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Veröffentlicht am 22.01.2019

Dunkler, intensiver Blick auf unsere schlimmste Zeit

Zeit zu leben und Zeit zu sterben
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Remarque entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsschriftsteller. Auf unnachahmliche Weise berichtet er in seinen Romanen über das Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ...

Remarque entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsschriftsteller. Auf unnachahmliche Weise berichtet er in seinen Romanen über das Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist schnörkellos, ohne Pathos und dadurch besonders eindringlich. "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" befasst sich mit der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. 1944 ist der Krieg so gut wie verloren, was die fanatische menschenverachtende Diktatur nicht davon abhält, weiterhin Millionen zu opfern.

Von allen Büchern Remarques, die ich bisher gelesen habe, inklusive des bereits sehr beklemmenden "Im Westen nichts Neues" ist dies hier das Dunkelste. Remarques zielsicherer trockener Humor, der in den anderen Büchern manchmal eine Atempause vom Geschehen gibt, oder die Inflation in "Der schwarze Obelisk" teilweise fast sarkastisch-heiter darstellt, fehlt hier ganz. Es gibt keine Atempausen vom Schrecken, keinen Ausweg und genau das paßt zu der Zeit, zum Erzählten. Wir begleiten den 23jährigen Ernst Graeber, bereits in jungen Jahren ein Kriegsveteran, der den Feldzug auf Frankreich mitmachte, in Afrika verwundet wurde und nun in der Hölle auf Erden festsitzt: an der Ostfront, die sich gerade im Rückzug befindet. Sehr gut gelingt es Remarque bei den Szenen des Frontlebens zu zeigen, wie vielfältig die Soldaten der Wehrmacht waren. Da ist der überzeugte Nazi, gerade 20, stolz darauf, wie viele Menschen er bei der SS schon brutal ermordet hat, mit gieriger Freude am Töten und einem genau durchdachten arischen Fortpflanzungsprogramm mit der so perfekt arisch-blütigen Verlobten. Es gibt den Kommunisten, der von einem Strafbatallion kam und im Gegensatz zu den anderen kein Blatt vor den Mund nimmt. Zum Ende des Buches eine treffende Bemerkung von Graeber, daß der Kommunismus genau so menschenverachtend ist. "Alles, was ich im Leben einmal möchte, ist denken, was ich will, sagen, was ich will, und tun, was ich will. Aber seit wir Messiasse von rechts und links haben, ist das ein weit größeres Verbrechen als jeder Mord.".
Der Großteil der Soldaten sind aber ganz normale Männer, die einfach nach Hause zu ihren Familien wollen, die hoffe, irgendwie zu überleben, und die immer mehr merken, daß sie für nichts verheizt werden.

Der dreiwöchige Heimaturlaub, den Graeber dann erhält, bringt ihm auch nicht die erhoffte Atempause und hier merkt man den Unterschied zu "Im Westen nichts Neues". In beiden Fällen können die Soldaten ihren Gedanken zwar nicht entkommen, aber Graeber bemerkt zudem schnell, daß er sich in seiner Heimatstadt immer noch im Feindesland befindet - die Diktatur verfolgt ihre eigenen Bürger, alle haben Angst, denunziert wird rasch. Dazu kommen ständige Bombenangriffe, alle paar Tage wird die Stadt angegriffen, Sicherheit gibt es nirgendwo. "Drohend und hoffnungslos stand die Dunkelheit um ihn herum, und es schien kein Entkommen zu geben." Man spürt diese Ausweglosigkeit auf jeder Seite, in jedem Satz, ganz hervorragend kann Remarque diese Atmosphäre darstellen. Graeber erkennt auch allmählich die Schuld, die fast jeder auf sich geladen hat, die Monumentalität des Bösen, der Grausamkeit, die hier stattfindet. So gerne möchte er anders sein, aber er ist letztlich auch Gefangener des Systems. Der Gedanke an Desertion kommt öfter auf, bei seiner Rückkehr nach dem Urlaub wird er von anderen Soldaten sogar ganz offen gefragt, warum er überhaupt zurückgekommen ist. Graeber weiß aber, daß Desertion nicht erfolgreich wäre, in einem Land eifriger Denunzianten würde er gefunden werden und selbst, wenn er es in die Schweiz schaffen würde, würde die ihn gleich zurückschicken oder ausliefern. Selbstverstümmelung wird ebenfalls schnell entdeckt...auch hier gibt es keinen Ausweg, er muß wieder an die Front, muß für eine Diktatur kämpfen, deren Grausamkeiten ihn erschrecken und anwidern.

Die Thematik und diese allumfassende Dunkelheit machen das Buch an manchen Stellen schwer zu lesen, weil man ein fast zu gutes Gefühl für die Ausweglosigkeit und die allenthalben vorhandene Grausamkeit bekommt und auch weiß - das ist nicht ausgedacht, das ist tatsächlich so passiert. Das Buch ist ein eindringlicher, schonungsloser Blick in diese Zeit und unbedingt lesenswert.

Veröffentlicht am 22.09.2025

Durchdachte, facettenreiche Waldreise mit herrlichen Bildern

THE WOODS
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Das Buch „The Woods“ macht schon auf den ersten Blick einen hochwertigen Eindruck, der sich beim Lesen immer wieder bestätigt. Es kommt in einer Kartonverpackung mit einer Abbildung des Umschlag daher, ...

Das Buch „The Woods“ macht schon auf den ersten Blick einen hochwertigen Eindruck, der sich beim Lesen immer wieder bestätigt. Es kommt in einer Kartonverpackung mit einer Abbildung des Umschlag daher, die hübsch aussieht, aber m.E. entbehrlich ist. Der Buchumschlag selbst ist äußerst aufwändig gestaltet, sowohl visuell wie auch haptisch und vom Material her. Er erinnert gelungen an das Holz eines Baumes.

Das Einzige, was den ausgezeichneten ersten Eindruck stört, ist der englische Titel. „The Woods“ heißt das Buch, obwohl es keineswegs nur um amerikanische oder englische Wälder geht – im Gegenteil, die kulturellen Bezüge sind überwiegend auf deutsche Wälder ausgerichtet, ebenso zeigen die meisten der Fotografien deutsche Wälder. Warum also nicht „Die Wälder“, was außerdem noch viel weicher und angenehmer klingt? Keine Ahnung. Für den englischen Titel gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, abgesehen von dem albernen Trend, Bücher und Filme englisch zu betiteln. Schade. „Die Wälder“ wäre ein aus so vielen Gründen besserer Titel gewesen.

Es gibt an diesem Buch viel zu loben, aber erst noch das zweite Manko: der hohe Preis. Wie bereits erwähnt, ist das Buch hochwertig gestaltet und das hat natürlich seinen Preis. Aber ich habe viele hochwertig gestaltete Bildbände (mit zudem mehr farbigen Fotos, also teurerer Herstellung), von denen keiner auch nur annähernd so viel gekostet hat. Man bekommt für das Geld zweifellos ein tolles Buch, aber 80 Euro finde ich im Vergleich zu anderen, ebenfalls hochwertigen Produkten zu viel. Ich bekam das Buch als Rezensionsexemplar – gekauft hätte ich es für diesen Preis niemals. Für einen nachvollziehbareren Preis würde ich es durchaus als Geschenk für jemanden kaufen.

Nun aber zu den positiven Seiten. Alles in diesem Buch verrät Sorgfalt und durchdachte Konzeption. Ausgesprochen beeindruckend und im Ergebnis überzeugend. Das fängt mit dem bereits erwähnten Umschlag an, der absolut ein Alleinstellungsmerkmal bietet und für manche eventuell auch den Preis des Buches rechtfertigen mag. Das Format ist ebenfalls beeindruckend – die großen Seiten bieten viel Raum für die herrlichen Fotos. Diese sind eine absolute Freude! Ich habe mir nach Durchsicht des Buches schon zwei weitere Bücher des Fotografen auf meine Wunschliste gesetzt. Hier wird Natur mit Können und Hingabe abgebildet, einfach wundervoll! Die Fotos sind sehr stimmungsvoll, arbeiten geschickt mit den Lichtverhältnissen und dem Wetter, gerade der zarte Dunst des frühen Morgens oder eines kühlen Tages wird oft in Szene gesetzt und läßt viele Bilder mystisch wirken. Die Vielfalt des Waldes findet sich in der Vielfalt der Motive. Ein Genuss.

Manche Bilder werden mit Zitaten versehen, die in großer Schreibschrift visuell ansprechend passende Motive begleiten. Eine schöne Idee und auch die Zitate sind vielfältig und toll mit den Motiven abgestimmt.

Das Buch ist kein reiner Bildband, sondern eine gelungene Mischung aus einem solchen und einem Sachbuch. Hier finden sich eine ganze Menge Informationen zu allen möglichen Aspekten des Waldes. Für mich als Geschichtsfan war es eine herrliche Überraschung, einen ausführlichen Teil über die geschichtlichen Hintergründe zu finden. Gelungen und zugänglich wird hier erzählt, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Wald über Jahrtausende wandelte. Es folgen Informationen über den Lebenskreislauf, das Netzwerk der Natur, über die Heilwirkungen von Waldgewächsen und auch darüber, wie heilsam und wohltuend der Wald auf uns wirken kann. Eine vielfältige Mischung also, die zu überzeugen weiß. Auch hier wurde visuell sorgfältig konzipiert, das Ergebnis gefiel mir allerdings nur teilweise. Ansprechend sind die grünen Seiten, welche die Waldatmosphäre aufrechterhalten. Die kleinen Einführungsabsätze vor den jeweiligen Kapiteln sind leider in Weiß und kursiv geschrieben. Das sieht vor dem Grün zwar sehr ansprechend aus, ist aber schwer zu lesen. Der Haupttext der Kapitel wird uns in schmalen Spalten dargeboten, die unterschiedliche Höhen haben. Ob hier die Bäume eines Waldes visuell angedeutet werden sollten? Eine schöne Idee, aber leider nicht lesefreundlich. Die schmalen Spalten an sich sind schon nicht wirklich angenehm zu lesen, die unterschiedliche Höhe läßt in Verbindung mit ebendiesen schmalen Spalten das Auge zu viel umherspringen, was den Lesefluss stört. Das ist nicht so dramatisch, daß es ein großes Manko darstellen würde, aber es brachte doch einen kleinen Wermutstropfen hinein. Auch sieht das generell unruhige Layout für mich nicht ansprechend aus.

Inhaltlich kann ich aber nur loben. Der Schreibstil ist erfreulich, hier wird kompetent mit Sprache umgegangen (und zum Glück fehlt anders als beim Titel überflüssiges Denglisch) und gut formuliert. Der Text ist zugänglich, Komplexes wird verständlich formuliert und nirgendwo verliert er sich in übertriebenen fachlichen Details. Es gibt eine Fülle an Informationen, deren Lektüre durch den guten Schreibstil Freude macht.

Am Ende hat man hier eine Waldreise aus Bild und Schrift gemacht und den Wald so aus vielen Perspektiven kennengelernt, die sich zu einem harmonischen Ganzen fügen. Schon bei meiner ersten Waldwanderung seit Beginn der Lektüre bin ich anders durch meinen geliebten Wald gegangen – noch ein wenig aufmerksamer.

Ganz zum Schluß finden sich sowohl Literaturvorschläge wie auch die (ungefähren) Ortsangaben zu den Fotos. Die hätten für mich manchmal präziser sein können, denn bei manchen Motiven hätte ich gerne nach Wandertouren gesucht, aber das ist nur meine ganz persönliche Präferenz. Für den Fokus des Buches waren die Angaben völlig ausreichend und auch hier zeigt sich das Durchdachte: sie wurden nicht direkt auf die jeweilige Bildseite geschrieben, sondern am Ende gesammelt aufgeführt. So blieb der Bildteil frei für das rein Visuelle und zu den Bildern passende Kommentare.

Ein liebevoll gestaltetes, hochwertiges und informationsreiches Buch, das in vielerlei Hinsicht zu erfreuen vermag!

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Veröffentlicht am 09.06.2024

Informationsreiche, gut konzipierte Lektüre

Mordsmann
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Ernst Geiger hat ein in mehrerlei Hinsicht vielseitiges Buch über Jack Unterweger geschrieben. Ich war vorab schon fasziniert davon, dass der Autor der Leiter der Ermittlungen gegen Unterweger gab, denn ...

Ernst Geiger hat ein in mehrerlei Hinsicht vielseitiges Buch über Jack Unterweger geschrieben. Ich war vorab schon fasziniert davon, dass der Autor der Leiter der Ermittlungen gegen Unterweger gab, denn erwartete ich viele besondere und neue Einblicke, die man in anderen Büchern oder Artikeln zum Thema nicht findet.

Das Buch ist eine umfangreiche Kombination aus Roman, eigenen Erinnerungen, Artikeln und Dokumenten. Das ist als Mischung ungewöhnlich, funktioniert aber ausgezeichnet. Alle Mosaiksteinchen fügen sich gelungen zum Gesamtbild. Dieses ist nicht komplett, Unterwegers eigene Perspektive erfahren wir natürlich nicht und so bleibt auch am Ende die Frage, wie man diesen Menschen nun einschätzen soll. Das ist aber kein Makel des Buches, sondern im Gegenteil eine seriöse Herangehensweise. Geiger hätte leicht der Versuchung erliegen können, diesbezüglich in den Romanszenen mit dichterischer Freiheit zu agieren. Stattdessen zeigt er die Wirkung Unterwegers auf sein Umfeld, was ich für die bessere Vorgehensweise halte.

Geiger verwendet dazu sehr viele Perspektiven. Das ist zuweilen verwirrend. Gerade am Anfang haben mich die unablässig und oft schnell wechselnden Perspektiven irritiert und aus dem Lesefluss gebracht und ich konnte nicht immer alle zuordnen. Einige Charaktere bleiben durchweg blass und in einem Fall war mir nicht ersichtlich, warum ein Charakter überhaupt eingefügt wurde. Auch waren einige Szenen eher langatmig, gerade wenn es um diverse private Hintergründe und eher philosophische Gedanken ging. Am besten war das Buch für mich, wenn es sich auf die Fakten und Geschehnisse um Unterweger konzentrierte und sich nicht in Beiwerk verlor. Allerdings waren solche für mich weniger relevanten Szenen selten. Nachdem das erste Viertel der Geschichte mich aufgrund der Perspektivwechsel und einiger etwas ziellos wirkenden Szenen noch nicht vollständig gepackt hatte, war ich sehr bald schon gebannt von den Entwicklungen.

Die Fülle an Informationen war, wie erwartet, bemerkenswert. Bei Geigers eigenen Einblicken hätte ich mich über mehr Ermittlungsinformationen und weniger Privatleben gefreut, auch wenn ich seine Motivation zum Einfügen jener privaten Einblicke verstehe. Insgesamt kamen mir die Ermittlungen ein wenig zu kurz, aber das tat der Gesamtwirkung keinen Abbruch. Sehr gefreut habe ich mich über das Einfügen von Plädoyers, Gutachten und Aussagen des Prozesses. Auch die zwischendurch zitierten Zeitungsberichte komplettieren die Romanhandlung gelungen und dienten als Darstellungsweise für Fakten. Es war spannend, wie sich die verschiedenen Sichtweise ergänzten, und als Leser taucht man richtiggehend in die Geschehnisse ein, hat unmittelbar daran teil und gewinnt, auch durch den leicht lesbaren Schreibstil, einen lebhaften Eindruck. Daß Unterweger einen nachhaltigen, langfristigen und fast durchweg schädlichen Eindruck auf sein Umfeld hinterließ, wird uns deutlich aufgezeigt. Wie ihm dies gelingen konnte, wird im Rahmen des Möglichen erklärt.

Insgesamt bot das Buch eine spannende und umfassende Darstellung Unterwegers, seiner Wirkung und seiner Taten. Man merkt die Akribie, mit der Geiger das Buch konzipierte, und kann sich auch an der Sachlichkeit erfreuen, mit der er berichtet. Auf billige Schockeffekte wird verzichtet und auch das Zusammenspiel von Romantexten und Sachtexten trägt dazu bei. Eine lohnende Lektüre.

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Veröffentlicht am 20.11.2023

Eine geschichtlich vielfältige Reise in die Eifel

Lost & Dark Places Eifel
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In diesem Buch der lesenwerten Reihe „Lost & Dark Places“ geht es in die Eifel und wieder einmal habe ich auf unterhaltsame Weise eine ganze Menge erfahren. Zu Beginn finden sich einige Verhaltensregeln ...

In diesem Buch der lesenwerten Reihe „Lost & Dark Places“ geht es in die Eifel und wieder einmal habe ich auf unterhaltsame Weise eine ganze Menge erfahren. Zu Beginn finden sich einige Verhaltensregeln für Lost Places, die diesmal mein uneingeschränktes Lob finden, da eine Verhaltensregel, die ich in den anderen Bänden fragwürdig fand, hier nicht mehr aufgeführt ist.

Dann tauchen wir in 33 Kapiteln in die Geschichte der Eifel ein. Zahlreiche Farbfotos erfreuen die Leser und bieten einen insgesamt gut zur Thematik des Buches passenden, eher trostlosen Eindruck, sogar die wohl vorwiegend in den trüberen Jahreszeiten gemachten Naturfotos passen sich da ein. Die einzelnen Kapitel sind fundiert geschrieben, so gut wie jedes führt uns in die Geschichte und wir reisen hier von der Frühgeschichte bis in die Nachkriegszeit. Die Fülle an Informationen wird von der Autorin ausgezeichnet und gut lesbar vermittelt, auch wenn es vereinzelte Passagen gab, die ich ein wenig trocken fand, und ich gelegentliche Sätze mit Meinungsäußerungen in einem Sachbuch nicht angebracht fand, aber das waren jeweils Ausnahmen. Ich konnte in die Kapitel tief eintauchen und habe es genossen, so vieles über Geschichte zu lesen, was man in gängigen Werken nicht findet. Hier habe ich als ausgewiesener Geschichtsfan noch eine Menge Neues gelernt, und dies in einem anschaulichen Schreibstil.

Einige der Orte existieren letztlich nur noch durch ihre Geschichte, es gibt dort nicht wirklich etwas zu sehen, aber diese Geschichten sind so interessant und beleuchten die Gegend so ausdrucksvoll, daß man dieses Buch – wie überhaupt die Reihe – selbst dann genießen kann, wenn man gar nicht in die entsprechende Gegend oder an alle Orte reist. Für Ausflüge habe ich hier außerdem mehrere erfreuliche Anregungen gefunden, auch hat jedes Kapitel noch einen zusätzlichen Tip. Eine Übersichtskarte im Einband zeigt durch Nummern gleich, wo die Orte der entsprechenden Kapitel liegen. Die Nummern sind geographisch gruppiert, was zur Übersichtlichkeit erfreulich beiträgt. So ist das Buch sowohl als Ausflugsplaner wie auch als gemütlicher Schmöker zur vielfältigen Geschichte der Eifel erfreulich zu nutzen.

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Zauberhafte Zeichnungen mit zahlreichen liebevollen Details

Eine Weihnachtsgeschichte
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Dickens‘ Weihnachtsgeschichte begleitet mich seit meiner Kindheit und gehört zu den Büchern, die ich am häufigsten gelesen habe. Hier wird diese altbekannte Geschichte in Comicform umgesetzt und das auf ...

Dickens‘ Weihnachtsgeschichte begleitet mich seit meiner Kindheit und gehört zu den Büchern, die ich am häufigsten gelesen habe. Hier wird diese altbekannte Geschichte in Comicform umgesetzt und das auf zeichnerisch erfreuliche Weise. Schon der Einband erfreut mit silbernen Ornamenten, im Vorsatz vorne und hinten sieht man Scrooge einsam durch den Schnee gehen und unter jeder Kapitelüberschrift befindet sich ein kleines Bild aus diesem Kapitel – diese und weitere Details zeigen, wie liebevoll dieses Buch gemacht ist.

Die Zeichnungen überzeugen uneingeschränkt, sind eine wahre Freude. Besonders bemerkenswert ist es, wie hier mit Farben gearbeitet wird, um Stimmungen zu vermitteln. So sind die Szenen in Scrooges Kontor bräunlich gehalten, es mangelt ihnen an der Farbenfreudigkeit, welche die weihnachtlichen Straßenszenen auf der ersten beiden Seiten so ungemein heimelig machte (und in denen Ebenezer Scrooge als schwarz-graue Gestalt düster hervorsticht). Das Fest bei Scrooges Neffen ist in warmen, freundlichen Tönen unterlegt, bei traurigen oder unheimlichen Szenen ist alles in Schwarz-Grau gehalten, das letzte Kapitel mit Scrooges Wandlung erfreut mit hellen Farben und kräftigen Akzenten, wie dem leuchtenden Rot seines Morgenrocks. Es ist absolut bemerkenswert, wie diese Farbschattierungen eingesetzt werden.

Auch sonst sind die Zeichnungen gekonnt. Ein Bild von Scrooge als Kind über Scrooge als altem Mann zeigt herrliche Übereinstimmungen gerade in der Augenpartie und doch die Unterschiedlichkeit der Gesichtszüge, die sich mit dem Alter ergeben. Man sieht gleich: ja, das ist derselbe Mensch in verschiedenen Altersstufen. Scrooges Mimik ist im ganzen Buch ungemein aussagekräftig, es ist eine Freude, ihn und seine Reaktionen zu sehen, auch seine Körperhaltung ist herrlich getroffen, wie aber auch all die anderen Details, die ein köstliches Gesamtbild ergeben.

Textlich gab es hier und da einige Kleinigkeiten, die nicht gänzlich überzeugten, so redet man sich mit „Ihr“ und nicht mit „Sie“ an, was für die Zeit völlig falsch ist und mich beim Lesen jedes Mal irritierte. Der an sich lobenswerte kurze Text über Charles Dickens am Schluß enthält auf einer halben Seite gleich mehrere Fehler und auch eine Textstelle ist nicht richtig wiedergegeben. Allerdings war insgesamt erfreulich, wie gut der Comic die Geschichte auch textlich wiedergibt, einige Sätze stammen direkt aus dem Buch und gerade das letzte Bild ist textlich ganz nah am Buch. Manches wird etwas zu kurz behandelt, manches – wie die Kinder unter dem Umhang des zweiten Geists – fehlt ganz, was bedauerlich ist. Insgesamt aber lernt man Dickens‘ Weihnachtsgeschichte auf eine bezaubernde Art kennen und die Zeichnungen begeistern. Ich habe diese bildlich hinreißende Reise gerne gemacht und werde dieses Buch sicher noch oft ansehen.

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