiert. Ivys Mutter Marina orientiert sich an der Malerin Vanessa Bell, Ivy selbst an deren Tochter Angelica Grant und ihr späterer Ehemann Bear an David „Bunny” Garnett. Wer den Roman mit einem gewissen Vorwissen darüber als eine Hommage an die Familie lesen kann, dürfte von Vorteil sein. Ohne diesen Hintergrund habe ich mich allerdings zu Beginn schwer damit getan, das Beziehungsgeflecht zu entwirren.

Der Fokus des Romans liegt auf den Überlegungen und Gedanken Ivys. Dabei nimmt Spirituelles sehr viel Raum ein. Die permanente Suche nach Transzendenz, der Hang zu Esoterik und der Wechsel zwischen Zuwendung und Abkehr beim Thema Religiösität haben es mir erschwert, einen Zugang zu der Geschichte zu finden.

Überzeugen konnte mich dagegen die Beschreibung und Entwicklung der Verbindung zwischen Ivy und Frances. Diese und andere queere Beziehungen werden glaubwürdig dargestellt.

Durch die Verdichtung auf sechs Tage ist die Geschichte zwar alles andere als handlungsarm. Auf den knapp 300 Seiten kommt es aber dennoch zu Redundanzen und langatmigen Passagen.

Der Text ist voller Poesie und außergewöhnlichen Metaphern. Insgesamt hat mich der Roman auf der sprachlichen Ebene allerdings enttäuscht. Das Wort Licht und dessen Synonyme tauchen nicht nur im Titel, sondern fast auf jeder Seite auf, zum Teil sogar mehrfach, sodass immer wieder schräge, teils absurde oder unsinnige Bilder entstehen. Daher hat sich bei mir zunehmend Überdruss bereitgemacht hat.

Mein Fazit:
Der neue Roman von Megan Hunter bietet nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Mit „Tage des Lichts“ verfolgt die Autorin zwar einen interessanten und besonderen Ansatz. Dennoch hat mich die Geschichte leider nicht erreicht.

Veröffentlicht am 22.02.2026

Ein Neuanfang im belgischen Bücherdorf

Mathilde und Marie
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Der kleine Ort Redu in der Provinz Luxemburg in den belgischen Ardennen: Marie Ledoux (26) hat es eilig, ihre Heimatstadt Paris hinter sich zu lassen. Sie löst ein Zugticket bis nach Brüssel. Unterwegs ...

Der kleine Ort Redu in der Provinz Luxemburg in den belgischen Ardennen: Marie Ledoux (26) hat es eilig, ihre Heimatstadt Paris hinter sich zu lassen. Sie löst ein Zugticket bis nach Brüssel. Unterwegs lernt sie die Isländerin Jónína (77) kennen. Die ältere Frau betreibt eine Buchhandlung in Redu und lädt die Jüngere in das Bücherdorf ein. Marie, die bisher nicht nur schöne Dinge erlebt hat, nimmt an. Dort trifft sie auf Mathilde, eine ältere Dame und Einwohnerin des Dorfes…

„Mathilde und Marie“ ist der Debütroman von Torsten Woywod.

Der Roman setzt sich aus drei Teilen zusammen, die wiederum aus 48 kurzen Kapiteln bestehen. Erzählt wird aus personaler Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Marie, Jónína und Mathilde.

Anders als es der Titel vermuten lässt, hat der Roman nicht zwei, sondern drei Protagonistinnen: Marie, Mathilde und Jónína. Die Frauen sind interessante Personen. Insgesamt ist das Personal des Romans jedoch recht reduziert.

Wie der Autor bereits im Vorwort ankündigt, soll der Roman entschleunigen, Trost spenden und eine Alltagsflucht ermöglichen. Diesem Anspruch wird er durchaus gerecht. Statt einer handlungsgetriebenen Geschichte dominieren ruhige Naturbeschreibungen und unaufgeregte Beobachtungen. Literaturliebhaber dürften sich auch über Lesetipps und andere Szenen aus der Welt des Buchhandels freuen. Der Roman macht Lust, das reale Bücherdorf und seine charmante Umgebung selbst einmal zu besuchen.

Für ein wenig Spannung sorgen die Hintergründe der drei Frauen und die Fragen, die sich daraus ergeben. Auf den rund 330 Seiten ist die Geschichte jedoch stellenweise etwas redundant und langatmig. Zudem erscheinen nicht alle dargestellten Umstände und Details realistisch.

Am meisten hat mich allerdings der antiquierte Ton des Textes gestört. Wortwahl und Formulierungen wirken gestelzt und bemüht bildungssprachlich. Die Dialog machen einen gekünstelten und damit wenig lebensnahen Eindruck. Auch die Sprache des Romans erscheint damit aus der Zeit gefallen.

Das idyllische und hübsche Covermotiv harmoniert zwar nicht mit dem Titel, aber passt hervorragend zum Setting. Der Titel wird der Geschichte nur zum Teil gerecht.

Mein Fazit:
Mit „Mathilde und Marie“ schöpft Torsten Woywod leider nicht das gesamte Potenzial der Geschichte aus. Wegen mehrerer Schwächen ist sein ungewöhnlicher Debütroman nur bedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 13.06.2025

Der Griff nach den Sternen

Stars
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„Freiheit für Mittmann“, so steht es mit Kreide auf den Bürgersteig geschrieben. Carla Mittmann entdeckt den Schriftzug, nachdem ein Stein durch ihr Fenster geflogen war. Was hat das alles zu bedeuten? ...

„Freiheit für Mittmann“, so steht es mit Kreide auf den Bürgersteig geschrieben. Carla Mittmann entdeckt den Schriftzug, nachdem ein Stein durch ihr Fenster geflogen war. Was hat das alles zu bedeuten? Nach ihrer erzwungenen Exmatrikulation hat die alleinstehende Philosophin zwar keinen Doktortitel, aber nun zwei Jobs. Sie arbeitet nicht nur als Aushilfskraft für einen Möbelhersteller, sondern bietet als „Cosmic Charly" übers Internet auch individuelle Horoskope an. Doch welchen Einfluss haben die Sterne wirklich? Und was sieht das Schicksal noch für Carla vor?

„Stars“ ist das Romandebüt von Katja Kullmann.

Der Roman gliedert sich in drei Teile, die aus mehreren unnummerierten Abschnitten bestehen. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Carla.

Mit satirischem Unterton, aber ungekünstelt und anschaulich ist die Sprache des Romans. Obwohl mich die humoristischen Spitzen nicht immer erreichen konnten, hat mich der Schreibstil dennoch überzeugt.

Protagonistin Carla ist nicht die typische, sympathische Heldin. Ihr vor allem anfangs phlegmatisches Wesen und ihr unorthodoxes, nicht immer rationales Verhalten lassen sie über weite Teile der Geschichte seltsam und ungewöhnlich erscheinen. Schwer habe ich mich auch mit einigen Nebenfiguren getan, die deutlich überzeichnet wirken.

Ein thematischer Schwerpunkt liegt auf der Astrologie. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob die Sterne tatsächlich unser Schicksal beeinflussen oder ob die Astrologie bloße Scharlantanerie ist. Hintergründig beleuchtet der Roman nicht nur die Sternendeuterei an sich, sondern zeigt die zugrundeliegenden Träume, Ängste und Sehnsüchte der Fans der Astrologie auf. Dies regt zum Nachdenken an und schafft Anknüpfungspunkte.

Auf den rund 250 Seiten ist die Geschichte trotz des eher gemäßigten Erzähltempos unterhaltsam und voller Überraschungen. Leider habe ich nicht alle Entwicklungen als glaubwürdig empfunden. Zudem bleiben für meinen Geschmack am Ende noch zu viele Fragen offen.

Als sehr gelungen betrachte ich die Covergestaltung des Romans. Der mehrdeutige Titel ist ebenfalls eine vortreffliche Wahl.

Mein Fazit:
„Stars“ ist eine unterhaltsame Lektüre mit einer interessanten Fragestellung. Leider hat mich der Roman nicht in allen Punkten begeistern können.