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Veröffentlicht am 15.10.2023

Prickelnde Ermittlungen im Paradies Club

Strippen statt sticken!
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Noch in der gleichen Nacht, nachdem ein Paartherapeut Marianne und Siggi nach zwei Jahren Therapie verkündet hat: „Eure Ehe ist nicht mehr zu retten. Aus. Vorbei. Finito. Ich empfehle die Scheidung.“ (S. ...

Noch in der gleichen Nacht, nachdem ein Paartherapeut Marianne und Siggi nach zwei Jahren Therapie verkündet hat: „Eure Ehe ist nicht mehr zu retten. Aus. Vorbei. Finito. Ich empfehle die Scheidung.“ (S. 8) wird Siggi von der Lokalpresse vor dem Haller Swingerclub abgelichtet. Kein Wunder, dass der Familien-WhatsApp-Chat explodiert, weil Marianne mit Irmgards Boule Team „Bouletten“ zu einem Turnier gefahren ist.
Dabei ist die Situation wirklich ganz harmlos und Siggi würde das auch gern erklären, aber wie so oft hören die Seifferheldschen Frauen einfach nicht zu. Sein ehemaliger Polizeikollege Dombrowski von der Sitte hat ihn mitten in der Nacht angerufen und um Hilfe gebeten. Dessen Neffe Dominik, Schriftsteller und Comburg-Stipendiat, war angeblich nur zu Recherchezwecken in dem Club und ist dort neben einer Toten aufgewacht, die er aber weder kennt noch ermordet hat, behauptet er. „Erst kann er nicht sagen, wie die Tote zu Tode kam, und dann behauptet er, die Tote sei gar nicht seine Tote. Das wird sich vor Gerichten gar nicht gut machen!“ (S. 77)
Siggis Ehrgeiz ist geweckt. Er kommt bei der ganzen Aufregung nicht mal zum Sticken, und dass Domenica, die Besitzerin des Paradies, ihm mehr zu (zu)trauen scheint als seinen uniformierten Kollegen und ihm darum die Geheimnisse ihrer Gäste verrät, gibt ihm einen weiteren Anreiz. „…mit ihrem Jogginganzug und den unzähligen schweren Goldketten um ihren Hals saß sie aus wie ein in die Jahre gekommener Rapper aus New York. Nur in Weiß. Und weiblich.“ (S. 127)

Tatjana Kruse hat es wieder geschafft, mich in einem Wartezimmer vor lauter Fremden zum Lachen zu bringen. Ich liebe ihre skurrilen Protagonisten und die überspitzten Situationen, denen sie sie aussetzt. Siggi kann sich in dem Swinger Club gar nicht so viel Fremdschämen, wie er gerne würde. Sein Schwager, Pfarrer Helmerich, kommt vor lauter Aufregung aus dem Flatulieren gar nicht mehr raus. Die Generalin, auch bekannt als Siggis Schwester Irmgard, verliert zum ersten Mal die totale Kontrolle über die Familie. Nur Marianne scheint zu allem zu schweigen. Und Putzfrau Olga putzt zwar nicht, stellt dafür aber die richtigen Fragen. „Wenn Olga sich nicht aufs Nicht–Putzen, spezialisiert hätte, wäre sie vermutlich Verhörspezialistin geworden. Ihre Art zu fragen, kitzelte immer Antworten heraus. Es war nicht gänzlich auszuschließen, dass sie ihr Leben nicht als Nicht–Putzfrau begonnen hatte, sondern als Foltermagd zur Ausbildung beim KGB.“ (S. 92)

Natürlich kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Die Königin der Krimödie hat wieder einen extrem spannenden und raffinierten Mordfall konstruiert, dessen Aufklärung weitere Opfer zu Tage bringt und der seine Kreise bis in die Haller Stadtverwaltung zieht – und für den sich Siggi wieder mal in echte Lebensgefahr begibt, denn nicht nur der Mörder, auch die Frauen seiner Familie sind ihm (wenn auch aus hoffentlich anderen Gründen) dicht auf den Fersen ...

So ein kleines Abenteuer kann eine Ehe ja auch wiederbeleben, aber wie sieht es aus, wenn der Gatte vorm Swingerclub erwischt wird?! Wenn ihr wissen wollt, ob in dem Buch wirklich jemand strippt und ob Siggis Ehe diese Ermittlung überlebt müsst ihr das Buch schon selber lesen 😉. Ich verspreche auf jeden Fall prickelnde Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 10.10.2023

Das das dynamische Trio ermittelt wieder

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bräutigam
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„Ich verdiene mein Geld mit Kreuzworträtseln. Ich kann es einfach nicht ertragen, ein Rätsel ungelöst zu lassen. Und nichts war ein größeres Rätsel, als der Mord an Sir Peter.“ Seitdem Judith und ihre ...

„Ich verdiene mein Geld mit Kreuzworträtseln. Ich kann es einfach nicht ertragen, ein Rätsel ungelöst zu lassen. Und nichts war ein größeres Rätsel, als der Mord an Sir Peter.“ Seitdem Judith und ihre Freudinnen Suzie und Becks vor einem Jahr eine Mordserie aufgeklärt haben, sind sie lokale Berühmtheiten in Marlow, aber inzwischen ist es wieder ruhig um sie geworden. Darum ist Judith auch überrascht, als Sir Peter Bailey sie zur Party am Vorabend seiner Hochzeit einlädt: „Ich hoffe, Sie erwarten keine Morde auf ihrer Gartenparty?“ Doch was sie im Scherz gesagt hat, wird Wirklichkeit. Während der Feier kracht es plötzlich im Arbeitszimmer. Viele Gäste, darunter auch Judith und ihre Freundinnen, stürmen hin, doch das Zimmer ist verschlossen. Als sie die Tür endlich aufgebrochen haben, ist der Gastgeber tot – erschlagen von einem uralten, extrem großen Schrank, der eigentlich in der Wand verankert war. Und obwohl Sir Peter den Zimmerschlüssel selber einstecken hatte und die Polizei an einen unglücklichen Unfall glaubt, ist Judith überzeugt, dass er ermordet wurde. Sie beginnt zu ermitteln.
„Vater war ein alter Sack, ein Witzfigur, wer sollte ihn denn umbringen wollen?“ Doch Verdächtige gibt es bald mehr als genug. Die Verlobte galt als Goldgräberin. Der Sohn des Toten war wegen seines Lebenswandels verstoßen worden. Mit der Tochter gab es Streit, weil sie das Anwesen zwar seit Jahren führte, aber als Frau nicht erben durfte. Die Ex-Frau war mit einer extrem mickrigen Apanage abgefunden wurden und zwischen der Familie des Gärtners und den Baileys gab es seit Generationen eine Blutfehde. Motive gibt es also genügen, aber leider hat jeder Verdächtige ein hieb- und stichfestes Alibi …

Die drei Damen sind echte Originale. Judith, knapp 80 und etwas exzentrisch, liebt das Nacktschwimmen in der Themse, Whiskey und die Kreuzworträtsel, die sie für überregionale Zeitungen erstellt. Diesmal fühlt sie sich bei ihrer Ehre gepackt, weil in den Rätseln der Marlow-Free-Press neuerdings Hinweise auf Treffpunkte versteckt sind – treibt etwa ein Drogenring in Marlow sein Unwesen?
Suzie ist ihre Berühmtheit ein kleines bisschen zu Kopf gestiegen. Neben ihrem Job als Hundesitterin arbeitet sie beim lokalen Radio, verdient damit aber leider kein Geld. Sie prescht immer ein etwas voraus und kann Geheimnisse nur schwer für sich behalten. Aber sobald sie am Mikro sitzt, ist sei ein absolutes Ass.
Auch Becks hat sich verändert, allerdings zu ihrem Vorteil. Sie ist schlanker und schicker und bekommt Anrufe, die sie in Gegenwart ihrer Freundinnen nicht annimmt. Was verheimlicht sie ihnen? Außerdem sie hat den geschulten Blick einer erfahrenen Hausfrau und entdeckt Dinge, die Judith und Suzie nie auffallen würden.

Detektiv Sergeant Malik, mit der sie beim letzten Mal zusammen ermittelt haben, wird diesmal leider von ihrem Chef ausgebremst. „Wir sind schon überlastet genug. Dann müssen wir nicht auch noch versuchen Morde aufzuklären, wo keine stattgefunden haben.“ Doch sie glaubt Judith und ermittelt zusammen mit dem dynamischen Trio auf eigen Faust.

Schon mit seinem ersten Krimi „Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ hat mich Robert Thorogood extrem gut unterhalten und das gelingt ihm auch mit dem zweiten Teil der Reihe. Durch geschickte Wendungen und immer wieder neu eingestreute Hinweise hält er die Spannung bis zum Schluss. Außerdem gefällt mir der leise Humor der Reihe.
Auch die Sprecherin Christine Prayon konnte mich mit ihrer Interpretation der verschiedenen Charaktere wieder überzeugen.

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Veröffentlicht am 09.10.2023

Anyone can cook

Everyday Cooking
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Wenn man Essen, Kochen und Backen liebt, suchen viele heute lieber auf Blogs, Instagram und in Apps nach neuen Rezepten, als in klassischen Kochbüchern. Ich gehöre allerdings noch zu denen, die lieber ...

Wenn man Essen, Kochen und Backen liebt, suchen viele heute lieber auf Blogs, Instagram und in Apps nach neuen Rezepten, als in klassischen Kochbüchern. Ich gehöre allerdings noch zu denen, die lieber in einem Buch blättern, um sich Anregungen zu holen, darum war ich gespannt, welche Rezepte der Koch-App „Kitchen Stories“ in den letzten 10 Jahren am beliebtesten waren und es ins gerade erschienene Kochbuch geschafft haben.

Kitchen Stories verspricht einfache und leckere Alltagsrezepte für jeden Geschmack und jede Gelegenheit – ganz nach dem Motto „Anyone can cook“.

Das Buch startet mit Tipps zu Küchenutensilien und Vorräten, was man beim Einkaufen und Lagern von z.B. Obst und Gemüse beachten sollte, was man ganz einfach einfrieren kann und wie man den Kühlschrank am besten einräumt, um die verschiedenen Temperaturen darin optimal zu nutzen. Diese Hinweise sind für erfahrene Köche zwar nicht neu, aber das Buch soll auch Anfänger ansprechen.
Darauf folgen ein paar Grundrezepte und Tricks und Tipps.

Die Rezepte selber sind in Expressküche (wie z.B. schnelle Nudel- und Reisgerichte – und die besten Pancakes aller Zeiten), All in One (oder One Pott, probiert hier unbedingt die Kürbissuppe), Snack Attack (Essen zum Mitnehmen oder für den kleinen Hunger, wie tolle Salate und Sandwiches), Slow down (Gerichte mit mehr Zutaten und Zeitaufwand) und Clever backen (z.B. Kuchen, Kekse und Brot) unterteilt.

Die Gerichte kommen dabei aus aller Herren Länder und es gibt natürlich auch vegetarische und vegane Alternativen. Sie werden Schritt-für-Schritt erklärt und durch sehr appetitanregende Fotos unterstützt. Zusätzlich gibt es ab und an QR-Codes zu Videos von einzelnen Gerichten oder Zubereitungsschritten bzw. -arten.

Unsere bisherigen Highlights aus dem Kochbuch sind die oben schon erwähnten super fluffigen Buttermilch-Pancakes, die leicht orientalisch gewürzte Kürbissuppe, deren Zutaten ganz easy alle zusammen im Ofen gegart und dann nur noch püriert werden, das Shakshuka und das No-knead-Bread.

Also wer bei dem Kochbuch noch hungrig aus der Küche geht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen 😉.

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Veröffentlicht am 03.10.2023

Das Haus der blauen Kinder

Winterherz
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„Sie werden sehen, die sind alle blau, die Herzkranken.“ (S. 8) Kurz vor Weihnachten wird der 14jährige Wilhelm von seiner Mutter aus Berlin ins Sanatorium Gottleuba bei Dresden gebracht. Erst vor wenigen ...

„Sie werden sehen, die sind alle blau, die Herzkranken.“ (S. 8) Kurz vor Weihnachten wird der 14jährige Wilhelm von seiner Mutter aus Berlin ins Sanatorium Gottleuba bei Dresden gebracht. Erst vor wenigen Wochen wurden bei ihm schwere Herzprobleme festgestellt, aber selbst in der berühmten Charité hat man nicht herausfinden können, welche Krankheit er hat. Doch sie scheint galoppierend voranzuschreiten, niemand weiß, ob er Weihnachten noch erlebt.
In seinem Viererzimmer, dass er sich mit Milo, Edgar und Bruno teilt, ist er der Jüngste und augenscheinlich Gesündeste, den ihm fehlen (noch) die typischen blauen Lippen. Und er ist der Unternehmungslustigste, denn „Ich will Abenteuer erleben und nicht vor Langeweile sterben.“ (S. 63) Damit manövriert er sie immer wieder in gefährliche Situationen, aber die vier Freunde haben endlich wieder Spaß am Leben. Doch in einem Heim, das von starren Regeln geprägt ist, ist Individualität unerwünscht ...

Die Geschichte der Jungen ist sehr berührend, denn sie sind dem Tod geweiht und wissen das auch. Jeder Tag ist ein Geschenk. Die Ärzte können ihnen nicht mehr helfen, ihre Leiden durch die Kur nur lindern und ihnen dadurch vielleicht etwas mehr Lebenszeit schenken, in der sie allerdings nicht viel von dem machen dürfen, was Jungs in dem Alter Spaß macht. „Du wirst tot sein, mein Freund. Wie wichtig sind dir diese Regeln, wenn es um eine Abenteuer geht?“ (S. 80)

Für Wilhelm ist es besonders schlimm, weil er erst seit kurzem krank ist. Er hat Angst, ist zum ersten Mal von seiner Mutter getrennt und darf nicht mit ihr telefonieren, dabei macht er sich aus einem ganz bestimmten Grund Sorgen um sie. Und er entdeckt die Liebe, erst zu einer Schwesternschülerin und durch sie zu Büchern.
Edgar ist schon 18, verlobt und hat heimlich Hanteln in die Kur geschmuggelt, um weiter trainieren zu können. Denn wenn er schon sterben wird, will er dabei wenigstens gut aussehen.
Bruno ist eine echte Leseratte und hat unzählige Bücher dabei, um in ihnen die Abenteuer zu erleben, von denen er nur träumen kann: „Sie helfen mir, viele Leben zu haben.“ (S. 17)
Milos ist dunkelhäutig, weil sein Vater, den er nie kennenlernen durfte, aus Mosambik stammt. „Mein Vater wurde in sein Land zurückgeschickt, bevor ich geboren wurde. Er durfte meine Mutter nicht lieben. Es war bei Strafe verboten. Ich bin ein verbotenes Kind.“ (S. 19)

Ralf Günthers „Winterherz“ weckt bei mir sehr ambivalente, bittersüße Erinnerungen. Ich bin in Dresden geboren und aufgewachsen und war als Kind jeden Sommer (insgesamt 10- oder 11-mal) für jeweils 6 Wochen in Bad Gottleuba zur Kur. Ich erkenne die beschriebene Treppe und die Gebäude wieder und habe genau das erlebt, was der Autor beschreibt. Die Kuren fanden getrennt nach Geschlechtern statt, es gab nur über Briefe Kontakt zu den Familien und alles unterlag extrem strengen Regeln, an die man sich gefälligst zu halten hatte. Kein schönes Klima für Heranwachsende. Die mehr oder weniger versteckte Kritik am DDR-Regime kann ich sehr gut nachvollziehen.
Die Gebäude waren bei uns allerdings alle wieder aufgebaut und ich glaube, die erwähnte Zisterne war das kleine Schwimmbecken im Keller des Haues, in dem ich immer gewohnt habe. Und wir mussten uns die Wannen für die Schwefel- und Moorbäder nicht mehr teilen ...

Mein Fazit: Eine herzzerreißende Weihnachtsgeschichte über Freundschaft, über Leidensgenossen, bei den das Sterben zum Alltag gehört, über ihre gemeinsamen Träume und (vielleicht letzten) Abenteuer …

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Veröffentlicht am 02.10.2023

Ein Leben für die Mode

Der Glanz der Zukunft. Loulou de la Falaise und Yves Saint Laurent
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„Ich kenne keinen Menschen, der so besessen von Kleidern und Accessoires ist wie Du.“ „Nun, es macht mir Spaß, meine Garderobe auf meine eigene Weise zu gestalten. Es ist wie ein Abenteuer mit ungewissem ...

„Ich kenne keinen Menschen, der so besessen von Kleidern und Accessoires ist wie Du.“ „Nun, es macht mir Spaß, meine Garderobe auf meine eigene Weise zu gestalten. Es ist wie ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.“ (S. 83)
1966: Louise le Bailly de la Falaise ist 18, als sie von ihrer Mutter aus New York nach London geschickt wird, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Nach vier sehr freien Jahren in der New Yorker Kunst- und Kulturszene „quält“ ihre Großmutter, Lady Rhoda Birly, sie jetzt mit Ballettstunden und Festivals, auf denen Louise ihre selbstgeschriebenen Gedichte vortragen muss und passenden Ehemännern in spe vorgestellt wird. Dabei würde sie ihre Freiheit gern noch ein bisschen genießen und lieber weiter durch Ateliers und über Flohmärkte streifen, um sich zu ihrer auffälligen Garderobe inspirieren zu lassen.
Schnell findet sich der perfekte Ehemann – der letzte Ritter Irlands. Desmond Fitz Gerald, The Knight of Glin, ist 10 Jahre älter als Louise und beeindruckt sie mit seiner Weltgewandtheit, Erfahrung, Abstammung und seinem Freundeskreis, zu dem u.a. Mick Jagger gehört. Ihre Großmutter und Eltern sind begeistert, alles wird arrangiert, ohne nach ihrer Meinung zu fragen. Doch ihr ausgeflippter Stil, der Desmond vor der Ehe gefiel, passt so gar nicht auf sein irisches Schloss und zu seiner Ehefrau. Auch, dass sie einen Schreibmaschinenkurs macht und als Moderedakteurin beim Queen-Magazin arbeitet, gefällt ihm nicht. Die Ehe scheitert. Sie geht nach New York und Paris, taucht noch tiefer in die Modewelt ein und lernt Yves Saint-Laurent kennen …

Michelle Marly verwebt in ihrem neuesten Buch geschickt Realität und Fiktion und bringt mir eine bemerkenswerte Frau näher, die ich bisher nicht kannte. Das Buch liest sich wie das Who-is-Who der 60er und 70er, lässt Modeikonen, Fotografen, Balletttänzer, Maler, Schauspieler und Musiker dieser Zeit wieder lebendig werden.

Louise wurde nach der Scheidung ihrer Eltern hauptsächlich von ihrer Mutter, einem früheren Modell und It-Girl erzogen, die sich für ihre Tochter den sicheren Hafen einer guten Ehe erhoffte. Sie versuchte Louise nach ihrem Vorbild zu formen und mischte sich in wirklich alles ein. Dabei wollte die nichts anderes, als sich durch (ihre) Mode ausdrücken und selbst verwirklichen. Als Loulou de Falaise erfand sie sich neu, brachte endlich ihr wahres Ich zum Vorschein. „Ihre größten Ziele waren zweifellos nicht die Liebe oder gar Versorgung fürs Leben, sondern Selbständigkeit und Erfolg.“ (S. 248) Sie war eine junge Frau zwischen Tradition und Moderne, zwischen Burberry und Flowerpower, zwischen Haute Couture und Flohmarkt. Sie startete als Modell, wurde Mode-Assistentin, (Schmuck-)Designerin und ließ sich von allem inspirieren, was sie umgab.

Anders als man beim Buchtitel vermuten könnte, spielt Yves Saint-Laurent nur eine Nebenrolle, trotzdem bekommt man einen guten Eindruck von ihm und seiner Arbeitsweise. Er ist extrem schüchtern und introvertiert, arbeitet bis zum Umfallen und vergöttert seine Mutter und Coco Chanel, die ihn leider zu einem seiner größten Fehlschläge inspirieren.

Natürlich spielen in einem Buch über diese Zeit und Szene auch Drogen eine große Rolle. Es wurde so ziemlich alles und leider oft viel zu viel konsumiert, ohne einen Gedanken an die Konsequenzen. Loulou schien sich dabei aber sehr zurückgehalten zu haben.

Ein beeindruckendes Buch über das sehr bewegte, bunte Leben einer Frau und Künstlerin, die sich selbst neu erfand und in der Mode verwirklichte.

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